«An der Kündigung Babette Mondrys gibt es nichts zu rütteln»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt bleibt hart: Der Vorstand will nicht mit sich diskutieren lassen, ob die Kündigung der Organistin Babette Mondry rückgängig gemacht werden kann.

Der Vorstand der ERK will keine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung einberufen, um die Weiterbeschäftigung Babette Mondrys in der Peterskirche zu thematisieren. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt bleibt hart: Der Vorstand will nicht mit sich diskutieren lassen, ob die Kündigung der Organistin Babette Mondry rückgängig gemacht werden kann.

Am Dienstag entschied das Zivilgericht Basel-Stadt im Fall der Orgelspielerin Babette Mondry, dass sie bis zum Ablauf ihrer Kündigungsfrist Ende Juli 2015 den Orgelschlüssel der Peterskirche wieder besitzen und auch Universitätsgottesdienste begleiten darf. Für die von der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK) im November 2014 freigestellte Musikerin ist der Entscheid ein Erfolg.

Anders sieht dies allerdings die ERK, die als Kündigungsgrund «gravierende Zerwürfnisse» angibt. «Das Gericht hat unsere Freistellung insofern bestätigt, dass Frau Mondry keine Gemeindegottesdienste mehr begleiten darf – und Universitätsgottesdienste wird es wegen den Semesterferien nur noch wenige geben», sagt David Jenny, Mitglied des Kirchenrates und Grossrat der FDP. Natürlich wäre es der ERK lieber gewesen, wenn die Universitätsgottesdienste nicht vom Gericht verfügt worden wären, aber: «Es geht ja nur um drei Monate.»

Laut Jenny ist unklar, ob die Kirche den Entscheid akzeptieren wird. Der Kirchenrat muss noch darüber befinden. Er persönlich tendiere dazu, das Ganze so stehenzulassen. «Wenn wir den Entscheid anfechten, geht auch wieder viel Zeit verloren. Das bringt nicht so viel, zumal die gerichtliche Frist Ende Juli bereits endet.»

Kirche bietet nur Aussprache an

An der Kündigung Babette Mondrys durch die Evangelisch-reformierte Kirche gebe es nichts zu rütteln, sagt David Jenny. Der Vorstand der reformierten Kirche Basel-Stadt will keine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung einberufen, um den Fall zu diskutieren. 286 Mitglieder haben dies per Unterschrift verlangt, nötig wären 150 gewesen. Die Erklärung von Jenny zu der Haltung: «Das Arbeitsverhältnis mit Babette Mondry fällt nicht in die Zuständigkeit der Kirchgemeindeversammlung, der Kirchenrat ist dafür verantwortlich. Deshalb kann eine Versammlung nicht einberufen werden.»

Man biete einer kleineren Delegation um die Aktionstruppe von Babette Mondry jedoch eine Aussprache an, sagt Jenny: «Eine Aussprache im kleineren Kreis ist sinnvoller, dann können wir als Kirche auch mehr ins Detail gehen. Bedingung aber ist, dass es in diesem Gespräch nicht darum geht, ob Frau Mondry bei uns weiterbeschäftigt wird oder nicht.» Der Entscheid werde nicht rückgängig gemacht. «Wir bedauern, dass es so weit gekommen ist.» Die Kirche habe sich mit der Kündigung «sehr schwer» getan. Manchmal, sagt Jenny, gehe es aber leider nicht anders.

Konversation

  1. Wenn Menschen auf der Strecke bleiben, sind offensichtlich fundamentale christliche Werte missachtet worden. Umso mehr erstaunt es, dass sich derlei in einer Kirchgemeinde zuträgt. Längst scheint es nicht mehr um unterschiedliche Auffassungen in einer Sachfrage zu gehen. Statt Argumente werden Emotionen ausgeteilt. Auf der Seite von Babette Mondry sind schmerzhafte Gefühle unvermeidlich. Wer dies anders sieht, hat vielleicht nur nicht recht verstanden, was gute Musik ausmacht, wie sie entsteht. Auf der Seite des Kirchenrates dagegen sind Emotionen einfach nur fehl am Platz. Sollten sich dort einzelne Exponenten tatsächlich so sehr verärgert, gekränkt oder verletzt fühlen, dass sie über alles sprechen wollen, „ausser über die Rücknahme der Kündigung von Babette Mondry“, dann drückt sich darin der unverhohlene Wunsch aus, diese Unperson möglichst rasch aus dem eigenen Blickfeld zu verdrängen. Das mag für einzelne Mitglieder des Kirchenrates zutreffen und ist auch durchaus legitim. Auch Kirchenräte sind nur Menschen. Doch hier geht es nicht um sie als Person. Wer vor lauter Faust im Sack buchstäblich über Leichen geht, der kann doch nicht ernsthaft behaupten, es ginge ihm um übergeordnete Interessen wie etwa die künstlerische Ausrichtung des Konzertprogramms. Wenn ihm daran wirklich gelegen wäre, nun, dann müsste er wohl zunächst einmal in den Ausstand treten. Damit andere sich wieder mit Argumenten um die eigentliche Sache kümmern könnten. Beispielsweise im Rahmen einer Mediation. Eine Mediation brächte wohl auch deutlich mehr Ruhe in die Gemeinde als es ein Gerichtsverfahren tut. Denn selbst wenn die Gemeindeversammlung statutarisch nichts gegen die Kündigung der Organistin unternehmen könnte – moralisch täte der Kirchenrat sehr gut daran, auf seine Basis zu hören. Menschlichkeit kommt immer an.

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  2. Spannend ist immer, wer die Nachfolge antritt.

    Hoffentlich ist es nicht ein Neffe oder ein Gottenkind eines Verantwortlichen…
    Ich frag mich, was eine Kündigung nach 15 Jahren rechtfertigt?

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  3. ceterum censeo:

    Und wahrlich ich sage Euch:
    Der Heilige Geist strömt in unsere Seelen lieber durch edle Musik als durch das hochgelahrte Geplapper von alternden Theologen.

    So viel weiss ich als Ungläubiger.

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    1. @martens
      was weiss ich schon …
      womöglich ist’s auch völlig harmlos – ein einfacher befall mit «gemeinem hamatschu» – da will man schinz nicht diskutieren, nur einfach weiterregieren …
      283 gwundrige mitschwätzer? ist ja lachhaft …

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  4. Warum auch sollte die reformierte Kirche demokratischer und weniger hierarchisch/autoritär sein als die Katholische?

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    1. Nun, liebe Esther, die reformierten Kirchen tun gerade in ihren deutschschweizerischen Organisationen immer so, als sei die Gemeinde massgebend. Die wählt den Pfarrer oder die Pfarrerin. Zum Beispiel.
      Von Ferne sieht das Ding hier nach etwas aus, was dem Herrn Juristen und FDP-Großrat sowie Mitglied des Kirchenvorstandes wohl zu peinlich ist, als dass es öffentlich werden darf oder soll. Folglich wird die Sache derart hoch in den Kirchenbaum gehängt. Möglichst hichgehlngt, damit man nichts Genaues erfährt. Nur: Darob wird dann von über 200 Gemeindemitgliedern per Unterschrift die Frage gestellt, weshalb das Hochgehangene denn geheim bleiben soll, wo doch die Öffentlichkeit von dem Herrn Juristen, FDP-Großrat und Kirchenvorstandsmitglied en Détail darauf aufmerksam gemacht wird, dass sie die ganze Geschichte nichts angehe.
      Dujmm, dass die Sache bei Gericht landet. Und dort hat offensichtlich der Kirchenvorstand, dort hat also auch der Jurist und FDP-Großrat J., eben nicht „gesiegt“. Oder wenigstens nicht ganz gesiegt. Oder vielleicht nur halb gesiegt. Oder eventuell mehr als nur einen Nasenstüber erhalten.
      Der kurzen Rede langer Sinn: Ein Possentänzchen, welches Geschmäckle hat. Übles Geschmäckle, wenn ich es mit einem Attribut versehen soll. Kirchenübel. Oder Kirchen-Provinz-Übel.

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    2. @ Hürlimann: Übles Geschmäckle? Mindestens! Man könnte sogar sagen: Es stinkt gewaltig. Da hat wohl das christliche Deo ziemlich versagt.

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  5. mit der organistin gehabt zu haben scheint, auf den (anscheinend rückgratlosen) kirchenvorstand derart viel druck ausüben kann, dass dieser einknickt, ist wirklich unverständlich. Frau mondry wird vom gesamten kirchenvorstand auf tiefst unchristliche weise behandelt und hat unser aller solidarität verdient.

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    1. @rayot
      das waren natürlich völlig haltlose unterstellungen meinerseits 😉

      … anyway: da kömmt biz fleisch zum unverdaulichen knochen

      was zudem denkbar wäre:
      so wie ich die kirche achten und lieben gelernt habe, liegt’s bestimmt auch am opferstock …

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  6. Schon interessant, woher sich gewiefte juristen wie herr jenny das recht nehmen, darüber zu befinden, unter welchen umständen eine ausserordentliche kirchgemeindeversammlung durchgeführt werden darf und wann es aus offensichtlichen gründen besser wäre, sich einem gespräch zu verweigern und eine (für die erk so peinliche) sache auszusitzen. Wenn ein kirchenvorstand eine solche versammlung unter fadenscheiniger begründung verweigert, verstösst er gegen geltendes recht. Man sollte die verstrickungen des orgelvereins mit dem kirchenvorstand zudem genauer beleuchten. Offiziell haben die beiden parteien nichts miteinander zu tun. Wie es dennoch sein kann, dass ein einzelner aus dem freundeskreis, der ein privates zerwürfnis

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