Baschi Dürr und seine «rote Linie»

Anlässlich seines 1000-Tage-Jubiläums als Sicherheitsdirektor wollte Baschi Dürr am Freitag eigentlich die Erfolge seiner Amtszeit anpreisen. Doch die Selbstbeweihräucherung stand im Schatten des massiven Polizeieinsatzes gegen eine Flüchtlingsdemonstration am Donnerstagabend.

Tanz auf der roten Linie: Baschi Dürr und die Frage, wie weit Demonstranten gehen dürfen – und wie weit seine bewaffnete Polizei.

(Bild: Renato Beck/Nils Fisch)

Anlässlich seines 1000-Tage-Jubiläums als Sicherheitsdirektor wollte Baschi Dürr am Freitag eigentlich die Erfolge seiner Amtszeit anpreisen. Doch die Selbstbeweihräucherung stand im Schatten des massiven Polizeieinsatzes gegen eine Flüchtlingsdemonstration am Donnerstagabend.

Basels Sicherheitsdirektor Baschi Dürr steht unter Druck: Die linke Seite zweifelt an seiner liberalen Grundüberzeugung infolge mehrerer gewalttätiger Polizeieinsätze gegen Demonstranten, den Rechten wiederum agiert seine Polizei oft zu zögerlich. Das ist keine mutmachende Ausgangslage im Wahljahr 2016.

Offensiv bewirbt Baschi Dürr deshalb seine Erfolge im Amt. An einer Pressekonferenz zum 1000-tägigen Jubiläum als Sicherheitsdirektor zählt er auf, was er alles erreicht habe. Die Überstunden im Korps konnten reduziert, die Mannschaft aufgestockt werden. Das sind die wichtigsten Meilensteine. Doch Dürr vergass auch nicht anzuführen, dass er sich ein Kunstwerk fürs Büro machen, im Einwohneramt neue Wartebänke aufstellen und die Leuchtreklame vor dem Spiegelhof instandsetzen liess. 

Kriminalität geht zurück

Keine Leistung zu klein, nicht erwähnenswert zu sein. Denn der FDP-Mann weiss, dass Polizeidirektoren vor allem an zwei Dingen gemessen werden: Sie müssen die Kriminalitätsrate unter Kontrolle halten – hier punktet Dürr mir rückläufigen Zahlen –, und sie müssen für das Vorgehen ihrer Sicherheitskräfte bei politischen Demonstrationen gerade stehen. Hier wackelt Dürr.

Neue Videobilder der TagesWoche werfen erneut Fragen nach Zielvorgaben und Verhältnismässigkeit bei Einsätzen auf. Als am (gestrigen) Donnerstagabend rund 300 Menschen gegen die Verhaftung von acht Asylsuchenden demonstrierten, die abgeschoben werden sollen, reagierte die Polizei mit massivem Mitteleinsatz. Vor dem Claraposten und vor der Mittleren Brücke wurde die bunt durchmischte Kundgebung unter heftigen Gummischrot-Beschuss genommen. Mitten in die Menge gefeuert, auf Kopfhöhe gezielt, ohne, dass eine Aggression vorausgegangen ist. 

Treffer mitten ins Gesicht

Während das Schrot noch im Strassengraben liegt, eine ältere Dame einen Gesichtstreffer beklagt, argumentiert Dürr vor den Medien mit «der roten Linie», die jedes Mal neu gezogen werden und nicht überschritten werden dürfe. Man lasse grundsätzlich auch unbewilligte Kundgebungen zu – aber nur bis zu einer Grenze, welche die Polizei selber setze. Dürrs Einlassungen im Wortlaut:

Dürr antwortet auch auf eine Frage der TagesWoche, ob der Eindruck stimme, dass er die rote Linie in letzter Zeit verschoben habe: «Das glaube ich nicht», entgegnet er, «im ersten Jahr hiess es, wir machen zu viel, dann zu wenig, jetzt heisst es vielleicht, wir machen zu viel.» Dann bittet er seinen Kommandanten Gerhard Lips, die Frage zu beantworten:

Ob das harte Vorgehen der Polizei im Licht der anstehenden Wiederwahl zu deuten ist, bleibt offen. Linke Sympathien dürfte ihn der Einsatz gekostet haben. Möglich, dass er bei seiner rechtskonservativen Klientel nun besser im Kurs steht. Möglich auch, dass die Rechnung am Ende für ihn aufgeht. Sicher ist allein, dass der Stadt unruhige Monate bevorstehen.

Konversation

  1. und hier nun nach tausendundeiner nacht das baschi-busi als brand

    «black bull & red line»
    (gesellschaft mit beschränkter verhaftung)

    Danke Empfehlen (0 )
    1. @morenz

      wer die freie meinungsäusserung (schinz lustvoll) ohne konkreten anlass mit gummischrot erschiessen lässt, ist zu manchem fähig.
      traurig&wahr
      blick zurück: wir hätten ohne zivilen ungehorsam unterdessen ein akw kaiseraugst mitten im triregionalen ballungszentrum – und es würden vielleicht wie in fessenheim die gröbsten pannen totgeschwiegen:
      die obrigkeit vertritt vielleicht das recht – aber sie hat es nicht für sich gepachtet, geschweige denn okkupiert.
      nie.
      und wir haben die wahl – immer wieder.

      Danke Empfehlen (0 )
  2. Tja, fällt auf, wie wenige mittlerweile ohne Deckmantel in der Tawo kommentieren…..sind wir schon so weit, dass wir Angst haben müssen, unsere Meinung zu sagen?

    Danke Empfehlen (0 )
  3. @spalebärg77a
    Ich wusste gar nicht dass das Ihr richtiger Name ist und kein Synomym.
    Na ja man lernt nie aus.
    Da können ja Sie der Tawo diesen Nachilfeunterricht geben.

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Ich bin dagegen, dass Linke den Posten besetzen, der Karli Schnyder hat uns schon genug Ärger eingebrockt und hat dann eine eigene Partei gemacht!
    Zudem ist das Amt nicht ein Partei-Amt, sondern Teil eines kollektiven Regierungsgremiums!

    Danke Empfehlen (0 )
  5. Herr Dürr hat seine rote Linie schon längst überschritten. Angefangen bei der widerrechtlichen Kündigung von Herrn Näglin dreht Herr Dürr spätestens seit der Papptelleraktion definitiv im roten Bereich. Es wird Zeit, dass das Volk ihn per Abwahl endlich aus dieser misslichen Lage befreit.

    Danke Empfehlen (0 )
  6. axgisi

    „Wasser auf die Mühlen der Rechtsnationalen“

    Als vehementer Kämpfer gegen die Durchsetzungsinitiative und die permanenten Angriffe von rechts gegen unsere Institutionen und den liberalen Rechtsstaat beglückwünsche ich Peter Knechtli zu diesem Kommentar, übrigens auch Nicolas Drechsler zu seinem Kommentar in der heutigen BZ Basel. Illegal Anwesende für solche Aktionen zu missbrauchen, aber selber in der Anonymität zu bleiben, ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsnationalen und schadet dem Rechtsfrieden.

    Claude Janiak, Ständerat, Binninge“

    da braucht die TAWO Nachhilfe Unterricht und ein paar Kommentareschreiber
    die nicht Fisch und co. heissen als pseudo

    Danke Empfehlen (0 )
  7. Die Erwähnung der „roten Linie“ gibt mir am meisten zu denken.
    Das Setzen der roten Linie dient hier eindeutig der Demonstration der Macht. Ist es vielleicht nicht eigentlich für diese Demonstration, sondern in erster Linie für die Zukunft, für zukünftige Demos, dass man schon im Voraus weiss, egal, was passiert, die Polizei schreitet ein.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. ja Mayo
      diese rote line braucht es beim Baschi ansonsten ist er verloren.
      Sein wirken wird wohl in der Türkei begrüsst, wo gerade die letzte
      freiheitliche Presse eliminiert wurde.

      Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel