Basel warnt vor gewaltigen Sicherheitskosten und grossem Zeitdruck

Kommt es im August zur grossen Jubiläumsfeier 120 Jahre Zionistenkongress in Basel? Eher nicht, erklärt die Basler Regierung. Die Zeit sei zu knapp, die Kosten zu hoch – und noch immer fehlt eine offizielle Anfrage der israelischen Regierung.

Das Hotel «Drei Könige» und das Stadtcasino waren die Wirkstätten der Zionisten in Basel. Sie waren es auch bei der 100-Jahr-Feier 1997 (Bild) – und sollen es in diesem Jahr wieder werden.

(Bild: Keystone)

Kommt es im August zur grossen Jubiläumsfeier 120 Jahre Zionistenkongress in Basel? Eher nicht, erklärt die Basler Regierung. Die Zeit sei zu knapp, die Kosten zu hoch – und noch immer fehlt eine offizielle Anfrage der israelischen Regierung.

Die Worte der Basler Regierung sind undiplomatisch deutlich: Der von Israel angedachten Jubiläumsfeier 120 Jahre Zionistenkongress werden wenig Chancen eingeräumt. Sie soll im August in Basel stattfinden. «Die Vorbereitungszeit von rund einem halben Jahr reicht kaum, um einen Grossanlass, wie er gegenwärtig kolportiert wird, in Basel zu beherbergen», so die Regierung. 

Die Pläne der israelischen Regierung publik gemacht hatte die «Basler Zeitung». Demnach strebe Israels Premierminister Benjamin Netanjahu an, die Feierlichkeiten in Basel zu besuchen. Kritiker vermuten, Netanjahu wolle mit seiner Teilnahme und der Feier von innenpolitischen Problemen ablenken. Gegen Netanjahu laufen in Israel Ermittlungen wegen Verdachts auf Korruption und Begünstigung.

Basel erwartet finanzielle Unterstützung

Die Basler Regierung schreckt auch der gewaltige Sicherheitsaufwand. 10 Millionen Franken, schätzen die Behörden, würden alleine die Sicherheitskosten betragen. Die Regierung erwartet, dass der Bund einen Grossteil davon übernimmt sowie logistische Unterstützung leistet. Der Anlass, erklärt Regierungssprecher Marco Greiner, könnte eine Dimension annehmen wie das Ministertreffen der OSZE 2014, als 3600 Soldaten und über 1000 Polizisten die Basler Innenstadt absicherten.

Am Montag äusserte sich Aussenminister Didier Burkhalter in der Fragestunde des Nationalrats zu den Absichten. Es sei bis heute keine offizielle Anfrage der israelischen Behörden eingetroffen, sagte Burkhalter. Einzig ein informelles Treffen mit Vertretern Israels und des Kantons Basel-Stadt habe stattgefunden.

Ohne Netanyahu?

Greiner bestätigt, dass eine konkrete Anfrage und ein offizielles Programm bislang fehle, «und ohne ein solches können wir nicht mit den Planungen beginnen». Im Februar trafen sich Vertreter der Regierung, des Aussenministeriums und der israelischen Botschaft, um Varianten der Feierlichkeiten zu diskutieren. Die Basler Regierung drängte schon damals darauf, das Jubiläum im kleineren Rahmen abzuhalten, also womöglich ohne eine Teilnahme Netanjahus. 

Seither sei trotz Nachfrage keine offizielle Anfrage aus Israel eingetroffen. Weil die Zeit aus Basler Sicht drängt, hat die Regierung in einem weiteren Schreiben den Bundesrat gebeten nachzuhaken. Die Mitteilung der Regierung ist auch so zu lesen, dass sie sich gegen Kritik absichern will, sollten die Feierlichkeiten nicht im von Israel gewünschten Rahmen stattfinden können.

Mit der Jubiläumsfeier soll an den ersten Zionistenkongress in Basel im Jahr 1897 erinnert werden. Damals formulierten unter der Leitung von Theodor Herzl Delegierte von 200 jüdischen Gemeinden das Ziel eines Judenstaats in Palästina. Verwirklicht wurde die Staatsgründung per UN-Beschluss 1948.

Konversation

  1. PM Netanjahu soll also frühzeitig bekannt geben, wo er wann in Basel anzutreffen ist? Warum? Damit sich alle Gegner und deren Helfer so richtig darauf vorbereiten können? Dann muss der Zeitpunkt auch noch schön publiziert werden? Werden solch heikle Angelegenheiten nicht besser bilateral mit der Botschaft geklärt?
    Zudem, haben wir nicht kürzlich fast eine Palästinenserfreundin in den RR gewählt und damit arg an unserer Neutralität gekratzt?
    Übrigens: Palästina, was ist das? Hat es dieses Land einmal gegeben? Es war doch Teil des Osmanischen Reiches, dann Britisches Mandat. Jordanien ist doch eigentlich der entsprechende Staat heute. Palästinenser sind doch eigentlich Araber, die aus der Region Palästina stammen oder nicht? Und ihre oberste Doktrin ist doch seit der Gründung Israels durch die UNO: Keine Ruhe geben, bis der letzte Israeli ins Meer getrieben wurde.
    Wenn ich all die Terroranschläge der letzten 60 Jahre auf der ganzen Welt rekapituliere, dann wird Netanjahu doch nicht ankündigen, dass er nach BS kommen wird…

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  2. Ach, der Herr Hage hat wieder einen Rückfall.
    Schauen Sie mal den Herrn Cesna an, der schlägt sogar das nahegelegene Deutschland als Austragungsort vor. Warum nicht Weil ? Oder Friedlingen ?

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  3. Hab mich auch gefragt wieso nicht den 119. oder den 121. feiern, wenn wir schon dabei sind? Dieser Anlass strahlt mehr in die Welt als das Basel Tattoo, finden Sie nicht?

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  4. Also, so ein offizielles Fest bräuchte denn schon eine offizielle Initiative, einen offizielle Organisation, die dann auch die Koordination übernimmt.
    „Basel“ ist ja eines, aber die Besucher müssen auch informiert werden, sonst sind am Ende einfach die Hotels leer, die Veranstaltungen unbesucht etc. oder es wird kaum was geboten…..ausser Zolli und Rheinschwimmen.

    Ansonsten warum nicht Basel & ? Auch für das nahegelegene Deutschland wäre es sicher eine Ehre, da mit zu organisieren.

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  5. Man könnte natürlich als Alternative im 2018 den 70 Jahren Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat gedenken, die auch eine direkte Folge des Basler Kongresses war (und ist).

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    1. @ Marcel Pfister: Gerne zitiere ich Ihre Worte „Palästina geht es blendend und es heisst Israel. “ sowie „Jeder hat Anspruch auf seinen eigenen Unsinn.“ In der Tat leitet sich das zweite Zitat folgerichtig aus dem ersten Zitat ab. Bleibt zu hoffen, dass Sie die Strasse und den ÖV nicht blockieren, wenn Sie fahnenbestückt auf der Strasse stehen. Aber das nur nebenbei.

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    2. Jeder hat Anspruch auf seinen eigenen Unsinn. Sie protestieren gegen die Zionisten und für die ach so armen „Palästinenser“. Ich werde mit einer Israel Fahne unterstützend auf der Strasse stehen. Palästina geht es blendend und es heisst Israel.

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  6. Da wäre wohl Davos o.ä als kriegszonenerprobte Region geeigneter. Aber Basel wird es wohl machen wenn Israel dies verlangt, andernfalls wird man als Antisemit betitelt.

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