Basel, was willst du wirklich?

Das Wahlprogramm der TagesWoche: nah an den Menschen und nicht an der Propaganda einzelner Parteien.

Der Wahlkampf steht bevor, Parteien rüsten zu Propagandaschlachten, Wähler verlieren den Durchblick. (Bild: Jürg Lindenberger)

Das Wahlprogramm der TagesWoche: nah an den Menschen und nicht an der Propaganda einzelner Parteien.

Was fehlt Basel? Wie können wir den politischen Gegner dafür verantwortlich machen? Und welche Probleme lassen sich problemlos dramatisieren, damit sie zum eigenen Programm passen? Mit solchen Fragen beschäftigen sich in diesen Tagen die Basler Parteistrategen, ehe sie sich an den Strand legen oder auf der Alp Erholung suchen. Die Wochen nach den Ferien werden hart genug. Die Parteien werden nur noch bis Ende Oktober Zeit haben, das Volk von sich zu überzeugen. Dann wird gewählt.

«Risiko für Leib und Leben»

Manche Medien versetzt das seit Längerem in erhebliche Aufregung. Die «Basler Zeitung» versuchte erst krampfhaft, eine «Achse der Gewalt» durch Basel zu konstruieren. Nun nimmt sie speziell das Kleinbasel ins Visier, dieses angebliche «Ghetto», in dem es von Ausländern, Krawallbrüdern und anderen zwielichtigen Gestalten nur so wimmeln soll. Ähnliche Gefahren macht die Zürcher «Weltwoche» in ihrer Ferndiagnose aus: «Basel ist nicht mehr sicher. Sich am Rhein auf Kleinbasler Seite aufzuhalten, rund um den Claraplatz, im Schützenmattpark oder in der Elisabethenanlage, bedeutet ein Risiko für Leib und Leben.» Schuld daran seien die «nachlässigen Behörden» und die rot-grüne Regierung, auch in diesem Punkt sind sich BaZ und «Weltwoche» einig.

Wem die Stimmungsmache helfen soll, ist offensichtlich: der SVP, die in Basel schon in der Vergangenheit immer und immer wieder ein hartes Durchgreifen in allen Belangen forderte und sich auch in diesem Wahlkampf kaum viel Neues einfallen lassen wird. Ein weiteres beliebtes Thema, auch bei den anderen bürgerlichen Parteien, dürfte die steuerliche Belastung sein, über die man sich wunderbar empören kann – Stichwort: Steuerhölle!

Uns interessieren normale Menschen

Die Linken wiederum werden mit dem Motto «Für alle statt für wenige» kontern und unter anderem – was auch nicht ganz neu ist – fordern, dass mehr günstiger Wohnraum geschaffen wird.
Für diese neu aufbereiteten Rezepte aus den alten Parteiprogrammen werden wir uns in der Wahlberichterstattung der TagesWoche nur bedingt interessieren. Und für die Stimmungsmache, die Übertreibungen und Pauschalisierungen einzelner Politiker und ihrer Gehülfen schon gar nicht.

Uns interessieren die Menschen in den Quartieren. Ihre Freuden und ihre Sorgen; ihre Erwartungen an die Politik. Ab Anfang August werden wir da­rum für je eine Woche in vier Stadtquartiere sowie nach Riehen und Bettingen gehen, um dort ganz normale Menschen zu treffen und von ihnen zu erfahren, was sie ärgert und freut.

Über die einzelnen Begegnungen werden wir regelmässig online be­richten und jeweils am Freitag in der Zeitung zusätzliche Hintergrundinformationen liefern. Nach unseren Abstechern in die Quartiere werden wir die Regierungskandidaten, die Parteipräsidenten und die Grossratskandidaten mit den Ergebnissen konfrontieren. Sie sollen uns sagen, wie sie die wirklichen Probleme dieser Stadt lösen wollen – losgelöst vom Parteiprogramm.

Ein kleines Abenteuer

Eine solche Berichterstattung ist ein Projekt mit offenem Ausgang. Ein kleines Abenteuer, bei dem wir offen für alle Themen sind: die Prostitution in den Wohnquartieren, die Hundehäufchen auf der Strasse, den starken Verkehr, die fehlenden Parkplätze, das je nach Standpunkt viel zu langweilige oder viel zu laute Nachtleben oder eben auch bestimmte Delikte.

Ein spannendes Projekt. Eines, das aber auch scheitern kann: Es funktioniert nur, wenn wir aus der Leserschaft und überhaupt aus der Stadt Tipps, Kommentare und sonstige Reaktionen erhalten (mehr dazu in der nachfolgenden Box). Wir rechnen fest damit. Und freuen uns darauf.

 

Ab in die Quartiere

Unsere jeweils einwöchigen Abstecher führen uns in folgende Quartiere und Gemeinden:

> Innenstadt (4. 8.–10.8)
> Unteres Kleinbasel (11.8.–17.8.)
> Bruderholz (18.8.–24.8.)
> St. Johann (25.8.–31.8.)
> Riehen, Bettingen (1.9.–7.9.)

Damit werden wir in allen Wahlkreisen und in den unterschiedlichsten Wohn-, Arbeits-, Einkaufs- und Ausgehquartieren präsent sein. Einzelne Gesprächspartner suchen wir selbst aus, andere lassen wir uns gerne auch von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vorschlagen. Gesucht sind ganz einfach jene Menschen, die ihr Umfeld am besten kennen. Empfehlungen nehmen wir gerne bei community@tageswoche.ch oder über unsere Postadresse entgegen. Bei unserer Online-Berichterstattung berücksichtigen wir selbstverständlich auch weitere Anregungen und Kommentare aus den anderen Stadtteilen. In den ausgewählten Quartieren werden wir zudem jeweils zum Start am Samstag an einem speziellen Stand für alle Interessierten zu sprechen sein. Weitere Informationen werden rechtzeitig folgen.

 

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 13.07.12

Konversation

  1. Ich hoffe, dass am Ende klar deklariert wird, welche Probanden zufällig ausgesucht wurden, und welche sich selbst gemeldet haben oder empfohlen wurden. Letztere haben sicher auch interessante Geschichten zu erzählen, geben aber nicht das Befinden des Durchschnittsbaslers wieder.

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  2. Nun, unabhängig von Eurer Absicht, in die Quartiere zu gehen und dort die Menschen nach ihren Vorstellungen bezüglich der Politik zu befragen, wogegen ich grundsätzlich nichts, aber auch gar nichts zu meckern habe, finde ich es Schade, dass Ihr Euch für die neu aufbereiteten Rezepte aus den alten Parteiprogrammen der „Linken“ in der Wahlberichterstattung der TagesWoche nur bedingt interessieren wollt.

    Denn gerade der Slogan der SP „Für alle statt für wenige“ wäre es doch Wert, der Frage nachzugehen, was damit eigentlich gemeint ist: „Für alle“? Etwa „für alle Parteigenossen“?

    Und @ Nein danke:
    Ein guter Einwand!

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  3. „jene Menschen, die ihr Umfeld am besten kennen“

    Bitte nicht. Nehmt auch Neuzuzüger (In-/Ausländer), denen das Quartier fremd scheint – weil es völlig anders ist, als dort wo sie herkommen. Hoffentlich sind auch Homosexuelle oder Menschen mit einer Behinderung unter den Gesprächspartnern.

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