Baselbieter Kampf um den Einzug ins Stöckli

Das Baselbiet bereitet sich auf den zweiten Wahlkampf 2015 vor: auf die eidgenössischen Wahlen im Herbst. Dann bangen die Grünen um den Nationalratssitz von Maya Graf, und die FDP will mit Christoph Buser den Ständeratssitz erobern.

Angreifer Christoph Buser: Der Wirtschaftskammerdirektor will SP-Ständerat Claude Janiak den Sitz abjagen. Hans Furer von den Grünliberalen stellt sich ebenfalls zur Wahl.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Das Baselbiet bereitet sich auf den zweiten Wahlkampf 2015 vor: auf die eidgenössischen Wahlen im Herbst. Dann bangen die Grünen um den Nationalratssitz von Maya Graf, und die FDP will mit Christoph Buser den Ständeratssitz erobern.

Deutlich später als die grossen Basler Parteien haben die Baselbieter Parteien ihre Nationalratslisten bestückt. Für sie ist es der zweite Wahlkampf in diesem Jahr: Traditionsgemäss finden die eidgenössischen Wahlen im Baselbiet im gleichen Jahr statt wie die kantonalen Wahlen. Diese dienen damit durchaus als Gradmesser für die politische Stimmung im Landkanton.

Und während die Basler immer noch einen bürgerlichen Ständeratskandidaten suchen, hat das Baselbiet derzeit sogar zwei: Christoph Buser (FDP) und Hans Furer (Grünliberale) fordern beide den bisherigen Ständerat Claude Janiak (SP) heraus. 

Schnellauswahl zur Übersicht über die Kandidierenden der einzelnen Parteien:

Die SP

  • Kandidierende: Eric Nussbaumer (bisher), Susanne Leutenegger Oberholzer (bisher), Samira Marti, Miriam Locher, Kathrin Schweizer, Christoph Hänggi (statt Daniel Münger), Martin Rüegg. Ständerat: Claude Janiak.
  • Top-Kandidaten: Eric Nussbaumer (bisher), Susanne Leutenegger Oberholzer (bisher), Claude Janiak (nur Ständerat)
  • Hoffnungsträgerin: Samira Marti
  • Listenverbindung: SP mit Grünen.

Einschätzung: Nach dem Verlust ihres Regierungssitzes hatte die Baselbieter SP angekündigt, in die Opposition zu gehen. Dafür bestückte die Partei das Präsidium neu mit Adil Koller und Regula Meschberger. Die Partei will nun unter der neuen Führung ihre zwei Sitze von Eric Nussbaumer und Susanne Leutenegger Oberholzer behalten – was dank der linksgrünen Allianz auch realistisch ist. Allerdings wird es eine spannende Partie um den einen Baselbieter Ständeratssitz. Hier wird der bisherige Claude Janiak von den Bürgerlichen angegriffen; Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser (FDP) ist sein grösster Gegner. Hans Furer von den Grünliberalen dürfte allerdings keine grosse Gefahr darstellen. 

Prognose: Die Partei behält ihre zwei Nationalratsmandate. Claude Janiak liegt im Ständerat trotz der gewichtigen Kandidatur von Christoph Buser immer noch gut im Rennen.

Um seinen Sitz wird gekämpft: Der Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak.

Die FDP




  • Kandidierende: Daniela Schneeberger (bisher), Christoph Buser (auch Ständerat), Andreas Dürr, Christine Frey, Christof Hiltmann, Sven Inäbnit, Rolf Richterich. Ständerat: Christoph Buser.
  • Top-Kandidaten: Daniela Schneeberger (bisher), Christoph Buser (auch Ständerat)
  • Hoffnungsträger: Christof Hiltmann
  • Listenverbindung: FDP mit SVP.

Einschätzung: Die Siegerpartei der kantonalen Wahlen vom Februar will den Trend an den eidgenössischen Wahlen im Herbst wiederholen. Sie schickt mit der bisherigen Nationalrätin Daniela Schneeberger und dem Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser gleich zwei Kandidaten mit sehr realen Wahlchancen ins Rennen. Buser soll gleichzeitig auch den Angriff auf den Ständeratssitz von Claude Janiak fahren; als bürgerlicher Topkandidat mit einer potenten Wahlkampfmaschine ist er in einer guten Position. Dank der Partnerschaft mit der stärksten Baselbieter Partei SVP hofft die FDP, allenfalls einen zweiten Sitz zu machen.

Prognose: Einen Sitz macht die Partei garantiert. Nur ist offen, ob Christoph Buser stimmenmässig allenfalls sogar noch Daniela Schneeberger überholen kann. 

Die Grünen 

  • Kandidierende: Maya Graf (bisher), Florence Brenzikofer, Philipp Schoch, Lukas Ott, Karl-Heinz Zeller, Anna Ott, Klaus Kirchmayr
  • Top-Kandidatin: Maya Graf (bisher)
  • Hoffnungsträgerin: Florence Brenzikofer
  • Listenverbindung: Grüne mit SP.

Einschätzung: Die Grünen, die gebeutelte Partei: Erst die Schlappe an den Februarwahlen, dann haben sie Landrat Jürg Wiedemann aus der Partei ausgeschlossen, der flugs eine Konkurrenzpartei gründete. Sie werden es trotz linksgrünem Bündnis nicht einfach haben, den Sitz von Maya Graf zu verteidigen. Ihn einfach aufgeben wollen sie auch nicht; schliesslich ist Graf ein Urgestein in der nationalen Politik – als alt Nationalratspräsidentin war sie bereits die höchste Schweizerin. 

Prognose: Der Kampf um den Sitz wird hart, auch angesichts der starken bürgerlichen Allianzen. Maya Graf wird das Mandat halten können.

Die CVP 

  • Kandidierende: Elisabeth Schneider-Schneiter (bisher), Claudia Brodbeck, Remo Franz, Philippe Hofmann, Alexander Imhof, Béatrix von Sury d’Aspremont, Emanuel Trueb.
  • Top-Kandidatin: Elisabeth Schneider-Schneiter (bisher)
  • Hoffnungsträger: Remo Franz
  • Listenverbindung: CVP mit BDP und GLP.

Einschätzung: Die bisherige Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter hat nicht vor, ihren Sitz preiszugeben. Wieso auch: Sie gilt als sehr gut vernetzt in Bern. So führt sie erneut die Siebnerliste der Christdemokraten an, die um den Sitzerhalt kämpft. Die Partei verabschiedete sich auch medienwirksam von einem möglichen Bündnis mit SVP und FDP. Die Partei hat eine solide Basis im Unterbaselbiet und den Bisherigen-Bonus ihrer Nationalrätin. Obwohl die CVP sich für eine Kantonsfusion sehr stark gemacht hatte, bleibt sie zuversichtlich, den Sitz halten zu können.

Prognose: Elisabeth Schneider-Schneiter wird wiedergewählt.

Die SVP

 

  • Kandidierende: Thomas de Courten (bisher), Caroline Mall, Patrick Schäfli, Sandra Sollberger, Dominik Straumann, Hanspeter Weibel, Jacqueline Wunderer
  • Top-Kandidaten: Thomas de Courten (bisher), Caroline Mall
  • Hoffnungsträger: Dominik Straumann
  • Listenverbindung: SVP mit FDP.

Einschätzung: Der bisherige Nationalrat Christian Miesch hat seinen Rücktritt bereits bekanntgegeben. So geht nur noch Thomas de Courten als Bisheriger ins Rennen; der bislang zweite Sitz wird voraussichtlich neu besetzt. Dass die SVP einen der zwei Sitze einbüssen wird ist eher unwahrscheinlich: Zu stark ist die Partei im Baselbiet und die Listenverbindung mit der FDP bringt sie auf die sichere Seite. Möglich also, dass Landrätin Caroline Mall den Sprung nach Bern schafft. 

Prognose: Die Partei behält zwei Sitze: Thomas de Courten (bisher) und Caroline Mall (neu).

Die Grünen-Unabhängigen

 

  • Kandidierende: Esther Maag, Jürg Wiedemann, Marie-Louise Rentsch, Markus Clauwaert, Saskia Olsson, Edmond Bernard
  • Top-Kandidat: Jürg Wiedemann 
  • Hoffnungsträgerin: Esther Maag
  • Listenverbindung: noch offen.

Einschätzung: Die Grünen-Unabhängigen sind ein neuer Stern am Baselbieter Polithimmel, gegründet nach dem Ausschluss von Jürg Wiedemann aus der Grünen Partei Baselland. Mit Wiedemann selbst und der ehemaligen grünen Landratspräsidentin Esther Maag hat die Neo-Partei zwei im Kanton prominente Namen auf der Liste. Da die Partei allerdings ausser in Bildungsfragen kaum in Erscheinung trat und die Zeit zur Profilierung bis im Herbst sehr kurz ist, wird sie keinen Sitz machen.

Prognose: Die Partei holt keinen Sitz. 

Die Grünliberalen 

  • Kandidierende: Gerhard Schafroth, Tanja Haller, Hans Furer (auch Ständerat), Daniel Altermatt, Peter Staub, Andy Werdenberg, Hector Herzig
  • Top-Kandidat: Hans Furer
  • Hoffnungsträger: Gerhard Schafroth
  • Listenverbindung: GLP mit CVP und BDP.

Einschätzung: Auch die Grünliberalen kämpfen um einen festen Platz auf der Baselbieter Politbühne. Allerdings bleibt die Partei nach wie vor eine Randerscheinung neben den grossen Blöcken der Bürgerlichen und der Linken. So dürfen die Grünliberalen vor allem als Wahlhelfer für die CVP auftreten, mit der sie eine Listenverbindung eingingen. Hans Furer – Landrat bis Ende Juli – kandidiert zugleich für den Ständerat. Er dürfte aber im Kampf um den Sitz nur eine Nebenrolle spielen. Das Hauptgefecht wird zwischen Claude Janiak (SP) und Herausforderer Christoph Buser (FDP) ausgetragen.

Prognose: Die Partei holt keinen Sitz, weder im National- noch im Ständerat.

Die BDP

  • Kandidierende: Marie-Therese Müller, Felix Weber, Doris Vögeli, Beat Schmid, Franziska Were-Imhof, Esther Meisinger, Kevin Beining
  • Top-Kandidatin: Marie-Therese Müller
  • Hoffnungsträgerin: Marie-Therese Müller
  • Listenverbindung: BDP mit CVP und GLP.

Einschätzung: Vom schlechten Wahlresultat im Februar niedergeschlagen, sagte Präsidentin Marie-Therese Müller erst, dass die Partei gar nicht für den Nationalrat kandidiere; die BDP verlor drei der vier Landratssitze. Zwischenzeitlich hat die Baselbieter BDP zumindest die Moral wieder gefunden. Sie stellt nicht nur eine volle Liste für den Wahlkampf im Herbst, sondern unterstützt auch CVP und GLP mit einer Listenverbindung. 

Prognose: Die Partei holt keinen Sitz in Bern. 

Die EVP

  • Kandidierende: Sara Fritz, Martin Geiser, Andrea Heger, Christian Muhmenthaler, Sonja Niederhauser, Lukas Keller, Daniel Kaderli
  • Top-Kandidatin: Sara Fritz
  • Hoffnungsträgerin: Sara Fritz
  • Listenverbindung: keine.

Einschätzung: Die Baselbieter EVP übt den Alleingang. Die Partei verzichtetet auf eine Listenverbindung mit anderen Parteien und hat demnach noch weniger Chancen auf einen Sitz in Bern, als die Partei ohnehin gehabt hätte. Die EVP lässt sich somit aber auch nicht als Wahlhelferin anderer Parteien einspannen. Die Partei tritt mit einer vollen Siebnerliste an. Mit den drei Landratsmitgliedern Sara Fritz, Martin Geiser und Andrea Heger (ab 1. Juli) ist die Liste dennoch gut bestückt.  

Prognose: Die Partei kann höchstens einen Achtungserfolg für ihren Sololauf erzielen; einen Sitz macht sie nicht.  

Konversation

  1. 63 KandidatInnen sollen es sein, welche nach Bern streben. Das ist ein gewaltiges politisches Potential. Man (re-)aktiviert quasi in allen Parteien die «Schläfer» und lässt sie über die Baselbieter Wagenburg klettern, um unerkannt im feindlichen Gebieten zu operieren.

    Aber, wie so oft, kein Mensch sagt uns, dem gemeinen Stimmbürger, was die Damen & Herren in Bern vorhaben. Es gehört aber offensichtlich zum guten Polit-Ton, dass man sich den Gang nach Bern und damit ein Wirken in der grossen Politwelt vorstellen kann. Dazu muss Mann/Frau scheinbar nicht einmal ein Programm oder ein politisches Projekt in petto haben. Es genügt, dass man sich das alles vorstellen kann. Der Rest ist Wahlarithmetik & Glück.

    Wird man in Bern die Anliegen der BaselbieterInnen, oder gar der Menschen der ganzen Region vertreten? Wird man denen in Bern lediglich die Baselbieter Schuldenberge verklickern, oder die Umfahrungsstrassen verkaufen wollen?
    Bis dato haben ich Köpfe gesehen, aber nichts von Inhalten gehört.

    Es ist daher nicht vermessen provokativ zu fragen: Will man uns Hohlköpfe & Leerformeln verhökern? Oder kommt noch was?

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    1. Apropos Kopfsalat: Fressen Kröten eigentlich Kopfsalat? Dann wären die Wahlen doch immerhin etwas für die Kulinarik. Vielleicht in der vorliegenden quantitativen Fülle etwas overdosed. Vielleicht schon fatally overdosed? Na ja, der Rest wäre als Kompost verwertbar. Damit wären immerhin ein paar grüne Anliegen erfüllt…

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    2. @meury
      😉
      kröten haben eine inverse veganer-problematik:
      mir fehlt oft das fleisch am chnoche

      oder wie sophie hunger – sackstark – textet:
      «nichtraucher sind die neuen raucher»

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    3. Klar, wir können den notwendigen politischen Diskurs auch weiterhin in der Pfeife rauchen und uns an grinsenden & zähnebleckenden Gesichtern sattsehen.
      Das Ganze wirkt sowieso eher wie eine billige Castingshow.
      63 KandidatInnen dürfen antreten und vortanzen. 7 oder 8 kommen weiter und erhalten ein 1. Klasse GA.

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    4. @Chröttli
      Als Nichtsovielglauber habe ich es in dieser Disziplin nur zum Flexitarier gebracht.
      Mit Überzeugung stimme ich aber gerne ein „Hoch den Inversiganern!“ an.

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    5. @meury

      zumindest kann man dann davon ausgehen, dass sie im zug hocken – und nicht lieber mit irgendwelchen selbstberufenen gheimdienstlern durchs unterholz kriechen – irgendwann bleibt nur noch sarkasmus.
      sollte man sie im zug kontrollieren, ob sie denn wenigstens ein programm vorzuweisen hätten?!

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    6. Es wird gemunkelt, dass Susanne Leutenegger Oberholzer (67) während dem International Day of Yoga in sich gegangen ist und im Rahmen der parteiinternen Frauen- und Jugend-Förderung der SP Baselland ein Zeichen setzen möchte. Sie wird bei den kommenden Wahlen nur noch auf dem 4. Listenplatz kandidieren. Damit hat Samira Martin (21) eine echte Wahlchance und muss den Kopf nicht nur als Stimmenfängerin für die 2 Bisherigen hinhalten und damit auch der überalterten SP-Garde das Durchschnittsalter drücken helfen.
      Bitte nicht weitererzählen. Streng vertraulich…

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    7. @meury

      der kopfsalat ist bestenfalls soviel wert, wie man ihm zumutet, ihm da vero über-antwortet … ihn darauf behaftet.
      aus eigenem antrieb?
      mandatierte talking heads

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