Baselbieter Kulturpreis sprengt die Kantonsgrenzen

Die Baselbieter Kulturpreise 2012 sind auch Basler Kulturpreise: Neben dem Langenbrucker Künstlerduo Gerda Steiner/Jörg Lenzlinger (Langenbruck) werden auch Stimmhornist Christian Zehnder, Filmemacher Vadim Jendreyko und das Ensemble larynx ausgezeichnet.

Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, hier in ihrer Installation «Fallender Garten» (2003, Biennale Venedig) werden mit dem Baselbieter Kulturpreis geehrt.

Die Baselbieter Kulturpreise 2012 sind auch Basler Kulturpreise: Neben dem Langenbrucker Künstlerduo Gerda Steiner/Jörg Lenzlinger (Langenbruck) werden auch Stimmhornist Christian Zehnder, Filmemacher Vadim Jendreyko und das Vokalensemble larynx ausgezeichnet.

Der Kanton Baselland überrascht immer wieder gerne mit der Vergabe seiner Kulturpreise: So flossen im letzten Jahr gleich alle Preisgelder in die Pop- und Rockkultur. Norbert Mandel (Z7 Pratteln), Christian Plösser (Rockfact Music-Club, Münchenstein) und das Team der Biomill Laufen wurden 2011 ausgezeichnet. Ganz nebenbei liessen die Baselbieter mit diesem kulturpolitischen Entscheid den Stadtkanton alt aussehen, der seinerseits bislang noch keinen Vertreter dieser Sparte mit dem Kulturpreis gewürdigt hat.

Ein kleiner Seitenhieb Richtung Stadt ist auch aus den Baselbieter Kulturpreisen 2012 herauszuspüren: Nebst dem Künstlerduo Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger aus Langenbruck werden zwei Kulturschaffende ausgezeichnet, die stark in der Stadt verankert sind: der Vokalkünstler Christian Zehnder und der Filmemacher/Produzent Vadim Jendreyko. Letzterer hat mit seinen Dokumentarfilmen, allen voran «Die Frau mit den fünf Elefanten» (2009, über die Dosojewskij-Übersetzerin Swetlana Geier), international Beachtung erhalten.

Das gleiche kann man über Christian Zehnder sagen, der mit dem Duo Stimmhorn über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist und den mit ebenfalls 20’000 Franken dotierten Spartenpreis Performance/Theater erhält. Die Kategorisierung erstaunt insofern ein bisschen, dass man Zehnder eher der Musiksparte zuordnen würde, wie etwa auch der Name seiner Internet-Website unterstreicht. Regierungsrat Urs Wüthrich, Vorsitzender im Baselbieter Kulturrat, räumt auf Nachfrage ein, dass man Zehnder «natürlich auch der Musik zuordnen kann – aber wir müssen uns auf einen Spartenpreis pro Person beschränken.»

Postleitzahlen sind nicht ausschlaggebend

Und wie kommt es, dass der Landkanton in diesem Jahr zwei von drei Spartenpreisen an Basel-Städter vergibt? Nimmt Wüthrich damit die Fusion der Kantone vorweg? «In der Kultur wäre es viel zu eng gefasst, wenn Postleitzahlen bei der Preisvergabe ausschlaggebend wären», sagt der Baselbieter Regierungsrat und verweist darauf, dass selbst altehrwürdige Institutionen wie die beiden kantonalen Musikverbände heutzutage unter einem gemeinsamen Dach auftreten würden – und das übrigens schon seit einigen Jahren.

Damit stellt sich der Regierungsrat hinter die Aussagen seines Kulturbeauftragten Niggi Ullrich, der schon im Mai 2012 im Interview mit der TagesWoche gesagt hatte, dass der Begriff Baselbieter Kultur ein Phantom sei, weil sich kaum jemand darauf berufen wolle. «Kultur orientiert sich an Inhalten oder Formen, aber nicht über kantonal abgegrenzte Räume.»

Förderpreis für Vokalensemble larynx

Der Kulturrat, dem nebst Wüthrich auch Christoph Haering (Bottmingen), Christoph Huldi (Muttenz), Gabriela Lazar (Zürich, aus Niederdorf stammend) und Ursula Pfister (Gelterkinden) angehören, verleiht nebst den drei Spartenpreisen auch einen Förderpreis. Auch dieser sprengt die Kantonsgrenzen: Das 2005 von Studierenden der Musikhochschule Basel gegründete Vokalensemble larynx, das unter der Leitung des gebürtigen Liestalers Jakob Pilgram steht (wie im Communiqué hervorgehoben wird), erhält 10’000 Franken und wird damit für seine «Sprungbrettfunktion» gewürdigt.

Angesichts all dieser Grenzüberschreitungen passt auch die Location, die für die feierliche Verleihung ausgewählt wurde: Das ZicZac in Allschwil ist nur einen Unspunnensteinwurf von der Kantonsgrenze entfernt. Die Preise werden am Mittwoch, 26. September 2012, übergeben.

Konversation

  1. Wenn Herr Ullrich sagt, dass sich «Kultur an Inhalten oder Formen, aber nicht über kantonal abgegrenzte Räume orientiert», dann dürfen sich, sofern es sie dort denn gäbe, auch Künstlerinnen und Künstler aus Mörel, aus Müstair, aus Palézieux oder aus Schlattingen, auf einen der Baselbieter Kulturpreise 2013 hoffen. Hübsch.

    Dass Preise an Christian Zehnder und Vadim Jendreyko, beide aus Basel, vergeben wurden, damit kann ich leben. Und die beiden Ausgezeichneten erst recht. Denke ich. Seltsam dünkt mich allerdings, dass man unter den Baselbieter „Gestaltern“, und die gibt es, nicht weitere für eine „Belohnung“ würdig erachtet hatte. Etwa Personen aus der ‹Wirkstatt Hanro›, der Baselbieter Künstlergruppe «mir wei luege», oder sonst jemanden „vo Schönebuech bis Ammel“

    Und wenn Postleitzahlen nicht ausschlaggebend sind, wie wäre es mit einem BL Kulturpreis für jemandem aus 9658? Möglicherweise gar für Noldi Alpiger, der für seine Objekte mit „Art is heart“ wirbt. Nebst dem Schneeschuhwandern.

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