Basels erster Flipperclub lässt die Kugeln rollen

Im März eröffnet der Flipperclub Regio Basel ein Spielparadies: 50 Flipperautomaten stehen einem interessierten Publikum zur Verfügung.

Zurück in die Jugend: Wer in den 80ern das Flippern lieben lernte, trifft im Vereinslokal des Flipperclubs Regio Basel alte Bekannte.

(Bild: Jonas Grieder)

Im März eröffnet der Flipperclub Regio Basel ein Spielparadies: 50 Flipperautomaten stehen einem interessierten Publikum zur Verfügung. Wir haben uns schon mal umgeschaut und gefilmt.

Alain Müller aus Binningen stiess an seine Grenzen. 20 Jahre schon lebte er seinen Bubentraum aus: Flippern in den eigenen vier Wänden. Doch mit der Leidenschaft für diese Spielgeräte wuchs auch der Platzbedarf. Er mietete zwei externe Hobbyräume dazu, bis auch diese vollgestellt waren. Was nun, was tun?

Zum Glück ist Müller nicht der einzige in der Region Basel, der leidenschaftlich flippert. An Turnieren lernt man sich kennen – und mit sechs Gleichgesinnten beschloss er im Sommer 2015, einen Verein zu gründen: den Flipperclub Regio Basel.

Die Gründungsmitglieder fackelten nicht lange und und sahen sich nach einem passenden Vereinsraum um. Hinter dem Dreispitz, ein bisschen versteckt im Münchensteiner Industriegebiet, wurden sie fündig. In einem Gewerbehaus stehen 50 Automaten, die eine wunderbare Geräusch- und Blinkkulisse abgeben.  

Freispiele für den ganzen Abend

Das Schöne daran: Das Vereinslokal steht jedermann offen! Zweimal im Monat öffnen die Sammler künftig ihre Türen und machen damit die Bahn frei für jedermann und jederfrau. Man soll hier ungezwungen reinkugeln können, um sein Glück an einem der Geräte zu versuchen.

Um den Zugang niederschwellig zu halten, hat der Verein eine Lösung gefunden, die ein bisschen an das «Fümoar»-Modell erinnert. Neugierige können eine Tagesmitgliedschaft lösen, um sich in diesem Spielparadies umzusehen. Wer Jahresmitglied werden will, zahlt einen Grundbetrag und dann einen reduzierten Eintrittspreis.

Das Schönste daran: Die Automaten sind alle auf Freispiel eingestellt. Man kann also die Einfränkler zu Hause lassen und den ganzen Abend lang flippern ohne Ende.

Historische Automaten und viele Klassiker

Die Verlockung ist gross. Denn die Maschinen erinnern nicht nur an die eigene Jugend. Sie haben mitunter auch historischen Wert. Die ältesten Modelle stammen aus den 1950er-Jahren. Eine wahre Rarität präsentiert Thomas Reichenstein, den «Sweet Sioux» der Firma Gottlieb aus dem Jahr 1958. «Eines der ersten Geräte, das von vier Personen gespielt werden konnte», erklärt er. «Viele Modelle davon wurden verschrottet.» Bijoux findet man aber auch aus der Blütephase des Flipperns, den 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Zu den unkaputtbaren Klassikern gehört etwa die «Addams Family».

Wobei unkaputtbar nur im übertragenen Sinn zu verstehen ist: Wer so viel spielt wie die Basler Cracks, muss sich mit den Abnützungserscheinungen beschäftigen. Mechaniker ist keiner von Beruf, die Vereinsmitglieder sind eher im IT- und Ingenieurwesen zu Hause. Aber alle haben sie in den letzten Jahren ihre Lötfähigkeiten auf ein ansprechendes Level gebracht. Bringen müssen.

Kaum ein Spielabend, ohne dass etwas geflickt werden muss: Seien es Lämpchen oder Plastikteile. Zum Glück gibt es Ersatzteilhändler, die gemerkt haben, dass sie von den teilweise historischen Apparaten leben können. Dadurch kommen auch die Basler Fans an seltene Ersatzteile ran, selbst wenn sie diese in Übersee bestellen müssen. Und das ist nicht selten der Fall, wurde doch das Gros der Automaten in den USA produziert, wo der Markt am Grössten war.

Die Flipperkästen verschwinden aus den Beizen

Der teure Unterhalt ist allerdings nicht der Grund für die Mitgliedergebühren. Die macht vielmehr der Mietzins nötig, den der siebenköpfige Club ansonsten ganz alleine tragen müsste. Dass sie mit ihrer Sammlung auch andere erfreuen werden, daran besteht kein Zweifel. Wir jedenfalls freuen uns nach unserem Recherchebesuch darauf, bald ganz privat aufzutauchen. Ran an die Kugeln, rein ins Vergnügen.

Der Flipperclub gibt Gegensteuer zu einer Entwicklung, die nicht aufzuhalten scheint: Das Verschwinden der Flipperkästen aus den Beizen. «Für viele Bars rechnet sich ein Flipperkasten nicht mehr», sagt Niklaus Stirnimann. «Sie brauchen viel Platz und kosten den Beizer relativ hohe Gebühren, da sie in vielen Kantonen dem Glücksspiel zugeordnet werden.»

In Österreich gilt Flippern als Sportart

Glücksspiele sind sie, für Amateure wie ich einer bin, tatsächlich. Die ausgefuchsten Fans aber können das Glück beeinflussen, wie Ramon Richard betont. Der Vereinspräsident ist ein veritabler «Pinball Wizard», in der aktuellen Landesrangliste auf Platz 4 eingestuft. Er gehört zu den flinksten Fingern der Schweiz und demonstriert seine Fertigkeit am Kasten «Medieval Madness».

Er balanciert die Kugel und platziert sie genau dort, wo er sie hinhaben will. Mit leichten Schubsern beeinflusst er den Lauf der Kugel – ohne, wie wir früher, einen Tilt zu provozieren. «Nebst strategischen Entscheiden ist auch ein Gefühl für die Tasten bedeutend», erklärt er. Und: Jeder Flipperkasten ist im Handling anders.

So konzentriert und fingerfertig sich die Flippermeister präsentieren, erstaunt es nicht, dass das Spiel in Österreich sogar zu den Sportarten gezählt wird. «Aber es ist noch ein weiter Weg, bis Flippern olympisch wird», scherzen die Basler Cracks.

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Flipperclub Regio Basel, Grabenackerstrasse 8a, Münchenstein.
Eröffnung: Samstag, 19. März.
Weitere Öffnungszeiten (zweimal pro Monat) im Internet:
www.flipperclubbasel.ch

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