Basels Räume für Bedürftige

Die Suppenküche für Bedürftige im Gundeli schliesst über den Sommer. Soup&Chill ist aber nicht das einzige Angebot. Wir stellen sechs weitere Orte vor, wo Bedürftige versorgt werden.

Im Sommer ist das Angebot für Bedürftige in Basel an Wochenenden rar, aber es gibt ein paar Orte, wo sie sich verpflegen können. (Bild: Nils Fisch)

Die Suppenküche für Bedürftige im Gundeli schliesst über den Sommer. Soup&Chill ist aber nicht das einzige Angebot. Wir stellen sechs weitere Orte vor, wo Bedürftige versorgt werden.

Soup&Chill im Gundeli muss über den Sommer schliessen. Der Grosse Rat lehnte einen Unterstützungsantrag ab und deswegen fehlen der Suppenküche für Bedürftige finanzielle Mittel für den ganzjährigen Betrieb. Die soziale Institution konzentriert sich nun auf das Nötigste – warmes Essen in der kalten Winterzeit.

Das Soup&Chill ist aber durchaus nicht das einzige Angebot für Randständige. Wie uns eine aufmerksame Leserin hinwies, erhalten Bedürftige warmes Essen – auch an Wochenendtagen – in anderen Institutionen. Wir stellen nachfolgend die Wichtigsten vor.

Treffpunkt Glaibasel

Der Treffpunkt Glaibasel, die «gute Stube im Kleinbasel», ist von Montag bis Samstag ab 8.30 Uhr geöffnet. Nur Sonntags haben die Räumlichkeiten geschlossen. Stellenleiter Hüseyin Haskaya hat seinen Job vor rund zwei Monaten angetreten und empfindet die Arbeit als sehr vielfältig.

Das Angebot umfasst unter anderem Aufenthaltsräume, Malzeiten sowie Beratung und Begleitung in allen Lebenslagen. «Das Angebot richtet sich an keine spezielle Zielgruppe», sagt Haskaya. Man kümmere sich hier um sozial, finanziell und gesundheitlich benachteiligte Menschen. Das Angebot werde rege genutzt. Von den 35 bis 40 Menschen, die sich täglich in den Räumlichkeiten einfinden, seien etwa 25 fast jeden Tag da.

Eine spezielle Aktion ist das System des 5-Stutz-Bon. Dank dem Bon kann man Bedürftigen auf der Strasse statt Geld einen 5-Franken-Gutschein überreichen und sie erhalten dafür eine reichhaltiges Mittagessen in der Glaibasler Küche. «Leider ist die Aktion ‹Hesch mr mol fünf Stutz› nicht mehr so lebendig, wie in den Anfangszeiten», sagt Haskaya. Er will das Programm, das seit fünf Jahren besteht, reaktivieren und aus der Vergessenheit holen.

Gratis sind im Treffpunkt die Tagessuppe und diverse Getränke. Seit 2008 wird die Glaibasler Küche, wie auch die Gassenküche Basel, von der Christoph Merian Stiftung unterstützt. Finanziell sei es bei allen vergleichbaren Institutionen nicht immer so einfach. Viele Spenden kommen, sagt Haskaya, auch von Privaten.

Gassenküche

Auch die Gassenküche Basel, zwischen Volkshaus und Wettsteinplatz bietet wie der Treffpunkt Glaibasel Essensgutscheine an. Unter der Woche wird in den Räumlichkeiten ein kostenloses Frühstück und ein Abendessen für drei Franken gekocht.

Samstags ist die Gassenküche Basel geschlossen, bietet am Sonntag dafür jeweils einen kostenlosen Brunch an.

Wallstrasse

Die Wallstrasse ist ein Tageshaus für Obdachlose. Diesen bietet sie die grundlegenden Einrichtungen einer festen Wohnung an – sei es eine kostenlose Dusche, eine Waschmaschine, eine Kleiderbörse, Spiele, Bücher oder Zugang zum Internet.

Das Tageshaus hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Wie auch das Sonntagszimmer (nachfolgend) hat die Wallstrasse über den Sommer ein reduziertes Programm. Erst am 14. Juli werde der Betrieb wieder aufgenommen, teilt der Telefonbeantworter mit.

Sonntagszimmer

Das Sonntagszimmer ist keine Gassenküche im eigentlichen Sinn. «Bei uns stehen christliche Werte ganz klar im Zentrum, nicht so sehr die Malzeiten», sagt Thawm Mang, Koordinator und Gastgeber des Angebots, der früher Gastgewerbsseelsorger gewesen sei.

Jeden Sonntag ab 8 Uhr öffnet das Sonntagszimmer in der Kleinbasler Matthäuskirche seine Türen und bietet bis zum Abend ein abwechslungsreiches Tagesprogramm an. Kirchliche Rituale wie das Morgengebet nehmen eine wichtige Stellung ein.

Besucht werde das Sonntagszimmer von einer grossen Vielfalt von Leuten, besonders auch von Menschen, die Gemeinschaft suchen. «Zu uns kommen sehr viele Schweizer, sehr viele Nichtschweizer, Alleinerziehende und Alleinstehende», sagt Thawn Mang. Das verbindende Motto sei, «Gemeinschaft von Acht bis Nacht».

Lebensmittellieferungen der Schweizer Tafel

Verschiedene Basler Gassenküchen beziehen Lieferungen von der Basler Sektion der Schweizer Tafel. Sie verteilt Lebensmittel mit abgelaufenem Verkaufsdatum gratis an Hilfswerke.

Die Esswaren bezieht Schweizer Tafel unter anderem bei Lebensmittelproduzenten und Detaillisten. Sie finanziert sich über Spenden von Stiftungen, Privaten und Partnern.

Notschlafstelle

Ausser den Anlaufstellen für Randständige, die den Bedürftigen tagsüber Unterstützung bieten, gibt es in Basel auch die Notschlafstelle. Hier können Menschen ohne festen Wohnsitz gegen einen Batzen übernachten. Die Notschlafstelle bietet nicht nur einen Schlafplatz in den Mehrbettzimmern, sondern auch Bad und Dusche oder einen Aufenthaltsraum mit Fernseher und eine separate Frauenabteilung.

Treffpunkt für Stellenlose im Gundeli

Eine Ergänzung zur Übersicht: Der Treffpunkt für Stellelose Gundeli bittet für alle Bedürftigen (nicht nur Stellenlose), täglich warmes Mittagessen (6 Franken), Tagesaufenthalt, Computerarbeitsplatz, Duschmöglichkeit, Beratung und Hilfe bei der Stellen- und Wohnungssuche, Zeitungen und Zeitschriften.

Der Treffpunkt am Winkelriedplatz 6 hat täglich von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, auch an Feiertagen. Er ist Schweizerinnen und Schweizern oder Leuten mit Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz vorbehalten. Asylsuchende und «Arbeitstouristen» werden nicht «aufgenommen, da diese andere Angebote aufsuchen können, der Treffpunkt wird nicht für diese vom Kanton, der Kirchen, der CMS und Privaten finanziert», teilt Martina von Falkenstein mit, Geschäftsleiterin des Treffpunktes.

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Kennen Sie in Basel weitere soziale Institutionen, die randständigen Menschen zum Beispiel warmes Essen, Aufenthaltsräume oder das Duschen ermöglichen? Melden Sie uns Ihren Tipp im Kommentarfeld.

Konversation

  1. Eine Angebot die mehr ist als Essen und Schlafen!

    Café Elim
    Eine Oase in Basel!

    Gratis-Verpflegung mit Getränken und Nahrungsmitteln
    Ruhige, freundliche, angenehme Atmosphäre ohne Stress
    Kontaktmöglichkeiten
    Nach Wunsch Gespräche über allgemeine oder persönliche Anliegen
    Scharnierfunktion zwischen Gassenarbeit und Haus Elim
    Geführt von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen aus Kirchen, Freikirchen und Werken der Region Basel
    Geöffnet in der Regel: Montagnachmittag 14.00 – 17.00 Uhr, Dienstag- bis Freitagabend jeweils 19.30 – 22.15 Uhr, jeden 1. und 3. Samstag im Monat 17.30 – 19.30 Uhr und jeden 1. und 3. Sonntag im Monat 14.00 – 17.00 Uhr. Aenderungen sind möglich!

    Kuchen, Getränke und andere haltbare Lebensmittel nehmen wir gerne entgegen.

    Das Café Elim wird ausschliesslich durch Sach- und Finanzspenden sowie den ehrenamtlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen.

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  2. Es ist schon interessant wie in Berichten zum Thema Armut und Randständigkeit die Bedürfnisse der betroffenen Menschen immer nur auf essen und schlafen reduziert werden. Doch die Anliegen gehen tiefer: Es braucht Rückzugsmöglichkeiten, so wie sie «Soup & Chill» anbot.
    Der Artikel «Basels Räume für Bedürftige» schildert genau jene Angebote, die wir Surprise-Stadtführer in unseren Sozialen Stadtrundgängen einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Einer dieser Stadtführer bin ich. Meine Tour 3 unter dem Motto «von der Sozialhilfe zur Selbsthilfe» beispielsweise führt in den Treffpunkt Kleinbasel, einer Art Oase in den oft ruhelosen Lebensumständen Armutsbetroffener.
    Anlaufpunkt ist aber auch die Matthäus-Kirche mit dem Sonntagszimmer. Und an demselben Ort die Lebensmittelausgabe an Bedürftige. Geschildert werden Abläufe und die Voraussetzungen welche erfüllt sein müssen, um zum Bezug berechtigt zu sein.
    Auf der Claramatte wird die «Verdrängung der sichtbaren Armut aus dem äffentlichen Raum» thematisiert, eine Entwicklung notabene, welche für Betroffene immer mehr zur Belastung wird.
    Mit der Winterhilfe Basel-Stadt wird eine sehr wichtige Institution vorgestellt, welche Menschen in Armut über alle Generationen hinweg sachgerecht und effizient begleitet und unterstützt.
    Insbesondere für heimatvertriebene Menschen ist das Internetcafé «Planet 13» eine wichtige Basis. Zum einen bietet sich ihnen hier die Möglichkeit, unentgeltlich die deutsche Sprache, aber auch englisch zu lernen. Wissen und Kultur werden ebenso vermittelt.
    Die Sozialhilfe Basel-Stadt mit ihren breit angelegten Aufgaben ist ebenfalls ein Anlaufziel der Tour. Anmeldeformalitäten, Abläufe und alles damit Zusammenhängende wird vorgestellt.
    Zuguterletzt stellt sich dann noch das «Brockino» vor: Ein Brockenhaus nach dem Modell deutscher «Sozial-Kaufhäuser». Der Anspruch dieser Einrichtung: Einerseits sollen auch Bedürftige die Möglichkeit haben, sich mit Bedarfgütern des täglichen Lebens einzudecken. Andererseits – und nicht minder wichtig – einen Pool darstellen, an welchem sich alle, unabhängig ihres sozialen Status treffen und austauschen können.
    Die «Sozialen Stadtrundgänge» erfreuen sich eines grossen Zuspruchs. Seit dem Start im April 2013 haben wir um die 300 Touren durchgeführt und etwa 4’000 Interessierten ungewöhnliche Einblicke in eine Welt verschafft, an der man ansonsten lieber vorbei geht, oder schlicht nicht die Zeit hat, sich damit auseinander zu setzen.

    Markus Christen
    Surprise-Stadtführer

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