Bern ist nun offen für eine Tunnellösung

Das Bau- und Verkehrsdepartement und das Bundesamt für Strassen unterzeichnen eine Absichterklärung. Demnach soll die Osttangente «stadtverträglich ausgebaut» werden. Für Basel bedeutet das unterirdisch. Die Tunnelvariante wird nun vertieft vom Bund angeschaut. Ein Durchbruch in der schwierigen Partnerschaft zwischen Bern und Basel.

Übernutzt: die Basler Osttangente. (Bild: Google Street View)

Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement und das Bundesamt für Strassen (Astra) unterzeichnen eine Absichterklärung. Demnach soll die Osttangente «stadtverträglich ausgebaut» werden. Für Basel bedeutet das also unterirdisch. Die Tunnelvariante wird nun vertieft vom Bund unter die Lupe genommen. Ein Durchbruch in der schwierigen Partnerschaft zwischen Bern und Basel.

Die heute stark befahrene Osttangente, das erste in Basel erstellte Stück der Stadtautobahn A2, muss in den nächsten Jahren erweitert werden. Das sehen fast alle ein. Über das «Wie» scheiden sich seit Längerem jedoch die Geister. Für die Basler ist klar: Ein Ausbau der Autobahn kommt nur mit einer Tunnelvariante in Frage. Geht es aber nach dem Bundesamt für Strassen (Astra) soll die Osttangente zwischen Gellertdreieck und Badischem Bahnhof oberirdisch ausgebaut werden. Und zwar um je eine Fahrspur pro Richtung. Kostenpunkt: rund 1 Milliarde Franken. Als das Astra diese Pläne vor rund zwei Jahren in Basel vorstellte, liefen die Anwohner Sturm. Und mit ihnen die Politiker von links bis rechts. Man werde sich mit allen Mitteln gegen diesen «dummen» oberirdischen Ausbau wehren, hiess es immer wieder. Denn dieser würde das Wohnen verunmöglichen, die Stadt regelrecht kaputt machen.

Der Widerstand in Basel war so gross, dass sich Baudirektor Hans-Peter Wessels in Bern für eine unteridische Lösung einsetzen musste. Mit Erfolg. Das Astra willigte zähneknischend ein, eine Tunnelvariante zu prüfen. Die Beziehung zwischen Wessels‘ Departement und dem Astra war aber nach dieser Forderung auf dem Tiefpunkt. In einem Zeitungsinterview vom Januar 2011 (siehe Rückseite des Artikels) griff Astra-Vizedirektor Jürg Röthlisberger Baudirektor Wessels heftig an. Er machte keinen Hehl daraus, dass er von einer Tunnelvariante gar nichts halte. Gar nichts! Diese Variante sei zu teuer und technisch nur schwer realisierbar. Und wenn die Untertunnelung nicht einen Mehrwert gegenüber seiner Lösung generiere, müsse sich Basel-Stadt gefälligst an den Mehrkosten von mehreren hundert Millionen beteiligen.

Alternativprojekt bis spätestens Frühling 2013

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Wessels und Röthlisberger sind auf Schmusekurs: Das Astra und das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) unterzeichnen dieser Tage eine Absichtserklärung, wonach sie gemeinsam nach einer verbesserten Lösung für die geplante Erweiterung der Osttangente suchen. Ziel sei es, neben dem bereits vorbereiteten Referenzprojekt (mit ausschliesslich oberirdischer Trasseeführung) ein Alternativprojekt mit «möglicherweise unterirdischer Kapazitätserweiterung» zu erarbeiten, teilen sie mit. Das Alternativprojekt wird bis Ende 2012, eventuell Frühling 2013, auf einem Planungsstand sein, der einen Grundsatzentscheid für die Kostenteilung zwischen Bund und Kanton ermögliche.

Das Astra und BVD hätten zur Kenntnis genommen, dass bei einer rein oberirdischen Trasseeführung mit erheblichen politischen Widerständen zu rechnen sei, heisst es weiter. Deshalb habe das Astra Hand für eine «Öffnung des Variantenenfächers» geboten. Trotzdem: Die oberirdische Variante bleibt für Bern nach wie vor punkto Kosten und Termine die Referenzlösung.

Die unterdische Variante werde zwar bereits seit Längerem angschaut, sagt BVD-Sprecher Marc Keller, nun aber fundierter. Und: «Neu ist, dass sich das Astra völlig offen zeigt für eine unterirdische Lösung. Es besteht inzwischen ein sehr gutes Einvernehmen zwischen uns», sagt Keller. Dies bestätigt Astra-Sprecherin Esther Widmer: «Die Zusammenarbeit funktioniert tiptop.» Man werde die Tunnelvariante nun vertiefter prüfen. Sehr vertieft, sagt sie.

Quellen

Medienmitteilung des ASTRA und BVD zur Osttangente

Interview mit Jürg Röthlisberger in der «Basellandschaftlichen Zeitung» vom Januar 2011

Konversation

  1. Auf Pump grosse Infrastruktur aufbauen, die uns gar nichts nützt.
    Pendler: ÖV nutzen, für weniger Einwanderung stimmen und in die Stadt ziehen (wenn es weniger Menschen hat, dann steigen auch die Mieten nicht; oder stimmt das mit Angebot und Nachfrage plötzlich doch nicht mehr so?)
    Ausland: Wenn ihr eure Warenströme nicht mehr in den Griff kriegt, nehmt den Brenner, die Schiene oder lasst es gleich bleiben. Danke.
    Wenn man sich abends da hinstellt, sieht man erschreckend wenige mit BS, die Hälfte mit BL und den Rest mit Autokennzeichen von sehr, sehr weit weg. Die NT war und ist nötig, weil sie für die Stadt von direktem Nutzen ist. Die Osttangente und die Schwarzwaldbrücke sind wirklich nur für die Auswärtigen und womöglich nur für die auswärtige Wirtschaft von Nutzen.

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