Bund zeigt wenig Herzblut für das Basler Herzstück

Die Regierungen beider Basel bedauern den nur halbherzigen Einbezug des Herzstücks in das Bahnausbauprogramm 2035 des Bundes. Dass der Durchbruch noch nicht geschafft wurde, hat auch mit dem Planungsrückstand des Basler Projekts zu tun. Eine Analyse.

Zu wenig Herz für das Basler Herzstück. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels lässt sich nicht so schnell betrüben. «Es ist wie oft eine Frage, ob das Glas halb leer oder halb voll ist», antwortet er diplomatisch auf die Frage, ob ihn die Botschaft des Bundes zum Bahnausbauschritt STEP 2035 enttäuscht hat.

Man kann, wenn man sich etwas Mühe gibt, durchaus positive Ansätze aus dem Bahnausbauprogramm herauslesen. Ins Programm aufgenommen wurden alte Wünsche wie eine Bahnverbindung zum EuroAirport, die Elektrifizierung der Hochrhein-Bahnstrecke und der Ausbau der Laufental-Strecke. «Das alles macht aber wenig Sinn, wenn diese Zulaufstrecken am Schluss nicht über das Herzstück zusammengefügt werden können» sagt Wessels.

Eben, dieses Herzstück. Es ist erstmals explizit in einem Papier des Bundes als wünschenswertes Projekt aufgeführt. Basel soll auch die Erlaubnis bekommen, die Projektierung vorzufinanzieren. Soweit, so gut. Dann aber folgt die Ernüchterung: Eine Rückzahlung wird explizit nicht garantiert. Und von einer konkreten Umsetzung des Projekts ist im Ausbauprogramm 2035 ebenfalls nichts zu lesen. Die vorgesehenen 11 Milliarden Franken fliessen vor allem in die Grossräume Zürich/Zentralschweiz und Westschweiz.

Die Hoffnung, es wie sehnlichst erwünscht nun nachträglich doch noch in das Ausbauprogramm 2035 zu schaffen, wurde zerschlagen – dieser Zug ist abgefahren. Der Fokus liegt laut Wessels nun in STEP 2040. 

Hoffnung auf Ausbauschritt 2040

In einer gemeinsamen Medienmitteilung bezeichnen die Kantone Basel-Stadt und Baselland die fehlende finanzielle Unterstützung als «unbefriedigend»: «Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro und Regierungsrat Hans-Peter
Wessels fordern nach einer ersten Einschätzung des Botschaftsentwurfs
den Bund auf, hier nachzubessern.» Bundesbern müsse nach A nun auch B sagen, heisst es etwas kleinmütig in der Medienmitteilung.

Ähnlich tönt es aus einer gemeinsamen Stellungnahme der zuständigen Kommissionen des Basler Grossen Rats und des Baselbieter Landrats. «Was in anderen Schweizer Agglomerationen bereits Realität ist, muss auch
in der zweitgrössten und dynamischsten Wirtschaftsregion der Schweiz
endlich möglich werden», schreiben die beiden Kommissionen.

Bereits ist sie wieder da, die oft gehörte Klage der Region Basel, in Bern zu wenig gehört zu werden. In diesem Fall muss Basel aber zur Kenntnis nehmen, dass jede Region ihre eigenen Projekte hat und in erster Linie für sich selber kämpft. Und dass die Konkurrenz sehr gross und stark ist. So haben sich die sechs Städte Luzern, Schaffhausen, Sankt Gallen, Winterthur, Zug und Zürich zu einer übermächtigen Allianz zusammengeschlossen. 

Dagegen ist die Region Basel verschwindend klein, zumal sie konstatiert, dass ein grosser Teil der Infrastruktur, um die es geht, im deutschen und französischen Ausland liegt, das sich in Bern nur schwer Gehör verschaffen kann.

Eigene Versäumnisse

Das allein hat dem Herzstück aber noch nicht den Platz in der Gruppe der auserwählten Projekte verwehrt. So gibt Wessels zu, dass das Basler Herzstück beim Stand der Planung hinter vielen Konkurrenzprojekten aus der Restschweiz herhinkt. Zu lange hat man sich in Basel allein auf den Ausbau des S-Bahn-Netzes konzentriert und erst spät, zu spät gemerkt, dass man die SBB nur an Bord holen kann, wenn man die Durchmesserlinie auch für Fernzüge tauglich macht.

Inzwischen sind die SBB an Bord. Und die beiden Basel haben ein überzeugendes Projekt in den Wettbewerb geschickt. Es handelt sich aber um einen Vorschlag, den man vor gerade mal fünf Monaten aus dem Hut gezaubert hat. Und an dem entsprechend noch sehr viel gearbeitet werden muss. Da waren und sind andere Regionen Basel zumindest zeitlich ganz weit voraus.

Konversation

  1. Kilometerweit durch den Schwemmkies von Basel unter all den Häusern hinweg?
    Da muss man mindestens so optimistisch sein wie die Bahn-Baufirma in Rastatt!
    Kölnnte es sein, dass am Ende die Hälfte der Kosten die Sanierung der Häuser beträffe, die dabei leider in Mitleidenschaft gezogen worden sind?
    In einem Erdbebengebiet, wo auch eine europaquerende Spalte (Die Achse Rhein-Rhone spaltet den europäischen Kontinent) durch Basel verläuft, würde ich mir dreimal überlegen, da einen verkehrstechnisch relevanten Tunnel zu verlegen unter dem Rhein.

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  2. Mir sind die gesamtschweizerischen Motive des Bundesrates nicht klar. Eine solche Sache kann doch nicht regional angegangen werden? Auch nicht, wenn Städte sich zusammenschließen? Grundsätzlich sollte der ÖV für sowohl Personen wie für Güter über allem anderen Transport Vorrang haben. Dies scheint vielen Menschen noch nicht deutlich geworden zu sein, die offenbar lieber im Stau warten..

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  3. Vergesst endlich dieses Herzstück. Das kommt nie. In unserer Kleinstadt sind genug Verbindungen vorhanden. Ggf. kann man sie etwas anders verkoppeln, aber das reicht.

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    1. Man kommt überall hin, aber das geht alles super langsam, fast wie damals mit der Kutsche. Ich habe viele Jahre in Basel gelebt und kann an einer Hand abzählen wie oft ich die S-Bahn benutzt habe, weil die Verbindungen einfach unbrauchbar sind. Wenn man z.B. mit ÖV schnell zu Novartis will gibt es gerade zwei Optionen: Man wohnt in Basel-West oder in Frankreich. Ansonsten, alles braucht mehr Zeit in Basel.

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    2. Sie verstehen die Funktion des Herzstückes schlicht nicht.

      Der Bund baut bis 2035 die Zubringerstrecken massiv aus. Bahnanschluss EAP, 15-Minutentakt Lörrach-Basel /Basel -Aesch, Basel-Liestal, Elektrifizierung Hochrheinbahn.

      Und der Bahnhof SBB platzt schon heute aus allen Nähten.

      Das fernverkehrstaugliche Herzstück würde für die benötigten Kapazitäten sorgen, es entstünden Direktanbindungen aus der ganzen Agglomeration und beschleunigen diese – der Umsteige-Effekt auf den öV wäre massiv.
      Durch die Neuordnung der Trassen Personenverkehr / Güterverkehr dank dem Herzstück, werden Kapazitäten frei und Fahrzeiten beschleunigt.

      Wer Basel fürs Auto immer unattraktiver machen will, der MUSS sich jedoch fürs Herzstück einsetzen. Status quo wie heute und einfach Autos verbieten, das funktioniert nicht.

      Der Bund setzt sich in die Situation, dass er das Herzstück spätestens bei der nächsten Etappe finanzieren MUSS. Denn er bezahlt nun eine ganze Palette Zurbingerstrecken – das kann auf Dauer nicht gut sein.

      Wenn in Zürich Leute wie Sie das Sagen hätten – Zürich hätte heute noch seinen Kopfbahnhof und vereinzelte Regiozüge. Machen Sie die Augen auf, sehen die die Bahnstrecken und sehen Sie, was in den nächsten 15-20 Jahren gebaut wird durch den Bund! Wir brauchen das fernverkehrstaugliche Ringsystem unter der Stadt hindurch!

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    3. Ich verstehe den Wert des «Herzstücks» auch nicht wirklich. Aber das liegt wahrscheinlich weniger am Herzstück als daran, dass die Regierung seine Funktion bis jetzt nicht wirklich einleuchtend erklärt hat. (Die 2 Minuten Zeitgewinn durch den Wegfall der Spitzkehre am Badischen Bahnhof können ja nicht das Argument sein.)

      Hier sehe ich eine Parallele zum Margarethenstich: Auch dort hat es die (hier Baselbieter) Regierung es schlicht verschlafen, die vielfältigen positiven Auswirkungen für das gesamte Basler ÖV-Netz zu erklären. Entsprechend drehte sich die Diskussion immer nur um die 5 Minuten Zeitgewinn zum Bahnhof. Das dürfte für das Abstimmungsergebnis nicht unbedeutend gewesen sein.

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  4. Bravo endlich wird dieses unsägliche und überdimensionierte Projekt vom Bund versenkt,das Milliarden verlochen wurde jetzt endlich gestoppt!
    Danke Frau Leuthard der Steuerzahler ist Ihnen Dankbar!

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  5. Solange man es hier nicht fertig bringt ein Gesamtkonzept auf die Beine zu stellen mit den Anbindungen des Euroairports, den S-Bahnen plus die Verbindungen in/durch/unter der Stadt im Einklang mit Verlagerungen beim motorisierten Verkehr (Autobahnteilstücke) und Langsamverkehr solange macht es keinen Sinn in Bern überhaupt Gesuche einzureichen. Denn nur was wirklich durchdacht ist kann da überzeugen. Die Planung für die Zukunft muss heute stattfinden und nicht in einigen Jahren/Jahrzehnten.

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