Bundesrat will zweite Strassen-Röhre

Bis 2027 soll durch den Gotthard ein zweiter Autobahntunnel gebaut sein. Und ab 2030 wäre dann auch die bestehende Röhre saniert. Doch der Bundesrat will per Gesetz den Verkehr auf je eine Spur drosseln.

Kein Ort für Velofahrer: Der Gotthardstrassentunnel (Archiv) (Bild: sda)

Bis 2027 soll durch den Gotthard ein zweiter Autobahntunnel gebaut sein. Und ab 2030 wäre dann auch die bestehende Röhre saniert. Doch der Bundesrat will per Gesetz den Verkehr auf je eine Spur drosseln.

Der Bundesrat versucht es am Gotthard allen recht zu machen: «Damit die für die Schweiz und Europa wichtige Gotthard-Verbindung auch während der Sanierung des Strassentunnels erhalten bleibt», schlägt die Landesregierung jetzt «den Bau einer zweiten Strassenröhre vor», wie sie gestern beschlossen hat und bekannt gab. Aber: «Es wird pro Richtung immer nur eine Fahrspur in Betrieb sein», beteuert der Bundesrat sofort. Und: «Der Alpenschutzartikel bleibt gewahrt.»

Gesetz gegen Macht des Faktischen

Der Bau dieser zweiten Röhre parallel zum bestehenden, zweispurigen Tunnel werde etwa 2, 8 Milliarden Franken kosten, sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP, AG) gestern vor den Medien in Bern. Das ist etwa eine Milliarde mehr als die Sanierung der bestehenden Röhre unter teilweiser Schliessung derselben kosten würde. Der Apenschutzartikel in der Bundesverfassung verbietet den Bau zusätzlicher Strassenkapazitäten durch die Schweizer Berge.

Doch mit seiner gesetzlichen Beschränkung auf die Benutzung von nur je einer Fahrspur pro Tunnel meint der Bundesrat dieses Problem lösen zu können. «Die andere Spur wird je nur als Pannenstreifen benutzt werden dürfen», beteuert Leuthard im Interview mit der TagesWoche. Sobald indes ab 2030 beide Röhren insgesamt vierspurig voll ausgebaut da sind, wird der Druck seitens der Auto- und Lastwagenverbände sofort ansteigen, zumindest bei grossen Staus zeitweise halt doch die Kapazität zu erhöhen. Leuthard beschwichtigt: «Diese Verbände haben auch nicht so viel Einfluss. Sie haben ja jetzt nach dem Unglück von Gurtnellen auch zusätzliche Öffnungen verlangt; umsonst, wir konnten die Situation auch ohne meistern.»

Volksabstimmung 2015

Der Bundesrat will seine Vorlage für die gesetzlich gedrosselte neue Gotthardröhre noch dieses Jahr in die Vernehmlassung geben. 2014 käme das Projekt dann ins Parlament. Und weil die Grünen schon jetzt ein Referendum angekündigt haben, müsste dann 2015 das Volk entscheiden. Dann rechnet die Landesregierung mit gut 8 Jahren für die Planung und weitere 7 Jahre für den Bau. Frühestens 2027 könnte dann die neue Röhre doppelspurig in Betrieb genommen und der bestehende Tunnel gleichzeitig zwecks Totalsanierung geschlossen werden. Frühestens ab 2030 wären dann beide neu gebauten und sanierten Tunnel je einspurig in Betrieb.

Konversation

  1. Dann hoffen wir mal schwer dass das Parlament oder notfalls in letzter Instanz das Volk den Bundesrat noch zur Vernunft bring!

    Zuerst eine Unsumme Geld in einen Basistunnel zu stecken und ihn dann für den Zweck der Umlagerung nicht zu benutzen ist doch einfach nur irgendwie ideologische Verblendung! Denn schon rein ökonomisch ist „nur eine Milliarde mehr“ doch auch kein Pappenstiel – ganz abgesehen davon das aller Erfahrung nach Tunnels in der Realisierung deutlich mehr kosten als wenn sie der Öffentlichkeit „verkauft“ werden sollen…

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