Busers Bauchlandung

Christoph Busers herbe Niederlage zeigt: Die Baselbieter wollen ihn nicht in Bern. Da hilft auch der schlagkräftigste Wahlkampf-Apparat nichts.

Christoph Buser

 

(Bild: Basile Bornand)

Christoph Busers herbe Niederlage zeigt: Die Baselbieter wollen ihn nicht in Bern. Da hilft auch der schlagkräftigste Wahlkampf-Apparat nichts.

Christoph Buser (FDP) wurde am Sonntag im Regierungsgebäude in Liestal zwar nicht am wärmsten, sicher aber am aufgeregtesten empfangen. Seine Niederlage fiel überraschend deutlich aus. Damit haben weder die Medien noch die anwesenden Politiker gerechnet. Alle wollten wissen, was der bürgerliche Hoffnungsträger und Gewerbler-Liebling zu seiner Bauchlandung zu sagen hatte.

Buser hat für zwei Ämter kandidiert und zweimal eine heftige Niederlage einstecken müssen. Im Kampf um den Baselbieter Ständeratssitz blieb er rund 11’000 Stimmen hinter Claude Janiak (SP), der 42’450 Stimmen sammeln konnte. Auch wenn Janiak damit sein Ergebnis von 2011 um 3000 Stimmen verfehlte, war seine Wiederwahl zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Bereits als gegen Mittag die ersten Gemeinden ausgezählt waren, lag der SP-Ständerat deutlich oberhalb des absoluten Mehrs.

Aber auch bei den Nationalratswahlen hat Buser nicht besser abgeschnitten; er liegt mit etwas mehr als 4000 Stimmen hinter der Bisherigen Daniela Schneeberger.

Riesen-Netzwerk und viel Geld

Busers Ergebnis ist eine herbe Enttäuschung, wenn man bedenkt, welchen Apparat der Direktor der Wirtschaftskammer hinter seinem Rücken wusste. Buser hat einen aufwendigen und bürgerlich breit abgestützten Wahlkampf absolviert, die Liste seiner Unterstützer umfasste die drei Parteien FDP, SVP und CVP, aber auch zahlreiche Vereine und Organisationen aus dem wirtschaftlichen Bereich. Damit hatte Buser sowohl eine grosse Finanzkraft als auch ein riesiges Netzwerk im Rücken.

All das hat ihm nichts genützt. Er selbst sagt im Video-Interview (siehe oben), dass man Wahlen in der Schweiz «eben nicht kaufen könne». Den Hauptgrund seiner Doppelniederlage sieht Buser darin, dass er in beiden Fällen gegen Bisherige angetreten ist. «Claude Janiak hat keine Fehler gemacht, ich bin gegen ihn als absoluter Aussenseiter angetreten.»

Dominik Straumann, Fraktionspräsident der SVP im Landrat und dezidierter Unterstützer von Christoph Buser, hat noch eine andere Erklärung für die Niederlage: «Der Wahlkampf war langweilig, es ging nicht um Inhalte. So konnte Christoph Buser nicht mit seiner Sachkompetenz brillieren.» Trotz zahlreicher öffentlicher Auftritte habe man die Wähler nicht erreichen können.

Die Baselbieter wollen keinen Buser in Bern

Doch wenn man sich im Regierungsgebäude umhört, sind sich eigentlich alle einig: Claude Janiak ist derart breit akzeptiert, dass er selbst bei den Bürgerlichen Stimmen abholen konnte. Sogar einige FDPler hätten Janiak statt Buser auf ihren Stimmzettel geschrieben, heisst es da und dort.

Die Baselbieter Wähler hätten heute ihren mächtigsten Gewerbevertreter nach Bern schicken können. Doch sie haben Christoph Buser diese beiden Ämter deutlich verweigert. Trotz schlagkräftigem Wahlkampf-Apparat ist es ihm nicht gelungen, die Baselbieter von sich zu überzeugen. Das liegt wohl auch am arg gebeutelten Image der Wirtschaftskammer.

Konversation

  1. Heute Abend war ich mit dem Velo im vorderen Laufental unterwegs. Da sah ich Plakate mit Buser, die einen Mehrwert aufwiesen.
    Auf all seinen Plakaten trug er am linken Auge eine schwarze Augenbinde. Oder ist mir etwas entgangen, läuft er real auch mit einer solchen herum?

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  2. «… so konnte Christoph Buser nicht mit seiner Sachkompetenz brillieren.»

    Schade eigentlich: Ich hätte gern mehr über sein gewerbliches «Darknet» erfahren.

    Aber jä nu: Schlussendlich wurde Schaden vom Kanton abgewendet.

    Gut so.

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