BVB suchen Busfahrer in Berlin

Die Berliner bangen um ihre Busfahrer. Das Personal im öffentlichen Verkehr ist knapp, nun werben auch noch die Basler Verkehrsbetriebe um «Bus-Chauffeure».

Mit regem Interessen betrachten sich die Basler am Mittwoch, 18. August 1999, den ersten der neuen Busse, die die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) praesentieren. Insgesamt werden bis Mitte naechsten Jahres 34 neue Busse in Basel verkehren. Neu ist auch die F (Bild: MARKUS STUECKLIN)

Die Berliner bangen um ihre Busfahrer. Das Personal im öffentlichen Verkehr ist knapp, nun werben auch noch die Basler Verkehrsbetriebe um «Bus-Chauffeure».

Sie haben es geschafft. Knapp, aber die Berliner haben den Bedarf an Fahrern von Bahn und Bus für dieses Jahr doch noch gedeckt. Noch Anfang Jahr führte der Mangel an Personal im öffentlichen Verkehr dazu, dass die S-Bahnen teilweise stillstanden und Fahrten ausfielen. Kaum haben die Berliner die Personalkrise abgewendet, wirft nun ein neuer Verkehrsbetrieb seine Angel in der deutschen Hauptstadt aus: die Basler Verkehrsbetriebe (BVB).

Wie der «Tagesspiegel» berichetet, wirbt die BVB in Berliner Zeitungen um neue «Bus-Chaffeure und Bus-Chauffeusen». «Erst waren es die Lehrer – nun folgen die Fahrer von Bahnen und Bussen», schreibt die drittgrösste Zeitung der Deutschen Hauptstadt und fragt sich, warum die Basler ihre Fühler bis nach Berlin ausstrecken. Die Antwort ist ziemlich einfach: Der Markt ist ausgetrocknet. Nicht nur in Deutschland, wo die Verkehrsbetriebe landesweit rund 30’000 neue Fahrer bis 2015 benötigt, sondern eben auch in der Schweiz, wie BVB-Mediensprecherin Dagmar Jenny sagt. Der öffentliche Verkehr wird zudem laufend ausgebaut und Fahrer scheiden altersbedingt aus.

«Immerhin keine U-Bahn»

Im Gegensatz zu der Berliner S-Bahn stehen die Busse in Basel aber nicht nächstens still, das Inserat vom 6. August gehört zu den «laufenden Bemühungen» der BVB neues Personal zu rekrutieren. «Wir suchen immer nach Personal», sagt Jenny. Inseriert wird dabei nicht nur in der Fachpresse und im nahen Grenzbereich, sondern eben auch in Berlin. Dass die BVB ausgerechnet in der Deutschen Hauptstadt nach neuem Personal fischen, hat mit den bisherigen Erfahrungen und den «guten Beziehungen» zu den Berliner Verkehrsbetrieben zu tun, sagt Jenny.

Kein Wunder reagierten die Berliner Verkehrsbetriebe «gelassen». Der Sprecher der BVG sagte gegenüber dem «Tagesspiegel», Fahrer verliessen immer wieder den Betrieb. Ob sie nach Basel oder in eine andere Stadt gingen, sei dann egal. Und einen Trost haben die BVG ja, wie der «Tagesspiegel» schreibt: In Basel gebe es nur Busse und Strassenbahnen. «So werden der BVG keine U-Bahn-Chauffeure und -Chauffeusen durch die BVB abspenstig gemacht.»

Zu früh sollten sich die Berliner aber nicht freuen. Das Projekt Herzstück Regio-S-Bahn sieht ein unterirdisches Teilstück unter fast der ganzen Stadt hindurch vor.

Konversation

  1. Guten Abend Herr Hürlimann,

    die Passage mit den S-Bahnen war missverständlich. Sie verzeihen mir hoffentlich. Hab es angepasst. Dass die BVB Fahrer bei den BVG suchen, sollte nicht als Kritik an der Personalpolitikverstanden werden. Im Gegentei. Wie es scheint, machen die BVG durchaus etwas richtig.

    Beste Grüsse und schönen Abend,
    Amir Mustedanagic

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  2. Na, da erwarten die (wir) Berliner in Schwierigkeiten!
    Immerhin: Ein Größenvergleich relativiert denn doch ein wenig:
    http://www.bvg.de/index.php/de/3721/name/Bus.html

    Zudem ist die BVG (Berliner Verkehrsgesellschaft) keineswegs für den desolaten S-Bahnverkehr in Berlin verantwortlich, sondern die Deutsche Bahn. Dass bei der Berliner S-Bahn Zugausfälle wegen erkranktem Personal alltäglich sind, hat nichts mit der Personalpolitik des BVG zu tun.
    Die BVG ist ein rein kommunales Unternehmen und funktioniert mit U-Bahnen, Strassenbahnen und Bussen sowie Fährschiffen über Spree oder Wannsee sehr zuverlässig, wenn ich das aus eigener Erfahrung mit Paris oder gar London vergleiche – aber auch mit Basels Tramverkehr so Handgelenk mal Pi feststellen darf.

    Aber, liebe BVB: Was sagt denn Herr Mörgeli von der SVP zu Ihren Inseraten im „Tagesspiegel“ ? Wenn ich da an seine öffentlich vorgenommenen Beschimpfungen deutscher Professoren, Ärzte oder sonstiger Fachkräfte denke! Und an die Jammerei, dass „Deutsche“ das arme Schweizerland überfluten würden!

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