«Das ist absoluter Mumpitz» – Polizeivertreter kritisiert Baschi Dürr

«Total sauer» seien viele im Polizeikorps über die neusten Sparpläne der Basler Regierung. Demnach sollen acht Stellen gestrichen und Nachtschalter abgeschafft werden. Polizeivertreter Heinz Salvisberg kündigt bereits Widerstand an.

Polizeistunde auf der Wache: Der Nachtdienst auf Basler Polizeiposten soll weggespart werden. (Bild: Hans-Jörg Walter)

«Total sauer» seien viele im Polizeikorps über die neusten Sparpläne der Basler Regierung. Demnach sollen acht Stellen gestrichen und Nachtschalter abgeschafft werden. Polizeivertreter Heinz Salvisberg kündigt bereits Widerstand an.

Bis auf den Claraposten wird keine Polizeiwache in Basel durch die Nacht geöffnet sein, geschlossen werden der Posten am Kannenfeldplatz, in Riehen und jener der Autobahnpolizei. Das hat das Justiz- und Sicherheitsdepartment beschlossen, um einen Beitrag an die kantonale Sparrunde zu leisten. 1 Million Franken und 8 Stellen will der junge Departementsvorsteher Baschi Dürr (FDP) damit einsparen. Das ist nicht viel – und in den Augen Dürrs ein verkraftbarer Abbau.

«Ich glaube nicht, dass es nötig ist, um drei Uhr morgens sein Velo als gestohlen zu melden», begründet Dürr die Massnahme und erklärt damit zugleich die bisherige 24-Stunden-Wache für überflüssig. Schliesslich könnten nichtdringliche Begehren ohne Weiteres während der Bürozeiten angemeldet werden. Um seine Meinung zu untermauern, verweist Dürr auf die Statistik, wonach auf den Basler Wachen nur zwischen 11 und 23 Prozent aller Anzeigen in der Nacht gestellt werden. 

«Wer solche Massnahmen beschliesst, hat keine Ahnung von praktischer Polizeiarbeit.»
Polizist Heinz Salvisberg 

Tönt plausibel? – «Absoluter Mumpitz ist das», raunt Heinz Salvisberg, Ressortchef Sicherheitspolizei auf dem von der Polizeistunde betroffenen Kannenfeldposten. Salvisberg ist geladen: «Wer solche Massnahmen beschliesst, beweist damit, dass er keine Ahnung hat von praktischer Polizeiarbeit.» 

Nichtdringliche Anzeigen wie Velodiebstahl würden in der Nacht seit Monaten nicht mehr entgegengenommen, sagt Salvisberg, der auch als Vize-Präsident der Polizeigewerkschaft PBVB amtet. Weil auf der Strasse in den Nachtstunden viel Polizeipräsenz verlangt würde, sei auch das Personal auf den Wachen oft auf der Strasse unterwegs. «Wir arbeiten seit Monaten im Unterbestand – und jetzt verlieren wir auch noch Personal», beklagt der erfahrene Polizist und erinnert an die durchschnittlich 200 Überstunden, die ein Basler Polizist angehäuft hat.

Wichtig fürs Quartier

Für Salvisberg bedeutsam ist aber auch die Funktion der Nachtposten im Quartier: «Was machen wir, wenn künftig in der Nacht eine Frau auf den Posten kommt, die Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde? Sagen wir ihr dann: Sorry, gehen Sie bitte auf den Claraposten, das wurde so beschlossen?»

Salvisberg bemängelt darüber hinaus eine weitere, in seinen Augen verdeckte Sparmassnahme. So hat das JSD im Rahmen der Verwaltungsreform Systempflege die Arbeitsmarktzulage der jungen Polizisten gestrichen, die weniger verdienen in gleicher Stellung als in den Nachbarkantonen. Weil in der Stadt die Anfangslöhne tiefer sind, besteht seit Jahren ein erhebliches Rekrutierungsproblem.

«Viele im Korps sind total sauer auf die Verantwortlichen», sagt Salvisberg. Noch diese Woche sollen deshalb an einer Personalversammlung Massnahmen gegen die Sparpläne diskutiert werden.

Politische Unterstützung

Die Beamten können dabei auf politische Unterstützung zählen. SVP-Präsident Joël Thüring lässt verlauten, dass sich seine Partei gegen den Sparbeschluss zur Wehr setzen werde. Und selbst in Dürrs FDP ist man «überrascht» (Fraktionschef Andreas Zappala) über den Abbau.


Lesen Sie mehr zu den Basler Sparmassnahmen in der TagesWoche:

Konversation

  1. pappnasen-umzingeln und detailliert durchsuchen, oder ihro osze-hochwürden bombensicher abschirmen ist vielleicht spannender – frisst/bindet aber auch zümpftig manpower/h …
    dafür lieber den «freund und helfer» wegsparen?
    enorm sinnvoll.

    der goldfisch kürzt bekanntlich vom kopf her – straumann macht’s vor.

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  2. Was mich bei der ganzen berechtigten Empörung aber am meisten empört: Wer jault da jetzt an vorderster Stelle im Chor gegen diese Sparmassnahme? Genau, der Thüring Joel, ein Vertreter jener Partei, die (zusammen mit andern) immer auch zuvorderst mit dabei ist, wenn es darum geht dem Staat Geld zu entziehen. Hat da einer „Schizophrenie“ gerufen?

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    1. schiere job-optimierung der journis …
      jetzt noch rasch die andere sicht einfangen: wo steckt denn das rampensäuli?
      «quiek!»
      fini

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  3. Herr Dürr versucht das, was man auf Notfallstationen bereits aufgegeben hat, weil es nicht funktioniert. Man kann Menschen nicht erziehen. Sie kommen dann, wenn sie ein Problem haben. Und es ist eine, wenn nicht DIESE Aufgabe des Staates, für seine Bürger da zu sein. Dazu gehört auch, dass man einen niederschwelligen Zugang zu Hilfeleistungen rund um die Uhr zur Verfügung stellt. Nachts nur einen Polizeiposten für eine Grossstadt offen halten zu wollen ist ein echter Witz.
    Aber ich habe schon einen Plan B. Falls es so kommen sollte und ich in die unschöne Lage gerate des Nächtens polizeiliche Hilfe zu benötigen, werde ich einfach bei deren Chef zu Hause klingeln. Wahrscheinlich habe ich dann dank einer Patrouille schneller Kontakt mit der Polizei, als wenn ich am Claraposten vielleicht auch noch anstehen müsste.

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  4. Versuchen Sie mal bei «häuslicher Gewalt» in der Nachbarschaft polizeiliche Unterstützung herbeizurufen.

    Es dauert 30 bis 40 Minuten, bis einer auftaucht.

    Und der kommt sicher nicht aus der Wärmestube.

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