Das Velofahren hat eigene Regeln

Die NZZ nervt sich über Velofahrer, die sich um Verkehrsregeln foutieren. Sie würden wie die Rowdys fahren und sich dabei noch moralisch vorkommen. Doch das ist schwarzweiss gedacht. Eine kleine Streitschrift für das gepflegte Regelbrechen.

Velos brauchen andere Regeln als das Auto – Velodemo 1973 in Basel. (Bild: Keystone)

Die NZZ nervt sich über Velofahrer, die sich um Verkehrsregeln foutieren. Sie würden wie die Rowdys fahren und sich dabei noch moralisch vorkommen. Doch das ist schwarzweiss gedacht. Eine kleine Streitschrift für das gepflegte Regelbrechen.

Gut für die Gesundheit, gut für die Umwelt: Radfahrer haben die Moral auf ihrer Seite, schreibt Joachim Güntner in der NZZ. Ihr gutes Gewissen sei so ausgeprägt, dass es gerne mal in Selbstgerechtigkeit umschlage. Da gilt keine rote Ampel mehr, Fussgängerzonen werden ignoriert, Autohupen sind prinzipiell eine Anmassung. Dann zitiert Güntner die Stimmen von Veloverfechtern: In einem auf Autos zugeschnitten Verkehr sollten Velofahrer auch mehr Freiheiten haben. Güntner ist damit nicht einverstanden: Autos nehmen sowieso ab, die Zukunft kommt, «es braucht dafür keine Rebellen und Rüpel.»

Ich breche Regeln, doch bin ich ein Rowdy?

Ich gehöre genau in Güntners Zielgruppe. Ich fahre dann und wann über rote Ampeln, wenn die Strasse frei ist. Eine leere Fussgängerzone nehme ich auch mal mit, oder eine Tramspur, wenn es daneben keine Strasse gibt.

Ich breche Regeln, doch bin ich ein Rowdy? Sehe ich nicht so. Auf dem Velo sehe und höre ich alles, ich habe noch nie jemanden angefahren, noch bin ich jemandem zu nahe gekommen. Die Aura von Fussgängern ist heilig. Ich breche Regeln, doch ich trage Verantwortung.

Der Frust als Velofahrer liegt darin: Man muss sich einer Reglementierung fügen, die einer Gefahr Rechnung trägt, die lediglich von Autos ausgeht. Selbst wenn ein Velokurier in vollem Stress in mich reinrast, breche ich mir wahrscheinlich nicht mal etwas. Autos sind gross, schwer und schnell. Wenn mich eines in mittlerem Tempo erfasst, bin ich vielleicht tot. Nur deswegen muss der Verkehr auf eine Weise übersichtlich gemacht werden, die völlig überflüssig wäre, wenn alle Velo führen.

Rowdys lassen sich auch durch Ampeln nicht bremsen.

Fahrspuren würden ausreichen, und Ampeln wären nur noch an Knotenpunkten nötig. Umsicht und Fussgängerstreifen würden den Verkehr regeln. Ich liebe es, einem Passanten auf der Passage, die ihm zusteht, in aller Form den Vortritt zu lassen. Natürlich gäbe es Rowdys, doch die lassen sich auch durch Ampeln nicht bremsen.

Doch was rede ich, ich bin gar nicht der Hippie, der für den Ausstieg aus dem motorisierten Individualverkehr missioniert. Unsinn, Autofahren ist herrlich. Auch wenn vielen das massvolle Verhältnis dazu abhanden gekommen ist. Ich bin nicht der Hippie, aber ich lasse mich auch nicht komplett fremdbestimmen von einer Gefahr, die von mir nicht ausgeht.

Hinter meinen Delikten steckt ein Kavalier und kein Chaot.

Konversation

  1. Etwas spät aber dennoch…
    Es lässt sich immer die passende Statistik finden. Betrachten sie doch mal die vorangehenden Jahre. Da siehts nämlich etwas anders aus.
    Ausserdem kennen wir die genauen Umstände nicht.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Sie nehmen sich das Recht heraus, zu entscheiden, wann sie sich an die Regeln halten und wann nicht.
    Ja, wenn nur Sie und ein paar wenige andere das tun, ist es noch nicht unbedingt so gefährlich, aber wenn viele das tun würden, so dass sich Personen mit einer solchen Einstellung zu Verkehrsregeln wie Sie sie haben, öfter direkt begegnen, wäre es auf jeden Fall gefährlich.
    Der rücksichtslose Egoismus, den Sie zelebrieren, funktioniert nur dann einigermassen, wenn ihn nur wenige betreiben.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. Ja, es kommt nicht so oft zu Unfällen, wenn solche egoistische, rücksichtslose Menschen nicht wie der Autor dieses Textes nicht an die Verkehrsregeln halten, weil sich die meisten anderen an die Regeln halten und deshalb meistens noch rechtzeitig ausweichen oder anhalten können. Wenn die Verantwortungslosen aber keine so kleine Minderheit wären, wären Unfälle häufig.

    „Selbst wenn ein Velokurier in vollem Stress in mich reinrast, breche ich mir wahrscheinlich nicht mal etwas.“

    Das zeigt die verantwortungslose Denkweise solcher Menschen. Wenn jemand von einem Radfahrer angefahren wird, ist die Gefahr, Knochen zu brechen gross, und Velofahrer, die auf Trottoirs oder bei Rot über Kreuzungen mit Fussgängerstreifen fahren, nehmen dieses Risiko in Kauf.

    Velofahrer von dieser Sorte gibt es leider häufig. Zum Beispiel kommt es immer wieder vor, dass eine Autokolonne an einem Fussgängerstreifen hält, um Fussgänger die Strasse überqueren zu lassen und Velofahrer an ihnen vorbeibrausen und es darauf ankommen lassen, ob es zu einer Kollision mit den Fussgängern kommt. Oder sie fahren bei Rot über eine Kreuzung, wenn Fussgänger bei Grün die Strasse überqueren. Ja, meistens gibt es knapp keinen Unfall, aber Unfälle mit Velofahrern nehmen zu.

    Meiner Meinung nach ist jeder Mensch mit einer so verantwortungslosen Gesinnung wie Valentin Kimstedt einer zu viel, und da vernünftige Argumente anscheinend nichts bezwecken muss die Polizei aktiver gegen solche arrogante Menschen, die sich einbilden, über den Gesetzen zu stehen und andere gefährden zu können, vorgehen.

    Danke Empfehlen (0 )
  4. „Selbst wenn ein Velokurier in vollem Stress in mich reinrast, breche ich mir wahrscheinlich nicht mal etwas.“

    Valentin Kimstedt mit diesem Satz machen Sie sich (von der Redaktion gekürzt. Bitte vermeiden Sie Beleidigungen. Danke.) und Ihr Bemühen zur differenzierten Betrachtung zu nichte.

    Ich bin ein Leidenschaftlicher (nicht fanatischer) Velofahrer

    Danke Empfehlen (0 )
    1. An die Redaktion.
      1.Wenn jemand etwas dummes sagt, ist es keine Beleidigung diesen als jemanden zu bezeichnen, der der etwas dummes sagt.
      2.Wikipedia meint u.A. Im engeren Sinne ist Dummheit die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen.
      3.Wenn also Valentin Kimstedt tatsächlich vermutet, dass er mit einer Geschwindigkeit von über 40 Kmh von einem Velofahrer angefahren wird ohne ernsthaft Verletzt zu werden, fehlt ihm die die oben beschriebene Fähigkeit völlig.
      4. Ich habe den Redakteur der Tageswoche nicht als Dumm bezeichnet, sondern explizit in Relation zu der zitierten Aussage als „Dummschwätzer.

      Danke Empfehlen (0 )
    2. Ich finde es erstaunlich, dass diese Zeitung, kein Problem darin sieht, einen Menschen zu beschäftigen, der offen dazu steht, Verkehrsregeln zu missachten und propagiert, dass sich auch andere so verantwortungslos verhalten sollen. Aber wenn eine solche Prinzipienlosigkeit um sich gegriffen hat, muss man sich wohl auch nicht wundern, wenn Kommentare zensiert werden, welche die Zelebrierung der verantwortungslosen Missachtung von Verkehrsregeln angemessen kritisieren.

      Danke Empfehlen (0 )
  5. Ebenfalls aus Berlin: http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/tragischer-unfall-in-berlin-tempelhof-91-jaehrige-nach-zusammenstoss-mit-radfahrer-gestorben/9782656.html 😉
    Was zeigt, dass auch vermeintliche Nicht-Rowdys und achtsame Fahrer schneller jemanden anfahren können, als sie jemals glaubten. Wobei ich es ansonsten natürlich befürworte, so Velo zu fahren, wie es die Umstände hergeben, und nicht wie es die Regeln besagen.

    Danke Empfehlen (0 )
  6. Jetzt wird voll auf den Mann gespielt hier. Es soll eine DEBATTE sein, meine Damen und Herren. Und ich stimme dem Valentin nicht zu. Und Provokation ist durchaus gut, aber nicht im Strassenverkehr. Da gibt es Tote. Soll mal ein Notarzt vom Kanti bitte sagen, was da an Verletzungen reinkommen. Und der emotionale Schaden für die Autofahrer wird gerne vergessen.

    Plus: Auto ist nicht gleich Auto. Der 2,2 Meter hohe Range Rover ist nicht der 1,2 Meter hohe Hatchback. ABS ist nicht gleich kein ABS. Regen ist nicht gleich Sonne. Macht mal Halblang. 40 Fahren wo’s eng ist. Bremsen wo’s streng ist. Dann fliesst der Verkehr im „ach so überfüllten“ Basel.

    Grüsse

    Danke Empfehlen (0 )
  7. „Ich breche Regeln und ich übernehme Verantwortung.“ Kimstedt übernimmt eben keine Verantwortung. Er gibt an Kinder und alle, die zuschauen, ein schlechtes Vorbild ab. Aber eben, in jungen Jahren fühlt man sich unsterblich. Müsste Kimstedt auch 250.- für die Missachtung einer Ampel hinblättern, würde er sich ganz schnell an die Regeln halten.

    Danke Empfehlen (0 )
  8. Ganz generell: der Debattenredner oder die Debattenrednerin sollte sich – aus meiner Sicht – nicht in den Mittelpunkt stellen. Das kann nicht der Sinn einer Debatte sein. Die Meinung von Herrn Kimstedt zum Thema ist ok, aber nicht sein eigenes, persönliches Verhalten.

    Könnte sogar dazu führen, dass sein Geständnis, Rotlichter zu überfahren, die Polizei auf den Plan ruft.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel