Der Gesundheitsdirektor, der hauptsächlich baut

Seit 100 Tagen ist Lukas Engelberger Basler Gesundheitsdirektor. Die Spitalkosten sind im Griff. Die grössten Baustellen sind die Neu- und Umbauten der Spitäler.

Regierungsrat Lukas Engelberger (vorne) kann eine aufgeräumte Verselbstständigung von Vorgänger Carlo Conti erben. Engelberger muss nun vor allem Infrastruktur erneuern. (Bild: Hans-Joerg Walter)

Seit 100 Tagen ist Lukas Engelberger Basler Gesundheitsdirektor. Die Spitalkosten sind im Griff. Die grössten Baustellen sind die Neu- und Umbauten der Spitäler.

Viel direkter Kundenkontakt ist dem Basler Gesundheitsdepartement nicht mehr verblieben. Spätestens seit der Verselbstständigung der Spitäler 2012 ist das Departement eine grosse Verwaltungseinheit, die sich derzeit hauptsächlich um Neubauten, Planungen und Strategien sowie Kampagnen kümmert.

Zum traditionellen Medientermin nach 100 Tagen im Amt lud CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger am Montag ins Basler Kantonslaboratorium. Das sei ein operativ tätiger Bereich, sagte er, der viel Kundenkontakt habe und konkrete Dienstleistungen für die Öffentlichkeit erbringe.

Ausbauten allerorts

So ist Engelberger derzeit vor allem Baumeister. Die grössten Projekte sind:

Obwohl die Neubauten alle Projekte der einzelnen Spitäler sind, hat Engelberger die politische Verantwortung dafür. Es sind also durchaus seine Kinder. (Genaueres zu den einzelnen Bauvorhaben finden Sie hier.)

Abstimmungskampf um Zahnmedizin

Das Ziel: Veraltete Infrastruktur entfernen und die Spitäler auf zeitgemässe Infrastruktur ausbauen. «Das ist der eigentliche Modernisierungsschub unserer Spitäler», sagte Engelberger an der Medienkonferenz. Jetzt muss er den politischen Boden für die Investitionen und Unterfangen fruchtbar machen.

Und das ist auch nötig. Insbesondere mit der Auslagerung des Universitären Zentrums für Zahnmedizin, die aktuell von linksgrün beschossen wird. Das Referendumskomitee führt die Sorge um den Verlust der in Basel etablierten sozialen Zahnmedizin an, konkret: Dass Leistungen für die Öffentlichkeit gestrichen werden, weil sie nicht rentieren würden.

So sieht sich Engelberger demnächst mit seinem ersten grossen Abstimmungskampf als Regierungsrat konfrontiert, für den er schon jetzt wirbt: «Mit dem gemeinsamen Zentrum können alle Patienten unter zeitgemässen Bedingungen behandelt werden.»

Spitalfinanzierung stabil

In Sachen Spitalfinanzierung konnte Engelberger von der Arbeit seines Vorgängers Carlo Conti profitieren. In einem Kurzaufwisch zeigte er, dass zumindest aktuell die Spitalkosten für den Kanton Basel-Stadt stabil blieben. Dies im Gegensatz zum nationalen Trend, so Engelberger.

Waren es 2011 noch 384,2 Millionen Franken, die der Kanton dafür ausgab, sank der Betrag auf 374,9 Millionen im Jahr 2013. Für 2014 sind 372,2 Millionen budgetiert, für 2015 sind es noch 363,7 Millionen Franken. Das wären dann immerhin 20,5 Millionen weniger als noch vor der Verselbstständigung. 

Regionale Zusammenarbeit immer noch schwierig

Mit Ausbauten allein ist es nicht getan. Basel-Stadt hängt mit Baselland in einer Spitallandschaft zusammen, die von gemeinsamer Planung abhängt. «Es ist ein schwieriges Thema», gestand Engelberger nach seinen ersten rund drei Monaten im Amt ein.

Der Basler Gesundheitsdirektor betonte zwar, dass die Zusammenarbeit mit dem Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber «bestens» sei, dennoch relativierte er: «Mit der Fusionsdebatte verschob sich der Schwerpunkt in der Planung», zusätzlich befinde sich das Baselbiet kurz vor den kantonalen Wahlen im Februar. «Eine spezielle Situation», so Engelberger. Derzeit würden Gespräche gesucht, wie und wo die konkrete Zusammenarbeit verstärkt werden könne.

Konversation

  1. Wieso folgen eigentlich die Gehälter der Ärzte nicht den Marktregeln? Gibt es viele, sollten die Löhne runter, gibt es wenige, sollten sie rauf gehen.

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  2. Ich denke, wer in der Regierung sitzt, weiss nicht wirklich, wie es finanziell bei Familie ‚Normalo‘ finanziell aussieht und kann sich deswegen real nicht vorstellen, was es heisst, bei ungefähr gleichbleibendem Lohn Kinder gross zu ziehen. Sobald diese über 18 sind explodieren die Kosten, weil sie dann gleichviel Krankenkassenprämien zahlen wie die Eltern, eventuell noch in Ausbildung sind und noch nichts oder wenig verdienen. Es könnte sich lohnen, mal bei einer Normalofamilie mit Normalolohn vorbeizuschauen.

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  3. @Herr Meury – Dieser Satz von Ihnen spricht Bände:
    “ Was machen die Politikerinnen und Politiker? Sie erklären die Gesundheitspolitik als reform-resistent und verwerfen die Hände. Trotzdem bekräftigen alle Parteien immer wieder ihre familienfreundliche Haltung, auch in gesundheitspolitischen Fragen.“

    Solange an einer absoluten Spitzenmedizin in der Grundversicherung festgehalten wird, wird die Teuerung in der KK weiterhin unverhältnismässig weiter wachsen.
    Die Pharmafirmen werden munter weiter immer teurere Medikamente auf den Markt werfen, deren Mehrwert regelmässig fragwürdig erscheint.
    Sie werden weiterhin, was noch gesund sein ist immer enger formulieren. Sie machen Unpässlichkeiten zu Krankeiten, usw.
    Die Aerzte werden mit Propaganda bombardiert und belohnt, wenn sie das neue viel teurere Medikament verschreiben.
    Mit den Nebenwirkungen der Medikamente, die oft sehr krass sind und oft sogar Folgekrankheiten generieren, gibt es zusätzlich einen weiteren Markt und noch mehr Arztbesuche.

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    1. „Die Aerzte werden mit Propaganda bombardiert und belohnt, wenn sie das neue viel teurere Medikament verschreiben.“

      Vergessen Sie nicht noch die Ärzte in den Kantonen, welche Medikamente selber abgeben dürfen und so ihre Einnahmen gut steuern können: Man verschreibt z.B. bei der Wirkstoffkombi Irbesartan-HCT lieber das teurere Co-Diovan, da man mehr damit abschöpfen kann in Sachen Marge, statt bei den Generikas; man gibt immer nur eine 30er-Packung ab – obwohl bei der 98er-Packung 30% weniger Kosten anfallen und es zumeist eine Dauertherapie ist – , verrechnet bei jedem Säckchenabholen nochmals eine Rezeptgebühr, weil es neu verschrieben werden muss (ca. in den 40.-), dann kann man, wenn man einen kreativen Rechtsberater hat, noch weitere Taxen draufschlagen oder man macht das Ganze via Onlineapotheke wie die Apotheke zur Rose, welche dann bei jedem Rezept den Arzt mit 5.- belohnt und wenn er dann noch Aktien hat, dann ist er dazu noch gewinnbeteiligt. (Diese Praxis wollte das Parlament kippen, nur hat der Thurgauer SVPler Eberle dies in der Komission wieder gekippt. Ist klar, Zur Rose sitzt im Thurgau…). Dazu gibt es dann ärzte, welche für einen telefonischen Rat nach Minutentarif abrechnen etc.

      Ich bin ein grosser Anhänger des Prinzipes: Wer verschreibt, gibt nicht ab, wer abgibt, verschreibt nicht. Dass es Patienten gibt, die den Generikaersatz ablehnen, muss man halt akzeptieren, es gibt immer die Unbelehrbaren.
      (Wobei, nicht alles darf man 1:1 ersetzen: Antiepileptika, Immunsuppressiva bei Transplantieren und Antiderpressiva dürfen nur in ganz enger Absprache mit dem behandelten Arzt wenn überhaupt ersetzt werden.)

      Oder Patienten, die dann für hundskomune Dinge, wie ein NeoCitran ein Rezept besorgen, obwohl es frei erhältlich wäre und es einigermassen zahlbar ist. Das generiert doppelte Kosten: Zuerst der Aufwand des Arztes für ein Rezept und dann und dann das frei erhältliche Medikament, welches durch die KK vergütet wird.

      Würden Ärzte Medikamente nicht mehr abgeben dürfen, könnte man sie auch recht schlecht mit Werbung zubombadieren und sie dann so in ihrer Verschreibung beeinflussen. Und es darf nicht sein, dass Ärzte offen das Abgeben von Medikamenten verlangen (Selbstdispensation), um damit ihre Einnahmen zu erhöhen…da überlegt man sich schnell mal, ob man eben nicht mittels der Verschreibung seine Einnahmen steuert…

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  4. Wieviel Krankenkassenprämie kann sich eine normale Familie noch leisten?
    Die Krankenkassenprämien drücken seit Jahren immer stärker auf unser Portemonnaie und sind für viele Familien eine echte finanzielle Dauerbelastung und Kostenstress ohne absehbares Ende. Für eine 5-köpfige Familie beträgt die monatliche Krankenkassenprämie rund 2’100.- Franken. Das ist gleichviel, wie für die Wohnungsmiete einer 4 1/2 Zimmer-Wohnung monatlich aufgewendet werden muss. Dabei hat die besagte Familie in den letzten Jahren die Krankenkasse mehrfach gewechselt, ist bei dem günstigsten Anbieter und in einem kostenbewussten HMO-Modell, mit absurd hohen Franchisen von jährlich 2’500.- Franken, angelangt. Die Familie steht mit dem Rücken zur Wand. Sie kann nur noch hoffen, dass die Kosten irgendwann stagnieren.

    Die beiden Kantone Basel-Stadt und Baselland haben schweizweit mitunter die höchsten Krankenkassenprämien. Die jungen Erwachsenen werden in Basel-Stadt mit 5.1% (BS) überproportional hoch belastet wurden (CH-Durchschnitt: 4.4%, 5.8% im Baselland).

    Im Klartext heißt das, die Jungen Erwachsenen und Kinder (0 bis 18 Jahre) müssen in unserer Region die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zur Zeit über Gebühr mittragen.
    Was wiederum heißt, dass dies bei den Familien mit Kindern happig aufs Familienbudget schlägt. Bei der ersten unerwarteten Zahnarztrechnung beginnen für viele Familien die Albträume….

    Es kommt aber noch besser: Über die hohe Baserate (Referenztarif) der Spitäler bezahlen wir alle nochmals kräftig an die fehlgeleitete Gesundheitspolitik. Wir betreiben u.a. ein Bruderholzspital, obwohl wir damit ein tendenziell überflüssiges und stark veraltetes und sanierungsbedürftiges Spital halten, welches für die allgemeinen Spitalkosten belastend ist. Generell zeigt sich, dass die beiden Kantone BL und BS sich keine Gesundheitspolitik leisten können, welche konkurrenzierende Spitäler fördert und im Spitalbereich mit Überkapazitäten unterwegs ist.
    Leidtragende des hohen Niveaus der Spitalpreise sind nämlich nicht nur die geschröpften Prämienzahler sondern auch die gleichzeitig geschröpften Steuerzahler. Diese tragen ebenfalls über die Hälfte der Spitalkosten durch kantonale Spitalsubventionen. Rund 50% der Krankenkassenprämien fließen in die Spitäler zur Begleichung der Rechnungen der behandelten Spitalpatienten. Eine Senkung der Spitalkosten würde somit eine Senkung der Krankenkassenprämien bewirken. Für die Festlegung der Spitalkosten ist die Regierung verantwortlich.

    Was machen die Politikerinnen und Politiker? Sie erklären die Gesundheitspolitik als reform-resistent und verwerfen die Hände. Trotzdem bekräftigen alle Parteien immer wieder ihre familienfreundliche Haltung, auch in gesundheitspolitischen Fragen.

    Die Jungen Erwachsenen und Kinder bezahlen diesen Irrsinn aktuell mit Prämien, welche in keinem Verhältnis zu den tatsächlich bezogenen Leistungen der Jungen Erwachsenen und Kinder stehen. Solidarität im Gesundheitswesen! Das klingt gut, aber leider ist damit nie die Normal-Familie mit Kindern gemeint. Dabei gilt es immerhin zu bedenken, dass die ausufernden Kosten durch die Spitäler und die Spezialärzte verursacht werden und daselbst sind es die über 65-Jährigen, welche die meisten Spitalleistungen generieren. Ergo kann es nicht sein, dass die jetzigen Prämienschübe praktisch ausschliesslich über die Kinder und Jungen Erwachsenen kompensiert werden. Trotz verbindlicher Solidarität im Gesundheitswesen ist dies ein Schlag gegen das Verursacherprinzip.

    Für untere und mittlere Einkommen ist die herrschende Prämienpolitik eine glatte Katastrophe. Da klingt die Aussage von Lukas Engelberger, dem Basler Gesundheitsdirektor, doch eher leicht zynisch, wenn er feststellt, dass man die Spitalkosten im Griff hat.

    Fragen sie mal nicht den Arzt oder Apotheker nach den Nebenwirkungen, sondern die Familie Normalo, welche jährlich mehr Prämien bezahlen müssen, ob sie die Kosten im Griff hat.

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    1. Ich kann Ihren Ärger, Ihren Frust und auch Ihre Verzweiflung nachvollziehen. Ob alle Zahlen korrekt sind weiss ich nicht. Aber ich gehe nun einfach davon aus.
      Wo keine Nachfrage besteht, gibt es auch keinen Markt. Dass die Prämienhöhe ständig steigt hängt damit zusammen, dass die Angebote im Gesundheitsbereich rege genutzt werden und jeder mittlerweile den Anspruch auf das volle Programm hat und dies sehr deutlich zum Ausdruck bringt. Auf der anderen Seite stehen die Ärzte, die mitterweile jeden verklemmten Furz mittels Triple Kontrast CT diagnostizieren. Natürlich nicht, ohne auch noch einen Ultraschall vom Bauch zu machen. Der neueste Trend sind „Notfall MRTs“. Dann wird es gleich noch mal um einiges teurer.Der Patient hat 38,5 Grad Fieber? Da müssen natürlich sofort Blutkulturen gemacht werden. Mindestens zwei durchläufe sind notwendig. Der Patient hat 37,9 Grad Temparatur? Wir machen trotzdem Blutkulturen. Pro Set kostet alleine dieser Spass 150.- CHF. Er hat ein bisschen Husten? Klar, da machen wir sofort eine Thoraxröntgen etc.
      So gesehen stimmt es schon, dass eine Gewisse Beratungsresistenz auf Seiten der Leistungserbringer vor allem im ambulanten Bereich besteht, Hier lässt sich nämlich richtig Geld verdienen. Ganz im Gegensatz zu den Hausärzten, welche immer mehr aufwendigere Sachen gerne an die Spitäler abschieben. Die wenigsten bereiben heute noch eine eigene Röntgenanlage. Lieber schicken sie alle auf den Notfall, wo natürlich die gesamte Abklärung ein zweites Mal stattfindet. Oder wenn die Patienten dann Bilder mitbringe heisst es, dass man diese noch mal machen muss, weil sie zu schlecht seien. Im Controlling eines Spitals zu arbeiten muss der absolute Albtraum sein. Den Ärzte wissen als Naturgesetz immer alles besser und sie lassen sich wirklich von niemandem etwas vorschreiben. Den CEOs ist’s Recht. Den genau diese unbelehrbaren bringen den Spitälern das Geld. Hinzu kommt noch, dass wir nach wie vor keine einheitliche KV Prämie über alle Kantone haben. Die Freizügigkeit für Patienten ist weitestgehend gegeben. Aber mehr bezahlen müssen jene in den günstigen Kantonen trotzdem nicht, obwohl sie mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit und ohne mit der Wimper zu zucken sämtliche Zentrumsleitungen in Anspruch nehmen.

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