Die Quotenkillerinnen legen los

Quotenkillerinnen, nennt man sie. Die bürgerlichen Jungpolitikerinnen, welche die Einführung einer Frauenquote in Basel-Stadt verhindern wollen. Ab sofort legen sie los.

Im Visier der bürgerlichen Jungpolitikerinnen: die Frauenquote von mindestens 30 Prozent in staatsnahen Verwaltungsräten. Der Basler Grosse Rat hat sich dafür entschieden. Nun kommt das Referendum.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Quotenkillerinnen, nennt man sie. Die bürgerlichen Jungpolitikerinnen, welche die Einführung einer Frauenquote in Basel-Stadt verhindern wollen. Ab sofort legen sie los.

Es ist eine interessante Konstellation: Acht bürgerliche Jungpolitikerinnen wehren sich gegen die Einführung einer Frauenquote. Gut, drei Jungpolitiker sind in ihrem Komitee auch noch dabei, aber auch nur, weil es irgendjemanden braucht, der sich um den unseligen Papierkram kümmert. So jedenfalls stellt es eine der jungen Frauen lachend dar.

Lustig auch, dass ausgerechnet einer der männlichen Mitglieder die ehrenwerte Aufgabe übernahm, die Pressekonferenz zu eröffnen, bei der das Komitee sein Referendum vorstellte. Das wirkte ein bisschen quotenmässig, aber vielleicht wars ja auch nur feine Ironie. Egal. Der erste Redner, ein Jungfreisinniger, lieferte jedenfalls bereits mit seinen ersten Worten (beziehungsweise der Suche danach) einen eindrücklichen Hinweis darauf, dass Frauen einige Dinge wahrscheinlich mindestens so gut können wie Männer. Dass sie eine Quote also gar nicht nötig hätten.

Wie aus der Pistole geschossen

«Wir stellen unsere Ideen für äh, für äh, eieiei…..». Ja, für was denn schon wieder? Ah ja, da fiel es dem Jungfreisinnigen wieder ein. Nicht für irgendetwas setzt sich das Komitee ein. Sondern gegen etwas. Gegen die Frauenquote. Oder genauer gegen die Quote von mindestens 30 Prozent Frauen in allen Verwaltungsräten von Basler Staats- und staatsnahen Betrieben wie den BVB oder den IWB. Der Grosse Rat hatte sich in der vergangenen Woche dafür entschieden.

Nachdem das Thema der Pressekonferenz im Basler Büro der LDP wieder allen klar und die Einleitung beendet war, kamen die Frauen zu Wort. Diana Blome, Stephanie Giese, Adrienne Strahm (alle drei sind Jungliberale), Manuela Hobi (Junge CVP) und Fabienne Beyerle (Jungfreisinnige). Die «Quotenkillerinnen», wie sie in der Presse schon genannt werden.

Und tatsächlich: Bei ihnen kamen die Argumente wie aus der Pistole geschossen.

  • Bei einer Berufung muss die Qualität ausschlaggebend sein, nicht das Geschlecht.
  • Für eine Frau ist es erniedrigend auserwählt zu werden, nur weil sie eine Frau ist.
  • Frauen haben eine Quote gar nicht nötig.
  • Eine Quote ist ein Zwang. Ein Zwang entspricht nicht den liberalen Prinzipien und was nicht liberal ist, ist nicht gut. Nicht in verwaltungsnahen Verwaltungsräten und schon gar nicht in der Wirtschaft.

So nannten die «Killerinnen» in ihrem Kampf gegen 30 Prozent Frauen in den staatsnahen Verwaltungsräten und die Quote ein Argument nach dem anderen.

Die eine oder andere Frage blieb allerdings auch nach ihrem Vortrag noch offen.

Warum sind die Frauen untervertreten?

Zum Beispiel: Warum die Frauen in vielen Verwaltungsräten noch immer krass untervertreten sind? Oder: Warum schaffen es die Basler FDP und SVP nicht einmal, eine einzige Frau ins Parlament zu bringen? Ganz im Gegensatz übrigens zu linken Parteien, die eine Quote – und einen entsprechend hohen Frauenanteil haben?

Antwort: Noch sitzt die Generation 55 plus in den Verwaltungsräten. Die ist noch aufgewachsen mit Mutter und Frau am Herd. Ganz anders die jüngere Generation. Sie lebt die Gleichberechtigung wie selbstverständlich, auch in der Ausbildung und im Beruf. Bestes Beispiel dafür: die vielen Hochschulabsolventinnen.

Bloss: Warum haben die Basler SVP und FDP offenbar noch nichts davon mitbekommen?

Antwort: Das Volk wählt die Parlamentarier aus, nicht die Parteien.

Damit das gleiche Volk auch über das Anti-Quoten-Referendum abstimmen kann, müssen die Jungpolitikernnen und ihre Gehilfen 2000 Unterschriften zusammenbringen. Die Sammlung startet – jetzt. 

Im Komitee, auch das sei bei diesem Thema nicht verschwiegen, sind folgende Männer mit dabei: Partrick Huber (Junge CVP), Michael Hug (Jungliberale), Levent Morandini (Jungfreisinnige), Pascal Messerli (Junge SVP).

Den harten Kern bilden folgende Jungpolitikerinnen: Fabienne Beyerle (Jungfreisinnige), Diana Blome, (Jungliberale), Tiziana Conti (Junge CVP), Alexandra Faass (Junge SVP), Manuela Hobi (Junge CVP), Tanja Steiner (Junge SVP), Adrienne Strahm (Jungliberale).

Unterstützt wird das Komitee von den Mitgliedern der vier bügerlichen Jungparteien von LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein, Andrea Strahm (CVP) und Joël Thüring (SVP).

Morandini, Hug, Huber und Messerli sprachen auch an der Pressekonferenz vom Montag, wobei sie ähnlich argumentierten wie die «Quotenkillerinnen.

Konversation

  1. Ich finde wirklich, dass Frauen, bei gleicher Qualifikation, die gleiche Chance haben sollen wie Männer.

    Noch viel schlimmer finde ich allerdings, dass die die verschiedenen Arbeiten an und für sich so unterschiedlich bewertet sind und sich das in so krass unterschiedlichen Löhnen ausdrückt. Es gibt heute noch Arbeiten, für die man gar keinen Lohn bekommt (Familienarbeit, Gratisarbeit für die Gesellschaft).

    Nun die 1:12 Initiative und die Initiative für ein BGE wird das in nächster Zeit hoffentlich mehr in den Vordergrund rücken.

    Wir sind doch alle eine Gemeinschaft von Menschen, die gegenseitig füreinander da sind. Jede Arbeit die gemacht wird ist wichtig, egal was für ein Ansehen sie in der Gesellschaft hat.
    Es ist schon verrückt, dass oft Beruf und Stellung ausgewählt werden, nicht aufgrund von innerer Ueberzeugung, sondern wegen des Ansehens des Berufes und der Höhe des Entgeldes.

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  2. Ich verstehe Gleichberechtigung als gleiche Chancen für die Geschlechter bei gleicher Qualifikation. Und das ist nicht Tatsache heute. Das geben ja sogar die ReferentInnen zu. (Sie sagen aber, es komme dann schon gut und es schlössen ja heute schon mehr Frauen die Uni ab. Das ist arrogant. Dass sie überhaupt die Uni abschliessen, dafür war Jahre langer Kampf nötig. Und deshalb finde ich das Referendum verletzend für die VorkämpferInnen.)
    „Geschlechterpärität in der Ausbeutung der Gesellschaft“: Noch glaube ich daran, dass nicht alle VR-Gremien darauf aus sind, die Gesellschaft möglichst effizient auszubeuten. Dafür bin ich einfach zu optimistisch. Falls Sie das meinten.

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  3. Sie wollen also sagen, Frauen seien nur zu Geplapper und Dampfgeplauder fähig ??

    Haben Sie schon mal eine echte lebende Frau gesehen? Oder gar mit ihr gesprochen??

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  4. @ Bockemühl: Plumpe Klischees zu kolportieren ist Dampfgeplauder und gehört an einen Stammtisch. Ob da Frauen sitzen oder Männer, ist egal.

    Vor 30 Jahren war 55+ 25 Jahre alt. Und wenn Sie glauben, wir hätten damals nächtelang nur Scrabble gespielt, täuschen Sie sich. Wir wurden jeden Tag auf den Prüfstand gestellt.

    Viele dieser Frauen haben Karriere gemacht und sind in verantwortungsvollen Positionen. Vielleicht hat es nicht in die Verwaltungsräte gereicht, aber das bedeutet ja auch nichts.

    @ Mathys: Was bedeutet Gleichberechtigung? Dominanz? Oder nur Geschlechterparität in der Ausbeutung der Gesellschaft?

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  5. Sind sich diese Jungpolitikerinnen bewusst, was sie hier auf symbolischer Ebene machen? Dieses Referendum ist doch ein Schlag ins Gesicht einer ganzen Generationen Frauen vor uns/ihnen, die erst die heutige (immer noch ungleiche) Situation ermöglicht haben!
    Zudem muss ich natürlich lachen, wenn Frauen aus genau jenen Parteien, die im Grossrat nicht mit einer einzigen Frau vertreten sind, allen Ernstes behaupten, das „komme dann schon von selber mit der Zeit gut“.

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  6. Die 7 bürgerlichen Jung-Damen haben scheinbar noch nicht begriffen, dass es nicht an den Leistungen der Frauen liegt, wenn solche ihren Wunsch-Job nicht bekommen, sondern leider immer noch an einer Abneigung gewisser Zeitgenossen gegen das weibliche Geschlecht liegt! Und da muss man halt nachhelfen und dem entgegen wirken. Viele ihrer weiblichen Kommilitoninnen werden sicher dankbar sein. Übrigens, diese 7 Damen dürften ja privilegiert sein und ihren Job auf sicher haben, oder..?

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  7. Seit wann nennt man Geplapper und Dampfgeplauder Qualifikation?

    Normalerweise nennt man das Stammtisch.

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  8. Gerade WEIL ich überzeugt bin, dass Frauen in höheren Management-Positionen gewiss ebenso viel leisten können wie Männer bin ich FÜR eine Geschlechterquote!

    Denn die Tatsache dass die Frauen TROTZ ihren durchaus ja vorhandenen Fähigkeiten derart krass untervertreten sind beweist ja gerade, dass das mit der „Leistungs-Aulese“ eben überhaupt nicht stimmt.

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