Die schleichende Übernahme der «Basler Zeitung»

Die «Basler Zeitung» wird weiter umgebaut. Zu einem substanziellen Abbau kommt es im Wirtschaftsressort, wo man künftig aus Zürich beliefert wird – auch zwei Sportredaktoren verlassen das Unternehmen. Dazu machen brisante Aussagen die Runde.

Ein Mischwesen wächst heran: Der «Basler-Anzeiger».

(Bild: KEYSTONE/Andreas Frossard / Montage: Hans-Jörg Walter)

Die «Basler Zeitung» wird weiter umgebaut. Zu einem substanziellen Abbau kommt es im Wirtschaftsressort, wo man künftig aus Zürich beliefert wird – auch zwei Sportredaktoren verlassen das Unternehmen. Dazu machen brisante Aussagen die Runde.

Die «Basler Zeitung» wird zur Übernahmekandidatin fit getrimmt – diesen Eindruck erwecken die jüngsten Vorgänge im Medienhaus am Aeschenplatz. Nachdem im August eine noch engere Kooperation mit dem Zürcher Medienkonzern Tamedia publik wurde, folgen nun erste Schritte.

Die Wirtschaftsressorts halten seit Anfang Oktober gemeinsame Planungssitzungen ab, Artikel beider Redaktionen werden getauscht. Der Austausch wurde seitens der BaZ intern als «Testlauf» angekündigt, Chefredaktor Markus Somm hat diesen aber nach Informationen der TagesWoche zum Anlass genommen, das Ressort kräftig zurückzubauen. Von fünf auf zwei Personen.

Somm schafft Fakten

Künftig werden demnach noch zwei Redaktoren das Wirtschaftsgeschehen in der Region im Auge haben. Kurt Tschan wird ins Lokalressort zurückversetzt. Zwei weitere verlassen das Unternehmen: Der profilierte Wirtschaftsjournalist Daniel Zulauf schreibt künftig für die «Aargauer Zeitung» statt für die BaZ. Ressortleiter Ruedi Mäder, 2012 von der AZ zur BaZ gewechselt, wird das Haus ebenfalls verlassen.

Auf den Test-Status des Unterfangens beruft sich auch Christoph Zimmer, Sprecher von Tamedia: «Die beiden Ressorts stimmen gegenseitig die Wirtschafts-Themenplanung ab. Ob der Austausch längerfristig eingeführt wird, ist noch offen. Falls ja, könnten die Leser von einer Vor-Ort-Berichterstattung über den Banken- und Finanzplatz Zürich sowie den Pharma- und Bankenplatz Basel profitieren.»

Ob auch Tamedia die Liaison dazu nutzt, die Kosten zu senken – sprich: die Redaktion zu verkleinern –, lässt Zimmer offen: «Derzeit handelt es sich erst um einen Test, deshalb können wir diese Frage im Moment nicht beantworten.»

Abgänge im Sport

Weniger Zurückhaltung zeigt BaZ-Chefredaktor und -Miteigentümer Markus Somm. Er bestreitet sein Blatt mit immer weniger Personal. Der in Pension gegangene Kulturjournalist Siegfried Schibli wird nicht ersetzt. Um Stellen gerungen wird auch im Sportressort, das zwei Abgänge verzeichnet. Einer der besten Schreiber des Blatts, der langjährige stellvertretende Ressortleiter Andreas W. Schmid, wandert zur «Coop-Zeitung» ab, an dieselbe Stelle zieht es Sportredaktor Fabian Kern.

Auch das Politikressort muss Federn lassen. Somm hat umgeplant. Stärkte er noch vor einem Jahr seine Politikredaktion, um national jene Leser und jenen Einfluss zu gewinnen, die ihm in Basel fehlen, vollzieht er nun eine Kehrtwende und pumpt die Ressourcen zurück ins Lokalressort. Inlandredaktorin Alessandra Paone wurde ebenso ins Lokale zurückbeordert wie Christian Keller, neuerdings Leiter Region.

«Testlauf» im Feuilleton

Ein Austausch von Artikeln war ursprünglich auch im Sport geplant. Dort verhinderte heftiger Widerstand aus beiden Redaktionen ein stärkeres Zusammengehen, weshalb das Projekt vorerst auf Eis gelegt wurde.

Anders sieht es im Feuilleton aus, wo die Bereitschaft zur Zusammenarbeit vorhanden sei. Entsprechend kündigt Tamedia-Sprecher Zimmer auch dort einen Testlauf an.

Damit wird das Verhältnis, das die beiden Medienhäuser miteinander pflegen, noch inniger. Bereits arbeitet man in der Vermarktung, beim Onlineauftritt von «Newsnetz», beim Druck der BaZ, bei den Beilagen und den Abos eng zusammen.

Somm und Supino

Und es könnte gemäss Aussagen von Somm noch kuschliger werden. Somm, dessen Inthronisierung bei der NZZ in letzter Minute verhindert werden konnte, versteht sich offenbar blendend mit Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino, mit dem er gemeinsam im Verlegerverband sitzt. [*]

Vor allem Somms Auftreten, seine politischen Überzeugungen und seine rigorose Personalpolitik beim Um- und Abbau der eigenen Redaktion sollen Supino imponieren. Somm will dazu, wie zu allen weiteren Fragen, keine Stellung nehmen. Tamedia-Sprecher Zimmer dementiert deutlich: «Die Ernennung des ‹Tages-Anzeiger›-Chefredaktors liegt in der Zuständigkeit des Verwaltungsrates. Ein Wechsel war weder im Verwaltungsrat noch in der Gründerfamilie je ein Thema, weil wir mit Arthur Rutishauser sehr zufrieden sind und es nie solche Gespräche mit Markus Somm gab.»

Marktlücke links der Mitte

[*] Hinweise darauf, dass nicht nur die Tagi-Leser und -Abonnenten mehrheitlich linksliberal ausgerichtet sind, sondern dass sich in der Schweizer Medienlandschaft eine grosse Marktlücke links der Mitte aufgetan hat, stossen bei Supino auf taube Ohren. Und das, obwohl Supino bis vor kurzem im Hause Tamedia den Ruf hatte, sich nur für Zahlen und weniger für Inhalte zu interessieren.

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*An den mit [*] markierten Stellen wurden Passagen auf Forderung eines von der Tamedia beauftragten Anwaltes gelöscht.

Konversation

  1. In der old Generation gibts noch einige Dauerabonnenten der BaZ, die eine Zeitung für Altpapierspenden brauchen. Wer mit der Zeit UNG gehen will, muss mit dern ZEIT ung gehen…Die TaWo hat ein gutes Konzept. Weiter so!

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  2. «… dass sich in der Schweizer Medienlandschaft eine grosse Marktlücke links der Mitte aufgetan hat …»
    das sehe ich auch so – umso augenfälliger, dass sich die herren medienbeherrscher eine deut um das marktbedürfnis scheren (geschweige ein info-bedürfnis), sie vielmehr machtpolitik betreiben wollen.
    sowohl die ursprüngliche leserschaft des tagi wie der baz waren grossmehrheitlich linksliberal zu verorten. bekanntlich sind das zugleich jene, die doch tatsächlich LESEN mögen.

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  3. @meury

    «die baz muss zwangsläufig ihre „grösse“ nach unten korrigieren …»

    eine echte tschälläntsch – zum glück gibt’s die nanotechnologie …

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  4. Auf welchem Pissoir von welcher Szenekneipe habt ihr denn dieses „Gerücht“ gehört?

    Markus Somm als neuer Chefredaktor des Tagesanzeiger ist etwa so realistisch wie Martin Shkreli als neuer CEO der Roche.

    Wenn aber doch, dann wird Martin Shkreli auch noch Papst (nichts ist unmöglich).

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  5. Hätte nicht gedacht, dass sie spassbefreite Zone sind. Ab und an mal einen Spruch zur Auflockerung muss drin liegen. Das Leben ist ernst genug.

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  6. Hab mich schon früher gewundert-als es noch zig Basler Zeitungen gab-warum an jedem Anlass zahlreiche Fotografen anwesend sein mussten. Lustig war mein allererstes Pressebild anfang 70er. Zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen hatten Peter Armbruster selig-Basler Nachrichten-und meine Wenigkeit ein Bild des Gym-Oberwil-Rohbau genau an derselben Stelle, hinter einem Backsteinhaufen. Peter mit Auto hingedüst, der Fotoamateur mit Mofa quer durch die Region!

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  7. Ich weiss ja auch nicht warum mir bei den hier geschilderten Vorgängen immer wieder Sir Winston Churchill in den Sinn kommt.
    Er sagte 1942 nach dem Ende der von ihm so genannten ‚Battle of Egypt‘ (Niederlage des Afrikakorps Rommels):
    „Now, this is not the end.
    It is not even the beginning of the end.
    It is, perhaps, the end of the beginning“.
    Es mussten noch drei schwere Jahre bis zum Ende im Jahre 1945 vergehen. Wird das bei der – wie heisst jetzt diese Zeitung aus der Nordwestecke der Schweiz schon wieder – auch noch so lange gehen?

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