Die traurige Basler Brieffreundschaft mit Paris

Unerledigte Post aus Basel stapelt sich in Paris. Nun soll auch noch ein Brief der beiden Basler Regierungen dafür sorgen, dass die Franzosen den Bahnanschluss an den EuroAirport bezahlen. 

Reaktionen wie beim SVP-Extrablatt: Basler Briefe habens schwer in Paris.

Postalische Kommunikation hat es schwer. Erstens kostet die Briefmarke Geld, zweitens kann man sich nicht sicher sein, ob der Pöstler den Brief überhaupt austrägt oder nicht einfach vor die Haustüre legt beziehungsweise ein Schreiben im Briefkasten deponiert, wonach der Brief in einer Apotheke in einer benachbarten Stadt abgeholt werden kann.

Trotzdem: Ein persönlicher Brief hinterlässt Eindruck. Und vielleicht haben Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels und seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro genau deshalb zum Briefpapier gegriffen, um Paris freundlich, aber bestimmt auf die Erfüllung angeblicher Pflichten hinzuweisen. Die französische Regierung will nichts an den Bahnanschluss zum EuroAirport bezahlen, obwohl man in Basel doch schon den Takt-Fahrplan ab 2025 ausgetüftelt hat.

Es sind sich schliesslich alle einig über die Notwendigkeit dieser seit Jahrzehnten geforderten Anbindung. Bis auf diejenigen freilich, die dafür bezahlen müssen.

Leise Zweifel bestehen indes, ob der Brief den gewünschten Druck erzeugt. Denn die Brieffreundschaft zwischen Basel und Paris ist zwar erprobt und in gewisser Weise bewährt, sie ist aber leider einseitig. Die unerledigte Post aus dem Basler Rathaus stapelt sich im Élysée-Palast. Schon nur die letzten Schreiben zur eingeforderten Schliessung des Atomkraftwerks Fessenheim warten traurig auf Beachtung: «Könnt ihr nicht bitte? Es wäre doch an der Zeit! Jetzt aber wirklich!»

Basel schreibt – Paris antwortet nicht.

Manchmal gehen die Basler Briefe erst an Verkehrsministerin Doris Leuthard, die dann noch etwas Erfrischendes dazu schreibt, den Prittstift in die Hand nimmt und das Couvert frisch verklebt nach Paris schickt. Aber auch Leuthards Lettres landen im echofreien Raum.

Der Steuerstreit rund um den EuroAirport löste sich erst nach komplizierten Verhandlungen auf höchster Ebene auf. Ob sich die Franzosen bei jedem Streitfall diese Mühe machen wollen, ist jedoch fraglich. Sie haben sich noch andere Projekte fürs laufende Jahr vorgenommen: Frankreich reformieren. Die EU retten.

Alles nutzt sich ab und vermutlich auch die persönliche Anrede auf feinstem Basler Briefpapier. Zumal es dem Empfänger langsam so vorkommen muss wie am eigenen Geburtstag, wenn der netten Karte kein nettes Geschenk beiliegt. Gerade das müssten sie in Basel seit der Eröffnung der Tramverlängerung nach Saint-Louis eigentlich wissen: Ein kleines Präsent kann Wunder wirken.

Konversation

  1. Wo soll denn der Flughafenbahnhof zu stehen kommen?
    Auf helvetischen Seite ist er den EU-lern und den Elsässern schlicht nutzlos, auf der EU-Seite müsste vorher irgendwo eine Zollstelle sein, kommt oder fliegt man ja meist mit etwas mehr als nur dem Handgepäck. Da ist ja dann eben diese EU-Aussengrenze auf dem Weg nach Basel.

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  2. Kleine Korrektur: «Alle» sind sich nicht einig über die Notwendigkeit dieser Anbindung. Ich kenne da ein paar Leute bei den Grünen, die dezidiert gegen eine bessere Verkehrsanbindung des Flughafens sind.

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    1. Dann gibt es halt einfach mehr Parkplätze und dann kommen die Leute vermehrt mit dem Auto. Die Grünen betreiben hier Vogel Strauss-Politik. Und dass der Bahnanschluss auch für über 6’000 Angestellte mehr als interessant ist, geschenkt. Die kommen halt mit dem Auto, wenn die Grünen den Bahnanschluss verhindern sollten.

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