Ein Toter und 35 Verletzte bei SBB-Zugunglück im Waadtland

Im Kanton Waadt sind am frühen Montagabend zwei Züge frontal zusammengestossen. Dabei starb ein Lokführer, 35 der insgesamt 45 Passagiere wurden verletzt.

Zur genauen Unfallursache gibt es noch keine Informationen. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

Im Kanton Waadt sind am frühen Montagabend zwei Züge frontal zusammengestossen. Dabei starb ein Lokführer, 35 der insgesamt 45 Passagiere wurden verletzt.

Ein toter Lokführer, 35 verletzte Passagiere, fünf davon schwer. Dies ist die traurige Bilanz eines schweren Zugunglück, das sich am Montagabend beim Bahnhof von Granges-près-Marnand ereignet hat. Kurz vor 19 Uhr kollidierten zwei Regionalzüge der SBB auf der Strecke zwischen Lucens und Granges-Marnand. 

Über die Unglücksursache ist bislang nichts bekannt. Pierre-Olivier Gaudard, Mediensprecher der Kantonspolizei Waadt, bestätigte gegenüber der SDA lediglich, dass die Kollision sich ereignet habe, als ein Zug im Bahnhof ankam, während ein anderer losfuhr. Ein Passagier des einen Unglückszuges sagte gegenüber «24heures», der Aufprall sei «sehr heftig» gewesen («c’était très violent»).

Laut Informationen der NZZ hätte der S-Bahn-Zug von Payerne her in Granges-près-Marnand die Durchfahrt des Regio-Express aus Lausanne abwarten sollen. Das Stellwerk des Bahnhofs stamme aus dem Jahr 1975 und das Zugsicherungssystem entspreche dem tiefsten der drei Niveaus auf dem SBB-Netz.

Ähnlichkeiten mit früherer Kollision

Dieses Sicherungssystem führt erst dann zu einer Zwangsbremsung, wenn der Zug ein Haltesignal bereits überfahren hat. Da der S-Bahn-Zug bei der Kollision offenbar noch nicht bis zum geschlossenen Ausfahrsignal vorgerückt war, konnte es gar nicht erst eingreifen. Dass Lokführer rote Hauptsignale überfahren, passiert gemäss Statistik des Bundesamtes für Verkehr in der Schweiz über hundert Mal im Jahr oder im Durchschnitt jeden dritten Tag.

Der Unfall erinnert an einen Zusammenstoss zweier Züge in Döttingen im Jahr 2011. Damals war der Lokführer trotz rotem Signal aus dem Bahnhof losgefahren. Die veraltete Sicherungstechnik kam nicht zum Einsatz.

Zum letzten Zusammenstoss zwischen zwei Zügen der SBB kam es im vergangenen Januar in Neuhausen, als ein Zugführer ein Rotlicht überfahren hatte. Dabei wurden 26 Personen verletzt.

Wie die SDA weiter berichtet, ist der Bahnverkehr zwischen Moudon und Payerne auf der Linie Palézieux – Payerne unterbrochen. Polizei, Feuerwehr, mehrere Ambulanzen und ein Helikopter seien vor Ort. Die SBB setzen Bahnersatzbusse ein. Die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (SUST) eröffnete zum Unfall eine Untersuchung.

Die Bergungsarbeiten werden mehrere Stunden dauern. SBB-Mediensprecher Reto Schärli rechnete damit, dass die Strecke bis am Dienstagnachmittag gesperrt bleibt, wie die SDA schreibt. Am späten Montagabend waren vor Ort schwere Maschinen im Einsatz, um die ineinander verkeilten Bahnwagen voneinander zu trennen.

Für Angehörige von Betroffenen hat die SBB eine Helpline eingerichtet: 0800 722 233.

Wird weiter aktualisiert.

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