Eine Bernerin kämpft sich an Basels Felsen zurück

Die 22-jährige Nadja Pfister klettert seit ihrer Kindheit. Nach einer Verletzungspause möchte sie jetzt wieder in die internationalen Wettkämpfe einsteigen.

(Bild: Olivier Christe)

Die 22-jährige Nadja Pfister klettert seit ihrer Kindheit. Nach einer Verletzungspause möchte sie jetzt wieder in die internationalen Wettkämpfe einsteigen.

 

Nadja Pfister steckt die Hände abwechselnd ins Magnesiumsäckchen an ihrem Klettergurt und schüttelt sie. Immer wieder, bis sie sich bereit für die nächsten Züge fühlt.

Klettern ist der rote Faden im Leben der blonden Bernerin. Dieser reicht zurück bis in ihre frühe Kindheit, als ihr Vater sie mit an den Fels nahm. Er brachte der gesamten Familie das Klettern bei. Als sein Werk vollbracht und die Familie mit dem Klettervirus infiziert war, hängte er selbst die Kletterschuhe an den Nagel. Damals war Nadja 10. Heute ist sie 22. Dazwischen liegen eine Jugend im Kader der Schweizer Jugendauswahl, viele Wettkämpfe, eine Handgelenksverletzung mit 20, das altersbedingte Ende ihrer Zeit in der Jugendauswahl, eine Operation und schliesslich – endlich – wieder beschwerdefreies Klettern.

Boulderige Routen bevorzugt

Die Route, in der Pfister noch immer die Arme schüttelt, heisst «Noir c’est noir» und ist mit 7c+ bewertet. Sie befindet sich am Chuenisbergli bei Blauen. Pfister, die für ein Physiotherapiestudium nach Basel kam, entdeckt die Felsen um Basel gerade erst neu. Nicht ohne Respekt, es geht ihnen ein Ruf voraus: kleingriffig und fingerlastig, kaum Trittmöglichkeiten und aufgrund der vielen Kletterer, die im Lauf der Jahre ihren Weg nach oben gesucht haben, oftmals etwas schmierig. «Der Ruf», lacht Pfister, «hat sich bestätigt. Doch mir gefällts.»

Wäre sie fünf Jahre früher gekommen, hätte das Ganze wohl anders ausgesehen. «Die Höhe war lange nicht meine Sache. Ich bevorzugte das Bouldern in der Halle.» Unter Bouldern versteht man das seilfreie Klettern an Blöcken. Darunter liegen Matten, die einen Sturz auffangen. Wie beim Seilklettern kann sowohl am Fels wie auch in der Halle an Kunstgriffen gebouldert werden.




Nadja Pfister trainiert am liebsten für die Boulderwettkämpfe in der Halle. (Bild: Olivier Christe)

Noch heute beschreibt Pfister die Routen, die sie am meisten mag, als boulderige, kurze Routen. Dennoch nennt sie, als ich sie nach ihrem Lieblingsgebiet frage, das spanische Rodellar. Dieses ist bekannt für lange, stark überhängende Ausdauerkletterei. Sie winkt lachend ab: «Eigentlich mag ich doch alles, was mit Klettern zu tun hat. Es ist nur so, dass ich in den kurzen, boulderigen Routen meist besser bin. Und worin man gut ist, das mag man doch auch.»

 

Die einzelnen Züge sind Pfister in «Noir c’est Noir» bereits gelungen, doch zusammenhängen konnte sie das Ganze ohne Pausen noch nicht. Sie wird aber wiederkommen. Dennoch liegt ihr Hauptfokus auf den Boulderwettkämpfen in der Halle. Nachdem sie das Maximalalter für Jugendtrainings überschritten hat und die Nationalmannschaft nach ihrer langen Verletzungspause zurzeit kein Thema ist, fehlt ihr ein Trainer. Deshalb hat sie über die Crowdfunding-Seite «I believe in you» Geld für einen Trainer in der Saison 2015/2016 gesammelt – und erhalten.

Gespendet haben Freunde, aber auch Unbekannte, wie zum Beispiel eine Bündner Möbelfirma, die einfach Freude an Pfisters Motivation hatte. Diese beschreibt sie so: «Ich will wieder mehr Wettkämpfe klettern. Auch international. Ich liebe den Konkurrenzkampf dort.» Diesen Wettstreit, bei dem eine Menge Kletterer sich gegenseitig mit «Allez», dem Motivationsruf der Kletterer, antreiben und heimlich hoffen, dass es für die anderen dennoch nicht reicht. Doch nach kurzer Zeit sei das alles wieder vergessen und man gehe gemeinsam klettern. «Dann sind wir wieder ein Team, helfen uns, und die Freude über gegenseitige Leistungen ist echt.»

Und mit wem sie diese Freude nicht teilen kann, geht sie ausserhalb der Wettkämpfe einfach nicht klettern.

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