Euphorische Linke gegen zerrüttete Rechte – so wird der zweite Wahlgang

Am zweiten Wahltag wird es zum Showdown zwischen rechts und links kommen. Gelingt der Linken erneut eine massive Mobilisierung, erwartet die Bürgerlichen das totale Desaster. Entsprechend unterschiedlich präsentiert sich die Stimmungslage in den beiden Lagern.

Achtung, fertig, losgelaufen: Die Linke startet mit Vorsprung in die zweite Wahl-Runde.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Am zweiten Wahltag wird es zum Showdown zwischen rechts und links kommen. Gelingt der Linken erneut eine massive Mobilisierung, erwartet die Bürgerlichen das totale Desaster. Entsprechend unterschiedlich präsentiert sich die Stimmungslage in den beiden Lagern.

Türe zu, hiess es bei der Basler SVP vor ihrem Parteitag. Die Medien wurden kurzerhand ausgeschlossen, als das weitere Vorgehen für den zweiten Wahlgang diskutiert wurde. Ein unüblicher Vorgang. Aber die SVP-Leitung wollte nach dem schwachen Abschneiden sowohl mit Regierungsratskandidat Lorenz Nägelin als auch bei der Grossratswahl eine öffentliche Kontroverse um jeden Preis verhindern.

Während an der Versammlung der FDP, der anderen am Wahltag gebeutelten rechten Partei, noch Durchhalteparolen bemüht wurden, zeichnete sich am SVP-Parteitag ab, was nach Abschluss der Wahlen folgen wird. «Es wurde Kritik geäussert», sagte der glanzvoll wiedergewählte SVP-Grossrat Alexander Gröflin nach der Versammlung. Aber nun gelte es, die Reihen zu schliessen.

Retten, was zu retten ist

Die Abrechnung in der Partei folgt später. Zunächst muss gerettet werden, was gerettet werden kann im zweiten Wahlgang. Deshalb warb auch der gestrauchelte Sicherheitsdirektor Baschi Dürr vor den SVP-Mitgliedern mit einer Rede um Unterstützung. Dass die SVP weiter hinter der Kandidatur Dürr steht, war am Parteitag umstritten. Mehrere Mitglieder sollen ihren Unmut über Dürr kundgetan und verlangt haben, einzig den eigenen Mann zu unterstützen. 

Helfen würde auch das kaum: Nägelin fehlten am ersten Wahltag bei 17’300 erreichten Stimmen über 6000 Stimmen zur Wahl. Die politische Karriere des Rettungssanitäters scheint am Ende angelangt. Weil auch die Wiederwahl von FDP-Mann Dürr auf der Kippe steht, der über 2000 Stimmen unter dem absoluten Mehr geblieben war, liegen die Nerven im bürgerlichen Lager blank: LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein hatte mit der SP darüber verhandelt, Nägelin zu opfern, um Dürr zu retten.

Am SVP-Parteitag verweigerte Präsident Sebastian Frehner einen Kommentar zum Sololauf der LDP-Frau. Man versuchte, das zertrümmerte Viererticket so gut wie möglich zusammenzuflicken. Als die Vorgänge von der «bz basel» publik gemacht worden waren, soll Frehner gekocht haben vor Wut.

«Das Fünferticket ist keine Anmassung, wie manche im Wahlkampf behaupteten. Es ist der Auftrag der Wähler!» 
Hans-Peter Wessels

So zerrüttet das rechte Lager ist, so einig und innig zeigten sich die Linken an ihrem Parteitag. Es war ein Abend, an dem mehr gejubelt als gesprochen wurde. Da störte es auch niemanden, dass das SP-Sorgenkind, Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels, in den zweiten Wahlgang muss. Diesen «Wermutstropfen» korrigiere man noch, so Parteipräsidentin Brigitte Hollinger. Der gut gelaunte «Hampe» Wessels erklärte: «Das Fünferticket ist keine Anmassung, wie manche im Wahlkampf behaupteten. Es ist der Auftrag der Wähler!» Tosender Applaus.

Denn die SP steht auch hinter der stramm linken BastA!-Frau Heidi Mück, die überraschend stark abgeschnitten hat in Runde eins und nun eine reale Gefahr darstellt für Amtsinhaber Dürr. Um es mit den Worten von BaZ-Chefredaktor Markus Somm zu sagen: Es herrscht in der Stadt eine feine Wechselstimmung – allerdings anders, als sie Somm verspürt hatte.

Phase drei: Angriff

Mück sieht in der Ausgangslage eine «historische Chance», die linke Mehrheit in der Regierung auf fünf zu zwei auszubauen: «Ich bin nicht bereit, den Bürgerlichen diesen Sitz einfach zu schenken – nach meinem guten Wahlresultat vom Sonntag erst recht nicht.» Zumal sich die Grünliberale Martina Bernasconi, die ihr linksliberale Stimmen abgejagt hätte, zurückgezogen hat.

Auf bürgerlicher Seite will man mit dem Viererticket dagegenhalten. SVP-Wahlkampfleiter Joël Thüring kündigt wiederum einen gemeinsamen Plakatauftritt an. Auch die bereits gewählten Lukas Engelberger (CVP) und Conradin Cramer (LDP) sollen nochmals Wahlkampf machen und so ihre Parteianhängerschaft mobilisieren. Inhaltlich «werden wir Phase drei einleiten», sagt Thüring. Will heissen: Voller Angriff auf die umstrittene Verkehrspolitik von Wessels.

Betrachtet man nur die an der Urne abgegebenen Stimmen, wären sämtliche fünf linken Kandidaten gewählt gewesen.

Ob das reicht, wenn die Linken nochmals ihre Mobilisierungsmaschine anwerfen? Die Auswertung des ersten Durchlaufs zeigte, wie stark die Schlussmobilisierung der Linken war. Betrachtet man nur die an der Urne abgegebenen Stimmen, also jene Stimmen, die kurz vor «Ladenschluss» eingegangen sind, wären sämtliche fünf linken Kandidaten gewählt gewesen.

Auch im zweiten Wahlgang wird die Mobilisierung der eigenen Klientel über Sieg und Niederlage entscheiden. Bei den Wahlen vor vier Jahren geschah hier nicht viel. Der damals neue FDP-Kandidat Baschi Dürr sah sich bei der Regierungsratswahl nur noch Exoten gegenüber, und das Duell Dürr gegen Guy Morin bei der Präsidiumswahl sorgte lediglich für ein laues Windchen. Die Wahlbeteiligung sackte entsprechend um 9 auf 32,1 Prozent ab.

Hohe Mobilisierung erwartet

Ganz anders präsentierte sich die Situation 2004, als eine neue rot-grüne Mehrheit und damit ein spektakulärer Richtungswechsel absehbar wurde. Die beiden Herausforderer Eva Herzog (SP) und Guy Morin (GB), die gegen den FDP-Kandidaten Mike Bammatter antraten, vermochten viele Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Die Wahlbeteiligung lag mit 46,3 Prozent noch einen Prozentpunkt höher als beim ersten Durchgang.

Das aktuelle Kandidatenquartett, das von ganz links bis ganz rechts reicht, dürfte für den zweiten Wahlgang am 27. November einen ähnlich hohen Mobilisierungseffekt haben.

Konversation

  1. Braucht es in der Wahlpolitik „Kampf-Worte“?
    Ohrfeigen, Mobilisierung, Durchhalteparolen, Wahlkampf, voller Angriff, etc.

    Nicht genug Krieg gespielt zuhause?
    In Syrien wäre JETZT die Gelegenheit dazu.

    Hier sollen die Wähler doch selber sagen, was sie wollen.
    Dieses Kriegsgeschrei kann wohl nur aus einem Land kommen, das von REAL-KRIEG keine Ahnung hat.

    Wir brauchen keine Kampf- und Wutpolitiker, die nur Mobilisieren und Angreifen können. Schickt die heim.

    Lachen ist viel lustiger.

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    1. @cesna

      trösterchen:
      der unsäglichste marathon der jetztzeit wird bekanntlich am 7.11. sein natürliches ende finden – mobilisiert bestimmt ungeahnte kräfte, wenn der drittweltkrieger dann wieder heim darf, dieser olle «forrest trump»

      danach mehr frische luft für den zweiten gang – für wessels und mück.

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  2. Sozialromantiker aller Quartiere, vereinigt euch!

    Kein Schaf darf ungezählt bleiben, keine Wachtel unbetreut und kein Ochsenfrosch unbegleitet.

    Kerbel, Kartoffel und Steckrübe ziehen wir auf dem Balkon und die täglich notwendigen 2000 Watt erzeugen wir mit dem Handgenerator.

    Kommt es ganz schlimm, dann halten wir uns die Hände und singen.

    Und Heidi Mück lächelt verzückt.

    Na Bravo. Ich kann es kaum erwarten.

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  3. Apropos Mobilisierung. Gleichzeitig mit dem zweiten Wahlgang findet die Abstimmung über die Volksinitiative «Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie (Atomausstiegsinitiative) statt.
    Da sollten doch die Stimmbürger, besonders die Linken und Grünen, mobilisiert sein um neben der Abstimmung auch noch eine Wahl zu treffen.

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  4. Wohlan denn, Wahlkampfleiter Thüring Joel und seine Mannen leiten Phase drei ein: Einen abgelutschten Angriff auf eine Verkehrspolitik (Motto: „Velofahrer schlitzen Autofahrer“) die aber dummerweise in Basel klar mehrheitsfähig ist! Damit wollen sie offenbar deren Hauptverantwortlichen treffen – und verpassen derweil, ihre Wähler davon zu überzeugen, dass und weshalb sie die beiden bürgerlichen Kandidaten wählen sollen. Henusode, uns Linken kann ein solch dilettantisches Vorgehen recht sein, aber eins ist sicher: Beim Tschutten hätte man eine solche Pfeife von Trainer schon längst in die Wüste geschickt!

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