Extremisten vertreiben Libyens Christen

Ein Brandanschlag gegen die koptische Kirche in Benghazi ist der letzte in einer Reihe von gewalttätigen Übergriffen gegen die Christen im Land, die auch die Beziehungen zum Nachbarland Ägypten belasten.

Christen protestieren vor der libyschen Botschaft in Kairo gegen den Tod eines Ägypters in Libyen, der dort wegen der Verbreitung des Christentums inhaftiert worden war. (Bild: Nasser Nasser)

Ein Brandanschlag gegen die koptische Kirche in Benghazi ist der letzte in einer Reihe von gewalttätigen Übergriffen gegen die Christen im Land, die auch die Beziehungen zum Nachbarland Ägypten belasten.

Bewaffnete Unbekannte haben am Donnerstag die koptisch-christliche Kirche in Benghazi, eine ehemalige Synagoge im Stadtzentrum, angezündet. Das Gebäude, die Inneneinrichtung und die Ikonen wurden beschädigt. Verletzte gab es keine. Die Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass es ein Vergeltungsakt für die Proteste ägyptischer Christen in den letzten Tagen vor der libyschen Botschaft in Kairo war. Ihre Wut hatte sich am Tod eines ägyptischen Christen in einem libyschen Gefängnis entzündet.

Er war einer von einer Gruppe von etwa 100 Ägyptern, die von Milizen unter dem Vorwurf, zu missionieren, verhaftet worden waren. Die Demonstranten in Kairo gingen von Foltertod aus und glaubten den Behörden nicht, dass er eines natürlichen Todes gestorben sein soll. Nach einer Intervention des ägyptischen Aussenministeriums wurden 55 freigelassen; 20 konnten in Libyen bleiben, 35 wurden deportiert, weil sie keine gültigen Einreisepapiere hatten.

Orden evakuiert

Der Kirchenbrand von Benghazi ist nur der letzte einer langen Reihe von Übergriffen gegen Christen und ihre Einrichtungen in den letzten Monaten. Im Dezember des vergangenen Jahres starben bei der Explosion eines Gebäudes der koptischen Kirche in Dafniya, nahe der Stadt Misrata, zwei Ägypter, weitere wurden verletzt. Der Apostolische Vikar von Tripolis, Giovanni Innocenzo Martinelli, sagte Anfang Februar in einem Interview, die Lage in der Cyrenaica, dem Osten des Landes, sei kritisch und die Atmosphäre sehr angespannt. Die Christen würden von islamischen Fundamentalisten vertrieben. Die Kirche sah sich gezwungen, in der Nähe von Derna einen Orden von Franziskaner Schwestern, der seit fast 100 Jahren besteht, zu räumen. Seit einiger Zeit schon würden Fundamentalisten die Entscheide in Libyen treffen, erklärte Martinelli gegenüber der Vatikan-Agentur Fides weiter.

Vor der Revolution im Jahre 2011 waren rund drei Prozent der 6,3 Millionen Libyer Christen. Während der Gaddhafi-Diktatur hatten sie keine Probleme. Jetzt sind nur noch wenige Tausend geblieben. Die meisten von ihnen sind Ausländer, vor allem Ägypter, aber auch Philippinen. Als religiöse Minderheit und als Ausländer sind sie doppelt bedroht. Militante islamistische Extremisten haben in den letzten Monaten aber nicht nur Kirchen und einen Commonwealth-Kriegsfriedhof, sondern auch islamische Sufi-Schreine verwüstet, weil sie in ihrer strikten Religionsauslegung jede Heiligenverehrung ablehnen.

Machtlose Regierung

Die schwache Zentralregierung verurteilt diese Vorfälle zwar, ist aber gegenüber den vielen bewaffneten Milizen, die sich im Verlauf der Revolution gebildet hatten und von denen manche ihre Region wie Fürstentümer regieren, machtlos. Islamistische Hardliner bestimmen auch immer deutlicher politische Entscheide und sorgen dafür, dass die Sharia, das islamische Recht, in einer engen Interpretation umgesetzt wird. Kürzlich wurden etwa Einschränkungen bei der Polygamie aufgehoben oder ein absolutes Zinsverbot verfügt.

 

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