Frankreich empört sich über Abzocker-Kinostars

Nach Gérard Depardieu geraten in Frankreich auch andere Schauspieler in die Kritik: Mit ihren überrissenen Gagen schadeten sie dem französischen Film, rügen betroffene Produzenten.

Actor Vincent Cassel attends the premiere of 'Black Swan' at the Ziegfeld Theatre on Tuesday, Nov. 30, 2010 in New York. (AP Photo/Evan Agostini) (Bild: AP Photo/Evan Agostini)

Nach Gérard Depardieu geraten in Frankreich auch andere Schauspieler in die Kritik: Mit ihren überrissenen Gagen schadeten sie dem französischen Film, rügen betroffene Produzenten.

Gérard Depardieu ist bereits vom Sockel gefallen, seitdem er das belgische Steuerexil und die russische Staatsbürgerschaft gewählt hat. Einige Berufskolleginnen wie Catherine Deneuve und -kollegen wie Fabrice Luchini stellten sich seither hinter ihn; andere greifen ihn wegen «unpatriotischem» Verhalten an.

Wie auch immer sie sich dazu stellen: Jetzt kommen die französischen Kinostars selber an die Reihe. Den ersten Stein warf der Kinoproduzent Vincent Maraval. In einem Beitrag in der Zeitung Le Monde schreibt er, der eigentliche Skandal sei nicht Depardieus Steuerexodus. Weitgehend unbekannt sei, dass die französische Kinoindustrie immer mehr in die roten Zahlen absacke, weil die bestverdienenden Schauspieler wie Jean Reno, Marion Cotillard oder Audrey Tautou zu hohe Gagen einstrichen.

Selbst Publikumsmagnete schreiben Verluste

So seien neun von zehn der erfolgreichsten französischen Filme des vergangenen Jahres kommerzielle Reinfälle. Darunter seien an sich erfolgreiche Streifen wie Asterix, Houba oder Le Marsupilami, die mehrere Millionen Zuschauer angezogen hätten. Und doch seien sie letztlich ein Verlustgeschäft. Schuld daran sind laut dem Besitzer der Produktionsfirma Wild Bunch Schauspieler wie Dany Boon («Willkommen bei den Ch’tis»). Er habe für die Hauptrolle im 2012 erschienenen Film «Le plan parfait» 3,5 Millionen Euro erhalten. «Die Kinoeinnahmen genügen nicht einmal, um die Gage dieses bestbezahlten Schauspielers zu decken», moniert Maraval. Für seinen nächsten Film «Hypocondriaque» verlange Boon sogar 10 Millionen Euro. Damit lasse er auch Depardieu weit hinter sich.

Der Beitrag wirft in Paris hohe Wellen und löst eine kulturpolitische Grundsatzdebatte aus. Denn die französischen Filme gehören zu den am stärksten subventionierten der Welt, und Maraval lässt durchblicken, dass letztlich die Steuerzahler für die ungerechtfertigten Gagen ihrer Kinostars aufkämen. Nur so sei es zu erklären, dass ein Schauspieler wie Vincent Cassel in Frankreich für den Film «Mesrine» 1,5 Millionen Euro eingestrichen habe; in den USA habe er hingegen für «Black Swan» bloss 226 000 Euro erhalten. «Sollten die Meistverdiener im französischen Film weiter mehr Geld verdienen, als sie wert sind, nur weil dies öffentliche Mittel und das einzigartige Subventionierungssystem erlauben?», fragt Maraval.

Statisten bei Diktatorenfesten

Die Pariser Zeitung Libération ist dem Produzenten dankbar, dass er «das Gesetz des Schweigens» in Sachen Stargehälter gebrochen habe. Sie begrüsst auch seinen Vorschlag, die Gagen auf 400 000 Euro pro Film zu begrenzen, sofern öffentliche Gelder beteiligt seien. Die bekanntesten Stars hielten sich ohnehin über Nebeneinkünfte schadlos; schliesslich sei nicht nur Depardieu bekannt dafür, bei Diktatorenfesten und dubiosen Filmfestivals für sechsstellige Summen Statist zu spielen.

Parallel zur Plafonnierung der höchsten Filmgagen stehe es zudem jedem Schauspieler frei, im voraus eine Gewinnbeteiligung auszuhandeln, meint Maraval. So habe zum Beispiel Omar Sy bei dem Kassenschlager «Ziemliche beste Freunde» je zehn Cents pro Kinoeintritt ausgehandelt. Das habe ihm zu einer stolzen Mehreinnahme von 1,9 Millionen Euro verholfen.

Konversation

  1. Ich war gestern zufällig mit Sepp in Zürich, und habe metapherlose Steuerkonstrukte durchdiskutiert. Sepp hat mir versicher, dass das beste Verfahren darin besteht, die Nullen zu streichen. Änlich wie im Fussball werden Nullen sofort eliminert, was zu einer sofortigen Steueroptimierung führt, egal ob in Frankreich oder in der Schweiz. Aber Russland ist natürlich viel besser, weil man dort auch die Nullen nach dem Komma streichen kann. Entsprechend habe ich die Systeme zwischen den drei Ländern verglichen und festgestellt, dass 75% der Nullen in Frankreich mehr sind, als 62% in der Schweiz.Von Russland wollen wir gar nicht sprechen. Deshalb mein Rat,, als unverbindliche Hilfeleistung an vereifelte Schauspieler. Streich die Nullen in Frankreich, dann wird auch die Equip National dort wieder besser. Und zwar mindestens 75% besser.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Wenn mir meine Lebenssituation nicht mehr gefällt, hat jeder das Recht etwas zu verändern. Ob dies von anderen Leuten gebilligt wird oder nicht, ist letztlich egal. Schauspieler stehen nur sehr viel mehr in der Öffentlichkeit als der Nachbar von nebenan. Bei den einen empört sich ein Land, bei dem anderen nur die Omi von gegenüber.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. Sind Sie sicher, was Sie schreiben ist korrket?
    Ich bezahle auch 64% Steuern.
    Die Frage ist immer, wovon 75%, und welche Abzüge Sie machen können!
    Ganz so einfach ist die Sache nicht…

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Es ist schön wenn man so viel verdient dass man ohne grössere materielle Sorgen seinen Lebensunterhalt bestreiten kann! Und was darüber hinaus geht ist nicht mehr „verdienen“ sondern „sammeln“, „gewinnen“ oder was auch immer. Was tut man dann damit?

    Es gibt das etwas altmodisch-verstaubt klingende Wort „Reichtum verpflichtet“ – zur Finanzdienstleistung an die Allgemeinheit: Man tätigt z.B. sinnvolle Investitionen oder unterstützt alle möglichen kulturellen oder gemeinnützigen Unternehmungen. Vor lauter Ärger über „Abzocker“ & Co. sollte man nicht vergessen dass es das alles durchaus heute noch gibt, und dass wir alle davon profitieren! Und niemals kann der Staat dies ersetzen, selbst wenn das gewollt wäre, weil er immer gerecht verteilen müsste: Welches Kleintheater, welcher Sportverein, welche Zeitung (!) hat dann ein „Recht“ auf Unterstützung? Der private Geldgeber darf und soll da hemmungslos seinen eigenen Vorlieben folgen und diejenigen Projekte fördern, die er ganz persönlich – im Keim! – für zukunftsträchtig hält!

    Wer hingegen reich ist und das nicht kapiert ist für mich so etwas wie ein erwachsenes Kleinkind das einfach nicht kapieren will dass täglich nur Schokoladepudding auf die Dauer keinen Lustgewinn bringt.

    Danke Empfehlen (0 )
  5. Die Schweiz !

    Ist jemand unter uns der noch nie von der Schauspielkunst von Gérard Depardieu schwärmte? Nein! Millionen von Menschen lieben Depardieu und zahlen hunderte von Millionen Franken Eintritt. Depardieu erhält dementsprechend hohe Gagen die sehr wohl verdient sind.

    Aber was machen denn die Reichen mit so viel Geld?

    Sie zahlen Steuern und finanzieren zum Beispiel Menschen mit geringem Einkommen die Krankenkasse oder das Wohngeld. In Basel beträgt der Spitzensteuersatz 37.48% Prozent. Verdient jemand 1 Million Franken, dann gibt er davon 374.800.- dem Staat ab. Darüber hinaus investieren Reiche Menschen in Häuser, in Personal, in Konsumgüter in Geschäftsideen etc. etc. und kurbeln so die Wirtschaft an, wie das jeder von uns nach seinen Verhältnissen auch tut.

    In Frankreich hingegen gibt der Einkommensmillionär glatt das Doppelte dem Staat ab, nämlich 750.000 Franken (um bei Franken zu bleiben). Der Staat Frankreich hat nun „doppelt so viele“ Steuereinnahmen wie die Schweiz. Aber die französische Wirtschaft hat nur halb so viel freies Kapital für Investitionen Verfügung wie die Schweiz. Gerade weil die Schweizer Wirtschaft so potent ist, verfügt sie quasi über eine Vollbeschäftigung oder ist hinter der USA, Russland und China der viertgrößte Kunde der EU (real).

    Trotz doppelter Steuereinnahmen von Frankreich ist die Staatsverschuldung um ein x-faches höher als in der Schweiz. Es ist eine der Irrideen des Sozialismus schlechthin, zu meinen, man könne einfach (nachhaltig) mehr nehmen und nach unten verteilen. Abgesehen davon, dass das mit dem nach unten verteilen bei den Sozialisten nie so richtig geklappt hat (hehehe). In Anlehnung an Ephraim Kishon: Die Ideen des Sozialismus hervorragend, das Problem ist nur, sie sind realisierbar.

    Frankreich ist gerade daran, seine eh schon abwärts verlaufende Schulden-Spirale anzukurbeln und Depardieu zeigte mit seinem Wegzug große Zivilcourage! Dass es ausgerechnet Russland mit seinem menschenverachtenden Rechtssystem oder seiner gemimten Demokratie sein musste, ist zweifelsohne schade.

    Und ja, viel Geld alleine macht nicht glücklich! Dies beweist die Schweiz mit einer der höchsten Selbstmordraten (weltweit) jährlich.

    Danke Empfehlen (0 )
  6. es gehen ja auch Millarden ins Ausland, durch Einkäufe.
    das macht doch auch jeder. Leider sind die Steuern in meinem Einkommensniveau (10’000.00) nicht entscheiden viel billiger, in Frankreich. Sonst wäre ich schon lange rüber, und hätte mir ein Gartenhäuschen in St. Louis gekauft….

    Danke Empfehlen (0 )
  7. 100’000 CHF sind ja nicht unbedingt ein schlechtes Einkommen. Ja natürlich wenn Sie es mit dem Pharma oder Bankenmanagement vergleichen ist es ein Taschengeld. Wenn natürlich alle Leute ihr Geld das sie in der Schweiz verdienen in die Nachbarstaaten tragen gibt es irgendwann auch nichts oder mindestens nicht mehr soviel zu verdienen oder sehe ich das falsch ?

    Danke Empfehlen (0 )
  8. Ich finde, ich bezahle hier auch zu viel Steuern, und erwäge deshalb, nach Frankreich auszuwandern. (ist kein Spass – man bezahlt dort weniger, als hier – bei einem bescheidenen Einkommen bei ca. 100’000.00!)! In Saint Louis würde es mir gefallen, aber ok, die Umzugskosten sind höher als was ich spare, und die Mieten sind auch bald auf Schweizer Niveau!

    Danke Empfehlen (0 )
  9. Es gibt Menschen, die Briefmarken sammeln. Es gibt Menschen die schöne Steine während einer Wanderung auflesen. Es gibt Menschen die Puppen sammeln. Und eben, es gibt Menschen die Geld sammeln. Verdienen tun die das ja nicht mehr!
    Geld verdient man für seinen Lebensunterhalt. Alles, was darüber ist, ist einfach sammeln und fehlt dann vielen, die nicht genug verdienen für ihren Lebensunterhalt.
    Das kann ich mir nicht anders erklären, als dass ihre Sicht nicht weiter reicht, als bis zur eigenen Nasenspitze.

    Danke Empfehlen (0 )
  10. Lieber Herr Stucki
    Was die Menschen mit diesem vielen Geld machen? Ich meine, Sie versuchen das Loch aufzufüllen, das automatisch entsteht, wenn man sein Ziel erreicht hat und es dabei verpasst hat, sich wenigstens einem einzigen Menschen zuzuwenden. Sie versuchen dieses Loch zu füllen und mit den immer höheren Honorarforderungen die Erreichung des Ziels hinaus zu zögern bzw. zu verschieben. Die Filmproduzenten täten gut daran, auf andere DarstellerInnen zurückzugreifen und sich nicht erpressen zu lassen. Aber diese sind ja im selben Strudel gefangen.
    Selig sind die Armen. Sie erfreuen sich an Kleinigkeiten und sind zufrieden bis der Magen knurrt.
    Sie wenden sich, meiner Erfahrung zu Folge auch anderen Menschen zu und teilen das karge Brot.
    Zuerst mit Einem und dann, wenn es für mehr reicht mit einem Nächsten. Das hochgesteckte Ziel wird dabei aus den Augen verloren.
    Tja. Wir können sie nur bedauern, die Schönen und Reichen. Helfen können wir nicht.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel