Gegner des Central Park legen los

Mit ihrer Kampagne wollen die Vertreter des Komitees «Nein zum CentralParkBasel» eine unnötige Abstimmung verhindern. Aus ihrer Sicht handelt es sich dabei um ein «naives Projekt». Christoph Gantenbein erklärt, was aus architektonischer Sicht gegen die Idee spricht.

(Bild: Livio Marc Stöckli)

Mit ihrer Kampagne wollen die Vertreter des Komitees «Nein zum CentralParkBasel» eine unnötige Abstimmung verhindern. Aus ihrer Sicht handelt es sich dabei um ein «naives Projekt».

Es ist selten, dass an einer Medienkonferenz wirklich angeregt diskutiert wird und sich Referenten und Journalisten gegenseitig ins Wort fallen. Man darf die Tatsache, dass genau dies an der Veranstaltung der Centralpark-Gegner geschehen ist, wohl als Indiz für die Brisanz der bevorstehenden Abstimmung verstehen.

Am Donnerstagmorgen präsentierte sich das Komitee «Nein zum CentralParkBasel» zum ersten Mal den Medien. Die Gegnerschaft sei «breit abgestützt» bemühte sich LDP-Grossrat Heiner Vischer klarzustellen. Damit reagierte er wohl auf die enorm breitgefächerte Unterstützung der Befürworter, die nicht nur Vertreter sämtlicher Parteien sondern auch die Handelskammer und Umweltorganisationen hinter sich wissen. Gleich in einem seiner ersten Sätze gab Vischer den Ton der Veranstaltung an: «Der Central Park ist keine Vision, sondern eine Illusion.»

Vier Argumente gegen den Central Park

Neben Vischer sassen noch die Grossrätin Dominique König-Lüdin (SP) und ihre Kollegen Christian Egeler (FDP) und Bruno Jagher (SVP) am Tisch. Der Architekt Christoph Gantenbein machte die Runde komplett. Mit ihm und Egeler, der Bauingenieur ist, waren somit auch zwei Personen vom Fach zugegen.

Plakate listeten die vier Hauptargumente der Gegner auf, die dann jeweils von einem Referenten näher erläutert wurden:

König-Lüdin sagt Nein zum Central Park (CP), weil er den Ausbau des Bahnhofs verhindert. Aus ihrer Sicht würde der CP sämtliche Bautätigkeit der SBB in Zukunft behindern. «Dieses Projekt gefährdet das Herzstück massiv», sagt König-Lüdin. Der Kanton habe ein wesentliches Interesse an diesem Bahnhof, weshalb sie es nicht für weise hält, die SBB in ihren Ausbauplänen zu behindern.

Der Gundelianer Bruno Jagher nennt den CP «viel zu teuer». Zwar sei er zuerst auch von der Idee angetan gewesen, nach einer vertieften Auseinandersetzung sei er jedoch zu einer anderen Überzeugung gelangt. «Als Bewohner des Gundeli verwehre ich mich übrigens der Behauptung, wir seien nicht an die Stadt angebunden», die drei vorhandenen Brücken seien völlig ausreichend, sagt Jagher.

Auch Christian Egeler zählte bis vor Kurzem noch zu den CP-Unterstützern. Er sei gar auf der Liste im Internet aufgeführt gewesen, bis er den CP-Initianten Donald Jacob vor vier Wochen gebeten habe, ihn zu löschen. Den plötzlichen Sinneswandel erklärt Egeler mit seiner Erkenntnis, dass der CP «echte Probleme falsch löst». Ausserdem sei es bedenklich, dass die Visualisierungen der Befürworter nachweislich falsch seien. So würde beispielsweise die ins Feld geführte Öffnung für den Langsamverkehr in Richtung Innenstadt die bereits bestehende Parkingeinfahrt zwischen Elsässerbahnhof und Glasgebäude an der Viaduktstrasse einfach ignorieren.

Und zuletzt erklärte Christoph Gantenbein, dass man den Park so nicht bauen könne. Dies, weil das vorgestellte Projekt zuviele «technische Realitäten» ignoriere:

«Erfüllt man sämtliche Bedingungen, denen eine solche begrünte Überführung gerecht werden muss, bleibt nicht ein Park, sondern ein lebloser Technikbau», sagt Gantenbein. Aus stadtplanerischer Sicht sei das Projekt schlicht «naiv». Gantenbein war schon zuvor durch vehemente Kritik am CP aufgefallen. Auch an dieser Veranstaltung sparte der Architekt nicht an deutlichen Worten.

Was bedeutet ein «Ja» zu dieser Initiative, was ein «Nein»?

Zwar bemühten sich die Referenten stets, den CP nicht als fertiges Projekt zu bezeichnen (was er ja auch nicht ist), gleichzeitig schossen sie sich in ihrer Kritik jedoch auf technische Details ein. Darin sah König-Lüdin jedoch keinen Widerspruch: «Wir wollen das Stimmvolk lediglich über die technischen Probleme eines solchen Vorhabens aufklären.» Gantenbein legte nach, indem er zwar eingestand, dass aufgrund der Visualisierungen beispielsweise keine genaue Bezifferung der Kosten möglich sei, «wir können aber sehr genau erkennen, wo die konstruktiven Schwächen einer solchen Überführung liegen.»

Die Befürchtungen auf Seiten der Gegner sind anscheinend gross, dass die Initiative am 22. September durchkommen könnte. Bis vor kurzem gab es noch nicht einmal ein Gegenkomitee, dieses hat sich erst in den letzten Wochen formiert. Was denn geschehe, wenn die Mehrheit «Ja» sage zum Central Park? «Eben nichts», sagte Vischer. «Die Abstimmung ist komplett überflüssig und unnötig.» Eine Annahme bedeute nämlich lediglich, dass der Grosse Rat die unformuliert eingereichte Initiative ausformulieren und dann dem Stimmvolk erneut zur Abstimmung vorlegen müsse.

Unabhängig vom Ergebnis der baldigen Abstimmung wird die SBB wieder eine Unterführung bauen, das entsprechende Baugesuch liegt bereits bewilligt vor.

Lesen Sie am Freitag in unserer Wochenausgabe eine Reportage aus dem Gebiet nordwestlich vom Bahnhof, welches vom «Central Park» direkt betroffen wäre. Die aktuelle Ausgabe erhalten Sie jeweils am Kiosk oder digital über die App der TagesWoche. Oder natürlich bequem nach Hause geliefert mit einem Abo.

Konversation

  1. Zentral gelegen Bahnhöfe – ein Geschenk unserer Vorfahren – toll.
    Will man solche Anlagen heute realisieren ist dies so zentral kaum mehr denkbar. Mann würde vermutlich vielerorts eine unterirdische Lösung überlegen müssen, oder wahrscheinlicher, vermehrt an die Peripherie der Städte ziehen müssen.
    Dass der Bahnhof SBB, auch städtebaulich eine ziemlich schwierig zu überbrückende Grenze darstellt, ist unbestritten. Übrigens nicht nur der Bahnhof SBB, sondern auch die Geleiseanlagen und Autobahn beim Badischen Bahnhof, bis uns mit der Autobahnbrücke über den Rhein – eine Katastrophe aus heutiger städtebaulicher Sicht.
    Mit der Idee Central Park wir ein Ansatz aufgezeigt wie man solche „Barrieren“ mildern könnte. Diese Initiative hat es verdient, dass sie ernst genommen wird. Natürlich ist die SBB dagegen – ihr gutes Recht – wird ja dadurch ihre Planungsfreiheit eingeschränkt. Sich durch die ablehnende Haltung der SBB und unseren verantwortlichen Stadtentwicklern im Ansatz beirren zu lassen ist falsch – so wird man nie visionäre Projekte realisieren können. Die SBB ist zwar Landbesitzerin, aber letztlich gehört dieses Land dem Bund und sollte zu unser aller Wohl verwaltet und verwertet werden.
    Es kann nicht sein, dass unangenehm schwierige planerische und technische Aufgaben uns von interessanten Ideen abbringen lassen sollen. Sowohl unsere Politiker, wie auch die vom Bund, Kanton und Staat angestellten Verantwortlichen, haben die Pflicht solche Ideen eingehend zu prüfen und nicht nur aufgrund von der zu erwartenden Gegenwehr abzuschmettern.
    Gerade eine weit vorausschauende Planung wird sowohl der Stadtplanung wie auch der SBB erlauben ihre Ansprüche mit genügender Flexibilität einfliessen zu lassen. Dass die SBB nicht immer planerisch auf der Höhe ist – zum Beispiel mit der viel zu engen Bahnhofsüberführung – ist in der Zwischenzeit sicher vielen klar geworden.
    Der langen Rede kurzer Sinn: Wir sollten einer guten Idee eine reelle Chance geben, auch wenn sie nicht von der Stadtplanung oder der SBB kommt . Schmettert eine sinnvolle Privatinitiative erst ab, wenn alle Kriterien von den wichtigsten involvierten Parteien transparent sind und eine detailliertere, generelle Planung aufzeigt was machbar ist und was nicht.
    Es muss grundsätzlich möglich sein, solch schwierige planerische Situationen mit überzeugenden Zukunftslösungen zu realisieren.
    Realität ist, dass unsere sehr begrenzte Landfläche in der Schweiz und speziell in Basel weise genutzt werden will. Es wäre schön, wenn wir mal in einem Jahresbericht lesen könnten; „der Bund und Kanton haben einige m2 neue Grünfläche geschaffen.
    Für mich ist klar, wenn nicht jetzt, dann werden spätestens unsere Nachfahren irgendwann mal in der Zukunft solche SBB Flächen konsequent nutzen, sei es mit Grünfläche oder mit Büro-, Wohn-, Gewerbe- oder öffentlichen Bauten. Sie werden dann diesen Platz brauchen wollen.

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  2. Warum erinnert mich diese Diskussion bloss an die Wettsteinbrücke? Damals wurde Calatrava auch vorgeworfen er verstehe nichts von Brücken (obwohl er schon mehrere gebaut hat) und das Projekt sei illusorisch. Na, das Resultat haben wir ja bekommen: eine teure, architektonisch armselige und dröhnende Wettsteinbrücke.

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  3. Klare Worte des gegnerischen Komitees. Das ist gut so. Leider werden sich zahreiche Simmberechtigte von der Visualisierung blenden lassen und Ja stimmen. Und wenn dann nach einer Annahme klar wird, dass dieses Projekt nie realisiert werden wird, die Faust im Sack machen und an zukünftigen Abstimmungen aufgrund ihres Frustes an diesen nicht mehr teilnehmen. Deshalb gibt es eigentlich nur eines: Nein zu diesem „Stimmbürger-Versegglungs-Projekt“

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