Griechenland versinkt in der Krise? Nicht ganz – diese Unternehmen blühen

Griechenland steckt nach aktuellsten Zahlen noch immer tief in der Finanzkrise. Die Exporte sind auf einem Tiefpunkt und doch – es gibt die Erfolgsgeschichten. Unsere Korrespondentin hat drei erfolgreiche Unternehmen besucht.

Griechenland steckt nach aktuellsten Zahlen noch immer tief in der Finanzkrise. Die Exporte sind auf einem Tiefpunkt und doch – es gibt die Erfolgsgeschichten. Unsere Korrespondentin hat drei erfolgreiche Unternehmen besucht.

Einen Moment lang fällt es schwer, Yannis Papoutsas ernst zu nehmen. Der Miteigentümer des kleinen griechischen Kosmetikunternehmens Beautylab verkündet Fabelhaftes aus einem abgebrannten Land: «In den vergangenen fünf Jahren ist unser Geschäft im Durchschnitt um 20 Prozent pro Jahr gewachsen.» Als er hinter dem Schreibtisch in seinem Büro unweit vom wohlhabenden Athener Bezirk Maroussi sitzt und spricht, lächeln seine Augen über den schwarzen Rand der Brille.

Gerade eben hat das griechische Amt für Statistik Elstat die jüngsten wirtschaftlichen Daten veröffentlicht, wonach Griechenland nach wie vor tief in der Finanzkrise steckt. Die Exporte haben ihren tiefsten Punkt in den vergangenen vier Jahren erreicht und im Vergleich zur ersten Hälfte von 2015 sind sie um weitere 8 Prozent gesunken. Der Privatkonsum ist in der gleichen Periode um 1,9 Prozent geschrumpft.

Das erfolgreiche Paar: Elisabeth E. Daravelis und Yannis Papoutsas.

«Das waren Leute, die hauptsächlich im Hotelbau und bei der Renovation von Hotels tätig waren. Als das wegen der Krise nicht mehr ging, haben sie angefangen, Kosmetikprodukte herzustellen und ihre ehemaligen Kunden, die Hotels, damit zu beliefern. Und das scheint zu funktionieren», sagt Yannis.

Beautylab musste oft auf Kreativität setzen – etwa als vor einigen Jahren Lieferanten der Firma im Ausland griechische Warenkreditbriefe nicht mehr akzeptierten. «Dann mussten wir den vollen Preis immer im Voraus bezahlen», erinnert sich Yannis. Das Bankensystem des Landes sei immer noch eines der grössten Probleme für griechische Unternehmer.

«Die Banken sitzen im Moment fest auf den faulen Krediten vieler Firmen, die einfach nicht lebensfähig sind. Als Folge fehlt es an Ressourcen, gesunde Unternehmen zu finanzieren.» Was die Kunden im Ausland angehe, müsse man hart um einen guten Namen kämpfen – gegen den angeschlagenen Ruf des Landes.

Bio-Oliven und Nachbarschaftshilfe – so bewältigt man in Mani die Krise

Das Ansehen ist dagegen kein Thema für das Familienunternehmen Mani Bläuel in der Gegend Mani auf der Halbinsel Peloponnes – und das, obwohl es ein reines Exportunternehmen ist. Man hat sich eben schon seit Langem im deutschsprachigen Raum einen Namen für das Bio-Olivenöl und andere Olivenprodukte gemacht. Eigentlich sei die Finanzkrise in der Mani nicht so präsent, sagt  Firmeneigentümer Fritz Bläuel: «Hier gibt es Olivenöl, Tourismus, und keine Untergangsstimmung, wie man sie aus der Hauptstadt Athen kennt.»

Bläuel erzählt von einem Nachbarn, einem Elektriker, der aus der Hauptstadt Athen in die Mani gezogen ist, um Biogemüse anzubauen. Dem gehe es prima, er sei glücklich, davon ist Bläuel überzeugt. Er spricht ruhig und wirkt entspannt, als ob er nicht ein Unternehmen mit knapp 12 Millionen Euro Umsatz zu leiten hat. Im letzten Jahr hatte es einen knapp 40-prozentigen Umsatzanstieg. Und die Krise?

Ja, die spüre man doch, etwa in Bereichen wie dem öffentlichen Gesundheitswesen. Wehe, man erkrankt und muss ins Krankenhaus. Dort – so erzählen es die Leute – muss man sogar die eigene Bettwäsche mitbringen. «Bei uns gibt es aber viele nette Nachbarn, die sich in einer freiwilligen Feuerwehr und in Erste-Hilfe-Gruppen zusammengetan haben. Auch ein ehemaliger Flüchtling aus Afghanistan ist dabei – die Menschen helfen einander», sagt Unternehmer Bläuel.

Aus der Kommune zum Unternehmen: Fritz & Burgi Bläuel. Pioniere und inzwischen Profis beim Bio-Oliven-Anbau.

Aus der Kommune zum Unternehmen: Fritz & Burgi Bläuel. Pioniere und inzwischen Profis beim Bio-Oliven-Anbau. (Bild: Bläuel.gr)

Bläuel selbst kam in den 1970er-Jahren aus Wien nach Griechenland – zuerst auf Urlaub. Später übersiedelte er mit einer Kommune aus Österreich auf den Peloponnes. Bald ging aber die Kommune auseinander. «Wenn man davor in Wien gelebt hatte, war das Leben hier erschreckend. Es gab nur einen ewigen Sonnenuntergang, eine lange Nacht, kein Telefon. Die Strasse war gerade asphaltiert und wir hatten das einzige Auto», erinnert sich Fritz.

Allein er harrte aus und schlug sich durch mit Saisonarbeiten wie Oliven pflücken. «So habe ich das kalt gepresste Olivenöl entdeckt – so etwas kannte man in Österreich damals nicht: Ich dachte mir, das ist toll, man muss damit etwas machen.» Der Anfang. Er sei damals der Erste in Griechenland gewesen, der mit biologischem Landbau begonnen habe.

Heute kauft die Firma die Oliven von etwa 300 Biobauern auf dem Peloponnes und sei mit seinen 60 Mitarbeitern ein «relativ grosser Arbeitgeber». «Die Krise hat uns nicht berührt, weil wir ein reines Exportunternehmen sind», erklärt sein Sohn Felix nüchtern, der als Geschäftsführer amtet.

Griechischer Grund ist der Grund für den Erfolg von Horst Puchinger

Interessanterweise entstand die Geschäftsidee eines anderen Österreichers, Horst Puchinger, direkt aus der Krise heraus. Über mehrere Jahre ist er mit seiner Frau nach Griechenland in die Ferien gefahren. «Wir haben gesehen, wie es unseren griechischen Freunden dort von Jahr zu Jahr schlechter geht, und dachten uns, gut, was kann man da machen, wovon wir alle leben können?», erzählt Puchinger. Ein kurzes gemeinsames Nachdenken später wurde aus dem ehmaligen Informatiker ein Biobauer, der die Heilpflanze Aloe Vera auf dem Peloponnes anbaut.

Puchinger schwört auf die trockene Hitze und den felsigen Boden dort, der sich als ideal für seine Aloe Vera erwiesen hat. Der Anfang war vor vier Jahren. Heute verkauft er seine Aloe Vera auch in die Schweiz. «Vom Geschmack ist sie ganz ekelhaft – glitschig, bitter – all das, was ein Mensch als unappetitlich empfindet.» Für ihn, den Eindruck bekommt man, ist Aloe dennoch nicht einfach ein Geschäft, sondern eine Mission.

Aloe Vera – erst im Topf, dann in griechischer Erde. Horst Puchinger schwört darauf. (Bild: TYROS ALOE VERA Company)

«Mein Ziel ist es, den Menschen zu zeigen, wie toll man mit so einer Heilpflanze arbeiten kann», erklärt er und erzählt, dass er im Moment bei einem internationalen Projekt der Athener Universität dabei ist, Antibiotika in Tiernahrung für Hühner, Kühe und Schafe durch Aloe Vera zu ersetzen. «Das Neuste ist aber: Wir haben 40 Bienenvölker auf unsere Plantagen gebracht und sind in diesem Herbst dabei, den weltweit ersten Aloe-Vera-Honig zu gewinnen – nicht wie üblicherweise, Aloe dem Honig beizumischen, sondern ihn tatsächlich aus der Aloeblüten zu bekommen.» 

Überhaupt scheint Puchingers bei seinen Unterfangen auf Exklusivität zu setzen. «Wir suchen immer das Spezielle. So haben wir vor ein paar Jahren mit Berg-Oregano angefangen.» Auch beim Olivenöl – ein mittlerweile klassisches Massenprodukt – glaubt er etwas Besonderes gefunden zu haben: Er gewinnt es aus der griechischen wilden Olive.

Sieht edel aus, schmeckt wohl auch – ist als Lebensmittel aber zu kostbar. Es gilt als Pharmazeutikum: Öl aus wilden Oliven. (Bild: TYROS ALOE VERA Company)

«Die Olea Silvestris ist ein griechischer unveredelter Olivenbaum, der von Hand gepflückt wird.» Nur 28’000 Liter jährlich gebe es davon – zu kostbar also, um es als Lebensmittel zu verwenden. Das Produkt gelte aber als anerkanntes Pharmazeutikum und verkauft sich offenbar gut. «Unsere Umsatzsteigerung beträgt pro Jahr mehr als 25 Prozent.»

Ja, in Griechenland herrscht Krisenstimmung im Grossen, aber im Kleinen keimt die Hoffnung.

Konversation

  1. Liebe TaWo
    Sicher gibt es Ausnahmen- aber Hoffnung keimt da gar keine- meine halbe Familie wohnt dort und ich kenne die Situation aus erster Hand. Natürlich sind die vorgestellten Unternehmen ja vielleicht tatsächlich eine Ausnahme in jeder Hinsicht, leider basiert der Erfolg aber oft auf dem schamlosen Ausnutzen der Angestellten, die für 250 Euro pro Monat 12 Stunden täglich arbeiten- und das ist leider nicht übertrieben- die Leute nehmen alles, um irgendwie zu überleben. Und über den Satz „sie müssen mehr Steuern zahlen, aber das macht ihnen nichts aus“ kann ich nur lachen- mit einem weinenden Auge, da (einige) gute Freunde mit durchaus florierenden Geschäften daran gescheitert sind – man hat mitten in einer Krisensituation von ihnen verlangt, plötzlich 100% der Steuern für das kommende Jahr voraus zu zahlen.
    Ihr Artikel erweckt den Eindruck, es genüge, innovativ und intelligent zu sein, und malt ein idyllisches Bild toller Unternehmer, die es trotzdem schaffen- damit sollte man meiner Meinung nach vorsichtig sein – die meisten Griechen erleben im Moment Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit- ich kenne keinen, der nicht am liebsten gehen würde- und diese Leute sind weder dumm noch faul- viele hatten eigene Geschäfte, für die sie ihr Leben lang hart gearbeitet habe und stehen jetzt plötzlich vor dem Nichts- das darf man nicht vergessen.

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