Grünes Licht für den umstrittenen Spitalneubau

Der geplante Neubau des Klinikums 2 des Universitätsspitals Basel überwindet seine nächste Hürde. Die zwei vorberatenden Grossratskommissionen befürworten das rund 700 Millionen teure Projekt – und zwar mit dem umstrittenen 60 Meter hohen Turm.

Die Bauarbeiten für den Neubau des Klinikums 2 samt Hochhaus beginnen voraussichtlich 2017.

Der geplante Neubau des Klinikums 2 des Universitätsspitals Basel überwindet seine nächste Hürde. Die zwei vorberatenden Grossratskommissionen befürworten das rund 700 Millionen teure Projekt – und zwar mit dem umstrittenen 60 Meter hohen Turm.

Das Klinikum 2 des Universitätsspitals Basel (USB) zählt unbestrittener Massen zu den hässlichsten Bauten in der Stadt. Die Regierung entschied vor ein paar Jahren, dass der veraltete Betonklotz von 1974 durch einen Neubau ersetzt werden soll. Geplant ist ein langgezogener Neubau am Petersgraben mit einer maximalen Höhe von 23 Metern sowie ein 60 Meter hoher Bettenturm.

Dass das Klinikum 2 vollständig neu gebaut werden soll, ist in der Bau- und Raumplanungskommission (BRK) sowie in der Gesundheits- und Sozialkommission des Grossen Rats unbestritten. «Die bestehende Substanz genügt den Ansprüchen eines modernen Spitalbetriebs nicht länger», heisst es in einer Mitteilung. Die Weiterentwicklung des USB auf dem Areal wird ebenfalls von beiden Kommissionen befürwortet. Durch eine Verdichtung am heutigen Standort werde zudem die Nähe zur universitären Lehre und Forschung gewahrt.

Rückweisungsantrag scheiterte

Der Bebauungsplan sieht ein Baufeld am Petersgraben und zwei Entwicklungsfelder in den Bereichen Klingelberg-/Schanzenstrasse und Hebelstrasse vor. Während die beiden Entwicklungsfelder im Bebauungsplan erst grob definiert werden, sind die Vorgaben für das Baufeld am Petersgraben konkret auf das Siegerprojekt der Zürcher Architekten Lorenzo Giuliani und Christian Hönger ausgerichtet. Das Siegerprojekt löste bei seiner Präsentation im Juni 2013 einen Sturm der Empörung aus und wurde umfassend überarbeitet. Grund für die Kritik war unter anderem der 60 Meter hohe Turm.

In der Bau- und Raumplanungskommission sorgte denn auch die Nähe des geplanten Hochhauses zur historischen Altstadt für Diskussionen. «Der geplante Hochhausneubau verändert die Stadtsilhouette vor allem mit Blickrichtung vom Kleinbasler Rheinufer und bringt aus städtebaulicher Sicht in der Fernwirkung eine gewisse Verschlechterung», heisst es weiter. Für eine Minderheit der BRK war das Hochhaus gemäss Bericht sogar «ein untragbarer Eingriff in die Stadtsilhouette» und ein Hauptgrund für die Rückweisung des Ratschlags; diese Minderheit unterlag allerdings mit ihrem Rückweisungsantrag mit 10 zu 3 Stimmen. 

«Die Baudenkmäler in der Nähe des USB werden durch den Neubau nicht stärker beeinträchtigt als durch die heute bestehende Bausubstanz.»

Eine Mehrheit der BRK kommt zum Schluss, dass «die Baudenkmäler in der Nähe des USB durch den Neubau nicht stärker beeinträchtigt werden als durch die heute bestehende Bausubstanz». In einzelnen Aspekten werde gar eine gewisse Verbesserung erreicht. In der Interessenabwägung sind beide Kommissionen der Meinung, dass die Weiterentwicklung des USB an seinem historisch gewachsenen Ort aus medizinischer, betrieblicher und gesundheitspolitischer Sicht sinnvoll und weiterzuverfolgen ist. Die Einsprachen des Basler Heimatschutzes und der freiwilligen Denkmalpflege weist die BRK zurück. Voraussichtlich im Mai wird das Geschäft im Grossen Rat behandelt. 

Konversation

  1. „Welche Bausau baut diesen Saubau“, stand vor Jahrzehnten an der Fassade eines ähnlich hässlichen Neubaus. Da in Basel die Bausünden der 60er- und 70er-Jahre wiederholt werden sollen, darf auch an diesen Spruch aus jener Zeit erinnert werden.

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  2. Ob ein neuer „Kotzbrockenbau“ mehr oder weniger in dieser Stadt gebaut wird, ist schlussendlich egal. Seit der Errichtung des „Messe-Turm“ und des „Roche-Turm“ herrscht in dieser Stadt in Sachen Architektur Sodom und Gomorrha. Ein Kollege von mir nennt es treffender: architektonische Pornographie!

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    1. Ein Kollege von mir meinte einmal, alles was länger als breit ist, sei phallisch… Ich sehe nach der Ära der „Einstürzenden Neubauten“ nun eben die Ära der „Erigierten Neubauten“ als angebrochen. Nein, Spass bei Seite, was wäre denn Ihrer Meinung nach eine sinnvolle Lösung? Design bis zur Unbrauchbarkeit?

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    2. Ein ideales Spital müsste immer wieder in Teilen neu baubar sein: Der Hauptbewohner sind nämlich die Spitalkeime. Da böten sich tatsächlich Holzhäuschen an, die periodisch dem 31.7. zum Flamm-Opfer fallen würden in Basel. Damit wäre das Hygieneproblem nämlich auch gerade gelöst. Für die komplexen Zentralstrukturen ist ein Hauptgebäude sicher sinnvoll, wo auch die ganze moderne Technik drin verschwindet.
      Ausserdem wäre man aufgrund des notwendigen Abstands genötigt, eine Park-ähnliche Struktur mit zu kreieren, die überraschenderweise den Menschen und Patienten auch gut tut.
      Sonnenlicht ist übrigens ein hervorragendes Desinfektionsmittel!

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    3. @reber

      mich amüsiert die @jundt’sche bausau – und dem @cesna sein valser sargnagel* …

      tja, «pornographische architektur» hat was … zumindest mir erscheint sie stets etwas obszön, eher hoch- als hervorragend – die architektonische antwort aufs selfie halt.

      *den find ich diesbezüglich krasser!
      und damit die bärbeiss’schen ukrainischen oligarchen den heli zu den angels erwischen ein tipp:

      nadel-menü:
      «kartoffelpuffer beim stoffeltuffer»

      (ukrainisch schnurz: борщ)

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