Hitzige Debatte um Frauengleichstellung in Basler Zünften

In den verstaubten Verordnungen der Basler Zünfte sind Mann und Frau noch nicht gleichgestellt. Ob dieser Schritt ins 21. Jahrhundert möglich wäre, muss nun der Bürgerrat prüfen.

Frauen klopfen zumindest rechtlich an die Pforten der Männerbastion des Basler Zunftwesens.

Der Basler Bürgergemeinderat hat den Ruf eines eher gediegenen und ruhigen Gremiums. An der Sitzung an diesem Dienstag wurde er diesem Ruf nicht gerecht. Es ging um die gesetzlich festgeschriebene Oberaufsicht der Bürgergemeinde über die Zünfte, Vorstadtgesellschaften und Kleinbasler Ehrengesellschaften – und um Hochemotionales.

Grosse Unruhe ins Stadthaus brachte der Auftrag der SP-Fraktion an den Bürgerrat. Die Exekutive der Bürgergemeinde solle prüfen, wie die Gleichstellung von Mann und Frau in den entsprechenden Verordnungen verwirklicht werden könne. Bis heute sind die Zünfte und entsprechenden Gesellschaften nicht verpflichtet, Frauen Zugang zu gewähren. 

Sind Zünfte nun öffentlich-rechtliche Korporationen?

In der zuletzt 1990 revidierten Zunftordnung heisst es zum Beispiel: «In eine Zunft kann jeder männliche und wohlbeleumdete Bürger der Stadt Basel aufgenommen werden, der das 18. Altersjahr zurückgelegt hat …» Die Passage ist mit dem Zusatz versehen, dass es den Zunftversammlungen freistehe, Frauen den Männern gleichzustellen. In der Praxis sind es erst drei von über zwei Dutzend Zünften und Gesellschaften, die mittlerweile Frauen Zutritt gewähren.

Massgeblicher Punkt für die Antragsteller ist, dass sich die Basler Zünfte mit Stolz darauf berufen, «Körperschaften des öffentlichen Rechts» zu sein. Damit könnten sie sich, so die Ansicht, auch nicht über den Gleichheitsartikel der Kantonsverfassung hinwegsetzen. Das ginge nur, wenn sie wie etwa die Zürcher Zünfte rein privatrechtlich organisiert wären.

Der Bürgerrat zeigte sich bereit, den Auftrag zur unverbindlichen Prüfung entgegenzunehmen.

Für Raoul Furlano, Sprecher der LDP/FDP-Fraktion, kam dieser Antrag einer Palastrevolution gleich. Der Bürgergemeinderat und Meister der E. Zunft zum Goldenen Stern betonte, dass es «sehr unachtsam gegenüber einer alten Basler Tradition» sei, den Zünften einen Auffnahmezwang von Frauen aufzudrücken.

Er stellte überdies infrage, ob Basler Zünfte juristisch tatsächlich als öffentlich-rechtliche Vereinigungen zu betrachten seien. Als privatrechtlicher Verein müsse man sich bei den Aufnahmekriterien nicht reinreden lassen. Furlano widersprach damit aber der Aussage seiner eigenen Zunft, die sich auf ihrer Website eben gerade als «öffentlich-rechtliche Korporation» tituliert.

Auf die Seite der LDP/FDP schlugen sich die SVP und Mitglieder der EVP/GLP-Fraktion. Die CVP wusste sich nicht so richtig zu positionieren.

Männerdiskussion um eine Gleichberechtigungsfrage

Auffällig war, dass an der Diskussion fast ausschliesslich Männer teilnahmen. Und sich die wenigen Frauen – etwa Patrizia von Falkenstein von der LDP – gegen ein Eingreifen in die Männerbastion der Zünfte aussprachen.

Am Schluss fanden aber die Ratsmitglieder, die zumindest eine Überprüfung der tradierten Gegebenheiten für überfällig halten, eine Mehrheit. Mit 20 zu 16 Stimmen überwiesen sie den SP-Auftrag an den Bürgerrat.

Dieser wird nun wohl als Erstes abklären müssen, ob die Basler Zünfte juristisch tatsächlich als öffentlich-rechtliche Körperschaften gelten. Dann wäre eine Änderung der Zunftordnung im Sinne der Gleichstellung möglich. 

Die Zünfte indes müssen keine wirkliche Palastrevolution befürchten. Wenn das weibliche Geschlecht auch nicht mehr implizit als Ausschlussgrund verankert ist, heisst das noch lange nicht, dass die Vereinigungen im Einzelfall weibliche Mitglieder aufnehmen müssen.

Konversation

  1. Oooh Frauen wundert Euch nicht!
    Irgendwann fordert ein Mann das Recht auf Menstruation für Alle. Ich bin neugierig wie diese Diskussion ausgehen wird, Gender ad absurdum.
    Jetzt ernsthaft:
    Wollen die Frauen überhaupt zünftig werden? Wurden sie bei der Bewerbung abgewiesen? Diese Frage hat noch niemand beantwortet.

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  2. Das ist wieder so eine «Mohrenkopf»-Diskussion mit eben dieser Empörungs-Potenz ins Unermessliche. Männer wollen eben ab einem gewissen Alter einfach unter sich sein. Das ist ein Menschenrecht: das Recht auf Individualität. Also, wir leben in einer Überfluss-Gesellschaft, die keine echten Probleme (mehr?) hat. Stattdessen macht sie sich welche, wo es völlig überflüssig ist. Ich denke insbesondere an die sogenannten Linken, die Velo-Terror fordern und mit dem Flugi für 699 Franken um die halbe Welt in die Ferien fliegen. Oder, die sich lauthals für «Integration» einsetzen, aber auf dem Bruderholz in ihrem eigenen Gärtlein ihre gestylten Gleichgesinnten auf teuren e-Bikes zur Gartenparty laden. Während daneben auf dem Klosterfiechten-Spielplatz die echt Unterprivilegierten mit Kopftüchern und gutturaler Sprache ihr selbst mitgebrachtes Picknick quasi in einer Schattenwelt verspeisen. Und dann frage ich mich, ob diese vom Kapitalismus angezogenen Muselmanen und -Innen (sic!) sich über obgenannte Themen wundern mögen, wenn sie dereinst mal eine gewichtige Mehrheit bilden?

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  3. A propos Tradition: Im Mittelalter sassen durchaus auch Frauen in den Zünften. Wenn der Mann starb, konnte die Frau Mitglied werden, und hatte ein Mann keine Söhne, so konnte eine Tochter Mitglied werden. Das apodiktische Frauenverbot wurde erst mit der Neugründung der Zünfte nach der Helvetik eingeführt.

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    1. Ein Ding hat soviel Bedeutung, wie man ihm zugesteht…

      „…die Zünfte manövrieren sich über kurz oder lang selber in die Bedeutungslosigkeit hinein…“

      Tja, Herr Scheurer, weshalb dann diese „lebensverlängernde Massnahme“ durch die SP-Fraktion im Bürgergemeinderat?

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