Hunderte Schüler begraben in Liestal ihre «totgesparte Bildung»

Eine Grossdemo als Bestattungszeremonie: Bei den Protesten gegen den Bildungsabbau bekamen auch Monica Gschwind und Conradin Cramer ihr Fett weg.

Opfer der Sparmassnahmen im Bildungswesen: Demonstrationsteilnehmer in Liestal.

«Gemeinsam betrauern wir bei einem Bildungsbegräbnis unsere totgesparte Bildung.» Der 17-jährige Schüler aus Basel-Stadt ist einer von vielen, die an diesem Freitag mit dem Netzwerk der Schüler*innenorganisationen beider Basel (Soba) vor dem Regierungsgebäude in Liestal protestieren. «Die Solidarität aller Betroffenen der Abbaupolitik macht weder vor Kantonsgrenzen, noch vor Ausbildungsstufen halt», sagt der Schüler. 

«Für die Soba zeigt sich klar, dass Abbau bei der Bildung Abbau bei der Zukunft bedeutet», ergänzt Anna Holm vom Organisationskomitee. «Wer bei der Bildung spart, spart bei der Gesellschaft von morgen.» 

«D Gymis sin am blühe, bis d Gschwind uf Lieschtl chunnt / und am End vo ihrer Amtszit dert simmer alli chli vrdummt.»

Vom 19. bis 23. März veranstalteten verschiedene bildungspolitische Organisationen deshalb eine schweizweite Aktionswoche gegen Bildungsabbau. Der Event in Liestal bildet den Höhepunkt in der Region. Über 350 Schülerinnen und Schüler aus sämtlichen Gymnasien und Fachmittelschulen beider Basel stürmten am Nachmittag das «Stedtli», um mit einer als Begräbnisfeier gestalteten Gross-Demo gegen Sparmassnahmen im Bildungswesen zu protestieren. 

Slogans wie: «Die Bildung ist das Fundament jeder Gesellschaft» oder «Bildung ist nicht teuer. Keine Bildung ist teuer» standen auf Plakaten und Transparenten. Und am Ende sangen die Schüler zu Ehren der Verstorbenen und zur Schande der Verantwortlichen ein selbst komponiertes Lied:
«Vo Lieschtl bis ufs Münschtr
vom Barfi bis Münchestei
d Chindr lerne flissig
und gönn denn druurig hei

D Gymis sin am blühe
bis d Gschwind uf Lieschtl chunnt 
und am End vo ihrer Amtszit dert
simmer alli chli vrdummt

Auch der Stadtbasler Erziehungsdirektor bekam sein Fett weg:

Gosch du an d Uni Basel
und lernsch ganz Wichtigs do
bi so vil tolle Infos
sett mol dr Cramer go

Und trotz de volle Chöpfli
gits e leers Portemonnaie
es isch scho düür ir Gegewart 
und neggscht Johr choschtets meh, oh je

Am Samstag schliesst sich die Truppe dann dem nationalen Protest an, der unter dem Namen «Bildungsaufstand» mit einer Demonstration auf dem Berner Bundesplatz den Schlusspunkt unter die Protestwoche setzt. 

Schüler und Studis aus beiden Basel bei der Demo in Liestal.

Konversation

  1. Könnte es sein, dass auch die hiesigen Firmen bald von solchen Politikern die Nase voll haben?
    Siehe mal den Tageswoche Artikel nebenan:
    https://tageswoche.ch/wirtschaft/in-basel-verdienen-amerikaner-das-fuenffache-eines-schweizers/

    Wenn man dann den auswärtigen Mitarbeitern das Fünffache bezahlen muss, weil die hiesigen Bürger nur noch „auf dumm“ ausgebildet werden, wird die Schweiz als Firmenstandort noch teurer: Zu hohe Grundstückspreise, zu hohe Gestehungskosten, und dann teilweise auch fünfmal mehr Lohnkosten.
    … und dann noch das Affentheater, bis man den Ausländer endlich anstellen darf….
    Das könnte dann definitiv zu teuer sein!

    Etwa Ziel: „Entwicklung zum Arbeiter-und-Bauernstaat“?
    Das ist nebenan schon mal richtig schief gegangen!

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  2. Wir sollten genau hinhören wenn unsere Jugend sich hier meldet.
    Ich unterstütze die Anliegen und freue mich über den mutigen Auftritt.
    Und ich hoffe, unsere Volksvertretenden nehmen diese Anliegen ernst.

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