«Ich unterstelle Ecopop Blindheit»

Pierre-Alain Niklaus kritisiert im Buch «Unheimliche Ökologen» die Ecopop-Initiative als fremdenfeindlich und neokolonialistisch. Die Ideologie dahinter sei über zweihundert Jahre alt und die Distanzierung von rechtskonservativen Kreisen unglaubwürdig.

Engagiert sich seit Jahren für Migrantinnen und Migranten in der Schweiz: Pierre-Alain Niklaus. (Bild: Nils Fisch)

Pierre-Alain Niklaus kritisiert im Buch «Unheimliche Ökologen» die Ecopop-Initiative als fremdenfeindlich und neokolonialistisch. Die Ideologie dahinter sei über zweihundert Jahre alt und die Distanzierung von rechtskonservativen Kreisen unglaubwürdig.

Pierre-Alain Niklaus trägt graue Jeans, ein weiss-blau-gestreiftes Matrosenshirt und gelbe Sportschuhe. Er wirkt bübisch, und wären da nicht die grauen Strähnen in seinem dichten Haar, würde man ihm die 44 Jahre nicht geben. Er ist etwas angespannt, denn er habe nicht viel Erfahrung mit Interview- und Fototerminen, wie er selbst sagt. Ein Unscheinbarer, der das Scheinwerferlicht nicht für sich, sondern einzig für seine Überzeugungen sucht. Zum Beispiel für seine tiefe Ablehnung gegenüber der Ecopop-Initiative, die er in seinem neusten Buch gemeinsam mit dem grünen Nationalrat Balthasar Glättli beschreibt.

Pierre-Alain Niklaus, was stört Sie am meisten an der Ecopop-Initiative?

Die Initianten arbeiten mit Katastrophenszenarien und sprechen von Bevölkerungsexplosion. Menschen werden zu Zahlen, und die Bevölkerungsregulierung wird zum demographischen Planspiel. Man präsentiert uns Kurven und Zahlen, die eindrücklich scheinen, aber der Realität nicht gerecht werden. Zudem ist es immer eine Elite, bestehend aus Akademikern und Politikern, die versucht, ihre Vision eines tragbaren Bevölkerungswachstums durchzusetzen. Das war schon früher so. Diese Elite will darüber bestimmen, wer sich noch vermehren darf und wer nicht.    

Sie unterstellen Ecopop eine rechtskonservative Haltung nahe am Rassismus. Dies, obschon sich die Initianten in öffentlichen Auftritten und auf der Website vehement gegen diesen Vorwurf wehren.

Ich unterstelle Ecopop vor allem Blindheit! Der amerikanische Biologe Paul Ehrlich, auf den sich Ecopop beruft, grenzte sich kaum von rassistischen und migrationsfeindlichen Kreisen ab. Ich finde sein Buch «Die Bevölkerungsbombe» haarsträubend. Es ist frauenfeindlich, kolonialistisch, … ja, alles wüste. Sämtliche Gegenargumente, die nach der Veröffentlichung in den 1970er-Jahren laut wurden, werden von Ecopop ausgeblendet.

Wie sieht es mit aktuellen Verbindungen der Initianten zu rechten Politikern aus?

Die Initiative kam nur zustande, indem der Unterschriftenbogen der rechtskonservativen «Schweizerzeit» von Ulrich Schlüer beigelegt wurde. Zudem hat Ecopop das Abstimmungsergebnis zur Masseneinwanderungsinitiative offiziell begrüsst. Erst die Öffnung nach rechts gab der Initiative den nötigen Schwung. Die Abgrenzung von rechtspopulistischen Kreisen ist deshalb unglaubwürdig.

Was die Schweiz betrifft, will Ecopop die Überbevölkerung und damit unsere ökologischen Probleme einseitig durch die Begrenzung der Migration auf 0,2 Prozent bekämpfen. Das wären rund 16’000 Personen pro Jahr, also noch rund ein Viertel der aktuellen Migranten. Wieso diese Konzentration auf die Migration?

Für Ecopop sind alleine die anderen an unseren Umweltproblemen schuld. Die Migranten und diejenigen in der Dritten Welt, die sich zu fest vermehren. Dabei wird negiert, dass die Schweiz kräftig im globalen Kapitalismus mitmischt, der uns die heutigen Umweltprobleme, wie den ungebremsten CO2-Anstieg und die Rohstoff-Ausbeutung, eingebrockt hat. Auch dass die Schweizer Wirtschaft einen bedeutend grösseren ökologischen Fussabdruck hat als jene der meisten anderen Länder, interessiert Ecopop nicht.

Die globale Überbevölkerung will Ecopop bekämpfen, indem zehn Prozent der Schweizer Entwicklungshilfe in die Verhinderung von Geburten in Entwicklungsländern fliessen sollen. Was stört Sie daran?

Etwas karikiert: Man geht davon aus, die Frauen in der Schweiz und in Europa seien so vernünftig und gebildet, dass man ihnen die Verantwortung darüber lassen kann, wie viele Kinder sie haben wollen. Eine Frau in Kamerun, in der Elfenbeinküste oder in Nigeria aber braucht erzieherische Massnahmen; die kann nicht rational entscheiden, wie viele Kinder sinnvoll sind. Natürlich distanziert sich Ecopop von jeglichem Neokolonialismus. Gleichzeitig wollen die Initianten die Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern in die Schweizer Verfassung schreiben. Das ist absurd!

«Die Initianten wollen die Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern in die Schweizer Verfassung schreiben. Das ist absurd!»

Die Ecopop-Initianten kommen aus allen Lagern: Aus dem Umkreis der rechtspopulistischen Schweizer Demokraten, aus feministisch-emanzipatorischen und akademischen Kreisen. Grüne sind dabei und Agronomen. Was verbindet sie?

Der Mangel an jeglichem historischen Bewusstsein: Der westliche Kolonialismus, die Menschenrechtsverletzungen bei Familienplanungs-Programmen in der Dritten Welt seit Ende des Zweiten Weltkriegs – das alles spielt für Ecopop keine Rolle. Die Ecopop-Initianten stellen sich in der Öffentlichkeit gerne als Tabubrecher dar, die das Thema «Bevölkerungsexplosion» nun erstmals auf den Tisch bringen. Wirft man einen Blick in die Geschichte, merkt man, dass diese Debatten alle schon längst stattgefunden haben.

Wann fürchteten sich die Menschen erstmals vor Überbevölkerung?

Das Bevölkerungsgesetz von Thomas Malthus stammt aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Er – selber aus der privilegierten Oberschicht – wollte, dass die Armen arm bleiben, und sprach sich gegen jegliche sozialen Gesetze in England aus, weil diese eine verantwortungslose Vermehrung unter den Armen fördern würden. Die Bevölkerung wachse exponentiell, während die Nahrungsmittelproduktion nur linear wachse, so seine Begründung. Vordergründig ging es also um Ernährungssicherheit.

Blieb die Angst vor Hunger das Hauptargument für die staatlich geförderte Bevölkerungsregulierung im 20. Jahrhundert?

Nein, es folgten eugenische und später geostrategische Argumentationen. Der Zoologe Ernst Haeckel plädierte dafür, dass die minderwertigen Bestandteile der Gesellschaft ausgemerzt werden müssen. Eine Ideologie, die sich rasch in ganz Europa ausbreitete. Gleichzeitig wurde in den USA die Rockefeller-Dynastie mit Erdöl steinreich. Ein Teil des Vermögens floss zum Steuersparen 1913 in eine Stiftung, die unter anderem den «Population Council» finanzierte. Dort stand von Beginn an die Bevölkerungsregulierung in der Dritten Welt im Fokus. Die ersten Mitglieder waren bekennende Eugeniker; wobei die guten Gene natürlich diejenigen der weissen Oberschicht waren, während die schlechten in den vom Kommunismus bedrohten Drittweltstaaten ausgemacht wurden. Man fürchtete die demografische Entwicklung, welche die eigene Vormachtstellung gefährdet hätte.



«Die Abgrenzung von rechtspopulistischen Kreisen ist unglaubwürdig.»

«Die Abgrenzung von rechtspopulistischen Kreisen ist unglaubwürdig.» (Bild: Nils Fisch)

In den 1970er-Jahren erschienen die beiden wissenschaftlichen Bestseller «Grenzen des Wachstums» des Club of Rome und «Die Bevölkerungsbombe» des amerikanischen Biologen Paul Ehrlich. Welche neue Dynamik kam damit in die Überbevölkerungsdebatte?

Mein Vater war selbst ein Akademiker und Anti-AKW-Aktivist, der auch in Kaiseraugst mit dabei war. Ich erinnere mich, dass in seinem Umfeld bereits damals von Überbevölkerung die Rede war. Das ökologische Argument verdeckte nun die inhumanen und unschönen Seiten der Bevölkerungsregulierung. Sie war mehrheitsfähig geworden und wurde von Teilen der Umweltbewegung übernommen.  

Kein Wunder, schliesslich wirken die demografischen Zahlen auch angsteinflössend: Die Menschheit hat sich seit 1950 beinahe verdreifacht. Nach der mittleren Variante der UN-Prognose könnte die Welt bis 2100 elf Milliarden Menschen zählen. Die Hälfte des absoluten Wachstums findet dabei in nur acht Ländern statt, sechs davon in Afrika. Alles kein Problem?

Ich sage nicht, dass eine Welt mit elf Milliarden Menschen besser ist als eine mit sieben Milliarden, wie heute. Aber es ist eine Illusion, dieses Wachstum technokratisch bekämpfen zu können. Die Ecopop-Leute nehmen einfach eine Formel aus Paul Ehrlichs Buch, die «PAT-Formel», die besagt: Umwelteinwirkung ist gleich die Bevölkerungszahl mal Wohlstand pro Kopf multipliziert mit einem Faktor für technologischen Fortschritt. Für Ecopop ist die Lösung unserer Umweltprobleme demnach ganz simpel: Man muss einfach das P, also die Bevölkerung reduzieren.

«Hunger ist keine Folge der Überbevölkerung, sondern von fehlendem Zugang zu Land, Ausbildung, Wissen und Technologie.»

Aber Fakt bleibt, die Weltbevölkerung wächst um rund 80 Millionen Menschen pro Jahr und die menschliche Einwirkung auf die Natur nimmt dadurch weiter zu.

Subsahara-Afrika hat heute eine Bevölkerungsdichte von 36 Personen pro Quadratkilometer; in Westeuropa beträgt sie 172. Überbevölkerung ist weitgehend ein Gedankenkonstrukt. Und der «Peak Child», die höchste Wachstumsrate, wurde bereits in den 1970er-Jahren mit zwei Prozent erreicht. Seither sinkt sie, und heute sind wir bei etwas mehr als einem Prozent. Laut Prognosen wird die Rate bis Ende Jahrhundert weltweit auf null zurückgehen. Dazu sind keine technokratischen Eingriffe nötig, sondern die Verringerung der Armut und die Bildung von Frauen. Beide Faktoren korrelieren nämlich negativ mit dem Bevölkerungswachstum. Wer bitterarm ist, keine Rente hat, wo Landwirtschaft noch Handarbeit ist und Brennholz der einzige Energieträger, wo man darauf hofft, dass mindestens ein Kind eine Ausbildung besuchen kann und den Ausstieg aus der Armut schafft, dort kann es aus individueller Sicht durchaus sinnvoll sein, viele Kinder zu haben.

Und was ist mit der Ernährung von elf Milliarden Menschen?

Das Argument wurde immer wieder bemüht. Ich bin überzeugt, dass wir elf Milliarden ernähren können. Hunger ist keine Folge der Überbevölkerung, sondern von fehlendem Zugang zu Land, Ausbildung, Wissen und Technologie. Selbst die Irische Hungersnot, die von Malthus-Anhängern gerne als Beweis für dessen Thesen angeführt wurde, beweist bei näherer Betrachtung, wie wichtig sozio-ökonomische Rahmenbedingungen für Hungerkatastrophen sind. Man kann globale Umweltfragen nicht von den sozialen Fragen trennen. Die Ausbeutung der Menschen muss genauso interessieren wie die Ausbeutung der Natur. Schon nur deshalb, weil Armut einer der wichtigsten Faktoren für viele Kinder ist.

«Was gibt mir das Recht, Kamerun zu sagen, dass es nicht mehr wachsen darf?»

Naturschutz ist für Sie also unweigerlich mit einem Kampf gegen den Kapitalismus verbunden?

Was gibt mir das Recht, beispielsweise Kamerun zu sagen, dass es nicht mehr wachsen darf? Nach den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft hätten drei Viertel der Menschheit nach wie vor das Recht auf quantitatives Wachstum. Doch die wohlhabenden Länder haben eine Verantwortung: Sie können aufzeigen, wie Wohlstand auch ohne wirtschaftliches Wachstum und ohne Abhängigkeit von fossilen Energieträgern möglich ist. Das bedeutet eine Abkehr von der Wegwerf-Gesellschaft und eine Hinwendung zu mehr Suffizienz.

Gehen Sie diesbezüglich mit gutem Beispiel voran?

Ja, ich denke schon. Unsere Familie hat kein Auto; wenn wir trotzdem mal eins brauchen, nutzen wir Carsharing. Wir unterstützen die regionale Vertragslandwirtschaft mit einem Gemüse-Abo vom Birsmatterhof. Wir leben mit einer vierköpfigen Familie in einer Stadtwohnung von rund hundert Quadratmetern. In den letzten zehn Jahren bin ich ein einziges Mal geflogen. Doch ich will nicht mit meinem Lebensstil missionieren. Es ist auch eine staatliche Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein suffizientes Leben überhaupt ermöglichen.

Sie haben sich in Basel nicht durch den Kampf für ökologische Anliegen, sondern für die Rechte von Sans-Papiers einen Namen gemacht. Gibt es da eine Verbindung?

Ja, es geht in beiden Fällen um globale Gerechtigkeit. Und auch bei der Migration gibt es diese Vorstellung, dass man sie steuern kann wie den Wasserstrahl, indem man den Hahn auf- oder zudreht. Und sowohl im politischen Mainstream als auch bei Ecopop heisst es: Wir wollen nur noch Hochqualifizierte. Dabei wird total verkannt, dass hochqualifizierte Migration immer auch niedrigqualifizierte mit sich zieht. Die einen arbeiten Tag und Nacht und sind auf die anderen angewiesen, um ihren Alltag zu managen – egal ob Putzfrau, Pizzakurier oder Kindermädchen.

Sie haben 2002 in Basel die erste Anlaufstelle für Sans-Papiers in der Deutschschweiz gegründet und zwei Bücher zum Thema geschrieben. Wie hat sich die Situation für die Sans-Papiers während der vergangenen zwölf Jahre verändert?

Sie ist nach wie vor schlecht, und die öffentliche Debatte wurde sehr viel härter. Vor allem auf Bundesebene. Wir haben bei den Anlaufstellen Studien und Berichte verfasst, um zu zeigen, wie die Situation für die Betroffenen ist, dass es Lösungen für Bereiche wie die Hauswirtschaft braucht und dass eine gewisse Anzahl Personen legalisiert werden könnte. Das wäre auch im Interesse der Arbeitgeber. Aber wir finden kein Gehör und sind einem Dauerbombardement vom rechten politischen Flügel ausgesetzt. Die Mitte hat kapituliert. Differenzierte Argumente haben in diesem Klima keinen Platz. Nach dem Ergebnis vom 9. Februar sowieso nicht mehr.

Wie hat sich die Arbeit mit den Sans-Papiers seit dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative verändert?

Wir haben immer daran gearbeitet, dass die Sans-Papiers in der Öffentlichkeit ein Gesicht erhalten. Vereinzelt gingen auch Leute an die Öffentlichkeit und schilderten ihre Lage, ohne dass sie sich dadurch gefährdeten. Das finde ich etwas vom Wichtigsten, und in diesem Bereich haben wir mit der Anlaufstelle viel erreicht. Nach dem Ergebnis vom 9. Februar könnten nun viele aus Angst wieder vermehrt in den Untergrund abtauchen. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass die Städte in Zukunft selbstbewusster auftreten, weil sie merken, dass die neuen Bestimmungen nicht funktionieren. Damit könnte ihre Autonomie in der Frage der Sans-Papiers grösser werden.

Was ist aus dem «Basler Modell» geworden, das die Anlaufstelle vor einem Jahr präsentiert hat und das die Situation der Basler Sans-Papiers mit drei konkreten Massnahmen verbessern soll?

Da sind wir immer noch dran. Wir wollen zusammen mit der Basler Regierung – unabhängig von den nationalen Debatten und vom Parlament – Spielräume ausloten. Denn laut Artikel 30b im Ausländergesetz gibt es zwei Ausnahmen für Zulassungsbeschränkungen: den Härtefall und wichtige öffentliche Interessen. Im Hauswirtschaftsbereich könnte man mit Letzterem argumentieren. Denn wir sind überzeugt, dass die Hochqualifizierten in Basel nur dank den Sans-Papiers funktionieren, und die Basler Wirtschaft deshalb von ihnen abhängig ist.

Was ist für Sie der grösste Verdienst der Basler Anlaufstelle?

Heute gibt es bei den Behörden einen minimalen Respekt im Umgang mit Sans-Papiers. Den mussten wir aber hart erkämpfen. Das ging so weit, dass wir 2006 ein Kirchenasyl für eine ecuadorianische Familie organisierten, die ausgeschafft werden sollte. Wir fanden einfach: Das geht so nicht mehr! Die Menschen wurden nicht ernst genommen, und kurz zuvor waren gleich mehrere Familien weggewiesen worden.

«Bei einem Ja würde die Schweiz borniert, bünzlig, von allen guten Geistern verlassen.»

Wie haben Sie reagiert?

Abend vor dem Ausreisegespräch habe ich dem Leiter des Basler Migrationsamtes, Michel Girard, ein freundliches Mail geschrieben, dass die Familie am folgenden Tag nicht kommen würde. Wir machten den Fall öffentlich, mussten danach viel Zeit und Geld investieren und ein psychologisches Gutachten für die Mutter erstellen lassen. Am Ende konnte die Familie bleiben. Das war vor allem deshalb ein Erfolg, weil Sans-Papiers danach etwas respektvoller behandelt wurden.

2009 haben Sie die Leitung der Anlaufstelle abgegeben. Weshalb?

Die Pionierphase war vorbei, und ich habe selbst schon Organisationen erlebt, in denen der Pionier zu lange geblieben ist. Man brennt auch recht schnell aus, denn die Ohnmacht angesichts der rechtlichen Situation ist gross, und man kriegt stets das Gefühl, gegen eine Wand anzureden.

Heute leiten Sie in Teilzeit das «NachbarNet», ein Netzwerk für Nachbarschaftshilfe in Basel. Ist Ihre Karriere als Aktivist damit abgeschlossen?

Nein, ich bin nach wie vor im Vorstand der Anlaufstelle, und das Thema ist noch immer meine Herzensangelegenheit. Im Moment könnte ich mir auch vorstellen, wieder in die Arbeit mit Migranten einzusteigen. Denn es gibt heute viel zu wenig Widerstand gegen die Dampfwalze von rechts.

In was für einer Schweiz würden wir leben, wenn die Ecopop-Initiative am 30. November vom Volk angenommen würde?

Total borniert, bünzlig, ausgrenzend bis zum Äussersten, von allen guten Geistern verlassen! In einer Schweiz, die einem Mythos nachhängt, der nichts mehr mit der Realität zu tun hat.

 

Pierre-Alain Niklaus
ist in Biel-Benken aufgewachsen und hat an der Universität Basel Erdwissenschaften studiert. Nach einem Zivildienst bei der Freiplatzaktion für Asylsuchende und einem Studium für Soziale Arbeit in Genf gründete er die erste deutschschweizerische Anlaufstelle für Sans-Papiers in Basel. Sie wurde zum Vorbild für ähnliche Stellen in anderen Kantonen. Seit 2012 leitet er die Nachbarschaftshilfe-Organisation «NachbarNet». Niklaus (44) lebt mit seiner Partnerin und zwei Kindern im Basler Matthäusquartier. Ab 11. August ist sein gemeinsam mit Balthasar Glättli verfasstes Buch «Die unheimlichen Ökologen» im Buchhandel erhältlich.

Konversation

  1. @Eldorado + @Pro Grünbaum: Kurz zu meinem Vorschlag Europa beizutreten (im Rahmen der Ecopop-Initiative): Meine Meinung ist, dass einzelne Nationen in all diesen ökologischen Fragen nichts ausrichten können, auch die Schweiz nicht. Wir müssen uns in grösseren Zusammenhängen, bzw. Netzwerken informieren, zu Lösungen kommen, die wohl nie ohne Kompromisse gehen werden. Der grössere Zusammenhang für die Schweiz wäre Europa. Auf europäischen Niveau wird auch über diese Probleme nachgedacht und verhandelt… Also warum da nicht mitmachen?

    Piet Westdijk
    am 12.08.2014, 10:53

    @Piet
    Herzlichen Dank, Piet, für Ihre offenen und klaren Worte. Zu Ihrem Vorschlag Europa beizutreten (im Rahmen der Ecopop-Initiative): Meine Meinung ist dieselbe wie die Ihrige und doch nicht, nämlich:

    1. Auch ich bin der Ansicht, dass eine einzelne Nation in all diesen ökologischen Fragen nicht so viel wird ausrichten können, dass die natürlichen Lebensgrundlagen (z.B. Wasser) der gesamten Weltbevölkerung und den kommenden Generationen – auch im Rahmen der Klimaerwärmung – wird sicher gestellt werden können.

    2. Doch ich bin der Ansicht, dass alle Länder im Verbund, doch jedes Land im einzelnen einen wertvollen Beitrag wird leisten können, wenn es die Frage klärt „Wie viele Menschen können innerhalb der Landesgrenzen ernährt werden und menschenwürdig leben ohne Raubbau in anderen Ländern betreiben zu müssen?“

    3. Eine Europa- Mitgliedschaft ist keine Option.

    Danke für Ihr Verständnis betreffend Pseudonym. Wissen Sie, ich habe die letzten Jahre ohne Pseudonym viele Diskussionen zu lebenswichtigen Themen geführt, weil ich grundsätzlich offen und ehrlich und ohne Schranken meinem Gesprächspartner gegenüber treten mag. In Politischen Kreisen versteckt sich keiner hinter einem Pseudonym, doch des Öfteren hinter seiner Partei, seiner Ideologie, irgendwelchen Ausreden und hinter brutalen Machtspielchen.

    Pro Grünbraun – nicht Grünbaum – passt hervorragend zum Thema. Seit die Diskussionen um Ecopop und die Initiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen“ laufen, wird die Umwelt-Vereinigung in eine braune Ecke gedrängt. Das ärgert mich ungemein. Einem andersdenkenden Menschen die Chance zu nehmen, seine Anliegen zu platzieren, ist in einem demokratischen Land, in dem ansonsten jeder nach Lust und Laune seine Meinung – sei sie noch so diskrimnierend – in den Politischen Raum schmettert, einfach empörend. Sie können mir gerne Ihre E-Mail-Adresse mitteilen. Wenn Sie mehr über mich persönlich erfahren wollen, bin ich gerne zu einem Austausch bereit. Im Rahmen dieser öffentlichen Diskussion hier bleibe ich anonym. Da es Ihnen nicht möglich ist, sich mit einer anynomen Person auszutauschen und Sie sich bereits, um dem Übel der Verzweiflung zu entgehen, für eine Strategie und eine Lösung entscheiden konnten, wird eine Antwort von Ihnen ausbleiben. Da es mir fern liegt, andere Menschen zu belästigen, entscheide ich mich nun ebenfalls, gerne ziehe mich aus dieser Diskussion zurück. Was mir am Herzen lag, konnte ich mehr oder weniger platzieren.

    Damit ist das Spielfeld wieder frei für Sie, Piet. Herzlichen Dank für Ihre Worte. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viele liebevolle, ehrliche und herzliche Diskussionen. Merci.

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  2. langsam-langsam: exakt mein tempo 😉 niklaus argumentiert ganz hervorragend!
    mir hat nur gefehlt, was Sie ja anführen: wir haben es mit morzaggressiven multis zu tun, denen die bevölkerung völlig am a. vorbeigeht – die sehen nur eins: wenn sie wächst, die bevölkerung, bedeutet dies: mehr potenzielle käuferInnen. flüchtlinge geben ihren gesamten familienschmuck dran – für einen schluck wasser. und solange sich die multis das wasser krallen, das saatgut, das erbmaterial … der «multi china» zudem grad halbe kontinente poschtet, mit allem drum&dran&drin … kommen die erwähnten selbstregulierungen eben NICHT zum tragen. multis haben weder den anspruch, moralisch-ethische grundsätze einzuhalten (folgt man sponville-comte auch nicht die verpflichtung dazu!), noch anreize zur geburtenreduktion (indirekt wie von niklaus erwähnt: bildung und rel. wohlstand). die multis einzugrenzen MUSS von aussen her initialisiert/eingefordert/kontrolliert werden. da sind wir uns wohl einig? ein politischer ansatz!

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  3. Piet Westdijk
    Soeben lese ich, dass Sie nicht mehr auf Beiträge von Menschen reagieren wollen. Das ist ihr gutes Recht. Auch ich schreibe unter einem „Pseudonym“.
    Es gibt da ganz unterschiedliche Gründe.
    Bei mir war es eine extrem frembestimmte Kindheit, die extrem traumatisch war. Mit verschiedenen Therapien konnte ich mich nach und nach davon befreien. Zuerst stieg in mir der Name „Eldorado“, dann später „Maya“. Das bin ich. Zu dem bin ich geworden. Den anderen Namen, die fremde Existenz habe ich sozusagen abgelegt. Die Familie hat mich von Geburt an abgelehnt und macht es noch heute, je mehr ich frei wurde. Ich hab sogar auf der Gemeinde nachgefragt ob eine Namensänderung gehen würde. Sie meinten ja, aber aus finanziellen Gründen kann ich mir das gar nicht leisten. So bleibt es wie es ist.
    Wenn Sie Näheres wissen wollen, was denn Maya Eldorado für eine Bedeutung hat, können sie gerne die mail-funktion benutzen. Da vernehmen sie dann meinen Namen, der vor dem Gesetze gilt. Aber eben, sie wollen ja nicht mehr auf solche Menschen eingehen.

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  4. Lieber Piet Westdijk

    Hier ist meine Antwort über EU und Europa zu finden:
    http://www.tageswoche.ch/de/2014_32/schweiz/665475/Europ%C3%A4ische-Realit%C3%A4ten-und-schweizerische-Meinungen.htm
    Hier findet sich extra ein Artikel über die EU geschrieben von Alois Karl Hürlimann.

    In Verbindung zum Artikel von hier: Die EU ist mit ihrer Politik daran fleissig neues Prekariat zu schaffen. Der Schweiz geht es finanziell noch besser und es ist deshalb noch weniger betroffen. Aber auch hier hat es Anzeichen.
    Es ist die Sekte Kapital und globale Wirtschaft mit ihrem Egoismus und Grössenwahn und Wettbewerb, die das verursacht und schafft. All die Staaten sind dieser Sekte unterlegen und meinen damit die Probleme zu lösen. Und die meisten Bürger ziehen mit. Solange wir uns nicht mit den Thesen der Französischen Revolution beschäftigen, bleiben wir definitiv in den Klauen dieser Sekte.
    In der Bibel heisst es, man soll zuerst den Balken im eigenen Auge entfernen bevor man den Splitter aus dem Auge des Nachbarn entfernt. Das gilt wohl auch hier.

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  5. @Pro Grünbaum: Noch rasch zu Ihrem Pseudonym. Wenn es Ihr Bedürfnis ist, unter einem Pseudonym über lebenswichtige Sachen zu diskutieren, dürfen Sie dies natürlich ruhig machen. Ich erlebe dies aber als feige. Ich weiss nicht einmal ob Sie Mann oder Frau sind! Sie sind nicht der/die Einzige mit dieser Mode und jedes Mal reagiere ich verzweifelt. Ich beschliesse darum – jetzt – etwas: Ich werde nicht mehr auf Menschen, die sich hinter Pseudonymen verstecken, reagieren.

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  6. @Eldorado + @Pro Grünbaum: Kurz zu meinem Vorschlag Europa beizutreten (im Rahmen der Ecopop-Initiative): Meine Meinung ist, dass einzelne Nationen in all diesen ökologischen Fragen nichts ausrichten können, auch die Schweiz nicht. Wir müssen uns in grösseren Zusammenhängen, bzw. Netzwerken informieren, zu Lösungen kommen, die wohl nie ohne Kompromisse gehen werden. Der grössere Zusammenhang für die Schweiz wäre Europa. Auf europäischen Niveau wird auch über diese Probleme nachgedacht und verhandelt… Also warum da nicht mitmachen?

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  7. @Piet

    Guten Tag Piet. Ja, ich habe mir Ihre Zeilen zu Herzen genommen. Die Anliegen und Aussagen der Mitmenschen ernst zu nehmen und ein Verständnis für „fremdes“ Gedankengut zu erarbeiten, bedeutet jedoch nicht, nach „fremder“ Pfeife zu tanzen und eigene Bedürfnisse zu missachten. Deswegen bleibe ich bei meinem Pseudonym und nenne mich weiterhin Pro Grünbraun.

    Braun steht für die Erde. Grün für die Flora, für jenes Leben und jenes Wachstum, das fortlaufend aus dieser braunen Erde hervorgeht – solange bestimmte Bedingungen erfüllt sind – und Fauna und Menschen wachsen und vergehen lässt. Tag für Tag!

    Sie sind der Ansicht, dass es verwegen ist, Forderungen an die in Afrika oder im fernen Osten lebenden Menschen zu stellen? Stellen wir Menschen nicht fortlaufend irgendwelche Forderungen an irgendwen?

    Ja, es ist verwegen, wenn wir stur darüber befinden, was den Menschen in Afrika oder im nahen Osten an Hilfsmitteln zur Verfügung stehen soll. Verhütungsmittel sind dort, wo die Sexualität und die Lust nicht unterdrückt und gelebt werden wollen – und die Frau fruchtbar ist – Dinge des „täglichen“ Gebrauchs. Die österreichische Ärztin Maria Hengstberger bringt es auf den Punkt: Wer kein Geld für Brot hat, hat kein Geld für Verhütungsmittel. Wenn wir partout unsere fremdartigen Tänze in fremden Ländern aufführen wollen, wäre mehr Respekt und Achtung gegenüber den Bedürfnissen der sogenannten „Entwicklungsbedürftigen“ bestimmt kein Luxus.

    Sie sind offensichtlich der Ansicht, dass es dem Schweizer Volk im Rahmen einer EU-Mitgliedschaft möglich wäre, die natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern und allen Menschen weltweit besseren Zugang – z.B. Zugang zu Wasser – zu ermöglichen?

    Was die Annahme der Ecopop-Initiative diesbezüglich bewirken könnte – ob in der Schweiz oder im Ausland – ist Ihnen, wenn ich Sie korrekt verstehe, offenbar nicht klar ersichtlich?

    … ebensowenig all jenen, die derzeit über ein JA oder ein NEIN diskutieren:-)

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  8. @Eldorado: Es ist mir grundsätzlich nicht wichtig, ob jemand Mann oder Frau ist. Mir ist das Gegenüber wichtig. Auch die schriftliche Begegnung ist eine Begegnung, ein Dialog zwischen absolut individuellen unverwechselbaren Menschen. Wissen ob Mann oder Frau hilft mir in diesem Dialog..

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  9. Piet Westijk
    Ja, das kann ich bezeugen, dass ich eine Frau bin. Seit zu Eldorado noch Maya hinzugekommen ist, ist das auch klar ersichtlich.
    Warum ist Ihnen das so wichtig, ob es ein Mann oder eine Frau ist? Das ändert ja nichts an der Aussage. MIt den Gendergeschwurbel, das immer mehr um sich greift, wird das sowieso immer mehr verwischt werden.

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  10. @Eldorado: Sie sind für mich Maja Eldorado und kein Pseudonym, der sich versteckt. Sie sind zum Beispiel FRAU, oder?
    @Pro Grünbaum: meine Emailadresse finden Sie auf meiner Website, die wieder in meinem Profil zu lesen ist.

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