Junge Linke stürmen in die Politik

Bürgerliche Parteien haben bei den Gemeindewahlen Mühe, junge Kandidaten zu finden. Bei den Linken hingegen steht die nächste Generation bereit. Das zeigt sich auch in den Gemeinden des Speckgürtels.

Die Juso wills wissen: Bei den Gemeindewahlen stellt der SP-Nachwuchs viele Kandidaten.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Bürgerliche Parteien haben bei den Gemeindewahlen Mühe, junge Kandidaten zu finden. Bei den Linken hingegen steht die nächste Generation bereit. Das zeigt sich auch in den Gemeinden des Speckgürtels.

In Allschwil ist der Generationenkonflikt an den Wahlplakaten abzulesen. Bei SVP, CVP und FDP sind die Haare der Kandidaten häufig grau, bei der SP lächeln einige junge Kandidaten scheu in die Kamera. Zwei Einwohnerratskandidatinnen sind noch keine 20, vier weitere Kandidaten unter 30.

Am 28. Februar wählen die Baselbieter Gemeinden ihre neuen Vertreter. Neben dem Gemeinderat werden auch die Sitze in Gemeindekommissionen und Einwohnerräten neu besetzt. Auffallend dabei ist, dass die SP mit vielen jungen Kandidaten antritt.

Keine CVP-Kandidaten unter 30

Auf dem gesamten Kantonsgebiet stellt die Juso 43 Kandidaten für Gemeinderäte, Gemeindekommissionen und Einwohnerräte. In Füllinsdorf, wo zwei von sieben Sitzen neu zu besetzen sind, hat die Jungpartei intakte Chancen, in den Gemeinderat gewählt zu werden.

Die Junge SVP stellt immerhin 21 Kandidaten, das Junge Grüne Bündnis zehn, wobei ein junger Grüner bereits einen Sitz im Gemeinderat innehat (Ramlinsburg). Bei den Jungfreisinnigen kandidieren nur drei im ganzen Kanton. Wie viele Kandidaten die Junge CVP stellt, kann die Präsidentin der Jungpartei, Géraldine Häring, nicht sagen. 

In Allschwil ist jedenfalls keiner dabei. Alle Kandidaten der Allschwiler CVP sind jenseits der 30. Bei der SVP gibt es immerhin einen Kandidaten unter 30, bei der FDP zwei.

«Keine Probleme, Junge zu finden»

Der Allschwiler CVP-Präsident Felix Keller sagt, er würde gerne ein paar Junge mehr auf seine Liste nehmen. «Einige der unter 30-jährigen angefragten Personen haben abgesagt, weil sie sich eine Kandidatur noch nicht zutrauen. Es braucht auch Mut, für ein politisches Amt zu kandidieren.»

Und SVP-Vorsitzender René Imhof meint: «Es spricht nichts dagegen, Leute mit Lebenserfahrung aufzustellen. Wir haben überhaupt kein Problem, Junge zu finden.»

Der Allschwiler SP-Präsident Jean-Jacques Winter erklärt: «Dank der Juso haben wir sehr viele junge Kandidaten für unsere Liste gefunden.» Darunter ist auch sein Sohn, Etienne Winter, der für den Einwohnerrat kandidiert. Was die Jungen politisiert habe, sei insbesondere die Sparmassnahmen der Baselbieter Regierung. Auch die Abstimmung über Elba vom November 2015 habe viele Junge aktiviert.

Ähnlich sieht es der Juso-Co-Präsident Joël Bühler: «In Baselland haben einige Junge erkannt, dass es wichtig ist, eine linke Politik zu machen.» Denn die Perspektiven seien schlecht, seit die «rechtskonservative Regierung an der Macht ist».

Florian Sennhauser, der Vorsitzende der Jungfreisinnigen, erkennt den Mobilisierungseffekt der Juso ebenfalls darin. Er meint jedoch, die Juso würden irreführende Versprechen machen: «Sie geben gerne das Geld des Volkes aus, erklären aber nicht, woher sie das Geld nehmen wollen.»

Kontakt zur Gemeindepolitik in der Schule

Die Sparpolitik, so scheint es, trifft bei jungen Linken einen Nerv. Rechte Parteien mobilisieren hingegen mit anderen Themen. Florian Spiegel, der jüngste SVP-Kandidat in Allschwil, sagt, bei ihm habe die Europafrage und KMU-Politik den Impuls gegeben, für die SVP zu politisieren.

Was auch eine Rolle spielte, seien die persönlichen Kontakte gewesen. So ging Spiegel mit den Kindern von Gemeindepolitikern zur Schule, was ihn politisch aktiv werden liess.

Viele Jungpolitiker geraten durch ihre Eltern in die Politik. Die Familie Winter ist dafür nur ein Beispiel. Rahel Amacker, CVP-Kandidatin in Binningen und Tochter der Baselbieter Politgrösse Kathrin Amacker ist ein weiteres Beispiel. Auch SP-Geschäftsleitungsmitglied und Gemeindekommissions-Kandidat in Aesch, Jan Kirchmayr, wurde wohl durch seine Eltern (Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr und SP-Landrätin Christine Koch), politisiert.

Artikelgeschichte

– Änderung 9.2.2016, 11.45 Uhr: Einschub: «das Junge Grüne Bündnis stellt zehn Kandidaten, wobei ein junger Grüner bereits einen Sitz im Gemeinderat innehat (Ramlinsburg)»

– Änderung 9.2.2016, 13.45 Uhr: Einschub im letzten Absatz: Jan Kirchmayr «wurde wohl durch seine Eltern (Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr und SP-Landrätin Christine Koch), politisiert.

Konversation

  1. Leider gingen bei dieser Zusammenschau das junge grüne Bündnis Nordwest (jgb) und die Grünen vergessen. Das jgb tritt mit 10 Kandidierenden in 6 Gemeinden (Böckten, Liestal, Oberwil, Ramlinsburg, Reinach, Sissach) an den Wahlen an. Diese stellen sich für Legislativ- wie auch Exekutivämter zur Verfügung. Neben den zehn Jungen Grünen kandidieren jedoch noch weitere junge Menschen für die Grünen. So sind in Liestal beispielsweise 11 von 33 Einwohnerratskandidierenden unter 30 Jahre alt. (http://www.jungesgruenesbuendnis.ch/medienmitteilung/779)

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    1. Wir konnten nicht alle Parteien berücksichtigen, deshalb haben wir uns auf die obigen vier konzentriert. Wir mussten einfach eine Auswahl treffen, sonst wäre die Umfrage überbordet.

      Die Situation in Liestal ist tatsächlich interessant, uns ging es in erster Linie jedoch um die stadtnahen Gemeinden.

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  2. Aber hallo Jeremias Schulthess
    Eine blödere Antwort auf den Beitrag von Anna Ott konnten Sie ja kaum verfassen. Wie können Sie die Grünen in einer Auswahl auslassen, weil diese dann überborden würde. Vielleicht ist Ihnen nicht bekannt, dass die Grünen immerhin einen von 5 Riegierungsmenschen stellen und daher irgendwie schon berücksichtigt werden müssten! Aber vielleicht möchten Sie ja gar nicht, dass die WählerInnen auf einfache und klare Art bemerken können, dass eben die Grünen eine Partei mit sehr vielen jungen AktivistInnen sind, sowohl in BL wie auch in BS!

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