Kapelle, Kloster, Kristallglasleuchter

Kurzflucht nach Ronchamp, wo Le Corbusier eine Kapelle baute und die französische Gastronomie sich von ihrer besten Seite zeigt.

Là-haut sur la montagne… Die Kapelle von Le Corbusier ist das Wahrzeichen des mit Sehenswürdigkeiten nicht gerade gesegneten Ronchamp.

(Bild: D.Grandemange)

Kurzflucht nach Ronchamp, wo Le Corbusier eine Kapelle baute und die französische Gastronomie sich von ihrer besten Seite zeigt.

Gutes Essen, eine feine Bleibe und genau eine Sehenswürdigkeit: Mehr braucht es manchmal gar nicht, um ein schönes Wochenende zu verbringen. Ronchamp hält die Balance: Weniger wäre zu wenig. So ists genau richtig. 

Das kleine Dorf liegt in Frankreich nahe Belfort, eine knapp eineinhalbstündige Autofahrt von Basel entfernt. Gegen Mittag kommen wir an und steigen gleich auf den Hügel: Hier hat der Schweizer Architekt Le Corbusier in den 1950er-Jahren die Kapelle Notre-Dame-du-Haut gebaut. Das Bauwerk ist der Grund, weshalb sich im beschaulichen Ronchamp viele Kunststudenten und Architekturtouristen versammeln. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in Ronchamp grellbunte Turnschuhe mit komplett schwarzer Kleidung kombinieren.

Ein kurzer, aber steiler Anstieg führt uns am Friedhof vorbei und durch den Wald, bis wir vor der Kapelle stehen. Ein grosser Parkplatz zeugt von regem Reiseverkehr – doch an diesem Tag bleiben die Busse aus. Nebensaison. So können wir diesen Ort der Besinnung in Ruhe betrachten, einzig einige Schwestern des ansässigen Klarissenordens widmen sich da und dort der Gartenarbeit.

Ein Kloster im Hügel

Die Nonnen leben im Kloster, das von Renzo Piano direkt in den Hügel hinein gebaut wurde. So ist es von der Kirche aus nicht zu sehen – eine Kompromisslösung, der ein Streit mit der Le-Corbusier-Stiftung vorausging. Die Nachlassverwalter befürchteten, dass der moderne Bau die Kapelle zu stark konkurrenzieren würde.

Le Corbusier tat sich zunächst schwer mit der Vorstellung, eine Kapelle zu bauen. Doch die Zweifel verflogen, als er den geplanten Standort erstmals besuchte. Lage und Aussicht überzeugten ihn. Der Ausblick ist tatsächlich so beeindruckend, dass darüber beinahe das eigentliche Ziel des Ausflugs vergessen ging.

Die Kapelle ist gänzlich aus Sichtbeton gebaut und Architektur-Nerds schwärmen von der Dachkonstruktion, die an einen Krebspanzer gemahnen soll. Oder von den geschickt eingesetzten Fensterluken, deren Positionierung verhindern soll, dass es im sonnenexponierten Raum zu heiss wird.

Unter dem Kristallglasleuchter

Nachdem der Bildungshunger gestillt ist, wenden wir uns Profanerem zu, einem Apéro im Garten der Pension Maison d’Hôtes du Parc. Deren Betreiber, ein schwules Paar, haben erkannt, wonach den kulturinteressierten Besuchern Ronchamps der Sinn steht: nach einer gepflegten, liebevoll eingerichteten Unterkunft mit Stil. Das Haus steckt voller Antiquitäten, Kristallglasleuchter, ledergebundener Wälzer und fein gezeichneter Reiseszenen in goldenen Rahmen. Die Zimmer sind riesig und komfortabel, der Garten bezaubernd.

Weil wir zu spät sind, um uns für das – bestimmt ebenfalls ganz wunderbare – Abendessen in der Pension anzumelden, folgen wir der Empfehlung des Gastgebers Emmanuel. Dieser reserviert uns einen Tisch im Restaurant Le Saisonnier.

Dort lohnt es sich, eines der tages- und wochenaktuellen, mehrgängigen Menüs zu bestellen. Für einzeln georderte Teller bezahlt man ungleich mehr, obwohl es sich um exakt die gleichen Gerichte handelt. Und die Vorahnung bewahrheitet sich: Emmanuel kann nicht nur Räume geschmackvoll einrichten, auch auf seine Restaurant-Tipps ist Verlass.

Ein grosszügiger Umweg

Der nächste Tag beginnt mit einem – wie könnte es anders sein – äusserst trefflichen Frühstück im Salon der Pension. An einem grossen Tisch versammeln sich die internationalen Gäste zu einer gesprächigen Runde, reichen sich gegenseitig Marmeladegläser und tauschen Museumstipps aus.

Wer mag, verbringt den zweiten Tag lesend im Garten. Unternehmungslustigere Naturen nehmen die Rückreise unter die Räder. Mit grosszügigem Umweg über den Jura und Zwischenhalt in St. Ursanne. Forellen essen.

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  • Anreisen: Mit dem Auto von Basel in eineinhalb Stunden zu erreichen. Der Zug benötigt fast zwei Stunden, und es muss mehrfach umgestiegen werden. Das Auto empfiehlt sich auch deshalb, weil die guten Restaurants von Ronchamp aus motorisiert besser zu erreichen sind.
  • Ansehen: Die Kapelle von Le Corbusier und das Kloster von Renzo Piano. Das Besuchszentrum ist ganzjährig geöffnet.
  • Einkehren: Im «Le Saisonnier» gibt es französische Gourmetküche mit handfestem Einschlag. Keine Schäumchen und Gemüsetürmchen, dafür gutes Fleisch mit feinen Saucen.
  • Übernachten: Unbedingt eines der fünf Zimmer in der «Maison d’Hôtes du Parc» buchen. Charmantere Gastgeber gibt es nicht. Auch wenn wir es nicht testen konnten – das separat buchbare Abendessen dürfte ebenso hinreissend sein wie die Einrichtung der Zimmer.

 

 

 

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