Keine Partnerschaft auf Augenhöhe

Die Uni Basel beherbergt seit wenigen Tagen ein Konfuzius-Institut. Finanziert wird es zur Hälfte von China.

Konfuzius (551 bis 479 v. Chr.) ist der Namensgeber von rund 400 chinesischen Instituten weltweit. (Bild: zVg)

Die Uni Basel beherbergt seit wenigen Tagen ein Konfuzius-Institut. Finanziert wird es zur Hälfte von China, unabhängig will man trotzdem sein. Doch: Bereits bei der Wahl der Partnerhochschule hatten die chinesischen Partner das letzte Wort.

Es blieb erstaunlich ruhig um die Eröffnung des Konfuzius-Institutes (KI) an der Uni Basel. Abgesehen von einem Interview in der «BZ Basel» mit der KI-Direktorin Qi Zhu Ammann und einigen oberflächlichen Berichten im Frühjahr wurde das neue Institut schweigend zur Kenntnis genommen. In der «Basler Zeitung» durfte sich gar der frühere BaZ-Chefredaktor Matthias Geering der Sache annehmen. Geering arbeitet für die Universität Basel als Marketing­leiter und eine seiner Aufgaben dort war es, die Bewerbung für ein KI in Basel zu organisieren. Er war dank seiner Involvierung in das Projekt mit dem Thema also bestens vertraut, kritische Distanz war von ihm jedoch nicht zu erwarten.

Das Institut am Steinengraben soll gemäss Universitäts-Rektor Antonio Loprieno zwei Aufgaben erfüllen. «Wir wollen dort einen Schwerpunkt Fachdidaktik aufbauen, uns also der Ausbildung von Chinesischlehrern widmen.» Ausserdem sei die Errichtung einer «Plattform für den wissenschaftlichen Austausch« geplant. Über welches Thema man sich dort austauschen will, sei jedoch noch nicht klar, räumt Loprieno ein. «Wir verstehen das als ‹work in progress›, die thematische Ausrichtung wird sich erst in der direkten Zusammenarbeit mit unserer Partneruniversität ergeben.»

Akademische Ausrichtung noch unklar

Ihre Partneruniversität fand die Basler Universitätsleitung in der East China Normal University (ECNU), einer Hochschule, die sich insbesondere der Ausbildung von Sprachlehrern verschrieben hat. Wobei «fand» nicht ganz korrekt ist, denn die Partneruniversität wurde von der chinesischen Amststelle Hanban, welche dem chinesischen Bildungsministeriums angehört, ausgewählt. Das Mitspracherecht ist in dieser Frage also bereits eingeschränkt.

Zuerst sei als Partnerhochschule von Hanban zwar die Universität Schanghai vorgeschlagen worden, erzählt Loprieno. Diese habe aber aufgrund ihrer fachlichen Positionierung als Ingenieurschule nicht zur traditionell humanistischen Universität Basel gepasst. Also habe man sich dagegen ausgesprochen, worauf Hanban eben die ECNU zur Partnerin vorgeschlagen habe. In Basel liess man sich das ­gefallen und schluckte den zweiten chinesischen «Vorschlag» bereitwillig.

Keine Partnerschaft auf Augenhöhe

Diese Kooperation ist insofern von grosser Bedeutung, als die Ausrichtung der Partnerhochschule wiederum einen grossen Einfluss auf die Ausrichtung des KI hat. Die ECNU bildet Lehrer aus, also bildet auch das KI in Basel Lehrer aus. Die Tatsache, dass diese Institution von China bestimmt wird, bedeutet folglich bereits einen grossen Einschnitt in die Souveränität des Schweizer Kooperationspartners.

Basel zählt seit einer Woche zu den rund 400 Städten weltweit, in denen der chinesische Staat in unmittelbarer Nähe zur Universität kulturelle ­Präsenz markieren darf. Anlässlich des Mondfestes wurde am Steinengraben 22 das Konfuzius-Institut Confucius Institute at the University of Basel (KI) eröffnet. Nach Genf ist dies das zweite KI in der Schweiz, ­Zürich soll bald folgen.

Seit bald zehn Jahren eröffnet China überall auf der Welt solche Institute. Die Federführung der kulturellen Charme-Offensive liegt beim sogenannten Confucius Institute Headquarter Hanban in Peking, einer Amtsstelle des chinesischen Bildungsministeriums. Finanziert werden die KI zumeist je hälftig vom Gaststandort und Hanban.

In Genf wurde die Eröffnung kontrovers diskutiert.

Wegen dieser Abhängigkeit vom chinesischen Staat stehen die KI weltweit in der Kritik. So müssen die KI beispielsweise ihre Studienprogramme dem Hanban zur Absegnung vorlegen. Der Direktor des KI in Genf gab überdies der westschweizerischen Zeitung «Le Temps» zu Protokoll, dass im Vertrag zwischen seinem Institut und Hanban stehe, dass die Aktivitäten sowohl dem Schweizer als auch dem chinesischen Recht entsprechen müssen. Das bedeutet Zensur. So wäre beispielsweise eine Diskussion über die in China verbotene religiöse Bewegung Falun Gong unter diesen Vorzeichen nicht möglich. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Eröffnung des KI in Genf von ­einer angeregten und kontroversen Debatte begleitet und sogar verzögert wurde.

An der Universität Zürich (UZH) ist der Sinologe Wolfgang Behr eng in den Aufbau des dortigen KI involviert. Zwar wage er noch keine Prognose, wann genau dieses Institut eröffnet wird, sagt Behr. Zu gross sei noch der Verhandlungsbedarf innerhalb der UZH und zwischen den Partnern. Anders als die Universität Basel habe die UZH ihre Partneruniversität jedoch selbst gewählt, sagt Behr. «Es wäre für uns nicht infrage gekommen, diese grundlegende Entscheidung nicht selber zu treffen.» Mit der Bejing Normal University habe man nun eine Partnerin gefunden, die viele Forschungsschwerpunkte mit der UZH gemein habe.

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 27.09.13

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