Köbi Ruegg, der Dekorateur der Armen

Stress und Konsumwahn prägen die Weihnachtszeit – dabei gehe es doch um Mitgefühl, sagt Köbi Ruegg. Der pensionierte Gärtner spricht von der schönsten Zeit im Jahr. Anderen eine Freude bereiten, macht ihn glücklich.

Auch mit 73 noch immer leidenschaftlicher Weihnachtsdekorateur: Köbi Ruegg. (Bild: Livio Marc Stoeckli)

Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen von Hektik geprägt. Auch Köbi Ruegg hat viel zu tun. Der pensionierte Gärtner wird vom Floristenfieber ergriffen und will damit anderen eine Freude bereiten. Der Rentner setzt sich für Randständige ein. Wir haben ihn in der Wärmestube «Soup & Chill» getroffen.

Von November bis Dezember ist Köbi Ruegg im Ausnahmezustand. Wenn ihn das Floristenfieber packt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Obwohl Ruegg bereits seit vielen Jahren an Parkinson leidet, ist er unglaublich geschickt und umtriebig.

Seine Passion gilt den Weihnachtskrippen und Weihnachtsarrangements. Aber noch mehr am Herzen liegt ihm seine persönliche Einstellung: den Menschen, mit denen er sich umgibt, soll es besser ergehen als ihm damals.

Vom Findelkind zum engagierten Floristen

Köbi Ruegg hatte keine einfache Kindheit. Als ehemaliges Findelkind mit Heimvergangenheit weiss er ganz genau, was es heisst, arm und einsam zu sein. So begründet er seine «soziale Ader», wie er selber sagt. Wenn er für das «Soup & Chill» die Weihnachtsdekoration bastelt, dann sieht er täglich randständige Menschen.

Ihnen gilt sein Mitgefühl. Zum Glück habe er eine Wohnung – nicht so wie die vielen Obdachlosen, die sich hier aufwärmen und eine warme Mahlzeit erhalten, sagt er. Er sei hier, um zu helfen.

Nach seiner Lehre als Gärtner und Florist zog Köbi Ruegg in den 1960er-Jahren von der Ostschweiz nach Basel. Hier arbeitete er unter anderem im Werkstätten- und Wohnzentrum für Behinderte «Milchsuppe» (heute WWB) und im Gefängnis Schällemätteli. 

Nachts kommen die kreativen Ideen

Der 73-Jährige ist schon seit Langem pensioniert. Seine Tage seien trotzdem ausgefüllt, sagt er. An Aufträgen für Weihnachtsgestecke und Krippen fehlt es nicht. Im Gegenteil, er sei manchmal fast etwas überfordert. Und es komme auch immer wieder mal vor, dass er nachts aufwache, wenn ihm eine kreative Idee käme.

Es sind fast schon Kunstwerke, die Köbi Ruegg aus gesammelten Zweigen, Tannenzäpfen oder auch Lichterketten und Glasperlen zaubert. Der Leim sei das Teuerste, sagt er. Den Rest findet er entweder in den Stadtparks oder im Brockenhaus.

Bis zu 120 Gäste erhalten täglich eine Suppe

Luxus wäre im «Soup & Chill» sowieso fehl am Platz. Denn es sind die sozial Schwachen, die hier Zuflucht suchen. Zwischen November und April bekommen die Menschen jeden Abend gratis eine warme Mahlzeit und heissen Tee. Auch Winterkleidung und Schlafsäcke werden verschenkt. Spenden von Privaten und Stiftungsgelder seien notwendig, sagt Betriebsleiterin Christine Meier. Dies, obwohl das «Soup and Chill» Subventionen vom Kanton Basel-Stadt erhält.

Seit zwei Jahren hat das «Soup & Chill» ein festes Domizil an der Solothurnerstrasse hinter dem Bahnhof SBB. Bis zu 120 Gäste kommen täglich im Dezember in die Einrichtung. Die Besucherzahl hat sich in den letzten Jahren vervielfacht.


Das «Soup & Chill» an der Solothurnerstrasse 8 in Basel ist wie folgt geöffnet:
1.11. bis 31.3. täglich (ausser 24.12.) von 17–21h
Spendenadresse: Soup&Chill, 4000 Basel, Postcheck: CH49 0900 0000 6068 5444 7

Konversation

  1. Köbi Ruegg ist ein älterer, schwächlicher Mann, hat kaum Zähne im Mund und ist gesundheitlich auch nicht in der besten Lage, sein Herz jedoch ist immer noch gross und gesund.
    Er ist einer von wenigen, der möchte, dass es den anderen besser geht, als ihm selber.
    Die Tatsache, dass er mit so einer Kleinigkeit so etwas Grosses bewirken kann, zeigt, dass wir alle eigentlich einen kleinen Beitrag für eine bessere Welt leisten müssten.
    Vielleicht schauen wir zu weit voraus und vergessen die simplen Dinge. Eine Weihnachtsdekoration hat noch keinem das Leben gerettet aber es hat in diesem Moment den Obdachlosen Liebe und Zuneigung geschenkt. Für eine kurze Zeit hatten sie das Gefühl, ein Zuhause zu haben. Ein Zeichen dafür, dass sie auch etwas Wert sind. Meiner Meinung nach brauchen wir mehr Köbis in unserer Gesellschaft.
    Viel zu oft widmen wir uns den grossen Dingen im Leben, es wächst uns über den Kopf und wir verlernen uns auch mal den kleinen Dingen im Leben zu neigen. Das Glück wonach wir streben steckt nämlich in diesen kleinen Dingen. Köbi hat dies gefunden und steckt Herz und Seele in seine Arbeit. Man sollte nie auf jemanden runterschauen, ausser man hilft ihm wieder hoch zu kommen. Entzückend, wie dieser Beitrag mir einem Lächeln im Gesicht hinterlässt.

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  2. Schön TW. Dass Ihr den Scheinwerfer auf Köbi Ruegg und seine Arbeit für Randständige gerichtet habt. Eine schöne Weihnachtsgeschichte, die Nachhaltig ist.

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  3. Hier fehlt noch was Gefühliges vom Piet (Ctrl+C, Ctrl+V).

    Ich sage dem Köbi auf jeden Fall einfach mal «Danke». Schöne Weihnachten.

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