Linksautonome mobilisieren gegen Militärübung in Basel

5000 Soldaten sollen im Herbst Basel gegen Kriminelle, Schwarzhändler und Flüchtlinge verteidigen. Die Truppenübung «Conex15» nutzt die Region als Bühne für ihr Szenario eines kollabierenden Europa. Dagegen regt sich Widerstand.

Mit Fliegerbrille und kubanischer Zigarre: Inszenierter Bösewicht an einer Armeeübung in Stans 2014.

(Bild: Keystone)

5000 Soldaten sollen im Herbst Basel gegen Kriminelle, Schwarzhändler und Flüchtlinge verteidigen. Die Truppenübung «Conex15» nutzt die Region als Bühne für ihr Szenario eines kollabierenden Europa. Dagegen regt sich Widerstand.

Das Szenario der Armeeleitung könnte dem Drehbuch der «Mad Max»-Filmreihe entlehnt sein: Wirtschaftskrise in Europa mit dramatischen Folgen. Die Vorräte werden knapp, der Schwarzhandel blüht, entfesselte Kriminalität; «Grosse Öl-, Gas- und Getreidevorräte werden zum Ziel von Sabotagen und Plünderungen. Ausserdem führen ethnische Spannungen zu grösseren Flüchtlingsströmen in die Schweiz.» 

Zwischen dem 16. und dem 25. September findet in Basel und Umgebung eine Volltruppenübung mit 5000 Armeeangehörigen statt. Die Soldaten sollen den Grenzschutz verstärken, bei der SBB und im Universitätsspital mittun, sie greifen übungshalber in eigentlich zivile Aufgaben ein – laut Szenario auf Auftrag des Bundesrates.

Imagewerbung aus der Militärküche

Die Gebirgsinfanterie hilft bei der Grenzwacht aus, die Hundeführerkompanie patrouilliert im Rheinhafen, eine weitere Abteilung errichtet in Kleinhüningen ein Auffanglager für 300 Flüchtlinge. Der Auflauf der Uniformierten wird beschlossen mit einer Militärparade in Zofingen. In Muttenz nutzt die Armee die Grossübung, um mit einer Ausstellung samt «Verpflegung aus der Militärküche» Imagewerbung zu betreiben.

«Conex15», wie die Übung heisst, ist bislang auf wenig Resonanz gestossen. Doch in linksautonomen Kreisen formiert sich jetzt Widerstand. «Anstelle eines Bedrohungsszenarios möchten wir die Truppenübung kritisch reflektieren und den Widerstand in die Stadt, die Öffentlichkeit und in den Alltag tragen. Im Zeitraum vom 17. bis zum 20. September sind bereits verschiedene Demos und Aktionen geplant», heisst es auf dem Blog «NoConex»

Kein Bier ausschenken

«Wir lassen uns nicht von den Ängsten eines paranoiden Staates regieren», schreiben die Aktivisten weiter und fordern zivilen Ungehorsam: «Hängt Transparente aus euren Fenstern mit ‹CONEX RAUS›. Verweigert es dem Militär, sich in euren Cafés und Bars zu verpflegen und verweigert ihnen die Bedienung.»

Die Militärübung soll in den Augen der Kritiker dazu dienen, einen Schockzustand in der Bevölkerung hervorzurufen: «Es sind solche Katastrophenübungen und inszenierte Spektakel, die schockieren und den Ausbau von Kontrollsystemen nach Innen und nach Aussen rechtfertigen.» Dagegen will man sich zur Wehr setzen.

Abenteuerliche Szenarien

Die Armee skizziert seit Jahren in ihren Übungen das Szenario, dass Europa oder einzelne Staaten auseinanderbrechen und die Schweiz wahlweise von Terroristen, Paramilitärs oder Flüchtlingen angegriffen wird. Im Mai dieses Jahres wehrten Soldaten in einer Grossübung einen Bombenangriff gegen den Gotthard-Basistunnel ab. 2013 rollten Panzer durch den Jura, weil laut Drehbuch Frankreich zu einem Failed State mutiert war

Konversation

  1. „Die breite Masse kann nicht mehr Auto fahren, fern schauen und auf dem Smartphone rumdrücken“

    Es gibt ihn also doch, den gerechten Krieg.

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  2. Was soll denn so erstaunlich daran sein?
    Linksautonome „mobilisieren“ immer mal wieder…
    Am liebsten doch gegen Rechtsautoritäre.

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  3. Also- Hängengeblieben von diesem Artikel ist bei mir im ersten Durchgang vor allem „Volltruppenübung“… Darf ich mir darunter vielleicht Truppen vorstellen, welche nur Voll zu üben in der lage sind? Ja also denn liebi Bebbi- füllt sie ab und schicket Sie ufs Reisli quer durch eure schöne Kanton- und denn via Hülfteschanz wieder zruck ins Maurerland zue dem Ueli ussem Nünzähntejohrhundert ! … ^^ ^^ ^^

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    1. Infanterie kommt von infantiles…Kindersoldat…Kinder…Sandkastenspiele…

      Und schon weiss man, woher die Kreativität und Lust am Spiel kommt. Aber das mit STeuergelder. Tragisch? Komisch? Wohl beides.

      Richtig finde ich, solche Dinge kritisch zu begleiten und zu hinterfragen. Falsch finde ich, den Rekruten, (WK)Soldaten anzugehen, weil er seine Dienstpflich erfüllt, welche ja immernoch in der Verfassung so steht. In dieser Hinsicht bin ich auf einer Linie mit Herrn Auderset. Da werden die Falschen angegangen.

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    2. @Piet Westdijk: es ist mir nicht klar, worauf Sie sich mit „ausdenken“ beziehen. Wer sehen will, der sieht durchaus, dass man sich in der Tat nichts ausdenken muss, denn real ist bereits: die Ressourcenverknappung, die klare Überschreitung der ökologischen Tragfähigkeit unseres Planeten, der Klimawandel, die Flüchtlingsströme, die Staatsverschuldung, das extrem niedrige Zinsniveau und nicht zuletzt die Theoriekrise der Wirtschaftswissenschaften. Um nur ein paar Punkte zu nennen.

      Die Probleme sind also durchaus real, das Szenarium alles andere als abwegig, lediglich darf bezweifelt werden, dass eine Armee zur (globalen) Problemlösung beiträgt. Oder wie sehen Sie das?

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    3. Einverstanden, @Peter Berlepsch!
      Nur haben die Wissenschaften längst alles gesagt, was zu sagen ist, seit dem Club of Rome anno dazumal bis heute, vom Klimaproblem bis zum irrsinnigen Wachstumsparadigma der Finanzler.
      Die Wirtschaftswissenschaften sind zweigeteilt: Es gibt einige Klardenker und -Sprecher, die sogar in gewissen Kreisen respektiert werden, etwa Krugmann, Piketty oder Stiglitz wären zu nennen.
      Die politische Macht und das Sagen haben aber die zutiefst antidemokratischen Mitläufer des Neoliberalismus. Sie schämen sich nicht, sich „Wissenschaftler“ zu nennen, obwohl sie unseren Politikern faktenwidrig alles, was Wallstreet etc. gerne hören möchten in die Köpfe hauen.
      Höchstens die Sozialpsychologie könnte uns helfen, dieses Gewirr von Selbstlügen, Verdrängungen, Verharmlosungen und Mitläufertum zu verstehen und vielleicht einmal zu entwirren.
      Das aufklärerisch gut gemeinte Konstrukt einer Vernunft- und Moral-basierten Demokratie scheitert an der menschlichen Natur, welche die 1D-Maximierer der Ökonomie ans Ruder gelassen hat.
      Und weil eben die menschliche Gesellschaft ein komplexes System darsatellt, genügt es nicht, noch ein paar gutmeinende Optimisten ans Steuer zu setzen. Sogar Kant ahnte dies in seinem Spätwerk.

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  4. sie irren- hat nichts mit der SVP oder Maurer zu tun
    sondern mit dem gesamt BUNDESRAT.
    wissen sie wer den General wählt? – eben.
    bei diesen dingen sind wir eine nation, nicht reduzeirt auf parteien
    oder personen- punkt.

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  5. Wenn ich daran denke, wie Kollegen von mir während der RS in der Romandie im Ausgang bespuckt, angepöbelt und teilweise tätlich angegangen wurden, nur wegen ihrer Uniform.

    Da fragt sich schon, wer da mehr Toleranz an den Tag legt.

    Ich bin gespannt, ob die Aktionen ohen Farbbeutel und blinde Zerstörungswut auskommt. Zu begrüssen wäre es. Dann würde man über Inhalte berichten und nicht mehr über das Ausmass der Zerstörung.

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  6. Mal was neues: Die «Linksautonomen» im Strassenkampf mit der Armee (aber natürlich nur in den «sozialen Netzwerken»).

    Was davon bleibt? Virtueller Dünnpfiff mit Halbwertzeit von drei Tagen.

    Und zwischendurch gibt’s ein Bier.

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