Mobilmachung «180 Joor» nach der Schlacht

Die Baselbieter Fusionsgegner nutzen den 180. Jahrestag der Schlacht an der Hülftenchance, um gegen die Wiedervereinigung der beiden vor 181 Jahren getrennten Halbkantone mobil zu machen.

Der Zusammenstoss zwischen Baselbieter und Stadtbasler Truppen am 3. August 1833 war grausam und blutig – und nun wird der Anlass gefeiert. (Bild: Nils Fisch)

Das Komitee «ProBaselbiet» macht mobil und lädt am 3. August zur Schlachtfeier an der Hülftenschanze ein. Vor genau 180 Jahren haben dort Baselbieter Soldaten die Stadtbasler Truppen in die Flucht geschlagen und damit die Trennung der beiden Halbkantone besiegelt. Nun steht der nächste Kampf bevor: Die Abstimmung über die Fusions-Initiativen.

Noch ist unklar, wann die beiden Basel über die Fusions-Initiativen abstimmen werden. Aber die Gegner im Baselbiet rüsten bereits auf. Sie nehmen den 180. Jahrestag der blutigen Schlacht von 1833 an der Hülftenschanze zum Anlass, «180 Joor Baselland» zu feiern. Historisch nehmen sie es dabei nicht so genau, denn gegründet wurde der Kanton Baselland ein Jahr zuvor, am 17. März 1832, und abgesegnet wurde die Trennung durch die eidgenössische Tagsatzung ebenfalls bereits im Jahr vor der Schlacht. Aber, so der Baselbieter Historiker Ruedi Epple, eine Schlacht «lässt sich besser zum Symbol aufbauen als ein feierlicher Gründungsakt».

Und Symbole werden die Fusionsgegner im Abstimmungskampf einsetzen, um ihre Argumente wirksam zu vermarkten. Die Schlacht an der Hülftenschanze eignet sich da hervorragend, denn letztlich bestärkt die Erinnerung an das Geschehen vor 180 Jahren die selbständigen Baselbieter im Glauben, stärker als die Städter zu sein. Damals, am 3. August 1833, zogen die gut bewaffneten Basler Truppen landwärts, um jenen zwölf Gemeinden beizustehen, die sich nicht von der Stadt trennen wollten oder zumindest zögerten. Es waren meistens Dörfer, in denen die Basler Seidenherren Bänder weben liessen und die in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Stadt standen.

Brandschatzend durch Pratteln

Der Feldzug ins Baselbiet hinterliess schon kurz nach der Stadtgrenze seine ersten wüsten Spuren. Die städtischen Truppen unter dem Kommando von Franz Lukas Landerer, Oberstleutnant der Basler Kavallerie, zogen brandschatzend und mordend durch Muttenz und Pratteln, die Zivilbevölkerung floh, und an der Hülftenschanze vor Frenkendorf stiessen sie mit den Baselbietern zusammen. Nach einem kurzen, heftigen Gefecht um die Mittagszeit gelang es den Landschäftlern, die Städter in die Flucht zu schlagen und was Augenzeugen von Geschehen am jenem Nachmittag berichten, ist grauslig. Die Baselbieter verfolgten die flüchtenden Basler und schlugen tot, wen sie erwischten. Bis in den Hardwald, wo Oberstleutnant Landerer erschlagen wurde, blieben sie ihnen auf den Fersen. Über 60 Soldaten der Stadttruppen wurden getötet, es soll gar zu kannibalischen Auswüchsen gekommen sein.

«Wenn die Trennung mit einer Schlacht besiegelt wurde, dann ist das halt so.»

1933, hundert Jahre später, wurde der Schlacht mit einem Schützenfest gedacht, und in den Jahren darauf blieb sie zwar bei den Baselbietern in Erinnerung, doch gefeiert wurde das Ereignis erst 2008 wieder. Damals rief die SVP zum 175-Jahr-Jubiläum nach Frenkendorf. Und nun, fünf Jahre später, «nehmen wir den 180. Jahrestag dankbar zum Anlass, die Fusionsfrage zu diskutieren», wie der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer sagt. Gar keine Mühe mit dem Umstand, dass eine Schlachtfeier zur Mobilisierung der Fusionsgegner genutzt wird, hat FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: «Wenn es um die Jahresfeier eines Kantons geht und die Trennung mit einer Schlacht besiegelt wurde, dann gehört das eben zur Geschichte des Kantons Basellandschaft!»

Sie wird am Samstag auf der Schulanlage Egg in Frenkendorf, wo die Feier ab 16 Uhr stattfindet, eine Rede halten zum Thema «Frauenpower». Die Themen der ebenfalls anwesenden Politiker Thomas de Courten (SVP) und Caspar Baader (SVP), der dieses Jahr zugunsten seiner «180-Joor-Rede» auf eine 1.-August-Ansprache verzichtet, sind noch nicht bekannt, ebensowenig, was die beiden neuen Regierungsräte Anton Lauber (CVP) und Thomas Weber (SVP) in ihren Grussansprachen sagen werden (Programmheft mit Grusswort von SP-Regierungsrat Urs Wüthrich auf der Rückseite dieses Artikels).

Die Freiheitslinde

Ein ganz feierlicher Akt dürfte anheben, wenn die Organisatoren des Festes eine Freiheitslinde pflanzen. Es wird die zweite sein: Im Frühling haben sie bereits einen Baum in Wenslingen geplanzt. Laut Oskar Kämpfer soll bald in jedem Bezirk eine Freiheitslinde wachsen. Warum denn eine Linde und nicht eine Fichte, wie das sonst bei Freiheitsbäumen üblich ist? «Weil eine Fichte ihre Nadeln längst verloren hätte, wenn es dann zur definitiven Fusionsabstimmung kommt», sagt Kämpfer. Er geht davon aus, dass es noch lange gehen dürfte, bis die Initiativen durch alle Instanzen sind und bis über alle Beschwerden entschieden und die letzte Runde eingeleitet sein wird. Man stellt sich auf einen jahrelangen Kampf ein.

So wie im letzten Jahrhundert, bevor am 7. Dezember 1969 die letzte Wiedervereinigungsabstimmung stattfand. Auch damals führten die Gegner der Wiedervereinigung vorher Jahr für Jahr einen Baselbietertag durch. Nicht am Jahrestag der Hülftenschanzenschlacht allerdings und nicht in Frenkendorf sondern im Gedenken an die Gründungsfeier und vor allem – oft und gern in Unterbaselbieter Gemeinden, in Muttenz auf dem Bruderholz, in Therwil … Auch das hatte seine Symbolik, erklärt der Historiker Ruedi Epple. Das Baselbiet sei damals der am schnellsten wachsende Kanton der Schweiz gewesen, Leute aus allen Landesgegenden zogen in die Nordwestschweiz, Baselland habe sich vom Bauernkanton zum Industriekanton gewandelt. Es herrschte damals Aufbruchstimmung und «der Baselbieter Tag als wichtiger Faktor der Mobilisierung hat immer auch die Botschaft vermittelt, dass die Zugezogenen willkommen sind».

Selbständig mit einem «-st»

Die Wiedervereinigungsgegner, an deren Spitze mit dem nachmaligen Regierungsrat Paul Manz ein Zürcher stand, haben laut Epple die Zuwander einzubeziehen und zu integrieren versucht. «Dagegen ist die heutige Bewegung der Fusionsgegner eher konservativ und ausschliessend», sagt Epple. Sie wählen ihre Symbole denn auch entsprechend: Schlachtfeier, Freiheitsbäume und nicht zuletzt bringen sie den Kleber, der Ende der 60er-Jahre auf den Autos der Wiedervereinigungsgegners prangte, wieder in Umlauf: «Baselland bleibt selbständig». Selbständig mit einem «-st».           

Konversation

  1. Nicht übel, jetzt haben Sie und ich innerhalb von zwei Minuten inhaltlich fast dasselbe gepostet. Interessant, da sie und ich politisch sehr weit auseinanderliegen, zumindest schliesse ich das aus Ihren anderen Posts. Man kann eine Fusion oder Teilfusion also befürworten, egal ob das Herz eher links oder eher rechts tickt, interessant.

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  2. Herr Schäublin erwähnt es zu Recht, Herr Lüthi bleibt uns in seinen Kommentaren die rationellen Gründe, die gegen eine Fusion sprechen, schuldig. Wie verbissen die BL-Regierung sich gegen die Fusion wehrt, zeigt sich exemplarisch in der sogenannten Wirtschaftsoffensive. Man muss kein Hellseher sein, um heute schon sagen zu können, dass diese scheitern wird. Eine solche Wirtschaftsoffensive muss als gesamte Region Basel gestartet werden. Konfliktpotenzial sehe ich jedoch bei der ganzen Fusionsfrage innerhalb des Kantons Basel-Landschaft. Es ist unbestritten, dass sich das Unterbaselbiet mehrheitlich für eine Fusion und das Oberbaselbiet gegen eine Fusion aussprechen werden wird. Und noch eklatanter ist es bei den Generationen. Umfragen zeigen, dass sich die Jungen im ganzen Kanton für die Fusion und die ältere Generation gegen die Fusion aussprechen. Es ist deshalb bezeichnend, dass die „Schlachtfeier“ vom kommenden Samstag in Frenkendorf, also oberhalb des geschichtsträchtigen Ortes stattfinden wird. Und ich gehe davon aus, dass sich das Gros der Teilnehmenden im Segment der 60-jährigen aufwärts bewegen wird. Vielleicht noch eine Paar Junge aus dem SVP-Umfeld. Auf der Facebook-Seite „für e selbschständig Baselbiet“ sind mehrheitlich ältere Semester vertreten, ah ja und dann ist dort noch die Nationalrätin Schneeberger, die ja ausser den Oberbaselbieter sonst niemand kennt. Ich gehe davon aus, dass es im Abstimmungskampf innerhalb des Kantons Basel-Landschaft zu grösseren Spannungen zwischen dem Unter- und dem Oberbaselbiet kommen wird. Grundsätzlich hätte eigentlich die Initiative nur beinhalten sollen, dass sich der Kanton Basel-Stadt und der Bezirk Arlesheim zusammen schliessen sollen. Das dies nicht möglich ist, ist jedoch klar, da ein Kanton „Oberbaselbiet“ wirtschaftlich nicht überlebensfähig wäre.

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  3. Ich befürworte die kulturell und wirtschaftlich längst existierenden Zusammenschluss des Kantons Basel-Stadt mit der Agglomeration, sprich dem Bezirk Arlesheim. Mit dem Oberbaselbiet hat doch die gesamte Agglomeration Basel so wenig Gemeinsamkeiten wie mit dem Wallis oder dem Berner Oberland. Die Leute oberhalb der Hülften ticken mehrheitlich völlig anders als die eher urbanen Birsecker und Leimentaler, und das ist auch in Ordnung so.

    Tun wir doch politisch endlich das, was im täglichen Leben schon längst Realität ist, vereinen den Bezirk Arlesheim mit Basel-Stadt und nennen das Ganze einfach Kanton Basel.

    Einziger Nachteil wird wohl dann die Tatsache, dass das wirtschaftlich schwache Oberbaselbiet zum NFA-Nehmerkanton wird. Vielleicht könnten sich die Oberbaselbieter dannzumal überlegen, mit dem Kanton Solothurn zu fusionieren. Solothurn liegt wohl von der Mentalität, der wirtschaftlichen Realität und der politischen Richtung näher als die Agglomeration Basel.

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  4. Nicht ist schwieriger, als zwei Verwaltungskulturen zusammenzuführen. Nichts ist schwieriger, als zwei politische Kulturen zusammenzuführen.

    Genau deshalb ist ein, zeitlich klar begrenztes, Zweikammernsystem angezeigt. Nicht um Minderheiten zu schützen, sondern um legitime Interessen auszugleichen.

    Aber ich habe von Ihnen noch immer kein sachliches Argument gehört, das mich davon überzeugt, das der Status Quo beibehalten werden muss.

    „Nein“ ist kein Argument.

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  5. Lieber Herr Schäublin

    Ich mache es ganz kurz: Sie leiden ganz offensichtlich unter einem SVP-Trauma. BaZ = SVP. Punkt. Die SVP vertritt sehr viele konservative Positionen. Ich vertrete bürgerlich-liberale Werte. Ich bin für die Personenfreizügigkeit, gegen Ausschaffungs-Initiativen und solches mehr. Ich bin für eine liberale Wirtschaftspolitik, gegen Staats-Interventionismus. Ich bin gegen die horrenden Subventionen an die Landwirtschaft und für Freihandel etc. Und ich bin gegen sozialdemokratischen Zentralismus. Ruedi Epple ist für die Medien wichtig, wenn es um den Kanton Baselland und seine Geschichte geht. Aber als Sozialdemokrat vertritt er bestimmte Werte. Das respektiere ich. Aber es gehört transparent gemacht. Ich bin übrigens parteilos. Und ja, ich bin einer von 190’000 Einwohnern des Kantons BL. Und ich bin eine Stimme. Entschuldigen Sie bitte, dass ich das Recht beanspruche, diese Stimme öffentlich zu machen auf einem Blog wie diesen hier. Sie sollten sich aber nicht zu sehr ereifern an dem, was ich hier schreibe. Es ist ja nur eine Stimme. Mehr nicht. Und mehr will ich auch nicht. Machen Sie es gut.

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  6. sind äusserst dehnbare Begriffe. Im Kontext der schweizerischen Alltagspolitik von heute werden sie seit etwa einem Vierteljahrhundert von Blocher und dem einst so genannten „Zürcher Flügel“ der ehemaligen Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei als Kampfbegriffe gegen das, was Blocher, Mörgeli, Köppel und Co. mit „sozialistisch“ abzuhalftern pflegen, verwendet. Wobei das Adjektiv „liberal“ seltener zu vernehmen ist als „bürgerlich“. Bürgerlich, so wie die SVP-PR das Adjektiv gebraucht, ist in der angewandten rhetorischen Verkürzungssprache der SVP selbstverständlich der reine und einzig gültige Antagonismus zur „sozialistischen“ Gleichschalterei. Als „Sozialisten“ werden von den Partei-Lautsprechern alle bezeichnet, welche andere als SVP-Positionen vertreten. Wenn „sozialistisch“ nicht umfassend genug erscheint, kommt beispielsweise einer wie Mörgeli in unnachahmlicher „Klarheit“ behelfsmässig noch mit dem Begriff „die Linken“ in die Arena- und sonstigen Talkrunden.
    Nur: Definiert ist mit dieser angeblich klaren, eigentlich allerdings auf wenige Worthülsen reduzierten Vokativsprache nichts. „Bürgerlich“ oder „liberal“, genau so wie „links“ oder „sozialistisch“ sind Plattitüden, fern jeglicher konkreten Aussage. Sie dienen einer auf Personenzuschreibung, nicht auf Inhalte konzentrierten Propaganda.

    Sie bedienen sich in ihren Kommentierungen von Kommentarbeiträgen Dritter hier in der TagesWoche beinahe ausschliesslich dieser Personen- statt Inhaltsdesavouierung. Begonnen haben Sie ihre Beiträge damit, Herrn Epple als „Sozialdemokraten“, der so quasi unter der Hand Geschichtliches verzerre, also an sich fälsche, vorzuführen:
    „…Dieses Bild der Anhänger eines unabhängigen und souveränen Kantons Basel-Landschaft ist völlig aus der Luft gegriffen. Wie kommt Epple zu solchen Äusserungen? Es ist unschwer zu erraten, auf wen der Sozialdemokrat damit zielt – auf die SVP. Er übersieht jedoch, dass der bürgerlich-liberale Geist der Vereinigungs-Gegner von damals überlebt hat.“

    Da interessiert es einen aufmerksamen Leser, wie Sie den „bürgerlich-liberalen Geist der Vereinigungsgegner“ definieren oder erklären.
    Nun, es folgt inhaltlich: NICHTS.
    Mit anderen Worten: Ihr „bürgerlich-liberaler Geist“ scheint für Sie eine Art Selbstläufer zu sein. Das kann ein Sozialdemokrat wie Epple in ihren Augen natürlich nicht begreifen, weil ein Sozialdemokrat in den Augen eines „Bürgerlichen“ per se für Gleichschaltung ist. Mit dem Inhalt der Ausführungen von Epple, den sie kurz zusammenfassend darstellen – also der Feststellung, dass die heutigen Fusionsgegner stärker auf Ausschliesslichkeit setzen als die Fusionsgegner in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, setzen Sie sich nicht auseinander. Es genügt Ihnen, den „bürgerlich-liberalen“ Geist als Schlagwort einzusetzen.

    Weiter geht es für Sie dann um „Rationalität“.
    Sie schreiben:
    „Es gibt viele ganz rationale Argumente gegen eine Fusion. In die Zukunft gerichtete Argumente.“
    Interessant, denke ich als Leser. Welche Argumente wird Herr Lüthi vorstellen ?
    Nun: Erst einmal geht es Ihnen darum, die Fusionsfreunde als Phrasendrescher hinzustellen. Fusionen in der „Privatwirtschaft“ würden meistens nichts bringen. Und:
    „Mehr Effizienz dank Fusion und dergleichen sind hohle Phrasen.“
    Aha, denke ich, und ich erinnere mich an einige enge Freunde und an gewisse Exponenten der SVP, etwa die Bankengröße Ospel, etwa den SVP-Vizepräsidenten Blocher, denen Fusionen wohl eher als Renditegarantielieferanten denn als „Phrasen“ gedient haben – wobei die realisierten Fusionsfolgen (UBS, EMS, Alusuisse, Pharma-Vision usw.) gerne mit anderen beliebten Phrasen aus dem „bürgerlichen“ Sprachregulierungskasten zugedeckt wurden und werden. Dass Sie sich allerdings ausgerechnet den Begriff „Privatwirtschaft“ heraussuchen, um vor irgendwelchen Folgen einer Kantonsfusion zu warnen, verwundert mich schon etwas. Schliesslich gilt der Begriff „Privatwirtschaft“ in dem von Ihnen beschworenen „bürgerlich-liberalen“ Geist als das Allerheiligste, welches vor der Regulierungswut des Staates, namentlich der EU, des Brüsseler „Beamtenhirns“ usw. bewahrt werden müsse.

    Weiter allerdings geht ihr Ausflug in die Wirtschaft erst einmal nicht. Dafür erklären Sie:
    „Es ist mein Wille, dass das Baselbiet ein souveräner Kanton bleibt.“
    Diesen Satz erhören Sie anschliessen mit:
    „Das ist ein rationales Argument.“
    Rational? Sie erklären, dass das, was Ihr Wille ist, den Sie zum Ausdruck bringen, rational sei. Der Leser verdient es also, von Ihnen diese Rationalität erklärt zu erhalten.
    Und er liest (ich als Leser mit zunehmendem Staunen):
    „Ich will keine städtische Dominanz. Ich will ein Baselbiet mit starken und autonomen Gemeinden. Und, ich gebe es zu, ich will ein mehrheitlich liberal-bürgerlich regiertes Baselbiet.“

    Hier also stehen Sie. Und können (ausserhalb Ihre eigenen Blattes, jaja, das wiedhole ich hier gerne) nicht anders.

    Das ist Ihr gutes Recht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich gestehe Ihnen Ihren Willen ohne weiteres zu. Aber ich muss dieser Willensäusserung deshalb nicht zustimmen. Und: Ihr Wille ist derjenige einer einzelnen Person, die offenbar im Kanton Basel-Landschaft wohnt, dort wahl- und stimmberechtigt ist und so unter vielleicht etwa 180’000 Wahl- und Stimmberechtigten genau diese eine Stimme abgeben kann. Selbstredend können Sie für diesen Ihren Willen werbende Öffentlichkeit herstellen, wo und wie auch immer dies Ihnen möglich ist.
    Nur: Was das mit „Rationalität“ zu tun hat, insbesondere die Willenserklärung namens „keine städtische Dominanz“ und „liberal-bürgerlich regiert“ ?

    Indirekt , in der Manier altbekannter negativer Unterstellungspropaganda versagen Sie mit ihrem gewählten Sprachstil „den“ Städtern und denjenigen, welche nicht unbedingt rein „liberal-bürgerlich“ regiert werden möchten, Rationalität. Stattdessen behaupten Sie, die Städter oder die Nichtliberalbürgerlichen suchten die Dominanz über die Landschäftler und den dort anwesenden bürgerlich-liberalen Geist.
    Hätten sie „rational“ weggelassen, würde ihr „Wille“ natürlich ziemlich partei- oder ideologiegebunden daherkommen. Indem sie die „Ratio“ einführen und sie über Ihre Willensäusserung setzen, verursachen Sie Mißverständnisse, um das mindeste darüber zu sagen. Sie schreiben in der Folge die Kritik an ihrer Willensäusserung ausschliesslich und endgültig der Voreingenommenheit von Lesern zu, nicht etwa ihrem Sprachstil (Ihre Postings an jud, Schäublin, emichael, mich), und schon gar nicht ihrer Beschwörung des angeblich so „liberal-bürgerlichen“ Kantons Basel-Landschaft.

    Festhalten „will“ ich:
    Die Begriffe, mit denen Sie das, was sie „rationale Argumente“ gegen eine Fusion von Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu einem Kanton nennen, sind ziemlich unfassbar, dass heisst: Undefiniert, verallgemeinernd, bodenlos und allesamt konkret unbegründet.

    Erläutern möchte ich meine Festhaltung mit dem folgenden Beispiel:
    Sie schreiben an meine Adresse:
    „Ich weiss nicht, was Sie unter bürgerlich-liberal verstehen.“
    Da ich diese Begrifflichkeit in dieser Diskussion nicht eingeführt habe, sondern Sie, und zwar in Ihrem ersten Posting gleich mehrere Male, liegt es eigentlich auf der Hand, dass Sie Ihren Lesern erklären, was Sie unter „bürgerlich-liberal“ verstehen. Davon finde ich aber in all Ihren Kommentaren kein Wort. Auf Grund dieses Definitionsmangels und dem Fakt, dass Sie ihren Willen geäussert haben, für alle Zukunft in Basel-Landschaft eine „mehrheitlich“ bürgerlich-liberale Regierung haben zu wollen und keine „Zwangssolidarität zwischen Stadt und Land in finanziellen Fragen“, komme ich bezogen auf Ihrer Definition von „bürgerlich-liberal“ zum Schluss, dass Sie wohl eine starke begriffliche Affinität zur diesbezüglichen SVP-Ideologie vertreten. Die Propagandasprache der SVP kennt den Begriff „bürgerlich“ erkennbar bloss als Kampfbegriff. Untergeordnet – manchmal, je nach politischen Entscheiden, die anstehen – werden Begriffe wie „Souveränität“, „Eigenständigkeit“, Neutralität“, „Beschränkung der Staatsausgaben“ und dergleichen mehr angehängt. Aber „bürgerlich“ steht für die SVP immer über allem. Was genau mit „bürgerlich“ umschrieben wird ? Ja, wenn man das wüsste!
    „Bürgerlich“ ist in der Schweiz offenbar zur Zeit die Verachtung der Nachbarn, insbsondere der Deutschen. „Bürgerlich“ ist offenbar „Härte“ gegen das „Asylunwesen“. „Bürgerlich“ ist es, den Steuerhinterziehern aus aller Welt Unterschlupf zu gewähren. „Bürgerlich“ ist es, den Sozialstaat in rage zu stellen, aber die Landwirtschaft exorbitant zu subventionieren.

    Nun, dies ist zwar in der Verkürzung polemisch, aber nicht falsch, bezogen auf SVP- Parolenpolitik. Und bezogen auf den aktuellen von Ihnen angeführten Begriff des „liberal-bürgerlichen“ Geistes.

    Genauer diskutieren könnten wir, wenn Sie sowohl von der von Ihnen hier eingeführten „Ich will“-Apodiktik zu einer offeneren Sprache wechseln würden. Ansonsten bleibt halt bloss Polemik des Augenblicks übrig.

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  7. Lieber Herr Schäublin

    Die Antwort bin ich Ihnen noch schuldig, entschuldigen Sie: Es freut mich, dass Sie der Stadt eine „natürliche Dominanz“ einräumen. Ich sehe es genau so. Und darum bin ich gegen eine Fusion. Ihre Option eines Zweikammer-Systems kommt schon allein deswegen für mich nicht in Frage. Und ein Zweikammer-System für einen einzigen Kanton wäre ohnehin ein Unsinn. Sie wollen dadurch einen Minderheitenschutz à la Ständerat einführen. Das würde die Politik des Kantons Basel viel zu stark verkomplizieren. Politische Blockaden wären die Folge. Nein. Der beste Minderheitenschutz – ich hasse dieses Wort – ist wie bisher mit einem selbständigen und souveränen Kanton Baselland zu fahren. Wir sollten uns alle diese Fusions-Übung nicht antun.

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  8. Ich habe ja einen Vorschlag eingebracht, wie man dieses Ungleichgewicht ausbalancieren kann.

    Nur sind Sie mit keinem Wort darauf eingegangen, sondern haben die billige Polemik gewählt.

    Enttäuschend.

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  9. Ich will Sie doch nicht dominieren. Ich will nicht, dass die Stadt Basel politisch das Baselbiet dominiert. Haben Sie das nicht begriffen? Ist das so schwer zu verstehen? Ich will zwei politisch selbständige Staatsgebilde, die gut zusammenarbeiten, aber sich ihre letzten Entscheide immer vorbehalten können. Was muss ich Ihnen hier noch weiter erklären?

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