Nach dramatischer Wahl: FDP schickt Christoph Buser ins Rennen ums Stöckli

Fotofinish bei der FDP am Donnerstagabend: Mit nur zwei Stimmen Vorsprung setzt sich der Chef der Baselbieter Wirtschaftskammer gegen den Arlesheimer Landrat Balz Stückelberger durch.

Strippenzieher in der Baselbieter Politik: Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer.

(Bild: Basile Bornand)

Fotofinish bei der FDP am Donnerstagabend: Mit nur zwei Stimmen Vorsprung setzt sich der Chef der Baselbieter Wirtschaftskammer gegen den Arlesheimer Landrat Balz Stückelberger durch. Nun könnte es eng werden für Daniela Schneeberger.

Die Uhr zeigte 19.03 Uhr, als Christoph Buser als einer der letzten die Wehrlinhalle zu Oberwil betrat. Da war er noch nicht Ständeratskandidat der Baselbieter Bürgerlichen, dazu wurde er erst um 22.21 erkoren. Schuld an seiner Verspätung war der Verkehr; die Schuld an der späten Entscheidung trug eine dramatische Wahl.

Und während Parteipräsidentin Christine Frey auf die erfolgreiche Wahl am 8. Februar zurückblickte und von einem historischen Tag sprach, ruckelten und rankten die letzten Eingetroffenen noch ihre Stühle zurecht. Der Blick zurück währte nur kurz, denn am Donnerstagabend ging es um die Zukunft, und die FDP hat klar definierte Ziele: Sie will zweitstärkste Partei der Schweiz werden.

Nationalratsliste: Schneeberger plus sechs

Dafür braucht sie Sitze in National- und Ständerat. Dass der Freisinn für die grosse Kammer eine Siebenerliste ins Rennen schicken würde, war schnell klar und war nie Gegenstand einer Debatte. An deren Kopf prangte der Name der amtierenden FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger, dahinter rangelten sechs Liberale um die Plätze, von denen sich keiner als Listenfüller betrachtet, was zu üppiger Redezeit für jede und jeden von ihnen führte. Namentlich sind es:

Christoph Buser, Andreas Dürr, Christine Frey, Christoph Hiltmann, Sven Inäbnit und Rolf Richterich.

Weitaus spannender als der Kampf um die Nationalratsliste gestaltete sich jener um den einen Platz im Stöckli. Im Vorfeld wurden die beiden Kontrahenten als Pistoleros im Duell karikiert, von Spaltung der Partei war zu lesen.

Hier Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser, das «animal politique», wie er selbst sagt, dem ein ausgeprägtes Machtbewusstsein nachgesagt wird und von dem es heisst, alles andere als die Nominierung wäre eine Katastrophe.

Dort Jurist Balz Stückelberger, als Querdenker innerhalb der Partei bekannt, mit starker Wählerbasis und dem Vorteil, nicht mit einer Doppelkandidatur für beide Kammern anzutreten. Er kritisiert, dass die Doppelkandidatur zwangsläufig eine Zusatzkandidatur zum Nationalrat sei.

Zwei Stimmen machten den Unterschied

Dieser vermeintliche Vorteil – Busers Doppelkandidatur wurde nicht nur im Vorfeld, sondern auch an der Versammlung selbst heiss diskutiert, während sich Stückelberger weigerte, für beide Kammern anzutreten – entpuppte sich nicht als Killerkriterium. Denn die Versammlung votierte mit dem knappsten aller möglichen Resultate für Netzwerker Buser – mit 62 zu 60 Stimmen.

Stückelberger twitterte Minuten nach der Wahl:

Buser selbst war die Erleichterung nach dem dramatischen Showdown deutlich anzusehen. Er versprach, den Stier bei den Hörnern zu packen und sich voll für den Wahlkampf einzusetzen: «Wir können es schaffen. Claude Janiak ist nicht unschlagbar.»

Buser: «Claude Janiak ist nicht unschlagbar.»

In seiner Bewerbungsrede hatte er noch zugegeben, wie er als «Täschli-Träger» von Mentor Hans Rudolf Gysin zu dessen Berner Zeiten grosse Bögen um die kleine Kammer gemacht habe, und auch jetzt im Wahlkampf sei der Ständerat «keine Liebe auf den ersten Blick» gewesen.

Der Start von Buser im Rennen ums Stöckli könnte zur Bedrohung für Daniela Schneeberger werden. Unterliegt Buser bei der Ständeratswahl, könnte es eng werden für die amtierende Nationalrätin. Er könnte auch sie in einem «Fotofinish» ausstechen.

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Apropos Ständeratswahlen: FDP-Präsident Philipp Müller ist am gleichen Abend einstimmig als Kandidat gewählt worden

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