Notwehr oder Frontalangriff?

Die Skepsis vieler Schweizer gegenüber der Wirtschaft wächst. Das haben sich die Chefs selbst zuzuschreiben. Die nächste Bewährungsprobe ist die 1:12-Initiative.

(Bild: Nils Fisch)

Nicht erst seit der 1:12-Initiative wächst die Skepsis vieler Schweizer gegenüber der Wirtschaft. Das haben sich die Chefs selbst zuzuschreiben.

«Es herrscht Klassenkampf, und meine Klasse gewinnt.» Eine klare Ansage. Ist da ein Jungsozialist ins Träumen geraten? Oder will SP-Präsident Christian Levrat bestätigen, was ihm bürgerliche Kontrahenten vorwerfen, seit er im Amt ist, nämlich häufiger «ideologisch» zur sozialen Lage in der Schweiz zu reden?

Weder noch. Klartext redet hier Warren Buffett, mit einem Vermögen von rund 60 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Erstmals tat er das lange vor der weltweiten Bankenkrise in einem Aktionärsbrief seiner Berkshire-Hathaway-Gruppe.

Und nach dieser Krise, die beinahe das ganze Finanzsystem an die Wand gefahren hätte, setzte er noch eins drauf, indem er die US-Behörden dazu aufforderte, Milliardäre wie ihn weniger zu hätscheln, sondern endlich damit Ernst zu machen, die Opfer, die der Marktwirtschaft gebracht werden müssen, gerechter zu verteilen.

Der neue Klassenkampf

Ein so reicher Mann wie Warren Buffett spricht von «class warfare», von Klassenkrieg, und hält das für völlig normal. Auch FDP-Nationalrat Ruedi Noser ortet in der 1:12-Initiative «Klassenkampf pur», meint das aber als ultimatives Gegenargument. Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler taxiert praktisch alles, was von links kommt, als «ideologisch», und meint das ebenfalls als Gegenargument. Und Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer unterstellt den 1:12-Initianten kurzerhand, sie hätten nie richtig gearbeitet, und das glaubt er womöglich auch.

Vielleicht sollten die hiesigen Lautsprecher des Kapitals sich ein wenig von der Gelassenheit eines Kapitalisten wie Warren Buffett aneignen. Denn die könnten sie gut gebrauchen. Seit ein paar ­Jahren macht sich in breiten Bevölkerungskreisen Unmut breit – über die Gier und die Selbstbedienungs­mentalität in den Chefetagen etlicher grosser Unternehmen, allen voran in der Finanzindustrie, aber auch in der Pharma- und der Rohstoffindustrie – in global operierenden Konzernen.

Riesige Saläre und Bonuszahlungen haben das Ansehen der Manager erheblich beschädigt.

Riesige Saläre, absurd hohe Bonuszahlungen, millionenschwere Antrittsgelder und womöglich noch höhere Abgangsentschädigungen haben das Ansehen des Spitzenpersonals in der Schweizer Wirtschaft erheblich beschädigt. Und das nicht nur in den Augen der ewigen Nörgler auf der linken Seite.

Die vom Volk angenommene «Abzocker-Initiative» wurde von Trybol-Eigentümer Thomas ­Minder lanciert. Der wurde danach in den Ständerat gewählt, wo er in der Fraktion der SVP politisiert. In dieser Abstimmung hatten sich die Spitzenverbände der Wirtschaft ziemlich blamiert.

Nicht minder peinlich für das Wirtschaftsestablishment und seine Politlobby war die angenommene Zweitwohnungsinitiative, die aus der Küche des Umweltaktivisten Franz Weber stammte und die Zahl der Zweitwohnungen in jeder Gemeinde auf 20 Prozent des Bestands fixieren will. Diese Initiative ist zum Ärgernis der Tourismusindustrie und besonders einiger Bergkantone geworden. Sogar der allseits gelobte ägyptische Investor Samih Sawiris könnte mit seinen 25 geplanten Luxusvillen in ­Andermatt auf Widerstand stossen – und droht vorsorglich mit Schadenersatzforderungen von mehreren Hundert Millionen Franken.

Ein ziemlich starkes Stück

Die nächste Bewährungsprobe ist die 1:12-Initiative, mit welcher für jedes Unternehmen festgelegt werden soll, dass der höchste gezahlte Lohn nicht mehr als zwölf Mal grösser sein darf als der niedrigste. Ein ziemlich starkes Stück – und ein direkter Eingriff in das Lohngefüge der einzelnen Unternehmen und Branchen.

Für die Initianten ist klar: Die Initiative nützt ­sowohl dem Staat als auch der Wirtschaft, indem sie dazu beiträgt, die materiellen Unterschiede zwischen den Menschen in Grenzen zu halten – und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes zu bewahren. Sie soll das Risiko der Verarmung reduzieren und ein Instrument der Umverteilung sein. Sie bringe auch der Wirtschaft etwas, weil die unteren Einkommensschichten ein höheres Einkommen eher für den Konsum verwenden als die Spitze der Einkommenspyramide.

Die Gegner warnen, dass eine Annahme dieser Initiative die Schweiz schwächen würde.

Die Gegner sind sich sicher, dass eine Annahme dieser Initiative den Wirtschaftsstandort Schweiz gefährden würde, indem sie in die Tarifautonomie der Sozialpartner eingreift und so die Personalpolitik der Unternehmen beeinflusst. Der Zuzug hochqualifizierter und entsprechend teurer Spitzen­manager könnte erschwert werden, was letztlich zur Konkurrenzunfähigkeit von Unternehmen oder deren Abwanderung führt.

Abgesehen davon sei auch nicht ausgemacht, dass die Annahme der Initiative tatsächlich zu Lohnverbesserungen im untersten Segment führen würde – es sei auch das pure Gegenteil denkbar. Ausserdem würden die Lohneinbussen im höchsten Segment zu erheblichen Einnahmeausfällen bei den Sozialversicherungen führen; selbst nach vorsichtigsten Schätzungen könnte die AHV 125 Millionen Franken pro Jahr verlieren.

Recht haben beide Seiten

Recht haben beide Seiten – irgendwie. Im politischen Kampf der Linken geht es seit dem Beginn der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert um ein grösseres Stück vom wirtschaftlichen Kuchen, um Umverteilung, um die Sicherung und Verbesserung des Lebensstandards, um die Würde des arbeitenden Menschen.

Die Abschaffung der Kinderarbeit (1873), die Festsetzung der ­Tages- und Wochenarbeitszeit sowie des Ferienanspruchs, die Allgemeinverbindlichkeit von Gesamtarbeitsverträgen, die Friedenspflicht (Streikverbot), die Einrichtung von Arbeitslosenkassen, die Einführung der AHV, des Krankenkassen- und des PK-Obligatoriums mit voller Freizügigkeit: All diese Eingriffe in das freie Walten des Arbeitsmarktes haben für bessere ­Lebensbedingungen der Menschen gesorgt, aber auch für höhere Effizienz in den Unternehmen. Man hat sich jeweils nach einigen Umstellungsschwierigkeiten angepasst – und ist am Ende sogar besser gefahren.

Das Gleiche gilt auch für viele andere wirtschaftspolitische Eingriffe. Die faktische Abschaffung des Bankgeheimnisses, die Abschaffung des Saisonarbeiterstatuts, die Personenfreizügigkeit, die diversen Freihandelsabkommen mit Abstrichen bei den Agrarsubventionen, die Aufweichung des Kartellrechts: Alles hat letzten Endes zu erhöhter Effizienz, besserer Konkurrenzfähigkeit und mehr Wohlstand geführt.

Bei allen diesen Veränderungen gab es grund­legende Debatten zum Thema «Staat und Wirtschaft», über die Gefahr, mit zu starken Eingriffen in den Markt das Wachstum und den Wohlstand abzuwürgen.

Auch die Wirtschaft profitiert sozialen Errungenschaften.

In all den Jahrzehnten ist die Wirtschaft der Schweiz dennoch immer stärker geworden – wir sind vom armen Auswanderungsland zum superreichen Einwanderungsland geworden. Volkseinkommen und -vermögen pro Kopf gehören zu den höchsten der Welt. Dies nicht, obwohl sich die Schweiz dabei immer wieder ordnungspolitische Sündenfälle geleistet hat, sondern weil sie dies tat. Denn die Umverteilung, die Suche nach gesellschaftlichem Ausgleich, nach einem verträglichen sozialen Gefälle, haben den sozialen Frieden erst ermöglicht. Und dieser ist sowohl ein Produktivitäts- als auch ein wichtiger Standortfaktor.

Die politischen und die wirtschaftlichen Eliten haben bei diesen Eingriffen in das freie Spiel der Marktkräfte fast jedesmal den Untergang der Schweiz prophezeit. Und sie haben es stets verstanden, die notwendigen Anpassungen rechtzeitig vorzunehmen, bevor die sozialen (oder politisch-diplomatischen) Bruchstellen wirklich gefährlich werden konnten.

Wenn heute Gegner der 1:12-Initiative wiederum Zeter und Mordio schreien, so tut man gut daran, ihre Einwände sorgfältig zu prüfen. Denn diese sind zu einem guten Teil nicht falsch: Die 1:12-Initiative ruft zu einem markanten Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit auf. Die Untergangsszenarien hingegen kann man mit Gelassenheit zur Kenntnis nehmen.

Man kann der Schweizer Wirtschaft schon etwas Flexibilität zutrauen.

Die Gegner der Initiative haben insofern recht, als die Vorgabe einer Lohnbandbreite tatsächlich eine gravierende Systemwidrigkeit ist. Das Gesetz sollte im Wirtschaftsleben allenfalls Verfahren und Prozesse regeln (zum Beispiel mit dem Arbeitsvertragsrecht) oder Grundsätze und Werte festlegen (zum Beispiel «gleicher Lohn für gleiche Arbeit»). Das zu erreichende Ergebnis mit fixierten Zahlenwerten festzulegen, ist eindeutig systemwidrig und spricht gegen die Initiative.

Nur: Solche, meist etwas weniger gravierende Systemwidrigkeiten hat man immer wieder hingenommen, zum Beispiel bei der Minimalverzinsung von Altersguthaben in den Pensionskassen, die ebenso vom Bundesrat bestimmt werden wie der Umwandlungssatz, mit dem dieses Alterskapital in eine Rente umgerechnet wird. Diese Systemwidrigkeit ist ein wesentlicher Grund für die gefährdete Finanzierung der künftigen Renten.

Auch dass die Unternehmen in ihrer Personal- und Lohnpolitik nicht mehr frei sind, stimmt natürlich. Womöglich kann dadurch der eine oder andere Spitzenmanager nicht mehr gehalten oder rekrutiert werden. Dass das die Konkurrenzfähigkeit ­beeinträchtigt, stimmt aber nur «ceteris paribus», also: «Wenn alles andere gleich bleibt.» Das wäre dann allerdings das erste Mal, dass sich ein soziales Gefüge an eine einzige neue Regel nicht anpassen könnte. Das wird vielleicht ein wenig Zeit brauchen, aber so viel Flexibilität sollte man der Schweizer Wirtschaft schon zutrauen dürfen.

Rechthaber und Bremser

Es steht allerdings zu befürchten, dass die Bereitschaft zu solchen komplizierten Anpassungsprozessen geringer geworden ist. Die Entscheidungsprozesse in der Politik können sehr langsam sein, wobei die direkte Mitwirkung des Volkes auch nicht beschleunigend wirkt. In der Wirtschaft, die eher auf hierarchischen Strukturen beruht, haben sich Entscheidungsprozesse dank neuer Technologien drastisch beschleunigt.

Politik und Wirtschaft fahren ein unterschiedliches Tempo, sie haben sich auseinandergelebt. Unternehmer aus den Schweizer Grosskonzernen ­gehen nicht mehr in die Politik. Viele Wirtschaftsführer glauben mittlerweile, dass sie die Politiker und ihren lästig langsamen Betrieb nicht mehr brauchen – und viele Politiker fühlen sich ­ohnmächtig und leiden darunter.

Der soziale Friede ist sowohl ein Produktivitäts- als auch ein wichtiger Standortfaktor.

Wie die Machtverhältnisse in der Schweiz sind, hat die Finanzkrise exemplarisch gezeigt: Die UBS gäbe es heute nicht mehr, der Bankenplatz wäre massiv geschrumpft, wenn Politik und Nationalbank nicht als Nothelfer eingesprungen wären.

Da ist also zunächst massiv zugunsten des Finanzplatzes umverteilt worden. Was die Banker nicht daran hindert, ihr besseres Verständnis der Zusammenhänge zu postulieren. Viele führen als Rechthaber das grosse Wort wie vor ihrem «Betriebsunfall». Nur, dass sie jetzt die Politiker nicht nur für Unwissende halten, sondern sie auch noch für ihre nachsichtige Haltung verachten. Auf diese Weise wird der Gegensatz zwischen Demokratie und Wirtschaft erst aufgebaut.

Der Markt regelt nicht alles zum Besten

Das ist das eigentliche Unglück. Es wäre dringend geboten, von strikten ideologischen Positionen abzurücken. Und die gibt es auf beiden Seiten: Für das Bild vom immerfort gierigen Manager gibt es zwar das eine oder andere Beispiel, falsch ist es dennoch. Dass der Markt die Dinge stets besser ins Gleichgewicht bringt als der Staat, lässt sich mit dem einen oder anderen Beispiel belegen – falsch ist es dennoch.

Was die Minder-Initiative zu Tage gebracht hat, könnten politische Themen der kommenden Monate akzentuieren: die 1:12-Initiative, die Mindestlohninitiative, die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, die soeben zustande gekommen ist, die mögliche Wiedereinführung der Erbschaftssteuer, AHV-Rentenerhöhungen, die neue Diskussion der Personenfreizügigkeit.

Bei allen diesen Themen geht es um eine «gerechte» oder zumindest «vernünftige» Verteilung von Einkommen und Vermögen. Um ein Problem also, das Wirtschaft und Politik nur gemeinsam lösen können – effizient wie die Wirtschaft, langsam und sorgfältig wie die Politik.

Die Zeit der Patrons ist vorbei

Wirtschaft und Politik müssen keine Gegensätze sein – das wussten die radikalen/freisinnigen Gründer der Eidgenossenschaft wie Alfred Escher, der sowohl Gründer späterer schweizerischer Weltunternehmen als auch als Politiker eine führende Persönlichkeit seiner Zeit war. Migros-Gründer und Landesring-Nationalrat Gottlieb Duttweiler war auch so eine Figur oder Kaba-Chef und FDP-Nationalrat Ulrich Bremi. Selbst der Rechtsaussen James Schwarzenbach stammte aus einer Industriellen-Dynastie.

Auch Wirtschaft und Demokratie müssen keine Gegensätze sein. Denn die Wirtschaft besteht nicht nur aus Aktionären und Managern von Unternehmen, sondern auch aus deren Mitarbeitern und ihren Familien; die Konsumenten gehören dazu, und dazu zählen die beruflich Aktiven und die Rentner.

Das heisst: Die Grundgesamtheit der Teilnehmenden im Staatswesen und in der Wirtschaft besteht aus den gleichen Menschen. «Das grösstmögliche Glück der grösstmöglichen Zahl» (seit Beginn der ökonomischen Wissenschaft das eigentliche Ziel der Marktwirtschaft) – darum geht es sowohl in der Demokratie als auch in der Wirtschaft.
Der frei funktionierende Markt wirkt in Richtung Gewinnmaximierung Einzelner und riskiert dabei Schäden bei vielen.

Das grösste Glück

Das grösstmögliche Glück der grösstmöglichen Zahl beschreibt einen Wachstumspfad der etwas anderen Art, der auch mit der Zunahme von nicht in Franken und Rappen zu ­fassendem Wohlstand zu tun hat – mit Selbstbestimmung, mit Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, mit menschlichen Beziehungen durch die Arbeit, mit Selbstverwirklichung – auch mit Träumen. Für Bilanzverantwortliche mag das ein Albtraum sein, für die meisten Menschen eher nicht. Die Frage ist nämlich nicht, wie viel Demokratie die Wirtschaft erträgt, sondern: Wie viel Wirtschaft erträgt die Demokratie?

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 25.10.13

Konversation

  1. Ich sehe es exakt so wie Sie.
    Deshalb habe ich dieses Beispiel gewählt.
    Der Lohn des abteilungsleitenden Professors ist mit Bestimmtheit nicht 12mal höher als jener beispielsweise des Ergotherapeuten.

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  2. …sie und ich- wir haben doch Überhaupt KEINEN dissens- nicht den Geringsten! Ich lese immer wieder mit großer Freude Ihre TaWo Kommentare zu vielen Themen (auch Schule, erzeihung ausbildung etc aber auch Wirtschaftsthemen). Auch Ihre An und Einsicht dass in Immer Verheerenderem Maase sich die Demokratisch gewählte Politische Exekutive (und teils auch Legislative), die eigentlich Ausschliesslich „den Vielen“ verpflichtet ist, sich ihre Agenda von den Inetressensvertretern der „Wenigen“ (Wirtschaftlich Potenten) Vorschreiben lässt, teile ich ausdrücklich- leider ! Das führt uns zur frage- die ich aus Platzgründen oben NICHT anreißen konnte- worin denn der UNTERSCHIED zwischen „Staat“ und 2Wirtschaft“ besteht- wenn denn die Subjekte (angeblich?) dieselben sind…
    die antwort ist so banal dass es Schwer fällt Sie Niederschreiben zu müssen: In der mühsam erkämpften Demokratie hat haben die Denner-Kassiererin und der Mann von der Straaßenreinigung EXAKT das prinzipiell selbe Stimmrecht und handlungsgewicht wie ein Daniel Vasella etc…
    (man beachte: „Im Prinzip“!- nämlich wenn es GENUTZT wird…)
    In der Wirtschaftsverfassung welche dem EIGEN-tum des Einzelnen den Vorzug vor den Teilhaberechten der Vielen gibt, ist dies AUSDRÜCKLICH Nicht so- wie könnte es auch ? Wenn das „Eigen-tum“ an einem Produktionsmittel, oder einer Firma, einem Konzern etc. in viele lauter Besitzanteile gestückelt ist und Meinetwegen Eintausend Anteilseigner je 10 Besitzanteile (Aktien…) „be-sitzen“ und eine einziger andrer „Anteils-Eigner“ 1000000 solcher „Besitz-anteile“ so übt er alleine die 100-fache „MACHT“ aus wie die Eintausend anderen zusammen- dies einzusehen genügt die Beherrschung der Grundrechenarten… Aber die „Mächtekonsequenz“ zu ertragen genügt es nicht, rechnen zu können- da gehört schon auch Beherrschung dazu! Nur KANN dieses Ungleichgewicht nicht in alle Ewigkeiten so Fortschreiten (DESHALB muss sich „die Politik“ die Herrschaft über „die Wirtschaft“ zurückerkämpfen)
    – darin sind Sie Herr Bockemühl und ich uns doch sicherlich Einig ?
    Ich glaube einfach, Sie haben die Grundintention meiness ersten Beitrages (und manch anderer ?) Gründlich Missverstanden -Gewissermaßen GEGEN den Sinn des von mir Geschriebenen… Kein Problem-
    solche Missverständnisse lassen sich Ausräumen-
    -ich wünsche noch „ä Schöne Sunntig“!

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  3. Man kann Ihre Logik auch umdrehen: dadurch wird sie zwar nicht besser (im Gegenteil!), aber es springt noch eine kleine Erkenntnis dabei heraus. Man kann sich nämlich fragen: Wenn man von einem Gegensatz von „Staat“ und „Wirtschaft“ spricht, meint man ja ganz offensichtlich implizit NICHT dass es sich da um die gleiche Gesamtheit handelt! Was dann aber sonst?

    Offensichtlich schaut man da nur auf die prominentesten Vertreter, die „Führungsfiguren“, also einerseits CEOs, Verwaltungsräte, Financiers usw., und andererseits die Vertreter von Exekutive, Legislative und Judikative.

    Und da ist es eigentlich sogar ganz gut wenn es sich nicht um die gleichen Personen handelt! Andernfalls würde man von „Filz“ sprechen. Hingegen ist es sehr wohl wichtig, dass die beiden Seiten sich GEGENSEITIG in ihren jeweiligen Rollen respektieren und akzeptieren.

    Leider ist das zur Zeit immer weniger der Fall, bzw. es ist immer einseitiger. Die Regierung, die dafür zuständig wäre, in erster Linie das Gemeinwohl im Sinn zu haben – „gleiche Rechte und Pflichten für alle“ – lässt sich ihre Agenda immer mehr von den Wirtschaftsführern diktieren (siehe „Stockholmsyndrom der Basler SP-Regierungsräte in der aktuellen TaWo), und diese wiederum schauen, wie sie es drüben in Amerika wieder mal so treiben. Egal ob das nun sinnvoll ist oder nicht!

    Und allein schon aus dieser permanenten Faszination für alles was von dort drüben kommt ergibt sich ein gewisser Sog – am Ende einfach doch gleich auch dorthin auszuwandern, den Geschäftssitz zu verlegen, usw.

    Da wäre dann eine angenommene 1:12-Initiative nur noch eine willkommene Ausrede, das zu tun was man am liebsten eh schon immer wollte!

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  4. Ich finde Ihr Beispiel wunderbar! Es würde einen jetzt noch interessieren, ob es eigentlich schon „1:12-relevant“ wäre. Anders gesagt: Verdient der Herr Professor Abteilungsleiter mehr als 12x den Lohn einer Anfänger-Pflegekraft oder nicht?

    Ich würde mich nicht einmal wundern wenn selbst hier diese Relation noch nicht ganz erreicht wäre, oder wenn sie nur unwesentlich überschritten würde!

    In anderen Worten: Ich vermute, dass die Exzesse eher nicht bei den Spezialisten stattfinden, sondern einzig und allein bei denjenigen Leuten, deren Hauptqualifikation deren Nähe zu den Geldtöpfen ist – aus denen sie sich dann quasi selber bedienen können.

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  5. Ich glaube ich habe Sie ganz gut verstanden – und hatte auch nicht die Absicht, Ihnen zu widersprechen! Ich wollte die Sache nur noch einmal von einer anderen Seite beleuchten – aber ich war mir durchaus bewusst dass es auch so noch immer die gleiche Sache ist.

    Aber ich habe auch früher im Leben oft gemerkt, dass die Leute einen oft nicht recht verstehen wenn man ihnen zustimmt: Man ist Kritik viel mehr gewohnt und erwartet oft nichts anderes…

    Kein Problem also!

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  6. Immer, wenn „die Wirtschaft“ sich medial verbreitet, sind es vor allem Verbandsbosse und deren „Pressereferenten“ oder „-sprecher“, welche sich äussern – nicht nur in der Schweiz.
    Worüber sie sich inhaltlich äussern ?
    Bei genauerem Hinsehen und Hinhören entdeckt man praktisch jedes Mal dasselbe Nichts, welches zur Verkleidung der Ideologie benutzt wird, welche im Grunde genommen sehr einfach gestrickt erklärt, was „man“ will: Das alleinige Sagen.

    Nun geht es bei der 1:12 Initiative durchaus nicht um „die“ Wirtschaft, sondern um die Löhne, welche sich gewisse Managementkreise aus „der“ Unternehmerwirtschaft herausholen. Es geht um eine Auseinandersetzung darüber, was Arbeit wert ist. Anstelle des Begriffs „Arbeit“ könnte man natürlich auch einen Begriff wie „Leistung“ benutzen.

    Ein Beispiel:
    Vor einem Jahr lag ich wegen einer schweren Erkrankung drei Wochen lang in einem Berliner Krankenhaus. Ich wurde operiert und lag danach zuerst einige Tage auf der Intensivstation, danach rund zwei Wochen in der chirurgischen Abteilung. Vor der Operation wurde ich durch Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger betreut, Tag und Nacht. Die Operation wurde sehr präzise durchgeführt, durch eine Oberärztin, assistiert von Oberärzten und dem verantwortlichen Arzt für Anästhesie. Danach wurde ich wieder von Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern betreut, rund um die Uhr, Tag und Nacht. Der Chef der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses, ein Professor, besuchte mich einmal während einer Art Generalvisite. Begleitet wurde er von den Oberärzten, einigen Assistenzärzten und einigen Studierenden sowie zwei Pflegerinnen. Die beiden Pflegerinnen sowie die genannte operierende Oberärztin haben dem Professor meinen Operations- Und Heilungsverlauf dargestellt.
    Den Heilungsprozess nach den ärztlichen Vorgaben verantwortlich zu gestalten oblag dem jeweils diensthabenden Stationsarzt und den Pflegekräften, in meinem Fall inklusive Diätköchin und einem Ergotherapeuten. Nach drei Wochen wurde ich einigermassen wiederhergestellt entlassen. Die nachfolgend während eines halben Jahres alle zwei Wochen ambulant durchgeführte und schliesslich erfolgreiche Chemotherapie fand in einer Spezialpraxis statt. Der Spezialarzt untersuchte mich während des gesamten Verfahrens zweimal, besuchte mich jeweils für einen Händedruck während der Therapiesitzungen und verfolgte selbstredend die Laboruntersuchungen, welche jedes Mal vor Beginn der Sitzung durchgeführt wurde – von Pflegerinnen und Laborantinnen, welche jeweils gleichzeitig etwa 10 Patientinnen und Patienten betreuten.

    Kurz: Ich habe eine gut funktionierende Behandlung eines massiven gesundheitlichen Problems erlebt.

    Interessant ist nun die Frage: Wie wird im Lohngefüge der beteiligten professionell handelnden Personen deren jeweilige Leistung bewertet ?
    Besteht zwischen den einzelnen Personen, welche im Interesse von mir als dem Patienten zusammenarbeiten müssen – wobei jede Aufgabe innerhalb des Heilungsprozesses einen eigenen, sehr wohl unverzichtbaren Stellenwert aufweist – ein Verhältnis, welches angefangen vom jeweils individuellen Zeitaufwand über die notwendige Spezialisierung, aber auch der notwendigen Übersicht über das kurrative Verfahren, also eine Gesamtschau darüber, eine nachvollziehbare Lohn-Beziehung ?

    Ich denke, bei der 1:12 Initiative geht es um diese Lohn – respektive Arbeitsbewertungsbeziehung.
    Mit „der“ Wirtschaft hat das erst einmal nichts zu tun.
    Mit der Selbsteinschätzung gewisser Managerkasten aber sehr viel.
    Managerleistung in global handelnden Unternehmen (also etwa Novartis, Roche, Nestlé, Glencore, um einige Schweizer Beispiele zu nennen) wird seit Jahren nur an einem gemessen: An der vierteljährlichen Bilanzierung und der daraus abgeleiteten Bilanzanalysen. Diese Analysen beinhalten zuvorderst Renditeberechnungen – sowohl über das letzte Vierteljahr als auch in der Prognose für das nächste Vierteljahr. Viel mehr steckt trotz dem ganzen Brimborium, welches darüber veranstaltet wird, nicht dahinter. Die „Investoren“, heisst es, erwarten Rendite. Wer den „Börsenwert“ eines Unternehmens hochtreibt, ist ein „guter“ Manager, wird mit Boni belohnt und „gehalten“.
    (Die Frage, wer denn da „investiert“, ist dabei natürlich weder gestellt noch gar beantwortet. Immerhin weiss man, dass es sich häufig um Fonds handelt, gespiesen oft genug durch Pensionskassen, Lebens- und anderen Versicherungen usw.).

    Die Leistung zählt!
    Ein „liberales“ Hauptkampfwort – auch in der Schweiz.
    Frage: Welche Leistung ?
    Oder, wiederum etwas anders formuliert : Wirtschaft betreiben wir alle, ohne Ausnahme. „Die“ Wirtschaft der Verbände, der Börsen, der Finanzkapitalspekulation ist auch Wirtschaft. Aber eben nur ein Teilaspekt – häufig genug ohne die kleinste Spur von Verantwortungsbewusstsein betrieben.
    Das Verhältnis 1 (niedrigster in einem Unternehmen oder bei einem öffentlichen Arbeitgeber bezahlter Lohn) zu 12 (dem gleichenorts höchsten Lohn) ist keineswegs „absurd“, wie mein oben angeführtes Beispiel im Gesundheitswesen darstellt. Die Verantwortung über meine Gesundheit nämlich trug jede einzelne der an meiner Behandlung beteiligten Person durchaus existentiell, was meine Heilung betraf.

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  7. Vollkommen einverstanden mit Ihnen
    Kennen Sie einen (1) Politiker der nicht nur an seine nächste Wiederwahl denkt ?
    Die Politiker wie uns treibt die Angst. Den Politiker dass er nicht wieder gewählt wird und in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.
    Wir das Volk haben Angst vor Wohlstandsverlust die uns die Wirtschaftsführer androhen.
    Wir alle sind mutlos und machen höchstens die Faust im Sack.
    An der Urne werfen wir ein was von uns verlangt wird.

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  8. Die Politik ist heute hundertprozentig von der Wirtschaft abhängig. Die Wähler haben sich, beeinflusst von Werbung und Konsum, entmündigen lassen. Dies manifestiert sich darin, dass der Stimmbürger regelmässig gegen seine eigensten Interessen votiert. So wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch bei der 1:12-Initiative wieder geschehen.

    Sicher, die 1:12-Initiative wäre nur eine – allerdings wirksame -Symptombehandlung. Die Ursache der heutigen, von keiner Seite bestrittenen, Lohnexzesse liegt aber wo anders. In der Wirtschaft wie auch in der Politik braucht es Menschen, die ethische Grundsätze über monetäre Interessen stellen. Die mutig genug sind, gegen den Strom zu schwimmen. Die nicht nur an ihre nächste Wiederwahl denken. Die bereit sind, unpopuläre Entscheide zu treffen.

    Solche Charaktereigenschaften sind, nicht zuletzt auch aufgrund unseres Wohlstandes, in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Egoismus und Rücksichtslosigkeit sind heute Garanten für (wirtschaftlichen) Erfolg! Wäre es nicht an der Zeit, dass wir bei der Erziehung der kommenden Generationen wieder vermehrt auf Eigenschaften wie Ethik und Sozialkompetenz Wert legen sollten? Wir Alten sollten doch in der Lage sein, der jungen Generation wichtigere Werte zu vermitteln, wie nur Wirtschaftswachstum über alles! Denn Wohlstand lässt sich nur erhalten, wenn damit verantwortlich umgegangen wird. Und diese Verantwortung liegt u.a. darin, dass wir auch andere daran teilhaben lassen.

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  9. Leider leben wir aber nur in einer Scheindemokratie. Der viel treffendere Begriff für unser Wirtschaftssystem ist Danistakratie (Herrschaft des Wuchers)! Der Begriff stammt von der Wissensmanufaktur Andreas Popp und Rico Albrecht. Der Fluss von fleißig nach Reich muss durch ein funktionierendes Glasss Steagall Bankentrennungssystem nach Franklin D. Roosevelt realisiert werden in dem Geschäftsbanken von Investmentbanken strickt getrennt werden. Die spekulativen Casino-Geschäfte der Investmentbanken sind nicht System relevant und dürfen in Zukunft nicht mehr mit Steuergeldern gerettet werden! Was hier geschieht ist
    [Gekürzt. Liebes Community-Mitglied, bitte achten Sie auf eine bedachte Ausdrucksweise. Den Community-Leitfaden finden Sie hier: http://www.tageswoche.ch/de/pages/about/3919/community-leitfaden.htm%5D.
    Die Erschaffung von extrem Reich und extrem arm. Das muss unbedingt gestoppt werden.

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