Per Bahn schneller in den Süden – und die weniger erfreulichen Änderungen

Wer mit der Bahn ins Tessin oder nach Italien reist, profitiert künftig von kürzeren Reisezeiten. Wer sein Velo im Zug mitnimmt, zahlt den höchsten Tarifaufschlag.

Schneller in den Ferien, das macht Freude.

(Bild: sda)

Wer mit der Bahn ins Tessin oder nach Italien reist, profitiert künftig von kürzeren Reisezeiten. Wer sein Velo im Zug mitnimmt, zahlt den höchsten Tarifaufschlag.

Am 11. Dezember wechseln die Bahnen ihren Fahrplan. Die wichtigsten Änderungen bringt der neue Gotthard-Basistunnel, dessen Bau 12 Milliarden Franken verschlungen hat. Darüber informierten die SBB am Donnerstag in Zürich.

Gleich viele Züge durch den Gotthard

Trotz zusätzlichem Tunnel bleibt die Zahl der Personenzüge durch den Gotthard (Basis- plus Bergstrecke) unverändert, das heisst: An Werktagen brausen je 24 Züge pro Richtung durch den Basistunnel, nämlich jene Züge, die bisher auf der Bergstrecke ohne Halt zwischen Arth Goldau und Bellinzona verkehrten.

Dazu kommt weiterhin je ein Zug pro Stunde auf der Bergstrecke mit Halt an mehreren Stationen. Neu aber müssen die Reisenden auf der Bergstrecke in Erstfeld in den Regionalzug Tilo (Tessin-Lombardei) umsteigen. Dieser Zug, der heute als S10 zwischen Milano/Chiasso und Biasca verkehrt, wird damit von Süden her bis Erstfeld verlängert. Einzig an Wochenenden gibt es einige zusätzliche Züge. 

Kürzere Reisezeiten dank Basistunnel

Der neue Fahrplan durch den Basistunnel bringt jedoch beträchtliche Reisezeit-Verkürzungen und eine Umverteilung der direkten Verbindungen. Hier die wichtigsten Änderungen:

  • Für Reisende aus dem Raum Zürich verkürzt sich die Bahnfahrt nach Lugano gegenüber heute um 33 Minuten, die Fahrt nach Milano Centrale um 37 Minuten. Zudem profitieren Reisende ab Zürich von mehr direkten Zügen nach Lugano und Milano.
  • Für Reisende ab Basel und Luzern verkürzt sich die Fahrt nach Lugano um 37, jene von Luzern nach Milano um 38 bis 47 Minuten. Gleichzeitig verlieren Luzernerinnen und Basler einige der (langsameren) Direktverbindungen in den Süden; sie müssen also in Arth Goldau öfter in die IC- und EC-Züge aus Zürich umsteigen. Trotz diesem Zeitgewinn haben Behörden in der Zentralschweiz lauthals gegen die Reduktion der Direktverbindungen protestiert. Doch für die Verschiebung der Direktverbindungen spricht die Nachfrage. Denn ab HB Zürich reisen doppelt so viele Fahrgäste durch den Gotthard in den Süden als ab Basel und Luzern zusammen. 
  • Für Passagiere aus Basel, die nach Mailand reisen, bleibt die Route über Bern-Lötschberg-Simplon weiterhin die schnellere (4.06 Stunden) als via Luzern durch den Gotthard (4.28 Stunden).

Vor- und Nachteile fürs Velo

Für Passagiere, die ihr Velo ins Tessin oder nach Italien mitnehmen, war das Angebot auf der Gotthardlinie schon immer prekär. Mit der neuen Basislinie und der Vielfalt an Zugsmodellen gibt es für sie folgende Verbesserungen und Verschlechterungen:

  • Reservationspflicht: Die Velomitnahme durch den Gotthard-Basistunnel erfordert im Sommerhalbjahr (21. März bis 21. Oktober) in allen Zügen eine Platzreservation; bisher galt diese Reservationspflicht nur in EC- und ICN-Zügen.
  • Auf den Zug kommts an: Pro Fahrtrichtung und Tag verkehren sechs italienische und drei Schweizer EC-Züge der Marke ETR 610 durch den Basistunnel nach Mailand. Die italienischen ETR 610 nehmen gar keine Velos mit. In den drei Schweizer Zügen gibt es je nach Komposition nur zwei oder vier Veloplätze. Bei grösserem Andrang nimmt weiterhin nur der Regionalzug S10 Velos von Lugano Richtung Milano mit.
  • In den ICN-Zügen nach Lugano gibt es wie bisher je nach Komposition sechs oder zwölf Veloplätze.
  • In normalen IC-Zügen stehen 30 bis 38 Veloplätze zur Verfügung. Weil solche Züge künftig häufiger eingesetzt werden als ICN-Kompositionen, stellt das eine Ausweitung des Angebots dar.
  • In den Tilo-Zügen, die über die Bergstrecke von Erstfeld bis Chiasso, teilweise bis Mailand verkehren, stehen 12 Veloplätze zur Verfügung. In Panorama-Zügen, die an Wochenenden über die Bergstrecke fahren, gibt es 9, in einem Zug 36 Veloplätze. 

Tarifaufschläge trifft Velo am stärksten

Wie schon früher angekündigt, erhöhen die Bahnen ab 11. Dezember ihre Tarife. Das Generalabonnement (GA) schlägt um 5,5 (1. Klasse) und 5,6 Prozent (2. Klasse) auf. Einzelfahrten verteuern sich im Schnitt um 2,5 Prozent, auf der Gotthardroute etwas mehr. Der Preis fürs Halbtax-Abo bleibt gleich.

Am stärksten schlagen die Velobillets auf, nämlich um 8,3 bis 11,1 Prozent. Wer ein GA oder Halbtax-Abo besitzt, zahlt für die Velomitnahme (Tageskarte) künftig 13 statt 12 Franken, ohne Halbtax und GA 20 statt 18 Franken. Das GA für die Velomitnahme («Velopass») kostet künftig 240 statt 220 Franken, also 9,1 Prozent mehr. Die häufigere Reservationspflicht verteuert die Velomitnahme zusätzlich.

Konversation

  1. Wer braucht schon ein Velo-Billet, wenn man eine Velo-Transporttasche hat? Diese einmalige Investition ist nach einigen Fahrten amortisiert. Zugegeben, einen kleinen Haken hat es, denn das Vorderrad und ggf. das Vorderschutzblech müssen jeweils abmontiert werden, und das mag Einem je nach Konstruktion leichter oder schwerer ausfallen. Aber danach gilt das verpackte Velo als gewöhnliches Reisegepäck. Und was man in seinem Reisegepäck transportiert, geht die SBB (vielleicht bis auf einige Gefahrgüter) nichts an.

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    1. Für mich macht es einen grossen Unterschied, ob ich mein Velo tel quel oder mittels Velosack transportiere. Wer gerne mit dem Velo über Passstrassen fährt, schaut aufs Gewicht, und das sind bei einer Velotasche einige hundert Gramm zusätzlich. Kundenfreundliche Züge haben also genügend Stellplätze für unverpackte Velos, oder Stellplätze kombiniert mit Sitzplätzen, die je nach Bedarf fürs Velo oder als Sitzplatz benutzt werden können.

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  2. Ohne Lötschbergbasistunnel würde die Region Basel vollständig abgehängt werden. Dank Adolf Ogis Beharrlichkeit hat Basel überhaupt diese tolle Verbindung in den Süden!

    Ob die Direktverbindung nach Genf je wieder kommt, steht in den Sternen. Gewöhnen wir uns besser ams Umsteigen in Biel bzw. Olten.

    Der nächste Abbu folgt dann 220/2022: Streichung der Direktverbindung nach Chur, neu Umsteigen in Zürich.

    Immer mehr Umsteigevervindungen statt Direktverbindungen ab Basel. Ein attraktiver öV sieht anders aus. Vor allem, wenn man mit Gepäck und Kindern reist.

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