Pflegepersonal protestiert gegen «Privatisierung» der Frauenklinik im Bruderholzspital

Mit einer Protestaktion vor dem Baselbieter Regierungsgebäude hat das Pflegepersonal der Frauenklinik im Bruderholzspital seinen Unmut gegen die Auslagerung der Frauenklinik ins private Bethesda-Spital kundgetan.

Pflegepersonal und Hebammen der Frauenklinik im Bruderholzspital fühlen sich über den Tisch gezogen.

(Bild: Basile Bornand)

Mit einer Protestaktion vor dem Baselbieter Regierungsgebäude hat das Pflegepersonal der Frauenklinik im Bruderholzspital seinen Unmut gegen die Auslagerung der Frauenklinik ins private Bethesda-Spital kundgetan.

Seit der Bekanntgabe, dass das Kantonsspital Bruderholz zur Tagesklinik zurückgestuft werden soll, herrscht in dessen Frauenklinik so etwas wie Ausverkaufsstimmung. Der renommierte Chefarzt David Hänggi hat sich samt seinem ärztlichen Umfeld bereits vom privaten Bethesda-Spital in Basel abwerben lassen. Nicht so aber das Pflegepersonal und die Hebammen, die sich selber um eine neue Anstellung kümmern müssen.

Dagegen protestierten rund 30 Pflegerinnen und Pfleger sowie Hebammen der Frauenklinik. Vor dem Regierungsgebäude in Liestal brachten sie lauthals ihren Unmut gegenüber der «Privatisierung» der Frauenklinik zum Ausdruck. Wie einer Medienmitteilung der Gewerkschaft VPOD zu entnehmen ist, forderten sie die Baselbieter Regierung auf, «die mit dem Bethesda ausgehandelten Verträge so nicht zu genehmigen, sondern die Rechte der Angestellten zu gewährleisten».

Angestelltenrechte und medizinische Grundversorgung

Zum einen monierten die Angestellten, dass eine Privatklinik, die keine intensivmedizinischen Leistungen gewährleiste, die Grundversorgung der Bevölkerung nicht garantieren könne. Zum anderen wehrten sie sich dagegen, dass sie sich einzeln um eine neue Anstellung im Privatspital bemühen und so in Kauf nehmen müssen, dass sie, sofern sie überhaupt einen neuen Job bekämen, unter deutlich schlechteren Bedingungen weiterarbeiten müssten.

Konkret fordert der VPOD, dass die Übernahme nach Obligationenrecht gehandhabt wird. Das bedeute, dass die Angestellten mit ihren Rechten und Pflichten übernommen werden müssen und der GAV am Bethesda-Spital für ein weiteres Jahr Geltung haben müsse. «Dies ist ein wichtiger Schutz vor den deutlich tieferen Löhnen am Bethesda, mindestens für den Anfang», schreibt der VPOD.

Kanton wäscht seine Hände in Unschuld

Der Kanton Baselland wäscht indes seine Hände in Unschuld. «Das Kantonsspital Baselland KSBL ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und gemäss Spitalgesetz und Eigentümerstrategie in seiner unternehmerischen Tätigkeit frei», schreibt die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) in einer Medienmitteilung. Der Kanton sei lediglich zuständig für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung – und diese sieht die VGD im Gegensatz zur Gewerkschaft nicht gefährdet.

Im Gegensatz übrigens auch zur Ärzteschaft. Bereits vor einem Monat kritisierten Ärztevertreter aus den beiden Basel die angekündigte Zusammenlegung: Der sich abzeichnende Exodus von Ärzten des Bruderholzspitals würde «unweigerlich schon sehr bald zu einem Wegfall des Spitals führen». Massive Engpässe in der Notfallmedizin in und um Basel seien nicht auszuschliessen, weil die Kapazitäten des Unispitals und des Spitals in Liestal nicht genügend schnell ausgebaut werden könnten. 

Konversation

  1. @Herr Spirgi

    Ist das nun die Endfassung? Von 11 Beiträgen 6 „zensuriert“…

    Es wird immer absurder hier in der TaWo!

    PS: Sofort verbergen!

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  2. Nochmals, damit es auch der Herr Psychiater begreift. Die drei Baselbieter Spitäler wurden nicht privatisiert, sondern verselbständigt. Der Kanton ist weiterhin Eigner dieser Spitäler.

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  3. Ich hatte in den letzten Jahrzehnten die Gelegenheit, Menschen zu begleiten, die die Dienste dieses «Spitals» in Anspruch nehmen mussten:

    1. Sozialhilfeempfänger, die tagelang auf den Gängen zwischengelagert wurden
    2. Hirnblutung durch Fehlbehandlung
    3. «Simulantentum» bei starken Unterbauchschmerzen, die sich bei der Untersuchung in einem anderen Institut als «durchgebrochenen Blinddarm» erwiesen
    4. Diagnose «Herzrhythmus-Störung» ohne zu erkennen, dass eine Herzkilappe defekt war
    5. Hohn und Spott auf der Notfall-Station für einen Bänderriss, der bei einer Tanzveranstaltung aufgetreten war

    Sollte dieses «Feldlazarett» endlich dem Erdboden gleichgemacht werden: Je früher, desto besser.

    Ich kenne Leute, die sich mit ihrem Herzinfarkt mit dem Taxi über den Holee-Kreisel bringen liessen, nur damit sie in die Stadt-Notfallstation kamen, und nicht in diese Hölle mussten.

    So viel zur Praxis. In der Politik hört sich das anders an.

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  4. Eigentlich hätte man andere Politiker wählen können, dann müsste man jetzt vielleicht nicht demonstrieren gehen. Mann kann nicht alles haben im Leben.

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  5. „Dicke Post“ ist es, wenn Ärzte ohne Hebammen und Krankenschwestern sich einfach in einer Privatklinik dünn machen. Soviel zur Solidarität in der Gesundheitsvorsorge. Ich schäme mich als Arzt für solche Kollegen. Die Regierung versteckt sich hinter der von ihr selber beschlossenen Privatisierung, nochmals „dicke Post“! Und die Patienten? Aha, diese gibt es auch noch…

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