Polizei an der Sprachgrenze

Staatsverträge und Sprachbarrieren: Die Polizeikräfte im Dreiland kämpfen immer noch mit der grenzüberschreitenden Verbrecherjagd.

«Es gibt noch viel zu tun.» Oberstleutnant Patrick Kessler von der Gendarmerie Nationale gestand offen ein, dass viele Projekte zur Zusammenarbeit in Frankreich zusätzlichen Anschub benötigten. (Bild: Nils Fisch)

Staatsverträge und Sprachbarrieren: Die Polizeikräfte im Dreiland kämpfen immer noch mit der grenzüberschreitenden Verbrecherjagd.

Einbrecherbanden, die das Dreiland unsicher machen, Raubdiebstähle und weitere Vermögensdelikte: Sie bleiben nach wie vor das grösste kriminelle Problem für die Bevölkerung im grenznahen Raum, wie die Basler Polizei bestätigt. Denn gerade die kurzen Wege zwischen drei Nationen machen die Region für schnelle Verbrecher attraktiv: Um die international tätigen Verbrecher jenseits des schnellen Grenzübergangs dingfest zu machen, mussten die Schweiz, Frankreich und Deutschland erst ein komplexes Werk an Staatsverträgen erarbeiten. Das füllt ganze Bundesordner – und jeder Polizist muss es zumindest in den Grundlagen beherrschen, wenn er jenseits der Grenze einen Verbrecher anhalten oder auch nur verfolgen will. 

Damit nicht genug: Entwischen die Täter, liegt es häufig auch an einfacheren Gründen. Zu oft erschwert die Sprachbarriere einen rechtzeitigen Austausch. Denn nur eine absolute Minderheit der französischen Polizisten ist der deutschen Sprache mächtig, während in Basel und Deutschland die Französischkenntnisse der meisten Polizisten mangelhaft sind. Eine Tatsache, die die Polizeipräsidenten der zuständigen Polizeikräfte am Donnerstagmorgen an einer Medienkonferenz zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit allesamt unumwunden eingestanden.

Strukturell erfolgreich

Die Polizei-Obersten waren voll des Lobes für die immer reibungsloser verlaufendere Zusammenarbeit – zumindest strukturell. Gemeinsam betriebene Zentren für Polizei- und Zollverbindungen, internationale Patrouillen, Absprachen und Verbindungsbeamte sollen den Informationsaustausch beschleunigen. Zudem tagt einmal im Monat die «Trinat»-Konferenz, an der sich Vertreter der Kantone Basel-Stadt, Baselland und Solothurn sowie aus Baden-Württemberg und dem Departement Haut-Rhin zu Absprachen treffen. «Die Zusammenarbeit verläuft seit Jahren ganz erfolgreich», sagte der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr.

Und Erfolge sind wohl zu verzeichnen: So fasste die deutsche Polizei dank der Basler Kollegen kürzlich jugendliche Autoknacker, die mehrere Navigationsgeräte geklaut hatten. Und die französische Gendarmerie machte Anfang Jahr eine Bande dingfest, die jede Nacht von Frankreich aus auf Raubzug ging und unter anderem eine Schweizer Apotheke um 15’000 Franken erleichterte.

Frankreich bleibt grösste Hürde

So bleibt insbesondere die Zusammenarbeit mit den französischen Behörden die grösste Hürde. Erschwerend zur Sprache kommt hinzu, dass zwei Polizeiorganisationen zuständig sind: Die Gendarmerie für die ländlichen Bereiche und die Police National für die Städte und grenzpolizeiliche Aufgaben. Der stellvertretende Leiter der Gendarmerie Haut-Rhin, Patrick Kessler, sagt offen: «Es gibt noch viel zu tun.»

Oft würden ihre eigenen Polizisten zu wenig über die Arbeitsweisen der ausländischen Kollegen wissen und die Sprache sei weiterhin eines der grössten Hemmnisse. Und viele französische Projekte der Zusammenarbeit würden intern zusätzlichen Anschub benötigen, ohne den sie in den Mühlen französischer Administration untergehen würden. 



Die Sprachbarriere war auch an der Medienkonferenz im Dreiländereck da. Die Referate wurden simultanübersetzt, da nicht alle Anwesenden Deutsch und Französisch sprachen.

Die Sprachbarriere war auch an der Medienkonferenz im Dreiländereck da. Die Referate wurden simultanübersetzt, da nicht alle Anwesenden Deutsch und Französisch sprachen. (Bild: Nils Fisch)

Noch also ist im Dreiländereck trotz wachsender Zusammenarbeit das Netz für Verbrecher weit genug, um zwischen Paragrafen, Sprachbarrieren und Landesgrenzen entwischen zu können. Eine weitere Abhilfe soll die geplante Neuauflage eines internationalen Formulars der drei Länder schaffen: Das Formular kann mit Textbausteinen so zusammengesetzt werden, dass auch Polizisten, die des Französischen nicht mächtig sind, ihren anderssprachigen Kollegen zeitnah die wichtigsten Informationen zukommen lassen können, was laut den Verantwortlichen durchaus ein grosser Gewinn sei.

Und immerhin haben die französischen Gendarmen den festen Willen markiert, die Zusammenarbeit ihrerseits zu forcieren. Auch wenn der zuständige Gendarmen-Oberstleutnant Patrick Kessler nach eigener Aussage derzeit der einzige Polizeioffizier in seinem Stab ist, der fliessend Deutsch spricht.

Konversation

  1. Warum bekommen die Polizisten keinen Französischunterricht? Sprachen kann man in jedem Alter lernen und/oder auffrischen. Alle haben in der obligatorischen Schulzeit Französisch gelernt.

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