Prämienverbilligungen treiben Sozialkosten in die Höhe

Die Sozialkosten im Kanton Basel-Stadt sind um drei Prozent auf 656 Millionen Franken angestiegen. Mit Abstand am meisten Geld muss nach wie vor für Beiträge an die Krankenkassenprämien aufgewendet werden.

Prämienverbilligungen treiben die Basler Sozialkosten in die Höhe.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Sozialkosten im Kanton Basel-Stadt sind um drei Prozent auf 656 Millionen Franken angestiegen. Mit Abstand am meisten Geld muss nach wie vor für Beiträge an die Krankenkassenprämien aufgewendet werden.

Mehr als jeder vierte Basler kann sich die Krankenkassenprämien nicht aus dem eigenen Einkommen heraus leisten. Das geht aus der ausführlichen Sozialberichterstattung des Kantons Basel-Stadt hervor. Demnach haben im Jahr 2016 über 51’000 Einwohnerinnen und Einwohner Prämienverbilligungen in der Höhe von insgesamt 194 Millionen Franken bezogen. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese Zahl schliesst aber die bereits finanziell benachteiligten Bezüger von Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe mit ein. Aus der restlichen Bevölkerung verbleiben rund 27’000 Bezüger von Prämienverbilligungen.

Relativ stark angestiegen sind 2016 auch die Mietzinsbeiträge an Familien. Sie stiegen um 6 Prozent auf 10,1 Millionen Franken an. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Anzahl der betroffenen Haushalte von 200 auf über 2000 an. Das entspricht 2 Prozent aller Haushalte oder 11 Prozent der in Basel wohnhaften Familien. Diese bezogen mit weniger Ausnahmen auch noch weitere Sozialhilfeleistungen – in zwei Dritteln der Fälle handelte es sich um Prämienverbilligungen, in einem Drittel um mehrere weitere Sozialhilfeleistungen.

Der starke Anstieg der Mietzinsbeiträge in den letzten zehn Jahren ist allerdings auch eine Folge von zwei Revisionen des Mietbeitragsgesetzes, die den Kreis der Bezugsberechtigten ausweiteten. 

Zahl der eigentlichen Sozialhilfebezüger relativ konstant

Die eigentliche Sozialhilfequote in der Basler Bevölkerung stieg von 6,7 auf 6,9 Prozent nur gering an. 2016 bezogen 12’004 Menschen in Basel Sozialhilfe in der Höhe von 156 Millionen Franken. Mit 10,2 Prozent war die Sozialhilfequote bei den jungen Erwachsenen und mit 10,4 Prozent bei der ausländischen Bevölkerung höher als im Durchschnitt. Im Zehnjahresvergleich blieb die Anzahl der Sozialhilfebezüger relativ konstant.

Eine auffällige Steigerung um 23 Prozent war 2016 bei den jungen Menschen zu beobachten, die vom Kinder- und Jugenddienst betreut wurden. In absoluten Zahlen waren dies 2862 Kinder und Jugendliche. Massiv zugenommen haben vor allem die Meldungen in den Kategorien «Krankheit oder Behinderung des Kindes» und «Erziehungsprobleme». Laut Bericht ist dies eine Folge der 2016 erstmals erfassten Meldungen beim Zentrum für Frühförderung.

Noch ein paar weitere Zahlen: Ergänzungsleistungen zur AHV wurden von gut 7800, solche zur IV von gut 7000 Personen in Anspruch genommen. Des Weiteren wurden 2062 Stipendien vergeben, 3570 Kinder nahmen einen subventionierten Tagesbetreuungsplatz in Anspruch (bei einem Total von 4200 Kindern).

Konversation

  1. @ Fritz Weber: Dieses Land würde ich nicht gerade behaupten, sondern eher im Kanton Basel Stadt wird man kräftig zur Kasse gebeten. Ich habe mal für kurze Zeit im Kanton gelebt. Jetzt wohne ich im Aargau (ich arbeite auch dort und bin somit den Linken entgegen gekommen, denn ich Pendle nicht). Meine Steuerlast ist im Vergleich zu Basel ca. 3500 CHF günstiger. Die Autoversicherung kostet nur noch 2/3 von Basel, obwohl ich jetzt ein schwereres Auto, mit viel mehr Hubraum und über doppelter PS Zahl habe. Ach ja, die Krankenkasse ist noch heute (5 Jahre später) trotzdem gute 90 CHF günstiger, pro Monat natürlich.

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  2. Mit kontinuierlich steigenden Prämienverbilligungen verkommt die Grundversicherung zusehends zu einer einkommensabhängigen Versicherung – ein Umstand, der insbesondere in Basel-Stadt wohl nicht nur auf Widerstand stossen dürfte…

    In meinen Augen sollte es aber nicht so sein, dass ständig mehr Geld in die Prämienverbilligungen gepumpt wird, sondern das Übel an der Wurzel gepackt wird. Ich frage mich immer wieder, wieso sich die Bevölkerung das gefallen lässt und die unaufhaltsam steigenden Kosten einfach so akzeptiert.

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    1. Nunja der stetige Ausbau der medizinischen Leistungen führt letztlich zu dieser Kostenexplosion. Die Frage ist also wann die Bevölkerung bereit ist eine Leistungsbegrenzung in der Gesundheitsversorgung zu akzeptieren. Dann folgt eine Begrenzung der Kosten automatisch.

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    2. @Frodo
      Wir alle wollen nur das Beste, egal was es kostet. Wenn Sie krank sind oder es zu meinen scheinen interessieren die Kosten nicht. Man will einfach die beste Hilfe/Betreuung.
      Sterben will auch niemand also will man auch bis zum letzten Atemzug alles versuchen um seinen Körper am Leben zu erhalten.
      Auch die Ärtzte Lobby ist dafür besorgt dass ihre Mitglieder sich mit ihrem Lohn ein angenehmes Leben leisten können.
      Wie oft will der Arzt sie nichmals sehen auch wenn sie schon wieder gesund sind?
      Würde nicht im Nationalrat vor einiger Zeit die Ärztezulassungsbeschränkung aufgehoben?

      Und nicht wegzuleugnen, wir alle werden immer älter, das schliesst aber nicht unbedingt ein dass wir diese Jahre in bester Gesundheit verbringen und entsprechend auf die Kosten drückt.

      Die (gerechte) einkommensabhängige Versicherung ist leider ein Wunschtraum, dafür werden unsere (gewählten) Politiker schon besorgt sein.
      Löhne zu beziehen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben, ist ok. Aber dann auch die entsprechenden Beiträge zu bezahlen ist natürlich eine ganz andere Sache, das geht natürlich nicht.

      Leider müssen wir uns darauf gefasst machen, dass wir früher oder später eine zwei oder drei Klassengesellschaft haben. (Ist ja z.Teil schon so bei Altersheimen, Pflegeheimen).
      Wie auch sonst im Leben.

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  3. @Esther – einige Reiche haben ihren Reichtum selbst und ehrlich verdient. Diesen sei er gegönnt. Und dann ganz viel Normalverdiener.

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  4. @Cesna
    Da sind Ihnen wohl vernünftige Argumente ausgegangen.
    Für meinen Teil, unterscheide ich zwischen schützenswerten Gebäuden, die erhalten werden sollen, und Bauten, die weder ökonomisch noch ökologisch, und schon gar nicht vom Stadtbild her, eines Schutzes bedürfen. Oft werden diese Objekte nämlich auch gezielt benützt, um sozial schwächere Personen aus der ganzen Region, in die Stadt abzuschieben. Wie auch immer: Jemand wird immer dafür bezahlen müssen, aber sicher nie die Leute, die sich gegen jedes Projekt stellen.

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    1. @ Hr. Schmid:
      Nee mein Lieber!
      Hier, im Artikel, wie in den Kommentaren wird aus einem eigenetlich menschlichen Problem ein Geldproblem gemacht, bzw. der Mensch an seinem Einkommen gemessen und der, der halt nicht genug hat, irgendwie als was …. beschrieben, was vor 70 Jahren mal stubenrein war.
      Auch die Leute, die nicht arbeiten, die nicht genug verdienen, wollen arbeiten, daher ist es eigentlich eine tiefe Unanständigkeit, sie nur über ihren zu kleinen Geldbeutel zu definieren.
      Nirgends in dem Artikel, wie in den Kommentaren steht etwas von einer menschlichen Grundethik, die auch eine Existenz bestätigt, wenn halt auch nicht genug Geld da ist.
      So irgendwas wie die Bergpredigt muss weit weggeflogen sein aus den Köpfen der Leute, Christ ist man nur noch sonntags zwischen 10 und 11 Uhr.
      Naja, von Montag bis Freitag kann man dem Mammon huldigen, was eben obige Artikel auch erzeugt. Dass der mammon selber Arbeitsplätze frisst und die Lebensqualität mittels Extremteuerung veröden lässt, scheint man nur homöopathisch ganz langsam zu verstehen. … da muss wohl noch mittels Schütteln viel mehr potenziert werden.

      Die Glosse von mir ist daher die letzte Konsequenz eines ethikfreien Verhaltens, mit ausschliesslich obig beschriebener finanzieller Vorstellung, halt zu Ende gedacht.

      Die ethische Schäbigkeit betrifft nicht nur die oben beschriebene Stadt, sondern, wie Sie selber sagten, auch das Umland, dass hier herumschmarotzert. Eigentlich sollte Basel bis Laufenburg reichen. Dann wäre diese Thematik nämlich vom Tisch.
      Nach dem Motto: Wer seine Unwillkommenen abschiebt, wird von Basel geschluckt.

      Dass es da 5 Faule im Land hat, ist der Preis, den ich gerne zahle, weil damit eben auch die Freiheit und die hohe Zivilisationsstufe verbunden ist.

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  5. @Hr. Schmid:
    Sie haben völlig Recht:
    Da muss was Wesentliches geschehen!
    – Weg mit den alten Hütten auf dem Basler Münsterhügel, da müssen edle statusangepasste Terrassensiedlungen hin!
    – Vor das Messehotel in Basel gehört ein ordentlicher Yachthafen, nein nicht so was Lüttes, wie überall, sondern sowas, wo auch die Dreissigmeter-Modelle noch gut Platz haben.
    – Tennisplätze, Golf-Greens und ein Vergnügungspark dahin, wo nur die Leute heute wohnen.
    – Die alte Kaserne durch ein anständiges Spielcasino ersetzen.
    – Breite Boulevards ermöglichen ordentliche Strassenrennen wie in Monaco.
    – Die Billigshops wie Coop, Migros können lückenlos durch Gucci-, Rolex und ähnliche Filialen ersetzt werden.
    – Zwei Kilometer Sandstrand, schneeweis ist das Mindeste auf Kleinbasler Seite!
    – Drum herum eine hohe Mauer, damit die Edlen-Urbanisation auch nicht durch niederes Pöbel gestört wird.

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  6. @Esther: die Welt besteht nicht nur aus Arm und Reich. Dazwischen gibt es sehr sehr viele andere welche hart dafür arbeiten was sie haben und zumindest in diesem Land kräftig zur Kasse gebeten werden!

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  7. Sie erklären uns aber sicher noch, was «unnötige Luxusmedizin» alles so umfasst (nur der guten Ordnung halber).

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