Rechts gegen Links – warum SVP-Mann Nägelin so stark abschneidet

SVP-Kandidat Lorenz Nägelin geht überraschend stark in die Endphase des Basler Regierungswahlkampfs, die Grüne Elisabeth Ackermann schwächelt. Trotzdem liegt der Vorteil noch auf ihrer Seite.

Versucht es noch einmal: Lorenz Nägelin, SVP-Grossrat und Kadidat für die Regierung.

(Bild: Roland Schmid)

SVP-Kandidat Lorenz Nägelin geht überraschend stark in die Endphase des Basler Regierungswahlkampfs, die Grüne Elisabeth Ackermann schwächelt. Trotzdem liegt der Vorteil noch auf ihrer Seite.

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Wer hätte das gedacht – vermutlich nicht mal er selber. Lorenz Nägelin, SVP-Politiker und Kandidat fürs Regierungsamt, liegt Kopf an Kopf mit seiner grünen Widersacherin Elisabeth Ackermann.

Vor vier Jahren noch blieb Nägelin in der Regierungswahl meilenweit hinter dem absoluten Mehr zurück, jetzt liegt der Erfolg in Griffweite. An der Parlamentarierreise vor ein paar Wochen witzelte Nägelin im Zug noch, Bern sei eine so schöne Stadt, er könne sich vorstellen, nach dem 23. Oktober dorthin zu übersiedeln.

Jetzt ist es plötzlich gar nicht so unwahrscheinlich, dass Nägelin nach dem Wahltag in Basel noch gebraucht wird. 40 Prozent der Basler Wähler würden ihm – Stand Anfang September – ihre Stimme geben. Der linientreue SVP-Politiker ist akzeptierter Teil des bürgerlichen Vierertickets.

Die Strategie von Wahlkampfmanager Joël Thüring, Nägelin als freundlichen, politisch harmlosen Zeitgenossen bei jeder sich bietenden Gelegenheit neben den etablierten Cramer, Dürr, Engelberger antreten zu lassen, ist bislang aufgegangen: Die bürgerlichen Wähler akzeptieren den SVPler grossmehrheitlich als einen der ihren.

«Viererticket funktioniert»

Entsprechend zufrieden ist Thüring mit dem Resultat: «Die Umfrage zeigt, dass das Viererticket tatsächlich funktioniert.» Jetzt müsse noch stärker an der Geschlossenheit des Päckchens gearbeitet werden. «Wir müssen allen Wählern, vor allem jenen der CVP, klar machen, dass nur eine Stimme für Nägelin die linke Elisabeth Ackermann verhindern kann.»

Bei drei von vier Anhängern der LDP und FDP verfängt die Person Nägelin – oder zumindest der taktische Plan dahinter, dass nur mit dem SVP-Mann ein Machtwechsel nach rechts gelingen kann. Schlechter schneidet der 49-Jährige bei der CVP ab: Nur jeder zweite Wähler der Mittepartei wünscht sich Nägelin ins Amt, hier steckt noch Potenzial. 

Andrea Strahm, Präsidentin der Basler CVP, trifft eine andere Einschätzung: «Wir sind auf dem richtigen Weg. Man darf nicht vergessen, dass die CVP eine linkere Wählerschaft hat als LDP oder FDP.» 

Mit gravierenderen Akzeptanzproblemen hat Nägelins Kontrahentin Elisabeth Ackermann zu kämpfen. Jeder vierte Sozialdemokrat verweigert ihr die Stimme – und selbst auf dem ureigenen Terrain ist sie nicht unumstritten. Hier dürften ihr vor allem Anhänger der linken Partnerpartei BastA! den Zuspruch verweigern. Gelingt es Ackermann nicht, wenigstens die eigenen Reihen hinter sich zu schliessen, wird sie die Wahl nicht schaffen.

Schwächelnder Support der SP

Ackermann ist bislang verhalten in diesem Wahlkampf unterwegs. Ähnlich wie Nägelin mit durchschnittlichen rhetorischen Fähigkeiten ausgestattet, war ihr wichtigstes Argument für eine Wahl, dass es eine grüne Stimme in der Regierung brauche. Angesichts des fortschreitenden Niedergangs der Mutterpartei eine zweifelhafte Taktik. Mit zunehmender Dauer des Wahlkampfs dürfte die Botschaft wechseln: Ackermann wählen, SVP verhindern. 

Ackermann stellt mit Blick auf den schwächelnden Support der Sozialdemokraten eine deutliche Forderung auf: «Jetzt muss allen klar sein, was es geschlagen hat. Jetzt brauchen wir jede Stimme, um den Einzug der SVP in die Regierung zu verhindern und die rot-grüne Mehrheit zu sichern.»

Was sich schon jetzt voraussagen lässt: Der siebte Sitz in der Basler Regierung wird erst im zweiten Wahlgang vergeben. Dann gewinnt im Kopf-an-Kopf-Rennen, wer stärker mobilisieren kann. Hier liegt der Vorteil derzeit eher bei Elisabeth Ackermann. Nägelin muss dann die Wähler von FDP, CVP und LDP, die ihre Leute bereits im Ziel haben, überzeugen, nochmals an die Urne zu gehen. Bei Rot-Grün dürfte der drohende Machtverlust den benötigten Schrecken verbreiten.

Zumal in der zweiten Runde womöglich ein SP-Mann nochmals ran muss: Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels schafft die Wahl derzeit nicht. Für Wessels und Rot-Grün ein wenig peinlich – für die grüne Elisabeth Ackermann aber vielleicht die Rettung in der Not.

Konversation

  1. Stimme Ihnen voll zu. Was ist nur mit deren Stimme los? An der vielen Kreide, die die Beiden gefressen haben, kanns ja wohl nicht liegen!

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  2. @kurz
    … die marionette mag ja niedlich sein –
    der grosse strippenzieher
    (unser alpenberlusconi minus bungabunga) bleibt dabei wie somm ein
    bekennender basel-verächter
    und exquisiter grobmotoriker (den’s folgerichtig aus dem bundesrat wieder weggebeamt hat – daran kaut der jetzt endlos bis desaströs).
    nix für basel.

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  3. Wenn dieser Herr Nägelin so stark sein sollte wie kolportiert wird, dann muss doch ein anderer Bürgerliche der Verlierer sein, oder? Da werden sich die anderen Bürgerlichen Kandidaten und Parteien schon überlegen, ob sie noch alle vom so genannten Vierertickets unterstützen wollen. Da ist sich doch jeder der Nächste, das kennen wir doch von früher. Wetten?

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  4. Früher gab es mal den Landsting der Unabhängigen. Dem wurde auch vorgeworfen, zu unkonventionell, realitätsfremd und ich weiss nicht was zu sein. Aber es ist genau dieses „Salz in der Suppe“, das dann den verwässerten Mix aus der Politküche am Schluss noch geniessbar macht! Mit Heidi Mück sehe ich eine Person, die sich seit bald 30 Jahren unermüdlich für ihre Überzeugungen und gelebte Menschlichkeit einsetzt: tausendfach als Frau und Aussenseiterin mit Dreck beworfen, und immer noch ohne Schnörkel und Cüpli oder sonstigem Firlefanz dastehend, mit ihrem ansteckenden Lächeln. Sie hat ja eine ganz biedere Biographie, wohnt schon ewig mit demselben Mann in derselben Wohnung in demselben Quartier, für welches sie sich nach wie vor einsetzt wie kein anderer. Die Söhne erfolgreich ins Berufsleben begleitet, einfach alles in Kontinuität und Gelassenheit. Und so können die armen Medien sich hier nicht vollsaugen mit Stories über Drogen, Exzesse und sonstige chaotische Verhältnisse, welche sie gewöhnlich solchen Einzelkämpferinnen gerne anhängen, weil es sachlich nichts zu husten gibt ausser dem Pauschalvorwurf „allzu links“ zu sein. Wobei wir wieder beim Salz in der Suppe wären: das schmeckt unverdünnt auch scheusslich, ist aber schlicht lebensnotwendig für ein gesundes Leben 🙂

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    1. @Brigitte Wenger
      Einverstanden, sehr treffend beschrieben.
      Aber die Realität mit dem Salz ist leider nicht so einfach.

      Einige,sei es aus ideologischen, gesundheitlichen oder was auch immer für Gründen, verzichten vollkommen auf Salz und essen eher fadlos.
      Auf der andern Seite gibt es diejenigen, die das Essen schon mit Salz bestreuen bevor sie es probiert haben.

      Wer sagt uns jetzt was die richtige Salzstärke ist, resp. wie muss die Suppe schmecken?

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    2. @Roland Stucki

      Das Problem mit dem Salz ist weniger die Menge, als dessen Qualität. Das normal verwendete Speisesalz ist reines Natriumchlorid, alle andern Bestandteile des ursprünglichen Salzes wurden entfernt. Das Natriumchlorid, isoliert und in üblichen Mengen konsumiert, wirkt auf Dauer zerstörerisch auf den Organismus. Bei Heidi Mück handelt es sich eben gerade NICHT um ein solchermassen isoliertes Element!

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  5. Man möchte fast meinen diese seine Partei wünscht sich Anschläge auch in Basel herbei, nur damit sie diese Terrorplakate rechtfertigen könnten… Ich schäme mich einmal mehr, wenn ich meinen Freunde aus aller Welt diese Plakate erklären soll…

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  6. Ich finde es „daneben“, wenn die TAGESWOCHE anhand von Wahlumfragen schon festlegt, wer gewinnt und wer verliert. Nochmals es handelt sich um eine Wahlumfrage, welche schon heute nicht mehr aktuell ist. Auch sollte es die TAGESWOCHE unterlassen, Wahlerfolge für die SVP schon heute zu vermelden. Wenn dies wirklich der Fall sein sollte, erfahren wir dies noch früh genug.

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  7. Wessels ist ja schliesslich auch an allen lästigen Baustellen der Stadt schuld…

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