Schwerer Tramunfall in Münchenstein

In Münchenstein ist in der Nacht auf Donnerstag ein Tram der Linie 10 entgleist und in ein Haus gerast. Sechs Personen wurden dabei verletzt.

Das Tram der Linie 10 nach der Entgleisung in Münchenstein. (Bild: Renato Beck)

In Münchenstein ist in der Nacht auf Donnerstag ein Tram der Linie 10 entgleist und in ein Haus gerast. Sechs Personen wurden dabei verletzt.

Das Tram der Linie 10 entgleiste in der Nacht auf Donnerstag um 23.30 Uhr auf Höhe der Tramstrasse direkt nach der Haltestelle Münchenstein Dorf. Es fuhr in von Münchenstein kommend in Richtung Arlesheim. Laut Auskünften der Einsatzkräfte wurden sechs Personen leicht bis mittelschwer verletzt.

Das Schadensbild vor Ort ist beträchtlich. Der vordere Wagen des Tramzugs steht quer über den Schienen und der Zufahrtstrasse, die Führerkabine steckt in der Hauswand eines Anwohners. Der hintere Wagen steht auf der falschen Spur. Auf dem Dach des Trams liegt ein geknickter Leitungsmast, der laut Augenzeugen vom Tram nach der Entgleisung umgemäht wurde. Schwere Schäden sind auch an einem parkierten Auto sichtbar, das offenbar von einem durch das Tram mitgerissenen Kanaldeckel getroffen wurde.

Wie durch ein Wunder wurde kein Passant oder Anwohner verletzt. Riesenglück hatte laut eigenen Aussagen der betroffene Hausbesitzer – trotz der materiellen Schäden an seiner Fassade: «Ich wollte nach dem FCB-Spiel mit meinem Hund spazieren gehen. Dann sah ich, wie mir ein Tram entgegen kommt. Nicht auf der Schiene. Auf der Strasse! Es donnerte in meine Richtung. Ich rannte, so schnell ich konnte.» Zum Zeitpunkt des Unfalls befanden sich im Wohnhaus drei Personen, im Tram mehrere Dutzend.

Die Wucht des Aufpralls muss immens gewesen sein. An der Unfallstelle fahren die Trams mit bis zu 60 Stundenkilometern. Das Tram schlitterte 20 Meter über den Asphalt, bevor es in der Hauswand zum Stillstand kam. «Es gab einen mächtigen Knall wie nach einer Explosion», schildert ein direkter Anwohner, «danach waren nur noch Rauch und Blitze von der umgeworfenen Stromleitung zu sehen. Die meisten Passagiere konnten aber die Wagen sehr rasch verlassen.» Unverletzt blieb offenbar auch der Tramführer.

Über die Unfallursache herrscht noch Unklarheit, eine Untersuchung wurde eingeleitet. Ein Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr war in der Nacht mit der Spurensicherung beschäftigt. Spätnachts traf auch eine Untersuchungskommission des Bundes am Unglücksort ein. Die Aufräumarbeiten gestalten sich nach Angaben der Polizei als schwierig und sind noch nicht abgeschlossen. Die Tramlinie zwischen Arlesheim und Basel-Dreispitz ist bis auf Weiteres unterbrochen. Die Polizei will heute fortlaufend informieren.

Laut Aussagen von Anwohnern könnte ein Fehler bei einer Weiche zum Unfall geführt haben. Unmittelbar vor der Unglücksstelle liegt ein Kehrkreisel. Gesicherte Erkenntnisse liegen noch nicht vor. Auch zur Höhe der Schadenssumme gibt es bis anhin nur Spekulationen. Die Baselbieter Polizei geht von mehreren 100’000 Franken aus.

Artikelgeschichte

3.11.11, 8.45: Artikel nach einer Meldung der Baselbieter Polizei überarbeitet.

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