Sieben Antworten vor dem 19. WM-Spieltag

Wird Deutschland Weltmeister? Droht der Schweiz eine Hitzeschlacht? Und wer hat eigentlich das Elfmeterschiessen erfunden? Fragen über Fragen – wir haben die Antworten.

Wird Deutschland Weltmeister? Droht der Schweiz eine Hitzeschlacht? Und wer hat eigentlich das Elfmeterschiessen erfunden? Fragen über Fragen – wir haben die Antworten.

Deutschland hat Algerien mit bekannten deutschen Tugenden eliminiert und sogar noch 30 Extraminuten Spielpraxis gesammelt. Alles wunderbar also im grossen Kanton?

Eigentlich schon. Wenn bloss nicht diese nervigen Journalisten wären. Per «Das ist mir völlig Wurscht» Mertesacker redet nach dem Schlusspfiff Klartext.

Vom gestrigen Spiel bleibt aber vor allem der Auftritt von Manuel Neuer in Erinnerung. Bereits während des Spiels hat ihn die Netzgemeinde™ zu einer Art Kultfigur geadelt.

Ach ja, und dann war da natürlich noch diese geniale Freistossvariante. Es gibt wenig, was diese Deutschen nun noch vom Titel abhalten kann. Genau genommen eigentlich nur noch alle anderen Viertelfinalisten.

Hitzeschlacht oder Regenspiel – was erwartet die Schweizer Nationalmannschaft heute in Sao Paulo?

Weder noch. Der Wetterdienst unseres Vertrauens, meteoblue.com, meldet:

In der Nacht und am Morgen werden einzelne Wolken erwartet, die sich nachmittags auflösen. Die Sonne kann sich tagsüber durchsetzen. Die Temperaturen erreichen Tageshöchstwerte um 21°C und sinken in der Nacht auf 9°C. Über den gesamten Tag weht eine mässige Brise. Es werden Windgeschwindigkeiten bis zu 20km/h erreicht. Der Wind kommt nachts sowie morgens aus Nord-West und nachmittags aus Westen.

Kam die Schweizer Nationalmannschaft schon mal so weit bei einer Fussball-Weltmeisterschaft?

Aber hallo! Das ist erst acht Jahre her, war dann allerdings eine glatte Enttäuschung. WM 2006, Achtelfinal in Köln, Schweiz-Ukraine, nullzunull nach 120 Minuten. Nach bis heute nicht widerlegten Urteilen das mieseste Spiel beim ansonsten verklärten Sommermärchen, und obendrein das mieseste Elfmeterschiessen der Schweizer Nationalmannschaftsgeschichte, von denen es in der WM-Geschichte auch nur ebendieses gab. Kein einziger Elfmeter wurde verwandelt, bei 3:0 für die Ukraine war Schluss.

Dieses Elfmeterschiessen und sechs andere, auch schöne WM-Momente haben wir für Sie in unserer Listomania bereits anlässlich der Gruppenauslosung versammelt: «7 unvergessliche Schweizer WM-Momente»

Wer hat eigentlich das Elfmeterschiessen erfunden und wie oft gab es das schon bei Weltmeisterschaften?

Costa Rica und Griechenland (5:3) lieferten sich am Montag das 24. Elfmeterschiessen an einer WM. Zwei Elfmeterschiessen in den Achtelfinals der Endrunde (ausserdem: Brasilien–Chile 3:2) gab es vorher noch nie!

Elfmeterschiessen gibt es erst seit 1982, und die Vorgeschichte ist eine vom Kampf gegen Ungerechtigkeit, geführt von einem Schiedsrichter, einem deutschen. Deshalb wundert es auch gar nicht, dass Deutschland die WM-Elfmeterschiessen-Bilanz mit einem makellosen Dossier von 4:0 anführt, gefolgt von Brasilien und Argentinien die jeweils drei Elfmeterschiessen gewonnen und eines verloren haben. Die schlechtesten Nationenteams: Italien (1:3), Mexiko, Rumänien (je 0:2) und England (0:3), das obendrei noch zwei EM-Elfmeterschiessen versemmelt hat (1996, Halbfinal gegen Deutschland, 5:6, und 2004, Viertelfinal gegen Portugal, ebenfalls 5:6).

Zum Erfinder: Karl Wald war ein gelernter Friseur aus dem oberbayerischen Penzberg und Schiedsrichter, und in den Sechziger Jahren verstärkte sich bei ihm das Gefühl: «Siege per Münzwurf, das waren keine Sieger, das war gar nichts! Dermassen ungerecht war das!»

1970 legte er beim zwölften Schiedsrichter-Verbandstag des Bayerischen Fussball-Verbandes in München seine revolutionäre Idee vor. Wie man das bis zum heutigen Tag vom Schiedsrichterwesen im Speziellen und von den Sachwaltern des Fussballs im Allgemeinen immer noch zur Genüge kennt, dauerte es ein bisschen, bis sich der Vorstoss konkretisierte. 47 Sondersitzungen der Regelkommission des Weltverbandes sind dokumentiert, dann war es soweit, wurde 1982 zum ersten Mal an einer WM ein K.o.-Spiel durch Elfmeterschiesen entschieden: Der dramatische, tragische Halbfinal Deutschland–Frankreich (Schumacher! Battiston!! 3:3 nach Verlängerung). Deutschland gewann 5:4.

Karl Wald hat der Fussball-Welt eine, wie die «Süddeutsche Zeiutung» schreibt (online nicht verfügbar), «ganz neue Dimension von Dramatik beschert». Nur der Schauspieler Peter Ustinov fand das doof: «Das ist, als würde ein grosser Krieg nicht mit einem geistigen Kräftemessen am Konferenztisch beendet, sondern mit einer Partie russischem Roulette zwischen ausgewählten Gefreiten auf beiden Seiten.»

An Karl Wald, der 2011 im Alter von 95 Jahren gestorben ist, erinnert eine Website: «Willkommen beim Erfinder des Elfmeterschiessens»

Mal noch eine ganz andere Frage: Wieso gibt es eigentlich keine Frauen als Trainerinnen im Profifussball? Umgekehrt trainieren ja auch Männer Frauen-Mannschaften.

Tja, die Rolle von Frauen im Fussball ist oftmals noch darauf beschränkt, als Mikrofonhalterin im Fernsehen vor allem eine gute Figur abzugeben. Item. Was im Vorgang dieser Männer-WM fast ein bisschen untergegangen ist: Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft hat sich jüngst erstmals qualifiziert für eine WM-Endrunde (2015 in Kanada), unter der deutschen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg (selbst mal Vize-Weltmeisterin).

Just in dieser Woche tut sich aber Erstaunliches: Corinne Diacre nimmt ihre Arbeit als Trainerin des französischen Zweit-Divisionärs Clerment-Foot 63 auf. Bei den Männern, wohlgemerkt. Die kurzfristig realisierte Verpflichtung der ehemaligen französischen Nationalspielerin hat jedoch eine Vorgeschichte mit Beigeschmack. Denn vor sechs Wochen war die Portugiesin Helena Costa als Trainerin in Clermont-Ferrand vorgestellt worden.

Costa, Ausbildnerin bei Jugendteams von Benfica Lissabon und zuletzt Trainerin der Frauen-Nationalmannschaften von Katar und Iran, machte einen Rückzieher, nachdem der Club Transfers ohne ihr Plazet getätigt und das Vorbereitungsprogramm ohne ihr Einverständnis aufgestellt hatte.

Costa erklärte ihren Rückzug offiziell mit «persönlichen Gründen», der «Guardian» berichtet jedoch dezidierter: Sie habe das Gefühl gehabt, lediglich das Gesicht für den Club aus dem Zentralmassiv abgeben zu sollen ohne Kontrolle und Macht innerhalb des Clubs. Macht nichts, sagte sich wohl Clubpräsident Claude Michy und erklärte dem Radiosender «Europe1» die Verpflichtung von Corinne Diacre damit, er habe unbedingt einer Frau eine Chance geben wollen: «Die Welt verändert sich, und Sachen anders zu machen, das macht das Alltägliche interessanter. Es ist ein Luxus, solche Entscheidungen treffen zu können.»

Wir werden den weiteren Fortgang die Geschichte mit Interesse verfolgen.

Corinne Diacre, erste Frau als Trainerin eines Profi-Fussballteams.

Corinne Diacre, erste Frau als Trainerin eines Profi-Fussballteams.

Welche Informationen aus der Fifa-Pressemappe werde ich heute garantiert vom TV-Kommentator meines Vertrauens vorgelesen erhalten?

  • Die Schweiz hat gegen Argentinien noch nie gewinnen können. In sechs Partien gab es vier Niederlagen und zwei Unentschieden. Zuletzt gab es im Februar 2012 in Bern ein 3:1 für Argentinien nach einem Dreierpack von Messi.
  • Mit dem 2:1 gegen Ecuador in der Vorrunde hat die Schweiz den Bann gebrochen: Es war der erste Sieg an einer WM gegen ein Team aus Südamerika.
  • Belgien bestreitet gegen die USA das 40. WM-Spiel.
  • Die USA haben eine miserable WM-Bilanz gegen europäische Gegner. In 20 Spielen gab es gerademal drei Siege und fünf Unentschieden.
  • Bisher haben die Belgier an dieser WM nie vor der 70. Minute getroffen.
  • Die beiden Trainer, Marc Wilmots und Jürgen Klinsmann, sind bereits als Spieler aufeinander getroffen: 1991 in der EM-Qualifikation, als Deutschland Belgien mit 1:0 besiegte. An der WM 1994 in den USA standen sich die Teams im Achtelfinal wieder gegenüber. Während Klinsmann das 2:1 zum 3:2-Sieg beisteuerte, sass Wilmots bei den Belgiern nur auf der Bank. 

Jetzt aber Butter bei die Fische: Wie gehen die Spiele heute Abend aus?

Das ist einfach: Gemäss unserem Razinger-Index gewinnt Argentinien gegen die Schweiz mit 2:0, Belgien schlägt die USA mit 1:0.

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