Sieben Antworten vor dem 6. WM-Spieltag

Wo sind die Autofähnchen geblieben? Verdienen die Trainer eigentlich genug? Und wie wird man Geheimfavorit? Fragen über Fragen – wir haben die Antworten. Und wir legen eine Gedenkminute für Krake Paul ein.

Krake Paul, Fussball-Orakel des Sea Life in Oberhausen/D bei der WM 2010. (Bild: Roland Weihrauch)

Wo sind die Autofähnchen geblieben? Verdienen die Trainer eigentlich genug? Und wie wird man Geheimfavorit? Fragen über Fragen – wir haben die Antworten. Und wir legen eine Gedenkminute für Krake Paul ein.

Wo sind eigentlich die ganzen Autofähnchen und Rückspiegel-Überzieher geblieben, die uns 2010 noch im Strassenbild begleitet haben?

Tja, gute Frage. Vielleicht liegts an den Risiken und Nebenwirkungen, aber wahrscheinlich sind wir in Deutschland auf der richtigen Spur:

Wie es richtig geht:

Der neue Trend kommt aus der Schweiz:

Was war eigentlich mit Cristiano Ronaldo los?

Hat Ihnen Cristiano Ronaldo auch ein bisschen leid getan bei der 0:4-Klatsche Portugals gegen Deutschland? Nicht? Das ist recht herzlos, aber was soll man anderes erwarten, jetzt, wo es in Brasilien um alles geht. Wobei: Hans-Ulrich Gumbrecht lehrt uns in seinem Essay für den «Tagesanzeiger», dass im Sport der Sieg nicht entscheidend ist. Oder:

In seiner Poetik der Tragödie hat Aristoteles mit spürbarem Erstaunen die ihm paradoxal scheinende Erfahrung erwähnt, dass sich die Zuschauer – unter der Bedingung von ‘Interesselosigkeit’ oder ‘ästhetischer Autonomie’ – auch an dem anscheinend widrigen Schicksal ihrer Helden erfreuen können.

Zugegeben: Das ist schwerere Kost als Oli Kahn im ZDF oder Rainer-Maria Salzgeber im SRF, aber dieser Freistoss von Ronaldo (WeltfussballerTM) gegen die Deutschen (genauer gesagt: den kleinsten Deutschen) hatte auf jeden Fall was von tragisch-komischem Scheitern:

 

Oder, wie die «Süddeutsche Zeitung» festhält:

Im Leben des Cristiano Ronaldo kann nichts gross genug sein. Die Muskeln seines Oberkörpers, die Brillis in seinem Ohr, die Anzahl der Tore pro Spiel, die Zahl der Social-Media-Follower, allein der Superlativ zählt. Und so musste vor dem ersten Spiel dieser Weltmeisterschaft der grösstmögliche Zeuge herhalten, um dem Volk zu erklären, dass selbst Cristiano Ronaldo noch Mitspieler benötigt, um ein Fussballspiel zu gewinnen: der Papst. ‹Um Papa Francisco zu zitieren›, hiess es auf seiner Facebook-Seite, ‹niemand gewinnt alleine, weder auf dem Platz noch im Leben.›»

Anderes Thema: Verdienen die Trainer der WM-Teilnehmer eigentlich genug?

Für eine warme Mahlzeit sollte es reichen. Als Bestverdiener wird Fabio Capello (wird am Mittwoch 68) gehandelt. 4,2 Millionen Euro (netto) Jahresgage sollen dem russischen Verband die Dienste des Feldmaresciallo wert sein. Der Mann aus der kleinen friaulischen Gemeinde San Canzian d’Isonzo gilt als Freund des guten Essens und Trinkens – und als Kunstliebhaber. Da verpasst er natürlich in Basel gerade was (-> Kunstlauf – die Art bei der TagesWoche). Auf Platz 2 der Trainerverdienstliste: Roy Hodgson, England, mit 2,2 Millionen Euro. Ottmar Hitzfeld dürfte vom Schweizerischen Fussballverband kaum die Hälfte überwiesen bekommen, hält sich aber schadlos durch einen Strauss von Werbe- und sonstigen Verträgen von Lebensversicherung und Grossbank bis Pay-TV-Sender und Matrazenhersteller sowie natürlich als Berater von Ringier und Kolumnist im «Blick».

Wie wird man eigentlich ein Geheimfavorit?

Es gibt ja etliche von dieser Sorte bei der WM. Kolumbien zum Beispiel hat schon mal eine eindrückliche Arbeitsprobe abgegeben (3:0 gegen Griechenland), die Schweiz wirkte ein Spürchen weniger furchteinflösend und England – aber lassen wir das.

Doch jetzt kommen die Belgier, der Geheimfavorit schlechthin. Weil: Ohne Niederlage durch die Qualifikation gebrettert und eine Ansammlung von jungen Hochbegabungen (Ausnahme: Daniel Van Buyten, Bayern München), für die Höchstpreise auf dem Fussballmarkt erzielt werden: Chelsea tat für Eden Hazard 40 Millionen Euro raus, der selbe Betrag war für Axel Witsel (Zenit St. Petersburg) fällig, 35 Millionen liess sich Manchester United Marouane Fellaini kosten, 30 Millionen sind zusammengekommen für Kevin De Bruyne (von Genk zu Chelsea und weiter von dort nach Wolfsburg), 20 Millionen Ablöse werden für Moussa Dembélés Transfer zu Tottenham veranschlagt, und, und, und.

Macht zusammen mit einem Trainer Marc Wilmots, der sich einst als Stürmer auf Schalke den Kosenamen «Willi, das Kampfschwein» verdiente, eine Mannschaft, die vor WM-Start bei den Buchmachern auf Rang 5 unter den WM-Favoriten geführt wurde – noch vor Italien, England, Frankreich und den Niederlanden. Belgien als Geheimfavorit ist also ein eher schlecht gehütetes Geheimnis, wie die «Süddeutsche Zeitung» feststellt und: «Inzwischen gehört es an jedem Fussballstammtisch zum guten Ton, dass man sagt: Ich würde diese Belgier nicht unterschätzen.»

Wer freut sich heute wie ein Weltmeister?

Loddar. Wir zitieren: «So eine Auszeichnung ist wie damals der WM-Titel, bei dem ich als Kapitän den Pokal heben durfte – eine ganz besondere Anerkennung, auf die ich sehr stolz bin.» Was macht Lothar Matthäus so stolz, als hätte er eine Zeitreise ins Jahr 1990 gemacht? Er hat eine Urkund des Guinness Buch der Rekorde erhalten, weil er mehr WM-Spiele als jeder andere Spieler absolviert hat. Angesichts der Komplexität dieser Statistik ist es verständlich, dass man erst heute diese Ehrung vornehmen konnte. Immerhin: Bei dieser WM spielt niemand mit, der Matthäus die Krone schon dieses Jahr streitig machen könnte.

Welche Informationen aus der Fifa-Pressemappe werde ich heute garantiert vom TV-Kommentator meines Vertrauens vorgelesen erhalten?

Der absolute Brüller unter den Statistik-Fakten: Algerien hat seit sechs Spielen an Weltmeisterschaften nicht mehr gewonnen. Schlimmer noch: In den letzten fünf Spielen schossen sie kein einziges Tor. Wenn Sie bis zur 36. Minute gegen Belgien nicht treffen, gehört ihnen der Rekord für die längste WM-Torflaute (derzeit Bolivien mit 517 Minuten).

Belgien und Algerien haben bisher zweimal gegeneinander gespielt. Beim 0:0 in Brüssel 2002 spielte der heutige Trainer Marc Wilmots im Team der Belgier. Vor exakt 60 Jahren hat Belgien das torreichste Untentschieden der WM-Geschichte erreicht, ein 4:4 nach Verlängerung gegen England. Jetzt darf man sich aussuchen, was es heute geben soll. Wir nehmen: ein 4:4 nach 90 Minuten.

Sonst noch:

  • Russland hat in 11 WM-Spielen noch nie unentschieden gespielt. Für das letzte Remis war 1986 noch die Sowjetunion verantwortlich.
  • Bei den letzten drei WM-Teilnahmen sind die Südkoreaner jeweils mit einem Sieg ins Turnier gestartet.
  • Russland ist seit zehn Spielen ungeschlagen (7 Siege, 3 Unentschieden). Die letzte Niederlage hat den Russen im August 2013 Nordirland zugefügt.
  • Brasilien und Mexiko haben schon 38 Mal gegeneinander gespielt. 22 Mal hat Brasilien gewonnen, 10 Mal Mexiko, sechs Mal gabs ein Unentschieden.
  • An WMs hat Brasilien gegen Mexiko immer gewonnen und nie ein Tor kassiert (4:0 1950, 5:0 1954, 2:0 1962).
  • Brasiliens Trainer stand Mexiko bereits an der WM 2006 in Deutschland gegenüber, damals aber als Trainer von Portugal. Sein Team siegte in der Vorrunde mit 2:1.

Was sagt Paul, das Krakenorakel, zu Geheimfavorit BelgienTM?

Nun, Paul sagt gar nichts mehr. Paul ist nämlich tot. Bei der WM vor vier Jahren hatte die Krake sämtliche Spiele der deutschen Mannschaft sowie das Finale korrekt «getippt». Google erweckt Paul zumindest virtuell wieder zum Leben und widmet ihm sein heutiges Doodle. Entweder ist der virtuelle Paul etwas entscheidungsschwach oder er will uns mitteilen, dass Belgien über ein Unentschieden nicht hinaus kommt.

Gerüchte halten sich übrigens hartnäckig, dass Florian «schlag den» Raz den Original-Paul geklont hat und bei der nächsten Staffel unseres Tippspiels zum ersten Mal zum Einsatz bringen wird. Uns schlottern die Knie wie Ronaldo vor einer Lahm-Mauer.

Jetzt aber Butter bei die Fische: Wie gehen die Spiele heute Abend aus?

Das ist einfach: Gemäss unserem Razinger-Index gewinnt Belgien gegen Algerien mit einem Tor Differenz, ebenso Russland gegen Südkorea. Brasilien schlägt Mexiko mit zwei Toren Differenz (eines davon nach einem Penalty, den der Schiedsrichter…, aber lassen wir das).

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Konversation

  1. Die Frage, ob die Trainer genug verdienen ist interessant. Allerdings wäre es in diesem Zusammenhang sinnvoller, nicht einfach das obere Ende anzuschauen.
    Wenn ich wissen will, ob z.b. die Leute in der Schweiz genug verdienen, schaue ich mir ja auch nicht nur Brady Dougan an und komme zum Schluss: für eine warme Mahlzeit wird es reichen. Wie viel verdient denn der schlechtestbezahlte Trainer?

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