Spektakuläre Pokaljagd auf den Gleisen im Dreispitz: Die TaWo am 1. Basler Draisinenrennen

Am Samstag fand auf dem Dreispitz ein Draisinenrennen der Extraklasse statt. Die TagesWoche war mit einem zusammengeschusterten Kutschen-Gefährt hautnah dabei.

Die TagesWoche und der Social Muscle Club mit ihrem Traumgefährt.

(Bild: Hansjörg Walter)

Am Samstag fand auf dem Dreispitz ein Draisinenrennen der Extraklasse statt. Die TagesWoche war mit einem zusammengeschusterten Kutschen-Gefährt hautnah dabei – und holte sich den 7. Platz.

Es geschieht nicht aller Tage, dass man die Chance bekommt, an einem Draisinenrennen teilzunehmen. In Zeiten von Segway, Easyjet und ICE werden altehrwürdige Fortbewegungsmittel gerne aufs Abstellgleis geschoben. Wenn das mal kein Sprichwort für ein Event ist, sagten sich da die umtriebigen Benedikt Wyss und Thilo Mangold, taten sich mit dem Offcut Materialmarkt zusammen, der direkt vor den stillgelegten Gleisen im Dreispitz sitzt, und holten sich willige Teilnehmer an Bord.

Darunter auch die TagesWoche, die sich mit dem Social Muscle Club zusammentat. Man bekam eine Kutsche zur Verfügung gestellt (an dieser Stelle Danke sehr Herrn Samuel Keller, auch für die Räder-Erste-Hilfe nach der zweiten Runde, ohne Sie wären wir Pferdemist), schraubte in der Nacht davor ein paar Bretter an die Räder und trat am Samstag mit vier Pferdestärken, einer Menge gesundem Enthusiasmus und einem Gefährt so veraltet wie – so witzelten böse Zungen – die Printmedien an.



Die TagesWoche und der Social Muscle Club mit ihrem Traumgefährt.

Die TagesWoche und der Social Muscle Club mit ihrem Traumgefährt. (Bild: Hansjörg Walter)

Erlaubt war alles, ausser Stossen oder Ziehen ohne Hufe. Nicht unser Problem – schliesslich bestand das TaWo/SMC-Team aus drei Pferden und einem Einhorn. Aber das vieler anderer: Ein Grossteil der Teilnehmenden musste sich mühsam über die Rennstrecke paddeln. Allen voran die Markthalle, die sich mit einem umfunktionierten Marktstand erstaunlich rassig über die Ziellinie kämpfte.



Christoph Schön von der Markthalle in bärenstarkem Outfit und passender Aktion.

Christoph Schön von der Markthalle in bärenstarkem Outfit und passender Aktion. (Bild: Hansjörg Walter)

Während einige gefährlich sensationell ihren tollkühnen Konstruktionen zum Opfer fielen (siehe Kunsthalle), setzten andere auf die wirtschaftlich bewährte «Weniger ist mehr»-Strategie: möglichst billiges Material, möglichst billige, junge Arbeitskräfte.

Ein Künstler, sie alle zu knechten

Stichwort Johannes Willi: Der Künstler und Kinderfreund bekam im Vorfeld 500 Franken von der Mobiliar, um sich eine Siegerdraisine zu bauen. Er investierte in ein 15-fränkiges Holzbrett und ein paar Bambusstangen, wechselte das Restgeld in Einfränkler und bezahlte Minderjährige dafür, ihn die 100 Meter lange Rennstrecke hinunter zu figuretlen. Ein zeitintensives Unterfangen – «mit sozialkritischem Unterton!», wie ein Zuschauer bewundernd bemerkte.



Johannes Willi bekam 500 Franken von der Mobiliar und investierte in ein hochwertiges Holzbrett.

Johannes Willi bekam 500 Franken von der Mobiliar und investierte in ein hochwertiges Holzbrett. (Bild: Hansjörg Walter)

Wintsch machte sie alle fertig

Während die meisten Rennfahrer also mit wagemutigen Konstruktionen auffuhren, stach in Sachen Professionalität ein Teilnehmer besonders heraus: Die Wintsch AG.

Das Unternehmen für Klimatechnik auf dem Dreispitz schickte als einziger Bestreiter zwei Draisinen ins Rennen, die diese Bezeichnung tatsächlich verdient hatten: wunderschöne, wohldurchdachte Hightech-Ungetüme, die mühelos an den knatternden Rostlauben der restlichen Paddler, Faller und Roller vorbeiglitten:



Die ungeschlagenen Raumfahrer von Wintsch.

Die ungeschlagenen Raumfahrer von Wintsch. (Bild: Hansjörg Walter)

Zähneknirschend musste man sich eingestehen, dass drei Stunden Schrauben in ein Kutschenrad jagen noch keine Draisine machen. Trotzdem hielt sich die TaWo/SMC-Kutsche entgegen aller Erwartungen doch erstaunlich stabil und kam in den drei Läufen immerhin jedes Mal einigermassen ganz (was machen schon ein paar weggespickte Rollstuhlräder aus) hinter der Ziellinie an.

Am Ende reichte es dann doch nur für den siebten Platz – gemessen am bescheidenen Arbeitsaufwand ein bemerkenswertes Resultat, wie wir finden. Absolut verdient auch der erste und zweite Platz für die Streber von Wintsch – eine solch professionelle Performance gehört zweifelsohne prämiert:

Was lief beim Publikumspreis?

Fragwürdig blieb derweil die Leistung der Gewinner des Publikumpreises: Die Kunsthalle Basel, die sich mit einem doch sehr sensationalistischen Sturz von ihrer Velo-Draisine wortwörtlich in die Herzen der Zuschauer katapultierte: 

 

Team Kunsthalle takes it all 💥 #publikumsliebling

Ein von @negoris gepostetes Video am18. Sep 2016 um 6:12 Uhr

 

Worauf die Massen zum Wettbüro strömten, um mitleidsvoll ihren Einsatz der Kunsthalle zu spenden. 50 Franken soll ein gewisses internes PR-Tier (kein Pferd, so viel sei gesagt) heimlich springen haben lassen, um die erlebte Schmach mit einem Essen in der Markthalle zu übertünchen. Nun denn, auch kleinformatige Events sind vor Nepotismus nicht gefeit, wer weiss das besser als die hart arbeitenden Pferdchen, die sich für solch ein Rennen gern mal zum Affen machen. 

Die blauen Flecken der Gegner liessen den Unmut aber sogleich wieder vergessen und so prostete man sich am Ende des Events auf Siege und Niederlagen zu und feierte den 3. Geburtstag des Offcut Materialmarkts, der den Rennfahrern mit Material zur Verfügung gestanden war. Den Champagner verteilte ein kundiger 10-Jähriger, im Hintergrund bekämpften sich ein paar Primarschüler mit Willis Bambusrohren, man besprach Renntechniken und Gewinnstrategien, fuchtelte mit Biergläsern und Plastikblumensträussen, die Veranstalter röhrten ins Mikrofon und jemand stahl die Einhornmaske.

So, genau so muss ein erstes Draisinenrennen sein. Bis nächstes Jahr!

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