Sportmuseum bleibt weiterhin am Subventionstropf

Niederlage für die Basler Regierung: Der Grosse Rat will die Subventionen fürs Sportmuseum auf dem Dreispitz nicht streichen. Er sprach sich am Mittwoch klar dafür aus, den Sparbefehl rückgängig zu machen.

Das Sportmuseum kann weiterhin auf die Unterstützung des Kantons Basel-Stadt zählen.

(Bild: Nicolas Gysin)

Niederlage für die Basler Regierung: Der Grosse Rat will die Subventionen fürs Sportmuseum auf dem Dreispitz nicht streichen. Er sprach sich am Mittwoch klar dafür aus, den Sparbefehl rückgängig zu machen.

Er konnte einfach nicht anders: Gregor Dill, Leiter des Schweizer Sportmuseums auf dem Dreispitz, bekam sein Grinsen unmittelbar nach dem positiven Grossratsentscheid nicht mehr weg. «Ich bin sehr erleichtert und dankbar für diesen Entscheid», sagte Dill, der die Debatte von der Zuschauertribüne mitverfolgt hatte. Mit 49 gegen 24 Stimmen bei 16 Enthaltungen entschied das Basler Parlament am Mittwoch, dass das Sportmuseum weiterhin jährlich 150’000 Franken vom Kanton Basel-Stadt erhält. Somit muss das Museum nicht mehr um seine Zukunft bangen.

Für die Basler Regierung, inbesondere Regierungspräsident Guy Morin, ist der Entscheid eine Ohrfeige: Sie wollte im Rahmen ihres Sparpakets den Subventionsvertrag mit dem Museum nicht erneuern. Auch nachdem der Grosse Rat im Januar deutlich ein Budgetpostulat von SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser überwiesen hatte, hielt die Exekutive an ihrem Sparbefehl fest.

Guy Morin versuchte die Grossrätinnen und Grossräte am Mittwoch vergeblich davon zu überzeugen, die Subventionen für das Sportmuseum zu streichen: «Wir können die Staatsausgaben im Kulturbereich nicht immer erhöhen. Wir müssen Prioriäten setzen und können nicht jede Institution unterstützen.» Für einmal hörte die Argumentation Morins, der sonst immer die Wichtigkeit der überregionalen Zusammenarbeit betont, an der Kantonsgrenze auf: «Das Sportmuseum befindet sich auf Baselbieter Boden. Ist es wirklich notwendig, dass der Kanton ein einthematisches, spartenspezifisches Museum unterstützt?»

Kritik an Morin

Mit diesen Aussagen zog Morin den Zorn der Grossräte auf sich. Kerstin Wenk (SP) entgegnete: «Das Sportmuseum ist nicht freiwillig gezügelt. Es musste das Gebäude von Immobilien Basel-Stadt an der Missionsstrase verlassen.» Wenk machte sich dafür stark, das Museum weiterhin zu subventioneren: «Der Betrag, der hier eingespart werden kann, ist gering. Zudem würde der Entscheid einmal mehr die Kleinen und besonders Innovativen treffen.»

Auch Michael Koechlin von der LDP fand die Streichung der 150’000 Franken unnötig: «Ich glaube nicht, dass die 150’000 Franken zu einem unkontrollierten Wachstum der Kulturausgaben beitragen.» Es gäbe andere Bereiche, in denen der Kanton substanzieller sparen könnte als beim Sportmuseum, sagte Koechlin. Besonders in Rage brachte ihn Morins Aussage, wonach das Sportmuseum ein einthematisches Museum sei. «Auch das Kunstmuseum ist ein einthematisches Museum: Es zeigt bildende Kunst. Das ist ein relativ schwaches Argument.»

Heinrich Ueberwasser (SVP), der das Budgetpostulat einreichte, bezeichnete das Sportmuseum als ein «spannendes Museum», das die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Sport aufzeige. Er warnte vor einer Signalwirkung: «Wenn wir die Subventionen kürzen, folgen andere Beitragende.»

Gregor Dill fühlt sich trotz aller Freude über das Ja des Grossen Rates auch ein wenig angeschlagen: «Wir gehen trotzdem geschwächt aus dieser Geschichte heraus, zumal wir 15 Monate keine Planungssicherheit hatten.» Nun müsse sich das Sportmuseum regenerieren. «Aber die Blessuren werden schnell heilen», sagt Dill.

Konversation

  1. Politik der Marke «Hüsch & Hott». Strategielos wird mal in die eine oder andere Richtung entschieden.
    Der jetzige Entscheid ist dem Sportmuseum und seinen Initianten zu gönnen.

    Die gleiche Grandezza und eine entsprechende Rückbesinnung hätte man sich auch beim Entscheid bei der Streichung der Fachstelle für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung gewünscht.

    Bei einem Parlament, welches aber offensichtlich aus dem Bauch heraus und nach der entsprechenden Tageslaune agiert, ein Vabanquespiel oder eben Politik der Marke «Hüsch & Hott». Pech für die Einen, Glück für die Anderen.

    Eingefädelt und zu verantworten hat das ganze Desaster RR Guy Morin. Er hat jetzt eine Watsche bekommen. Aber ohne Strategie und saubere Argumentation steht man schnell in abgesägter Hose vor dem Parlament.

    Es ist auch wenig nachvollziehbar, wenn Beträge in besagter Grössenordnung: Sportmuseum 150’000.- / Fachstelle für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 160’000.-, dem Volk als notwendige Sparübungen verkauft werden, während man gleichzeitig ein Kunstmuseum für über 100 Millionen einweiht. Ein Kunsttempel vom welchem man nicht einmal die realen Betriebskosten kennt.
    Die Subventionserhöhung für das Kunstmuseum wird so sicher wie das Amen in der Kirche kommen und dem Parlament als Sachzwang angedient werden.

    Irgendwie auch erstaunlich: Wieso wird das Sportmuseum als Marginalie behandelt. Die Gründe sind nicht nachvollziehbar: Privatinitiative?, liegt im Kanton Baselland?

    Zudem: Wieso ist das Sportmuseum nicht integraler Bestandteil einer regionalen Museumsplanung? Teil der regionalen Museumslandschaft?

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    1. das ist unter anderem einer der Gründe, weshalb ich den Abgang von Morin keineswegs bedauere. Im Präsidialdepartement wurden wiederholt ohne klare Begründung etwas unverständliche Entscheidungen getroffen. Diese mangelnde Transparenz lässt vermuten, dass es vielmehr um persönliche Abrechnungen und Unstimmigkeiten geht als um sachliche Entscheidungen. Für einmal bin ich froh, das ein SVPler hier dem Grünen und seiner Entourage einen Strich durch die Rechnung macht und dieses innovative Museum und sein engagiertes Team weiter unterstützt.

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