Staatsanwaltschaft will Anklage gegen die Verantwortlichen von Cabb erheben

Vor zwei Jahren explodierte auf dem Prattler Werk des Chlorherstellers Cabb ein Säuretank. Dabei starb ein Mitarbeiter. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft plant, demnächst Anklage gegen Verantwortliche des Unternehmens zu erheben.

Anklage zum falschen Zeitpunkt: Cabb Pratteln spielt eine bedeutende Rolle im Baselbieter Wirtschaftsgeflecht.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Vor zwei Jahren explodierte auf dem Prattler Werk des Chlorherstellers Cabb ein Säuretank. Dabei starb ein Mitarbeiter. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft plant, demnächst Anklage gegen Verantwortliche des Unternehmens zu erheben.

Zwei Jahre schon dauern die Ermittlungen der Baselbieter Staatsanwaltschaft in der Causa Cabb. Im September 2014 starb ein Chemikant nach einer Explosion, die sich ereignete, als er einen Säuretank befüllte. Dieser war mutmasslich nicht korrekt gereinigt worden. Das Opfer trug nach Aussagen von Arbeitskollegen und der damaligen Freundin keine Schutzkleidung und war zudem aufgrund einer Knieverletzung nur zum Dienst am Computer zugelassen.

Nach verzögernden Personalrochaden und zahlreichen Einvernahmen zeichnet sich nun das Ende des Verfahrens ab, wie die Baselbieter Staatsanwaltschaft (Stawa BL) auf Anfrage erklärt. Im ersten Quartal 2017 soll die Untersuchung abgeschlossen sein.

Derzeit würden nochmals Einvernahmen durchgeführt und neue Dokumente gesichtet. Sollten diese die bisherigen Erkenntnisse nicht komplett über den Haufen werfen, dürfte der Fall vor Gericht landen. Michael Lutz, Sprecher der Stawa BL, erklärt: «Unter Vorbehalt der Ergebnisse aus diesen vermutlich durchzuführenden Einvernahmen geht die Staatsanwaltschaft ferner davon aus, dass es in dieser Angelegenheit zu einer Anklage kommen wird.»

Wichtiger Salz- und Stromabnehmer

Für das Unternehmen und den Kanton Basel-Landschaft käme eine Anklage zum falschen Zeitpunkt. Der Chemieproduzent will nach eigenen Angaben in den nächsten drei Jahren 65 Millionen Franken in sein Werk Schweizerhalle investieren. Im Juni stellte sich der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber (SVP) öffentlich vor das Unternehmen, das wegen einer Serie kleinerer und grösserer Unfälle mit hochgiftigen Stoffen in die Kritik geraten ist. In einer Medienkonferenz auf dem Areal der Firma betonte Weber die Wichtigkeit der Pflege bestehender Unternehmen. 

Cabb ist nicht nur als Arbeitgeber wichtig für das Baselbiet. Die Firma ist eine der wichtigsten Kunden der benachbarten Rheinsalinen. Mit dem Salz, das dort aus dem Boden geholt wird, betreibt Cabb seine Chlorproduktion. Zudem ist Cabb einer der grössten Stromkonsumenten des Kantons.

Konversation

  1. Auf die Finger schauen? Wie wäre es mit Kopf ab? Zum Glück ist das Kader nicht auch noch für ein AKW zuständig.
    Ich sehe es wie Georg. Bei CABB sind so viele schwerwiegende Zwischenfälle bekannt, dass die Behörden mal schauen sollten, wie viele Beinaheunfälle noch dazu kommen. Dass diese Firma immer noch den Standort betreiben darf lässt schon fast Korruption vermuten.
    Fragt man Angehörige von Werkfeuerwehren nach CABB winken alle ab. Man kennt sich und lacht nur noch müde über die Zustände bei CABB.

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  2. Solange die Bürgerlichen die absolute Macht in Regierung und Parlament haben, wird sich daran auch nichts ändern.

    Wie heisst es doch so schön: Macht korrumpiert. Absolute Macht, korrumpiert absolut.

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  3. der svp-mensch stellte sich öffentlich vor das unternehmen?

    ich will jetzt nicht hoffen, diese chemischen spezialitäten dienten lediglich zu dessen vertreibung vom areal – das wäre eindeutig zu viel des guten: muss ja nicht grad ein täglicher störfall sein. irgendwann geht er von alleine, versprochen.

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  4. Gibt es nicht so etwas wie Gewaltentrennung? Diese würde heissen, dass solange ein mutmassliches Delikt untersucht wird, der Exekutive sich nicht einmischen darf, was wieder heisst, dass Herr Weber sich strafbar macht. Wer ist für dieses Delikt zuständig?

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  5. Die verantwortlichen Stellen haben lange genug weggeschaut, es ist daher richtig, dass der Firma Cabb jetzt genauer auf die Finger geschaut wird. Wir reden hier nicht von Bagatellfällen. Es sind auch schon Menschen zu Schaden gekommen. Zudem liegt das Werk im Einzugsgebieten von Pratteln und Birsfelden und könnte im Falle eines grösseren Umfalls & Lecks Menschen gefährden. Es ist daher unerheblich, ob Cabb dem Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber als Grosskunde gefällt. Als Stromkunde geniesst Cabb sowieso eine privilegierten und kostengünstigen Zugang zur Energie und ist mit dem maroden Werk eher ein Stromfrevler. Nicht die blinde und grobfahrlässige Wirtschaftsförderung eines Chemieproduzenten sollte Weber ein Anliegen sein, sondern eine Wirtschaftsförderung, welche das Wohl der Bevölkerung im Auge behält, nachhaltig und sorgsam produziert, sämtliche Umweltschutzbestimmungen und die unabdingbaren Sicherheitsbestimmungen für die Arbeitenden einhält. Weber soll seinen Job im Sinne des Gemeinwohls machen. Es ist daher nicht okay, wenn RR Thomas Weber subito und vorrangig die Wichtigkeit der Pflege von Unternehmungen betont und dafür eigens eine Medienkonferenz einberuft, um dort mit einem Persilschein herumzuwedeln. Es wäre dienlicher, wenn er die Gefahren, welche von solchen Chemieproduzenten ausgehen, ernst nimmt und nicht vorschnell bagatellisiert und die Unfälle, bevor sie genau untersucht & analysiert wurden als Kollateralschäden stillschweigend akzeptiert.

    Die Bevölkerung, aber auch die Arbeiterschaft der Firma Cabb, brauchen in der Regierung einen Fürsprecher, welcher ihre Interessen wahrnimmt und sicherstellt, dass wir geschützt sind, die Umwelt nicht belastet wird und die Einhaltung von Standards bei solchen gefährlichen Produzenten garantiert ist.

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    1. Auf die Finger schauen. ich sehe das drastischer. Wenn innerhalb von 24 Stunden 2 solche gravierende Fälle geschehen, gehört die Anlage gemäss sofortiger Verfügung abgestellt (sofern dies „sofort“ möglich ist, ansonsten so schnell wie möglich – kommt ja auch immer darauf an, was für Prozesse gerade laufen und wie lange es geht, bis diese eingestellt sind) und müssen so lange abgeschaltet bleiben, bis alle Auflagen zweifelsfrei erfüllt sind.

      Dass die Verantwortlichen rechtlich belangt werden, ist mehr als richtig.

      Wir haben Gesetze und Richtlinien und die gehören ohne wenn und aber umgesetzt, Gerade in solch einem Bereich.

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