Trotz doppeltem Preis: Basler Parkplätze sind viel zu billig

Die Basler Regierung will die Preise für Anwohner- und Pendlerparkkarten zum Teil deutlich erhöhen. Trotzdem bleibt Parken in Basel vergleichsweise billig und deckt die realen Kosten nicht mal ansatzweise.

Eine Anwohnerparkkarte deckt nur einen Bruchteil der realen Kosten für einen Parkplatz in der blauen Zone.

Parkieren auf Allmend ist in Basel so günstig wie in keiner anderen grösseren Schweizer Stadt. 140 Franken kostet hier eine Anwohnerparkkarte für ein Jahr. In der Stadt Bern müssen Anwohner je nach Wohnort 264 bis 1920 Franken zahlen, in Zürich 300 Franken, in St. Gallen 360, in Luzern 600 und in Winterthur 710 Franken.

Auch die Pendler stellen ihr Auto in Basel vergleichsweise günstig ab, sie zahlen 700 Franken für eine Parkkarte. In Luzern kostet sie 800 und in St. Gallen 1536 Franken.

Die Basler Regierung möchte die Tarife nun erhöhen, die Stellung als billigste Parkkarten-Stadt aber beibehalten. Konkret soll die Anwohnerparkkarte pro Jahr künftig 284 Franken kosten, die Pendlerparkkarte 860 Franken und eine Besucherparkkarte 12 statt bisher 10 Franken pro Tag.

Mehr Zähneknirschen als Opposition

Überraschenderweise laufen in der Vernehmlassung nur die SVP, der Gewerbeverband Basel-Stadt, die Grünliberalen und selbstredend die Automobilverbände gegen eine Erhöhung der Tarife Sturm. «Die Erhöhung der Gebühren für die Anwohnerparkkarten um mehr als 100 Prozent bestraft die Bevölkerung im Kanton Basel-Stadt unverhältnismässig», schreibt die SVP. Dieser Meinung sind auch die Grünliberalen. Sie finden, dass die Basler schon genug unter hohen Mieten, Steuern und Krankenkassenprämien zu leiden hätten.

Die FDP indes zeigt sich bereit, «über eine Gebührenerhöhung zu diskutieren», wenn nicht weiter Parkplätze abgebaut werden. Ausserdem sollten die Mehreinnahmen in Quartierparkings investiert werden. Die LDP könnte sich zähneknirschend mit der «Abzocke der Anwohnerschaft» abfinden, wenn die Besucherparkkarten deutlich stärker verteuert würden und dafür Anwohner eine gewisse Anzahl dieser Besucherkarten gratis erhielten.

Grundsätzlich für eine stärkere Erhöhung der Gebühren plädieren die CVP, die Grünen und der Verkehrsclub (VCS). Die CVP meint, dass künftig nur noch eine Anwohnerparkkarte pro Person abgegeben werden soll: «Wer sich zwei Autos leisten kann, sollte sich auch mindestens einen privaten Abstellplatz leisten können», schreibt sie.

Den Grünen ist vor allem der vorgeschlagene neue Tarif für Pendler deutlich zu tief. Dieser sollte sich an den «realen Kosten» eines Parkplatzes in der blauen Zone orientieren, fordern sie. Die SP begrüsst in ihrer Stellungnahme eine Erhöhung der Parkkartengebühren, würde aber einen stärkeren Preisanstieg bei den Pendler- und Besucherparkkarten begrüssen.

Parkplatz in der blauen Zone kostet eigentlich bis zu 1555 Franken

Was nun aber sind die «realen Kosten» eines Parkplatzes auf Allmend? Die Basler Regierung hat dies auf eine schriftliche Anfrage der inzwischen zurückgetretenen grünen Grossrätin Anita Lachenmeier auszurechnen versucht.

Versucht…, weil sich dieser Wert nicht einfach errechnen lässt. Weil sich Allmendfläche nicht handeln lasse, gebe es auch keinen gesicherten Marktwert, schrieb die Regierung im November 2017. Sie hat aber dennoch nachgerechnet und ist auf unterschiedlichen Wegen auf Jahreskosten zwischen 1040 und 1845 Franken gekommen. Zieht man die Einnahmen durch Parkbussen ab, blieben Jahreskosten von 750 bis 1555 Franken übrig.

Der wesentliche Unterschied beim Preis ergibt sich aus der Einschätzung des Bodenwerts für 12,5 Quadratmeter Parkplatzfläche. Dem günstigeren Preis lag der Wert zugrunde, den die Bodenbewertungsstelle Basel-Stadt bei der Behandlung der Zweiradinitiative ausgerechnet hatte. Der teurere Wert ergab sich durch die Übertragung der Allmendnutzungsgebühr, wie sie bei Boulevardrestaurants angewandt wird.

Mit einer Anwohnerparkkarte zum Preis von 284 Franken sind also die tatsächlichen Kosten nach wie vor bei Weitem nicht gedeckt.

Keine Einigkeit bei Quartierparkings

Die verhältnismässig grosse Einigkeit bei der Gebührenerhöhung für Parkkarten bedeutet aber nicht, dass sich die Wogen im Basler Parkplatzstreit geglättet hätten. Beim Vorschlag der Regierung, Anwohnerparkings stärker auch finanziell zu fördern, driften die Meinungen stark auseinander.

Die Grünen und der VCS meinen: auf keinen Fall. Ausserdem seien die neu entstehenden unterirdischen Parkplätze auf den Strassen in derselben Zahl zu kompensieren, also abzubauen. Die bürgerlichen Parteien und Verbände sind gegenteiliger Meinung. Sie beklagen nach wie vor, dass das Parkplatzangebot in Basel viel zu knapp sei.

Konversation

  1. Ich fahre selber neben viel OeV auch Auto und brauche dieses vor allem für meine berufliche Tätigkeit, da mein Arbeitsort eine sehr schlechte OeV-Anbindung hat. Aufgrund dieser Ausgangslage bin ich darauf angewiesen mein Fahrzeug „irgendwo“ in der Nähe meines Wohnortes (PLZ 4055) abstellen zu können. Plätze in Tiefgaragen sind in diesem Teil der Stadt extreme Mangelware und öffentliche Parkplätze gibt es trotz Anwohnerparkkarte laufend weniger. So einfach, wie das gewisse Kommentatoren hier sehen, ist die Situation aus meiner Sicht daher nicht. Wenn ich um 22:00 Uhr oder später abends zu Hause ankomme, fahre ich oft noch ein halbe Stunde durch alle Quartierstrassen, bis ich dann meinen Kleinwagen entnervt meist halb oder ganz illegal abstelle(n muss). Ich kann ihn ja nicht in die Hosentasche stecken. Ist das der Sinn der Sache (auch aus ökologischen Überlegungen)? Noch ein Wort zur Kostenberechnung: Nimmt man als Basis für die Berechnung, den m2-Preis den ein Wirt für sein Strassencafé bezahlen muss, unterschlägt man die Tatsache, dass der Autobesitzer keinen festen Parkplatz damit reserviert, sondern die vorhanden wenigen Plätze mit allen anderen Autobesitzern teilen muss. Die im Artikel aufgeführten Kosten eines Parkplatzes sind daher absolut irrelevant.

    Ich wehre mich nicht gegen eine Erhöhung der Kosten für die Anwohnerparkkarte. Es muss aber mit dem eingenommenen Geld dafür gesorgt werden, dass Anwohner Abstellplätze zur Verfügung haben. Diese können unterirdisch in Quartierparkings sein und die heute das Strassenbild verschandelnden Parkplätze können – bis auf wenige Plätze für den Güterumschlag – aufgehoben werden.

    Ich denke, die laufende Diskussion sollte nicht von ideologischen Grabenkämpfen geleitet werden, sondern vom gesunden Menschenverstand.

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  2. Wieso können die Grünliberalen dagegen sein? Das ist ja die Idee von verursachergerechtem Roadpricing: jeder zahlt soviel wie er Kosten verursacht. Mit höheren Parkkosten würden vermutlich auch mehr Verkehrsteilnehmer auf Car-Sharing umsteigen, was die Auslastung der Verkehrsmittel erhöht.

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  3. Ich teile die Meinung der TaWo. Die Anwohnerparkkarte ist mit etwas mehr als 10 Fr. pro Monat viel zu billig. So oder so bleiben aber schlussendlich alle diese Massnahmen zur Eindämmung des Verkehrs Symptombekämpfung. So lange jedes Jahr 100’000e neue Fahrzeuge immatrikuliert werden, sehe ich für die Zukunft keine Lösung. Der Verkehr wird immer dichter, der Stress auf den Strassen nimmt zu. Jeder von uns stellt das fest, keiner will es wahrhaben. Als Velofahrer lebt man in der Stadt immer mit einem Fuss im Spital. Autofahrer fühlen sich bevormundet, glauben die Strasse gehöre ihnen, weil sie Steuern bezahlen. Diesen Frust lassen sie oft an den schwächsten Verkehrsteilnemer aus. Sie fahren dicht auf, oder drängen dich als Velofahrer an den Rand. Die Knarre liegt im Handschuhfach. Willkommen im Wilden Westen des 21. Jahrhunderts!

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    1. Ja, der Verkehr wird immer dichter……, besonders der Veloverkehr. 80% der Velofahrer halten sich nicht an die Verkehrsregeln, aber immer sind die anderen schuld. Auch Fahrerflucht nach Schaden gehört bei den meisten Velofahrern offenbar zum guten Ton, wie ich leider selber schon mehrfach erfahren musste.

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  4. Wer auch immer die Preise der Anwohnerparkkarte von Basel mit anderen Städten vergleicht, soll doch bitte auch die Strom- und Wasserpreise, die Abfallsackgebühren, die Preise für Pass / ID etc etc etc auch mitvergleichen. Es könnte sein, dass das Resultat evtl nicht der eigenen Gesinnung entspricht.

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  5. Wer nicht gerade seine Werkstatt im Auto mitführen muss oder mehr Güter transportieren, als im Cargo-Velo Platz hat, braucht in Basel eh kein Auto. Abgesehen von den Parkhäusern braucht’s daher offentliche Parkplätze in der Stadt nicht wirklich, stattdessen:
    > Parkhaus-Ticket = ÖV-Ticket
    > Bei Parkverboten Güter-Umschlag wo immer möglich gestatten

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    1. Das Problem ist: Im Auto kann man es drinlassen. Im Cargovelo verrdampft die Ladung zusehends beim Wegsehen.

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    2. Güterumschlag ist im Parkverbot eigentlich immer gestattet, auch auf dem Trottoir, wenn ausdrücklich erlaubt (z.B. In der Güterstrasse). Aber echter Güterumschlag und nicht, was leider in Basel oft zu beobachten ist. Etwas schnell in einem Laden einkaufen, ist gemäss Bundesgericht kein Güterumschlag. Ich sehe aber oft Privatwagen, die mindestens 1/4 Stunde verlassen im Güterumschlag stehen.

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  6. Das habe ich wieder heute gedacht beim Durchschreiten des Steinenparkings: Die Autos werden immer dicker, schwerer und länger. Aber warum, warum nur? Alle reden von Umweltschutz, Luftverschmutzung, Klimakatastrophe – aber die Auto-Fetischisten dürfen unverblümt Werbung für noch stärkere, noch grössere, noch mehr PS zählende Motoren machen. Es gäbe eine Lösung: anstatt Hubraum zu besteuern – ein strenger Koefizient, bestehend aus Gewicht, Länge, Breite, Motorisierung, Verbrauch und Energiebedarf. Dabei sollten die schmalsten, leichtesten, kürzesten und kleinmotorigen Autos, zumal solche mit Elektro-Antrieb, so billig besteuert werden, dass sich ein Umsteigen von Hausfrauen-Panzern zu intelligenten Selbstfahrzeugen zwingend sein würde. Ich erinnere an die siebziger Jahre, als die Mehrzahl der Autos auf den Strassen VW-Käfer, Döschwo und R4 waren. Die Fahrer solcher Autos kamen ebenso von A nach B, wie heute ein Panzer-BMW oder ein Mercedes-SUV… Nur sieht das heute nicht mer chic aus… Welcher Politiker ergreift die Initiative zum Grössen-, Geweichts- und Verbrauchs-Koeffizienten?

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    1. Sie haben recht betreffend PS. Aber die Autos sind auch sicherer geworden. Assistenten, ESP, Konstruktion, Crashtests, Fussgängerschutz, usw. Und der Verbrauch und die Abgase sind auch besser geworden als Käfer, R4, Döschwo & Co.

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    2. Tja, und die Abgaswerte der teuren Autos waren damals um ein vielfaches höher. Bitte beim hier und jetzt bleiben.
      Leistungsarme Fahrzeuge mit wenig Gewicht stossen auch heute weniger Schadstoffe aus, als starke schwere Autos.

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    3. Sie unterschätzen eine Schweizer Natrionaleigenschaft: Die Angst!
      Ein Miniland mit einer Maxi-Armee, total auf Sicherheit bedacht, um sich gegen JEDEN Feind wehren zu können.
      Wenn es SUVs mit Kannonenrohr oben geben würde, die Schweizer würden sie als Erste kaufen, samt genügend Munition für den dritten WK! (danach wohl IS und die Syrienkrieger mit ähnlichem Interesse.)

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  7. Die Stadt verkauft die Parkfelder mehrfach. Im Gundeli gibt es sicher 100 Quartierparkkarten mehr als blaue Parkfelder. Nach 17 Uhr muss man oft lange im Quartier herumfahren bis man einen Parkplatz findet. Nach 20 Uhr bleibt oft nur noch ein Platz im Parkverbot.
    Auf dem angrenzenden Bruderholz bleiben die blauen Parkfelder leer weil dort alle eine Garage haben.

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    1. Dann mieten Sie doch einfach einen Garagenplatz. Meinen Sie, die Garagen auf dem Bruderholz seien vom Himmel gefallen? Sie haben wohl mehr gekostet, als jemals eine Parkkarte ein Leben lang kostet.

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  8. Also in das abgebildete „Parkfeld“ dürfte etwa ein Autorad eines PKW hineinpassen. Dann könnte man das ja sowieso mal vier bis sechs nehmen & die Beschattung dazwischen.

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  9. „Zieht man die Einnahmen durch Bussen ab …“ also könnte man einfach auch noch mehr Parkbussen pro Pp generieren. Wie wäre es mit weissen parkfeldern in der Freien Strasse innerhalb des Fahrverbots, vielleicht sogar mit einigen Wegweisern ? Bestimmt fallen einige Touris und Ortsunkundige darauf rein.
    Und wenn wir schon n dabei sind können wir ja auch noch die Wohnungsmieten anheben, denn diese sind tiefer als in London City.
    Was vergessen wird, der Autofahrer zählt auch jährlich Verkehrssteuern.

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    1. @meier: die Kuh wird solange gemolcken bis Sie daran verreckt – nichts unübliches in Basel. Ihre Milch wird dann bacchantisch Lust verschleudert. Auch nichts unübliches in Basel.

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